{"id":15185,"date":"2022-11-22T19:45:39","date_gmt":"2022-11-22T18:45:39","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=15185"},"modified":"2022-11-22T23:50:33","modified_gmt":"2022-11-22T22:50:33","slug":"offenbarung-314-22-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-314-22-6\/","title":{"rendered":"Offenbarung 3,14-22"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Lauwarm | 1. Advent | 27.11.2022 | Offb 3,14-22 | Nadja Papis |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aktionstag f\u00fcr die Konfklasse: Die Jugendlichen haben gebacken und gehen nun von Haust\u00fcr zu Haust\u00fcr, um kleine Z\u00f6pfe und Guezli f\u00fcr einen guten Zweck zu verkaufen. Ich bewundere sie sehr: Es braucht ziemlich viel Mut an der T\u00fcr zu klingeln, ohne zu wissen, wer dahinter ist oder wie sie empfangen werden. Die Reaktionen sind dann auch sehr unterschiedlich: W\u00e4hrend die einen Freude an den engagierten Jugendlichen haben, f\u00fchlen sich andere zutiefst gest\u00f6rt in ihren vier W\u00e4nden. Egal wie die kurze Begegnung ausf\u00e4llt, die Jugendlichen gehen zur n\u00e4chsten T\u00fcr und klingeln wieder.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott steht vor der T\u00fcr und klopft an. So heisst es in unserem Predigttext. Braucht das G\u00f6ttliche dazu wohl auch Mut? Wer weiss, in welcher Stimmung wir auftun. Oder ob wir \u00fcberhaupt auftun.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Warum klopft das G\u00f6ttliche \u00fcberhaupt an und kommt nicht einfach rein? Macht doch keinen Sinn, wenn wir daran glauben, dass Gott \u00fcberall ist. Also auch drinnen, hinter der T\u00fcr, im Innern unserer H\u00e4user und Wohnungen. Aber da klopft es an \u2013 vor der T\u00fcr, draussen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und wir sind drinnen. Der Text stellt uns ganz klar auf die andere Seite der T\u00fcr. Draussen klopft es. Wir sind im Innern. Vielleicht gerade am Arbeiten oder beim Essen oder in einer Diskussion mit unseren Kindern oder beim Entspannen mit der neusten Netflix-Serie. Da klopft es \u2013 oder klingelt \u2013 oder es poppt ein Snap, eine Insta-Nachricht oder eine Facebook-Mitteilung auf. Und jetzt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Machst du auf? Nimmst du dir Zeit? \u00d6ffnest du dich dem, was da wartet?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Advent fordert uns dazu auf. Das Bild dieser T\u00fcr, an die geklopft wird, passt sehr gut zum Advent. Es will etwas reinkommen zu uns und wir m\u00fcssen uns entscheiden, ob wir auftun, ob wir daf\u00fcr bereit sind, dieses Etwas zu empfangen. Nat\u00fcrlich weiss ich heute sehr genau, was da vor der T\u00fcr steht. Im Advent warten wir auf Weihnachten. Das wissen schon meine Untikinder in der Unterstufe. Und an Weihnachten wird Jesus geboren; auch das ist Allgemeingut. Gott kommt zur Welt. Gott kommt in die Welt. Die Frage, die sich mir angesichts des heutigen Predigttextes stellt, ist nur: Wie?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie kommt Gott in die Welt? Was begegnet mir, wenn ich diese T\u00fcre auftue? Will ich h\u00f6ren, sehen, erfahren, was das G\u00f6ttliche bei mir wirken m\u00f6chte?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir den Predigttext genau anschauen, w\u00fctet der ja ziemlich \u00fcber die Menschen in der Stadt Laodizea. Ja, der ganze Text ist eine Mahnrede. Keine freundliche Begr\u00fcssung, auch keine barmherzige Aufforderung, sondern ein Weckruf, wie ein Wirbelsturm voller Wut und Abscheu, voller Schimpf und Schande. Und ein Schlagwort sticht heraus: lauwarm.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Du bist weder kalt noch warm, sondern lau und damit absolut ungeniessbar, zum Ausspeien.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dicke Post!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich w\u00fcrde die T\u00fcr am liebsten gleich wieder zumachen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber schauen wir mal genauer hin: Welche Vorw\u00fcrfe oder Mahnungen stecken denn dahinter? Was haben sich diese Christen und Christinnen in Laodizea zuschulden kommen lassen? Und hat das auch etwas mit uns heute zu tun?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Daf\u00fcr m\u00fcssen wir den Kontext der reichen Stadt im damaligen Phrygen, der heutigen T\u00fcrkei, ein wenig kennen. Ladoziea gr\u00fcndete seinen Reichtum auf dem Handeln mit Purpurschnecken. Mit denen erzeugte man den wertvollen und gefragten Farbstoff Purpur f\u00fcr das F\u00e4rben von kostbaren Gew\u00e4ndern. Auch mit anderen Handelszweigen vergr\u00f6sserten die Einwohnenden von Laodizea ihren Reichtum ins Unermessliche: zum Beispiel goldenen Figuren f\u00fcr Pilger und Augensalben f\u00fcr Kranke. Auf diese drei Geldquellen wird im Text ja auch angespielt und ein Gegenbild entworfen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kauf Gold von mir, das im Feuer gereinigt wurde \u2013 anstelle dieser goldenen Figuren! Dann bist du wirklich reich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kauf weisse Kleider, damit du etwas anzuziehen hast! \u2013 Im Gegensatz zu den purpurroten stehen die weissen Kleider f\u00fcr Reinheit, Treue und Vergebung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kauf Salbe und streich sie auf deine Augen, denn du sollst klar sehen k\u00f6nnen. Im Moment erkennen die Einwohnenden von Laodizea das Wesentliche nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Geht es also einmal mehr um den irdischen Reichtum? Um das Aufgeben der irdischen Sch\u00e4tze und G\u00fcter und ein Leben in Verzicht und Armut?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Du bist weder kalt noch warm, sondern lau und damit absolut ungeniessbar!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manchmal vergesse ich den Kaffee, den ich mir f\u00fcr die Pause gemacht habe. Wie muss ich mich \u00fcberwinden, ihn trotzdem zu trinken, so lauwarm. Und wenn mein Mann fertiggekocht hat und zum Essen ruft, beeile ich mich immer. Ich mag das Essen so richtig heiss.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber nicht nur beim Essen oder Trinken ist das Lauwarme ungeniessbar.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lauwarm k\u00f6nnen auch wir Menschen sein: schwammig, undeutlich, unentschieden, so halb halb, nicht richtig dabei, eben lauwarm.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist etwas Ekelhaftes. Und nicht nur f\u00fcr die anderen, auch f\u00fcr den \u201elauwarmen\u201c Menschen selber.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bist du nun dabei oder nicht?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">H\u00f6rst du mir auch wirklich zu?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was ist denn nun deine Meinung?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kannst du dich mal entscheiden?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich erlebe mich oft lauwarm: Ich w\u00fcrde gerne, aber es geht nicht so richtig. Ich mach mit, muss aber fr\u00fcher gehen. Ich bin da und doch nicht. Ich h\u00f6re zu, aber es spickt noch etwas anderes im Kopf herum.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ekelhaft \u2013 im wortw\u00f6rtlichen Sinne, zum Ausspeien!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Du bist weder kalt noch warm, sondern lau und damit absolut ungeniessbar!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Weckruf kommt \u2013 nicht nur damals an die Christen und Christinnen in Laodizea, auch heute an uns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wach auf!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">H\u00f6r richtig zu!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mach die Augen auf und erkenne!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zieh die weissen Kleider an!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Werde warm! Fang Feuer! Brenne!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lauwarm sind heute viele auch in Bezug auf den Glauben. Nehmen wir doch gleich den heute beginnenden Advent als Beispiel. Advent und Weihnachten sind so sch\u00f6n! Aber ja nichts anderes als sch\u00f6n. Tradition, Sentimentalit\u00e4t, eine lauwarme Angelegenheit \u2013 die alles \u00fcberdeckt, um was es eigentlich geht. Hier wurde kein s\u00fcsses Baby mit goldenen Locken geboren, um uns zu verz\u00fccken. Nein, hier wurde der Messias auf die Welt losgelassen, um ihre Grundwerte zu entr\u00fcmpeln und Hierarchien einzust\u00fcrzen. Kein \u201eFriede auf Erden\u201c, sondern eine klare Ansage, die aufr\u00fcttelt: Die ersten werden die letzten sein. Und die letzten die ersten. Lauwarm glauben geht nicht. Ganz oder gar nicht heisst die Devise. Kein bequemes Einrichten im gem\u00fctlichen Sessel, sondern eine Konfrontation mit der Erl\u00f6sung, mit der Vision von wahrer Gerechtigkeit, unersch\u00fctterlicher Treue und v\u00f6lliger Hingabe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das muss ich mir wohl nochmals \u00fcberlegen. Ich h\u00e4tte jetzt lieber diesen sch\u00f6nen Advent gehabt, diese nette Aufforderung zum Warten auf das, wovon wir alle schon wissen, dass es kommt: ein lauschiges Fest mit \u00fcppigem Essen, reichem Geschenksegen und wundervollem Kerzenlicht. Alles in den Farben Dunkelgr\u00fcn, Purpurrot und Gold. Ja, schon ein bisschen Kirche, vor allem wegen der ber\u00fchrenden Lieder und dem grossen Christbaum mit den vielen Kerzen. Die Weihnachtsgeschichte ist auch noch nett, vor allem mit den sch\u00f6n gestalteten Krippenfiguren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber brennen f\u00fcr den Glauben? Feuer fangen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was macht dieser Weckruf mit Dir?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00d6ffnest du die T\u00fcr?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Du weisst ja, es klopft an \u2013 draussen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Machst du auf?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist eben Advent.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lauwarm | 1. Advent | 27.11.2022 | Offb 3,14-22 | Nadja Papis | Aktionstag f\u00fcr die Konfklasse: Die Jugendlichen haben gebacken und gehen nun von Haust\u00fcr zu Haust\u00fcr, um kleine Z\u00f6pfe und Guezli f\u00fcr einen guten Zweck zu verkaufen. 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