{"id":14975,"date":"2022-11-15T07:00:26","date_gmt":"2022-11-15T06:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=14975"},"modified":"2022-11-17T15:46:19","modified_gmt":"2022-11-17T14:46:19","slug":"matthaeus-1125-30-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-1125-30-3\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 11,25-30"},"content":{"rendered":"<h3>Letzter So. im Kirchenjahr | 20.11.2022 |\u00a0Mt 11,25-30 |\u00a0Preben\u00a0Kr\u00e6n\u00a0Christensen |<\/h3>\n<p>Im Kirchenjahr sind wir beim letzten Sonntag des Jahres angekommen. Mit anderen Worten, das Kirchenjahr endet heute, und wir sollten eigentlich ein Feuerwerk veranstalten und uns an Sekt berauschen \u2013 wir sind im Gottesdienstbuch an der letzten Seite angelangt, und wie bei jedem anderen Buch evaluieren und fassen wir zusammen, wenn wir bis zur letzten Seite vorgedrungen sind. So wie wir auch am letzten Tag der Sommerferien die Erlebnisse der Ferien ins Ged\u00e4chtnis rufen und uns einen Gesamt\u00fcberblick \u00fcber die Ferientage verschaffen. Es ist mit anderen Worten Zeit f\u00fcr einen \u00dcberblick und einen R\u00fcckblick. Noch ein Jahr ist vergangen, noch einmal hat die Erde die Sonne umrundet, und noch einmal sind wir dabei gewesen \u2013 sowohl an sonnigen Tagen als auch an den schweren, finsteren und wolkenverhangenen Tagen. Wir sagen Dank f\u00fcr noch ein Jahr, mit dem wir gelebt haben durften mit Freuden in unserem eigenen Leben, und zugleich haben wir den Freuden im Leben unseres Herrn gelebt. Wir haben mit bebendem Herzen auf die frohe Botschaft der\u00a0 Weihnacht erwartet, wo es am allerdunkelsten f\u00fcr uns aussah, und wir haben uns selbst gefragt, ob es wirklich wahr sein kann, dass Gott alle uns merkw\u00fcrdigen Gesch\u00f6pfe und die ganze geschaffene Erde liebt, dass er seinen eigenen geliebten Sohn Leben und Tod und Schicksal mit uns teilen lie\u00df. An unseren eigenen Karfreitagen haben wir geweint aus Trauer und Entt\u00e4uschung \u00fcber andere und uns selbst, weil unser Leben nicht so verlief, wie wir wollten. Und wir haben unsere H\u00e4nde gerungen mit ihm, dem Sohn Gottes, an seinem Karfreitag, weil wir sehr wohl wissen, dass wir selbst ihn immer wieder mit gekreuzigt haben, wenn wir nicht glauben k\u00f6nnen, dass seine Liebe zu uns den Tod besiegen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir an andere Tage des Jahres zur\u00fcckdenken, haben wir auch \u2013 und das ist das Erfreulichste \u2013 Gott uns an den Nacken greifen und unseren Blick erheben lassen, so dass wir wieder hinauf in das Licht und die Freude am Ostertag und allen anderen Tagen sehen k\u00f6nnen, die in sich die Freude und Erhebung des Ostertages tragen. Wenn es gelingt, sich von einem langen Krankenbett zu erheben, oder einfach wenn der Sohn sp\u00e4t nachts l\u00e4rmend nach den Ausschweifungen der Nacht nach Hause kommt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Heute k\u00f6nnen wir im klaren Licht und nachtr\u00e4glichen Wissen sehen, dass trotz der verschiedenen Texte der Sinn jeden Sonntag derselbe ist, n\u00e4mlich dass Christus der Herr ist, dass sein Kommen in die Welt letztlich der Wendepunkt, die Lebensgrundlage und die Wahrheit ist. Durch ihn hat alles seinen Anfang, und in ihm hat alles seinen Abschluss. Das kann schwer zu verstehen sein f\u00fcr das kalte Gehirn, wo alles nach dem Ma\u00df des Zollstocks sein muss, aber wenn einem Karfreitag begegnet ist und danach ein Ostermorgen, dann wei\u00df man, wor\u00fcber man spricht! Anfang und Ende \u2026<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bansky hat gerade Kiew besucht und ein Werk von Dimensionen geschaffen. Mitten in den Ruinen hat er auf einem zerbombten Haus eine Frau stehen lassen \u00fcber dem Eingang oder dem Ausgang zu der Stelle, wo die Bombe in dem Hause eingeschlagen hat. Sie steht mit einem Banner \u00fcber dem Kopf, und f\u00fcr mich ist das ein einfaches und klares Bild daf\u00fcr, dass selbst in der Finsternis, im Tode, in Sinnlosigkeit und Leere ist Gott. Selbst dort \u2013 mitten in den Ruinen oder vielleicht richtiger gerade dort!\u00a0 \u201eTod, wo ist dein Stachel!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir leben in einer finsteren Zeit \u2013 die B\u00e4ume stehen nur noch nackt und warten auf das Licht, das die Knospen wieder in Bl\u00e4tter ausspringen lassen kann. Auch wir sind bleich, im Gesicht und in der Seele \u2013 die Seele sehnt sich nach dem Licht, das an Heiligabend kulminiert, mit dem Stern am dunklen Himmel, der auch Licht selbst in unsere finstersten Kammern bringt. Und die K\u00f6rper warten geduldig auf das Licht des Fr\u00fchlings, das anschaulicher Weise zusammen mit der Freude und Auferstehung von Ostern kommt. Wenn wir so weit gekommen sind, k\u00f6nnen der Saft und die Kraft der Osterlilie uns viel verdeutlichen, so wie die verwelkten Bl\u00e4tter gerade jetzt die Finsternis und den Fall veranschaulichen. Wenn wir die verwelkten Bl\u00e4tter in der Hand zerreiben, k\u00f6nnen wir gleichsam die Vernichtung h\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir beschlie\u00dfen das Jahr also in jeder Hinsicht auf der finsteren Seite, aber wir wissen, dass uns Licht erwartet. N\u00e4chsten Sonntag drehen wir das Buch um und lesen den Text zum ersten Sonntag im Kirchenjahr, dem ersten Advent, wo wir uns darauf freuen, den Text zu h\u00f6ren von dem Licht und der Freude, die kommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir wissen, Advent bedeutet Kommen \u2013 das Kommen des Lichts, das Kommen Gottes in die Welt. Sein Kommen ist der Trost und die Ermunterung des Evangeliums. Ja, klingt das nicht trostreich und aufmunternd, wenn er selbst sagt: <em>Nun schaffe ich einen neuen Himmel und eine neue Erde<\/em>. Klingt das nicht wie die Antwort auf die Wunschtr\u00e4ume ausgebrannter Menschen. Wie die Antwort auf unsere Sehnsucht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist auch ein Trost f\u00fcr uns, dass wir das Evangelium und das Leben wie Kinder empfangen \u2013 als die, denen alles geschenkt wird. Es f\u00e4llt uns aber nur so schwer, denn es klingt zwar sch\u00f6n, aber es ist nicht ohne weiteres das, was sich ein Mensch w\u00fcnscht. Denn wir wollen viel lieber verantwortungsbewusst sein, etwas geben und leisten, etwas bedeuten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch wir sollen also unm\u00fcndig sein im Empfangen des Lebens und der Wahrheit des Evangeliums in dem Sinne, dass wir nicht klug und weise sein sollen in eigener \u00dcberzeugung. Das h\u00e4ngt damit zusammen, dass das Christentum kein Gesetz ist oder etwas, was man erkennen und mit dem Verstand besitzen kann. Denn die christliche Wahrheit ist eine Person, n\u00e4mlich Christus selbst, der sagt: \u201eIch preise dich Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unm\u00fcndigen offenbart\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unm\u00fcndig in diesem Sinne bedeutet sein wie ein Kind. Christ sein hei\u00dft das Leben eines Kindes leben. Kinder leben sanftm\u00fctig und froh, wenn sie nur Kinder sein d\u00fcrfen. Sie wissen sehr wohl, dass sie nicht sich selbst beh\u00fcten k\u00f6nnen, aber das macht nichts. Das tun ja andere, wissen sie. Dadurch sind sie eben dazu befreit, die gro\u00dfe Arbeit zu tun, die ein Kind zu tun hat, die Welt zu erobern, zu wachsen und zu lernen und sich zu entwickeln zu einem reifen Menschen. Die Demut und Sanftmut, die dem Christenleben eigen sind, kommen in und mit der Erkenntnis der v\u00f6lligen Hilflosigkeit gegen\u00fcber den Forderungen Gottes und der Menschen an uns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist es, was Gott aus uns gemacht hat: Seine Kinder.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u201eKommt her zu mir, alle, die ihr m\u00fchselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftm\u00fctig und von Herzen dem\u00fctig; so werdet ihr Ruhe finden f\u00fcr eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht\u201c.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb ist unser eigener Karfreitag ein Tag, den wir nicht f\u00fcrchten sollen, sondern auf den wir ohne Hintergedanken zugehen sollen. Wohl wissend, dass es hier kein Punktsystem gibt, das uns aus dem Reich Gottes fernh\u00e4lt, hier ist nur die Liebe eines Vaters zu seinem Kind, und das ist gut, denn das macht sowohl unser Leben als auch unseren Tod ertr\u00e4glich, weil wir wissen: Wenn wir m\u00fcde geworden sind und die Last zu schwer wird, so tr\u00e4gt er uns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ab n\u00e4chsten Sonntag beginnt alles wieder von vorne, denn es wird im neuen Kirchenjahr nichts Neues gesagt werden, sondern nur das selbe alte Evangelium, das uns jeden Advent Anlass gibt, neu zu beginnen mit dem selben Trost, dass Gott selbst als ein Kind kam, um uns Unm\u00fcndige und Unverst\u00e4ndige zu belehren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In diesem Glauben und dieser trostreichen Freude d\u00fcrfen wir uns Gottes Kinder nennen. Und wir sind es. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Propst Preben Kr\u00e6n Christensen<br \/>\nDK-6710 Esbjerg V<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: pkch(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter So. im Kirchenjahr | 20.11.2022 |\u00a0Mt 11,25-30 |\u00a0Preben\u00a0Kr\u00e6n\u00a0Christensen | Im Kirchenjahr sind wir beim letzten Sonntag des Jahres angekommen. 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