{"id":14980,"date":"2022-11-16T09:02:04","date_gmt":"2022-11-16T08:02:04","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=14980"},"modified":"2022-11-16T23:31:55","modified_gmt":"2022-11-16T22:31:55","slug":"offenbarung-211-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-211-7\/","title":{"rendered":"Offenbarung 21,1-7"},"content":{"rendered":"<h3>Der Himmel, der kommt | Ewigkeits- \/ Totensonntag | 20.11.2022 | Off 21,1-7 |\u00a0Luise Stribrny de Estrada |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gnade sei mit euch und Friede<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">von dem, der da ist und der da war<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und der da kommt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eGott wird abwischen alle Tr\u00e4nen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.\u201c So h\u00f6ren wir beim Seher Johannes. Ich denke bei diesen Worten an eine unserer Verstorbenen. Als 14-J\u00e4hrige musste sie ihre Heimat in Westpreu\u00dfen verlassen und auf die Flucht gehen. Sie war kein kleines Kind mehr, sie sah mit wachen, erschreckten Augen die Geh\u00e4ngten an den B\u00e4umen, wahrscheinlich Deserteure. Sie h\u00f6rte die Schreie der Frauen, die von den Soldaten vergewaltigt wurden. Ihr und ihrer Familie gelang es gerade noch, auf ein Schiff zu kommen und \u00fcber die Ostsee in den Westen zu fliehen. Auch ihr Schiff h\u00e4tte bombardiert werden k\u00f6nnen und untergehen wie die Gustlov. Sie wurden gerettet, waren aber lange in einem Lager in D\u00e4nemark eingesperrt, bis sie endlich freigelassen wurden und nach L\u00fcbeck kamen. \u2013 Einmal sprachen wir in der Gemeinde \u00fcber die Bitte im Vaterunser \u201eUnser t\u00e4gliches Brot gib uns heute\u201c: Da erz\u00e4hlte sie, was f\u00fcr ein Geschenk jedes Brot war, das sie im Lager bekamen und wie sie es gar nicht erwarten konnte, hineinzubei\u00dfen. Ein Brot war und blieb etwas Besonderes f\u00fcr sie und sie konnte bis zum Schluss kein Brot wegwerfen, weil es kostbar war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eGott wird abwischen alle Tr\u00e4nen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich werde zu einer alten Frau gerufen, die im Sterben liegt. Sie qu\u00e4lt sich und kann nicht loslassen. Ihre Tochter und ihr Schwiegersohn sind bei ihr und k\u00fcmmern sich liebevoll um sie. Die Tochter hat daf\u00fcr gesorgt, dass ihre Mutter nicht ins Heim musste, sie pflegt sie seit Jahren. Als ich da bin, spreche ich ein Gebet f\u00fcr die Sterbende. Ich habe ein \u00d6l mitgebracht, das gut riecht, damit zeichne ich ihr ein Kreuz auf den Handr\u00fccken. Ich gebe ihr ein Kreuz aus Olivenholz in die Hand, einen Handschmeichler, den sie fest umschlie\u00dft. Ich verabschiede mich, und die Tochter sagt zu mir: \u201eJetzt ist sie ruhiger\u201c. In den folgenden Stunden denke ich oft an die Sterbende und bete, dass sie gehen kann. Am n\u00e4chsten Tag ruft mich die Tochter an: \u201eSie hat es geschafft.\u201c In der Nacht hat ihre Mutter ganz leise ihre Seele ausgehaucht und ist hin\u00fcber gegangen in Gottes andere Welt. Es war zuletzt leicht geworden zu sterben. Nat\u00fcrlich ist trotzdem die Trauer gro\u00df und die Tr\u00e4nen flie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eGott wird abwischen alle Tr\u00e4nen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich kann mir eine Welt ohne Leid, Schmerz und Tod nicht vorstellen. All das geh\u00f6rt so sehr zu unserem Leben dazu, ebenso die Angst vor dem Leid und der Versuch, es zu vermeiden. Der Seher Johannes sagt uns im Auftrag Gottes, dass all das ein Ende haben wird. Wir haben das vorhin als Erste Lesung geh\u00f6rt. Und er malt ein gro\u00dfes Bild, besser gesagt Bilder, fast k\u00f6nnte man sich einen Film vorstellen, von dem, was einmal sein wird: Gott wird bei uns wohnen. Er wird uns nah sein, in einer H\u00fctte oder sogar in einem Zelt wohnen, wo wir ihn jederzeit besuchen k\u00f6nnen. Er wird unter uns umhergehen und auch dann, wenn wir ihn nicht sehen, nur durch eine d\u00fcnne Wand von uns getrennt sein. Wir k\u00f6nnen ihn sehen und ber\u00fchren. Er wird unsere Tr\u00e4nen abwischen: Die Tr\u00e4nen der Tochter, die um ihre Mutter trauert; die Tr\u00e4nen der alten Frau, die nicht schlafen kann, weil sie an das denken muss, was sie im Krieg erlebt hat; die Tr\u00e4nen des Mannes, der seine Frau nicht mehr erreicht, weil sie nach einem Schlaganfall nicht mehr ansprechbar ist. \u201eGott wird abwischen alle Tr\u00e4nen von unseren Augen\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es geht weiter mit der Bilderflut: \u201eIch will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.\u201c Da ist einer, der lebendiges Wasser hat, Wasser, das ins Leben flie\u00dft, das uns lebendig macht. Wasser, das unseren Durst f\u00fcr immer stillt, so dass wir nicht mehr zu trinken brauchen. Sind wir durstig? M\u00f6chten wir dieses Wasser haben? Das muss jede und jeder f\u00fcr sich entscheiden. Aber da ist einer, der sich anbietet: Ich habe lebendiges Wasser, kommt und trinkt davon. Eure Seelen werden geheilt. Ihr schlie\u00dft auch an das an, was lebendig macht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eIch werde sein Gott sein und er wird mein Sohn, meine Tochter sein.\u201c Ich stelle mir vor, dass ich Gott nahe sein werde, dass ich ein vertrautes Verh\u00e4ltnis mit ihm haben werde. Nicht alle von uns verbinden mit einem Vater etwas Gutes, f\u00fcr sie taugt dieses Bild nichts, sie sollen es beiseitelegen. Aber wer eine gute Beziehung zu seinem Vater hat oder hatte, der kann damit etwas anfangen, Gott als Vater zu haben und sein Kind zu sein. Es ist ein enge Beziehung, in der wir uns viel erz\u00e4hlen, \u00fcber dieselben Dinge lachen und zusammen B\u00e4ume ausrei\u00dfen. So \u00e4hnlich wird es sein mit Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr mich bleibt der zentrale Satz \u201eGott wird abwischen alle Tr\u00e4nen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.\u201c Gott sieht sehr genau auf unsere Wirklichkeit und auf das, was uns traurig macht, woran wir leiden, was uns traumatisiert. Immer, wenn wir von einem Lebensweg, einem Schicksal h\u00f6ren, klingen viele andere mit: Bei der Frau, die im Zweiten Weltkrieg geflohen ist, klingen die Wege der Menschen an, die in der Ukraine auf der Flucht sind, von denen viele auch zu uns kommen. Es klingen auch die Wege der Menschen mit, die aus Afrika \u00fcber das Mittelmeer fliehen. Bei der Sterbenden denken wir daran, wie unsere Lieben gestorben sind, leicht oder schwer, alleine oder mit einem von uns. Wie war es am Schluss? Daran erinnern wir uns noch einmal.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber das Leben geht weiter. Die Bilder vom Schluss verlieren ganz langsam an Sch\u00e4rfe. Wir sto\u00dfen uns nicht mehr an allen Kanten wund. Nicht jede Erinnerung an den oder die Verstorbene treibt uns die Tr\u00e4nen in die Augen. Es wird ein bisschen besser. Wir k\u00f6nnen uns wieder \u00fcber etwas freuen, wir k\u00f6nnen sogar l\u00e4cheln. Und nach und nach kommen auch die anderen Bilder an die Oberfl\u00e4che aus ihrem ganzen, langen Leben: Wie sie auf dem Hochzeitsbild ihren Mann anstrahlt \u2013 und er sie. Wie sie im offenen Wagen sitzt, um die Haare ein Tuch geschlungen. Wie sie den Kinderwagen mit ihrem Erstgeborenen schiebt. Wie sie im Schrebergarten Erdbeeren erntet. Wie sind in Wanderkluft vor einem Schild steht, das den Weg zum Brocken weist. Wie sie auf ihrer Goldenen Hochzeit ihren G\u00e4sten zuprostet. Wie sie zufrieden auf einer Bank in der Sonne sitzt und auf das Meer schaut. Das Ende \u00fcberdeckt nicht mehr alles. Da war auch viel Gutes in ihrem Leben, an das ich mich gerne erinnere. Und es gibt ein Gef\u00fchl von Dankbarkeit: Wie sch\u00f6n, dass sie das alles hat erleben d\u00fcrfen. Wie gut, dass sie verschont worden ist vor so viel Schlimmem, was ihr h\u00e4tte passieren k\u00f6nnen. Danke, Gott, f\u00fcr das Geschenk ihres Lebens \u2013 und danke, dass ich sie habe kennenlernen d\u00fcrfen!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eGott wird abwischen alle Tr\u00e4nen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Einige Tr\u00e4nen wischt Gott uns schon hier ab. Einiges Leid beendet er bald. Aber das sind nur kleine Anf\u00e4nge. Am Ende der Zeit, wenn er wiederkommt, wird er allen Schmerz wegnehmen und selbst der Tod wird nicht mehr sein. Wann das sein wird? Wir wissen es nicht. Wir k\u00f6nnen nur glauben, dass es irgendwann geschehen wird, weil Gott uns Menschen, seine T\u00f6chter und S\u00f6hne, liebt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">H\u00f6ren wir die Worte des Hoffnungsliedes, das wir am Anfang des Gottesdienstes gesungen haben:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Himmel, der kommt,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">gr\u00fc\u00dft schon die Erde, die ist,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">wenn die Liebe das Leben ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liedvorschl\u00e4ge:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Himmel, der ist \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 EG 153<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Morgenglanz der Ewigkeit\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 EG 450<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus, meine Zuversicht \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 EG 526<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Von guten M\u00e4chten \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 EG 65<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus lebt, mit ihm auch ich\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 EG115<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Luise Stribrny de Estrada<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Am Pohl 13<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">23566 L\u00fcbeck<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: pastorin.stribrny@gmx.de<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Luise Stribrny de Estrada, geb. 1965, Pastorin der Nordkirche. Seit 2009 t\u00e4tig an der St. Philippuskirche in L\u00fcbeck, inzwischen Pastorin der fusionierten Gemeinde Marli-Brandenbaum. Vorher EKD-entsandte Pfarrerin der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Mexiko.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Himmel, der kommt | Ewigkeits- \/ Totensonntag | 20.11.2022 | Off 21,1-7 |\u00a0Luise Stribrny de Estrada | Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. 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