{"id":15257,"date":"2022-12-06T15:40:38","date_gmt":"2022-12-06T14:40:38","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=15257"},"modified":"2022-12-06T15:40:38","modified_gmt":"2022-12-06T14:40:38","slug":"jesaja-403-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-403-10\/","title":{"rendered":"Jesaja 40,3.10"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Gott kommt \u2013 macht den Weg bereit | 3. Advent | 11.12.2022 | Jesaja 40,3.10| Barbara Pfister |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Jesaja 40,3.10 \u2013 Wochenspruch<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Lesung aus Jesaja 40 <\/strong>(Z\u00fcrcher Bibel)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>1\u00a0Tr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk!, spricht euer Gott.<br \/>\n2\u00a0Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat die volle Strafe empfangen von der Hand des HERRN f\u00fcr alle ihre S\u00fcnden. 3\u00a0Es ruft eine Stimme: In der W\u00fcste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott!<br \/>\n4\u00a0Alle T\u00e4ler sollen erh\u00f6ht werden, und alle Berge und H\u00fcgel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was h\u00fcgelig ist, soll eben werden; 5\u00a0denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden. [\u2026]<br \/>\n9 Siehe, da ist euer Gott;<br \/>\n10\u00a0siehe, da ist Gott der HERR! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen. [\u2026]<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Ein Riss in der Nebeldecke gibt die Sicht frei<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im vergangenen Monat war ich f\u00fcr eine Woche im Seeland (zwischen Bieler- und Neuenburgersee, CH) in einem Weiterbildungskurs. Leider war es meist neblig. Hinter dem Kurshaus sah man trotz starker Bew\u00f6lkung deutlich die h\u00f6chste Juraerhebung, den Chasseral. Nach vorne hin, schien mir alles recht flach zu sein. Nur ein paar bewaldete H\u00fcgel konnte ich sehen. F\u00fcr mich als Ortsunkundige war klar: die Berge liegen hinter mir, das Flachland vor mir. Doch an einem Tag dr\u00fcckte die Sonne durch, riss die Nebeldecke entzwei und l\u00f6ste sie auf. Ich verlor die Orientierung, denn auf einmal bemerkte ich Richtung Osten, vor mir, diese flachen, bewaldeten H\u00fcgel kaum mehr, denn hinter ihnen kamen auf einmal viel h\u00f6here H\u00fcgel- und Bergketten zum Vorschein. In der hintersten Reihe, am Horizont, sah man deutlich die schneebedeckten Berner Oberl\u00e4nder Gipfel. Schlagartig wurde mir klar: Ich sah bis jetzt immer nur die erste H\u00fcgelkette und glaubte, das sei alles.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00c4hnlich wie es mir mit diesen hintereinanderliegenden Bergketten ging, geht es mir auch beim Lesen der alttestamentlichen Propheten. Immer wieder reisst ihnen Gott ein St\u00fcck der Nebeldecke weg und gibt ihnen seine Sicht auf die gegenw\u00e4rtige Situation frei. Oft hat ihre Botschaften auch noch eine Zukunftsdimension, die zeigt, was Gott im Begriff ist zu tun mit seinem Erl\u00f6sungshandeln. Und teilweise schimmert sogar gut erkennbar der H\u00f6hepunkt, das endg\u00fcltige Kommen des Heils in Jesus Christus auf.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Die Vergangenheit als Orientierungspunkt: Gott kam und bereitete den Weg<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie mir im Nebel der Chasseral, hinter dem Haus, Orientierungspunkt war, so konnten sich auch die Israeliten an dem hinter ihnen Liegenden orientieren. In der Vergangenheit konnten sie Gottes Erl\u00f6sungshandeln deutlich sehen. Ich fasse das, was wir aus Jesaja 40 geh\u00f6rt haben, in drei S\u00e4tze zusammen:<\/p>\n<ul>\n<li>Gott, der Herr kommt.<\/li>\n<li>Bereitet ihm den Weg.<\/li>\n<li>Predigt, dass die Knechtschaft ein Ende hat und die Schuld vergeben ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Werfen wir also einen Blick nach hinten, in die Vergangenheit: Als die Israeliten in \u00c4gypten in Knechtschaft waren, h\u00f6rte Gott, wie sie um Hilfe schrien. Er kam und befreite sie. Er bahnte f\u00fcr sein Volk einen Weg durchs Schilfmeer und die W\u00fcste und er selbst ging ihnen voran (Vgl. Ex 3,7). Unterwegs vergab er ihnen immer wieder, nachdem sie den helfenden Gott gegen hilflose G\u00f6tzen eingetauscht hatten. Seine Gegenwart, welche im Zelt der Begegnung zu finden war, hatte er ihnen auf ewig versprochen. Diese Erfahrung pr\u00e4gte sich tief ins Volksged\u00e4chtnis der Israeliten. Felsenfest, unumst\u00f6sslich und deutlich stand sie da, wie das Jura-Massiv in meinem R\u00fccken. An der Vergangenheit gibt es nichts zu r\u00fctteln.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was waren solche Erfahrungen in Ihrer Vergangenheit? Gab es Situationen, in die hinein Gott gekommen ist oder gesprochen hat? Wann haben Sie seine Hilfe, Befreiung oder Vergebung erfahren? Wo hat er Ihnen einen Weg geebnet und Sie aus einer Situation herausgef\u00fchrt, die sie geknechtet hatte? Nicht immer f\u00e4llt es uns leicht, solche Erfahrungen in unsere Gegenwart hinein zu holen und Gottes Eingreifen auch f\u00fcr die Zukunft zu glauben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Gott kommt und bereitet einen Weg<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So jedenfalls ging es dem Volk Israel etliche Jahrhunderte sp\u00e4ter. Wie ich im Nebel nur ein paar dunkel bewaldete H\u00fcgel vor mir sah, so war es f\u00fcr die Bewohner Jerusalems, als sie ins Exil nach Babylon verschleppt wurden. Es sah d\u00fcster und hoffnungslos aus. Ihnen wurde klar, dass sie diese erneute Knechtschaft als Folge ihres gottlosen Handelns selbstverschuldet auf sich gezogen hatten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch mitten in diese Not dringt ein Sonnenstrahl durch die Nebeldecke, eine Verheissung Gottes, welche eine n\u00e4chste H\u00fcgelkette sichtbar machte. Jesaja verk\u00fcndet die Botschaft, die wir bereits geh\u00f6rt haben:<\/p>\n<ul>\n<li>Gott, der Herr kommt.<\/li>\n<li>Bereitet ihm den Weg.<\/li>\n<li>Predigt, dass die Knechtschaft ein Ende hat und die Schuld vergeben ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und wirklich \u2013 Jesaja prophezeit nicht nur, sondern Gott greift ein: Er bereitet seinem Volk unter Kyrus einen Weg zur\u00fcck in die Heimat. Er befreit sie von ihrer Schuld und beendet das Exil, welches die Konsequenz daf\u00fcr war. Der Tempel in Jerusalem kann wieder aufgebaut werden und damit ist klar \u00abAuch Gott ist zur\u00fcckgekommen \u2013 er ist wieder da\u00bb.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Die menschliche Bereitschaft Gott den Weg zu ebnen, l\u00e4sst zu w\u00fcnschen \u00fcbrig<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch dieses Erlebnis, ca. 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung, bringt noch nicht das gesamte Panorama des Prophetenwortes in Erf\u00fcllung. Die Israeliten sind zwar froh, dass Gott ihnen einen Weg nach Hause bereitet hat. Jedoch bleibt ihre eigene Bereitschaft, Gott ebenfalls den Weg zu ebnen \u2013 ihm treu nachzufolgen \u2013 auf der Strecke.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bereits ein Jahrhundert sp\u00e4ter wird der Glaube zur Routine, erl\u00f6scht die Sehnsucht nach Gottes Kommen und die S\u00fcnde wird wieder zur Gewohnheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kennen Sie das auch? Vor allem, wenn Sie schon mehrere Jahre mit Gott unterwegs sind, und in der Vergangenheit einiges mit ihm erlebt haben? Auch bei uns kann sich Routine einschleichen, der Draht nach \u00aboben\u00bb bricht ab, die Liebe zu Gott erkaltet oder alte Gewohnheiten und Verhaltensweisen, welche uns von Gott trennen, erobern sich ihren Platz zur\u00fcck in unserem Leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott!<br \/>\nAlle T\u00e4ler sollen erh\u00f6ht werden, und alle Berge und H\u00fcgel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was h\u00fcgelig ist, soll eben werden. [\u2026] (Jes 40,3b+4)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das heisst, wir sollen die Hindernisse wegr\u00e4umen und all das zur Seite stellen, was den Weg versperrt, wenn Gott zu uns kommen m\u00f6chte. Wo k\u00f6nnte in diesem Advent eine \u00abAufr\u00e4umaktion\u00bb dran sein? Dabei denke ich jetzt weniger an unsere Zimmer als an unser Verhalten, unsere Worte und Gedanken oder auch unsere Einstellung Gott und unseren Mitmenschen gegen\u00fcber.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch trotz der Aufforderung Hindernisse wegzur\u00e4umen, gilt \u2013 Gott findet trotzdem einen Weg zu uns, egal ob wir ihm den Weg ebnen oder er sich einen Weg zu uns \u00fcber Berge und Unebenheiten bahnen muss. Denn sein Versprechen wird durch unsere Untreue niemals hinf\u00e4llig.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Wenn \u00abbald\u00bb sich wie eine Ewigkeit anf\u00fchlt<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch zur Zeit des letzten Propheten im Alten Testament versperrt der Nebel immer noch die Sicht auf den Gipfel. Denn keine der g\u00f6ttlichen Verheissungen aus der Vergangenheit ist bis jetzt umfassend in Erf\u00fcllung gegangen, immer nur st\u00fcckweise. Der lang erwartete Messias l\u00e4sst auf sich warten und vor dem Volk Israel liegt nochmals eine gut 400j\u00e4hrige Zeit, in der Gott schweigen wird. Doch dies tut er nicht ohne seinen Menschen einen Hoffnungsstrahl zu hinterlassen. So verspricht er durch den Propheten Maleachi:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Seht, ich schicke meinen Boten. Er soll mir den Weg bereiten. Der Herr, den ihr sucht, kommt bald zu seinem Tempel. [\u2026] Er ist schon unterwegs. (Mal 3,1; Basisbibel)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">An diese Hoffnung klammern sich etliche im Volk Israel \u00fcber all die Jahrhunderte hinweg, in denen Gott schweigt und keinen Propheten mehr sendet. Auch das geh\u00f6rt dazu, den Weg zu bereiten \u2013 dass wir nie wissen, wie lange wir warten m\u00fcssen, bis er kommt. An was klammern Sie sich, wenn Gott schweigt? Gibt es Verheissungen, die Sie durch solch dunkle Zeiten tragen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Einer, der in dieser Erwartung und \u00abguter Hoffnung\u00bb lebt, ist der Priester Zacharias. Er lebt und leidet unter der Fremdherrschaft der R\u00f6mer. Er weiss, was Gott durch Jesaja, Maleachi und viele andere Propheten versprochen hat und h\u00e4lt daran fest:<\/p>\n<ul>\n<li>Gott, der Herr wird kommen.<\/li>\n<li>Bereitet ihm einen Weg.<\/li>\n<li>Die Knechtschaft wird ein Ende haben und unsere Schuld wird vergeben werden.<\/li>\n<li>Gott, der Herr kommt bald, er ist schon unterwegs.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zacharias und seine Frau Elisabet sind schon alt. Sie konnten keine Kinder bekommen. Eines Tages, als Zacharias im Tempel seinen Dienst tut, spricht Gott durch einen Engel zu ihm:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Dein Gebet ist erh\u00f6rt worden. Deine Frau Elisabet wird dir einen Sohn schenken. Dem sollst du den Namen Johannes geben. [\u2026] Der Herr hat ihn zu Grossem bestimmt. [\u2026] Viele aus dem Volk Israel wird er zur\u00fcckbringen zum Herrn, ihrem Gott. Er wird dem Herrn als Bote vorausgehen.<br \/>\n(aus Lk 1,13-17)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Endlich bricht Gott sein Schweigen und redet wieder. Er hat also sein Versprechen nicht vergessen:<\/p>\n<ul>\n<li>Gott, der Herr kommt.<\/li>\n<li>Johannes wird ihm den Weg bereiten.<\/li>\n<li>Er wird das Volk zur Umkehr, zur\u00fcck zu Gott rufen, damit die Schuld vergeben wird.<\/li>\n<li>Gott, der Herr kommt bald, noch in dieser Generation. Er ist schon unterwegs.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weil Zacharias dies nicht glauben kann, l\u00e4sst Gott ihn verstummen w\u00e4hrend der gesamten Schwangerschaftszeit von Elisabet. Erst nach der Geburt seines Sohnes erh\u00e4lt er die Stimme wieder und gleich stimmt Zacharias eines der eindr\u00fccklichsten Adventslieder an:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er ist seinem Volk zu Hilfe gekommen [er hat es besucht (LUT)] und hat es erl\u00f6st. 69 Er hat uns einen starken Retter gesandt. [\u2026] So hat Gott es von jeher angek\u00fcndigt durch den Mund seiner heiligen Propheten \u2013 einen Retter, der uns befreit von unseren Feinden. [\u2026] Damit hat Gott auch unseren Vorfahren seine Barmherzigkeit erwiesen. [\u2026] Ja, er hat an den Eid gedacht, den er unserem Vater Abraham geschworen hat: uns aus der Hand von Feinden zu retten. Dann k\u00f6nnen wir ohne Angst Gott dienen unser Leben lang \u2013 in seiner Gegenwart als Menschen, die heilig und gerecht sind. (aus Lk 1,68-75; Basisbibel)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Gott ist gekommen \u2013 erkennst du ihn?<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Loblied des Zacharias klingt deutlich h\u00f6rbar Gottes Verheissung aus dem Jesajabuch an:<\/p>\n<ul>\n<li>Gott, der Herr ist gekommen.<\/li>\n<li>Bereitet ihm einen Weg.<\/li>\n<li>Die Knechtschaft wird ein Ende haben. Er rettet und befreit aus der Hand der Feinde.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch Zacharias schaut zur\u00fcck in die Vergangenheit seines Volkes und z\u00e4hlt auf, was Gott versprochen und getan hat. Die Taten Gottes in der Vergangenheit sind der Schl\u00fcssel, um die Gegenwart zu verstehen und sie aus Gottes Sicht beurteilen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dasselbe gilt auch f\u00fcr uns. Wenn wir uns in Erinnerung rufen, wo Gott uns zur Hilfe kam, wir seine Barmherzigkeit erfahren haben, er uns von \u00c4ngsten befreite oder wir seine Gegenwart in besonderer Weise sp\u00fcrten, dann kann uns das auf Gottes Kommen vorbereiten. Es hilft, ihm den Weg zu bereiten, sein Handeln in der Gegenwart wahrzunehmen und ihn \u00fcberhaupt zu erkennen, wenn er kommt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Ein frommer Rabbi besuchte jeden Tag den Tempel. Er w\u00fcnschte sich, seinem Gott einmal leibhaftig zu begegnen, darum bat er ihn: \u00abJeden Tag komme ich in den Tempel, um dir zu begegnen. Jetzt w\u00e4re es mir eine grosse Freude, wenn auch du einmal in mein Haus kommen w\u00fcrdest und mich besuchtest.\u00bb \u00abIch komme morgen\u00bb, sagte Gott, \u00abmach nur alles bereit.\u00bb Der Rabbi lief nach Hause und traf mit Eile und Geschick die notwendigen Vorbereitungen. Kostenaufw\u00e4ndig waren sie zudem. Aber der fromme Mann scheute kein Hindernis. Am Abend des Tages war f\u00fcr das kommende Ereignis alles bereitet.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Der n\u00e4chste Tag begann in der Fr\u00fche mit der innerlichen und \u00e4usserlichen Reinigung, die zum Leidwesen des Rabbi nicht ganz ungest\u00f6rt verlief, da ein Kind, angelockt vom Duft der vorbereiteten S\u00fcssigkeiten, um einen kleinen Kuchen bat. \u00abMorgen bekommst du deinen Kuchen\u00bb, verstr\u00f6stete der Rabbi. \u00abHeute kommt Gott, geh jetzt. Du st\u00f6rst.\u00bb<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Gott liess auf sich warten. In die erwartungsvolle Atmosph\u00e4re platzte ein m\u00fcder Reisender hinein, als es auf die Mittagszeit zuging. \u00abNein, heute nicht\u00bb, sprach der Rabbi. Heute kommt Gott. Du st\u00f6rst.\u00bb<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Der Tag verging, aber Gott liess sich nicht blicken. Als die Spannung fast nicht mehr auszuhalten war, klopfte ein dreckiger, kranker Bettler an die T\u00fcr. \u00abNein\u00bb, scheuchte ihn der Rabbi fort, \u00abnicht heute, morgen ist so viel da, wie du willst. Heute kommt Gott: er muss sogar jede Minute hier eintreffen. Weg mit dir, du st\u00f6rst.\u00bb Aber Gott kam nicht.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Voller Zorn und Entt\u00e4uschung legte sich der fromme Mann schlafen. Am n\u00e4chsten Morgen war sein Zorn nicht verraucht, und er \u00fcberh\u00e4ufte Gott im Tempel mit Anklagen und w\u00fctenden Vorw\u00fcrfen: \u00abSo oft bin ich zu dir gekommen. Ist es da zu viel, wenn du ein einziges Mal zu mir kommen sollst?\u00bb \u00abWas willst du?\u00bb, erwiderte ihm Gott, \u00abdreimal war ich da, aber du hast mich nicht erkannt!\u00bb<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>(aus Willi Hoffs\u00fcmmer, Kurzgeschichten 7, Matthias-Gr\u00fcnenwald-Verlag Mainz 2003, S. 17f)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zacharias war vorbereitet. \u00c4usserlich wohl nicht so sehr wie dieser Rabbi, aber innerlich daf\u00fcr umso mehr. Er erkannte, dass mit der Geburt seines Sohnes Johannes etwas Neues anf\u00e4ngt: Gott bewegt sich. Er kommt. Er kommt, um sein Versprechen zu erf\u00fcllen. Gott wirkt nie an den Menschen vorbei sein Heil, sondern immer durch Menschen. Deshalb singt Zacharias nun auch \u00fcber seinen neugeborenen Sohn Johannes:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und du, Kind, wirst ein Prophet des H\u00f6chsten genannt werden. Du wirst dem Herrn vorangehen und den Weg f\u00fcr ihn bereit machen. Du schenkst seinem Volk die Erkenntnis, dass der Herr es retten will und ihm die Schuld vergibt. (Lk 1,76+77; Basisbibel)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Wegbereiter<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun ist der Nebel fast g\u00e4nzlich aufgel\u00f6st und eine weitere, hohe Bergkette des Prophetenwortes von Jesaja wird sichtbar. Johannes wird dieser Wegbereitet sein! Er wird mitten in dieser dunklen Zeit, aus der trockenen W\u00fcste des jahrhundertlangen Schweigen Gottes rufen:<br \/>\n<em>Bereitet dem Herrn den Weg! (Jes 40,3)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erst etliche Jahre sp\u00e4ter, best\u00e4tigte sich dies, als der erwachsene Johannes \u00f6ffentlich verk\u00fcndete:<br \/>\n<em>\u00c4ndert euer Leben! Denn das Himmelreich kommt jetzt den Menschen nahe. (Mt 3,2)<\/em><br \/>\nDer Evangelist Matth\u00e4us schreibt \u00fcber ihn:<br \/>\n<em>Dieser Johannes ist es, von dem es bei dem Propheten Jesaja heisst: \u00bbEine Stimme ruft in der W\u00fcste: \u203aMacht den Weg bereit f\u00fcr den Herrn, ebnet ihm die Strasse!\u2039\u00ab (Mt 3,3)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zu dieser Lebens\u00e4nderung und Umkehr, zur\u00fcck zu Gott, sind alle Menschen eingeladen. Wir d\u00fcrfen das, was wir einander und Gott schuldig bleiben und was uns sonst noch von Gott trennt, erkennen und ihm bekennen. Er wird unsere Schuld vergeben. Nicht nur wir bereiten f\u00fcr Gott einen Weg, wenn wir solche Hindernisse ausr\u00e4umen, sondern auch Gott bereitet durch seine Vergebung, sich selbst einen Weg, durch die steinige W\u00fcste zu unseren Herzen. Aus diesem Grund war und ist die Adventszeit immer auch eine Busszeit. Dieser Aspekt ist bei uns evangelischen Christen etwas verloren gegangen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Gipfelsicht<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nach all dem Bereitmachen und Wegebnen, ist die Bahn nun frei f\u00fcr Gottes Kommen in die Welt und unser Leben. Im Bild von meinem vernebelten Bergpanorama heisst das, dass sich nun auch noch der letzte Nebelschleier aufl\u00f6st und den Blick frei gibt auf die imposanten Gipfel.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gottes Advent gipfelt, indem er auf diese Welt, zu uns Menschen auf Besuch kommt. Er kommt in seinem Sohn, Jesus Christus. Der langersehnte Messias ist unterwegs. Er kommt! Es dauert nur noch wenige Tage!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb schliesst Zacharias seinen Lobgesang mit einer Vorausschau in die nahe Zukunft, auf die hinterste, majest\u00e4tischste Bergkette. Er selbst und wir k\u00f6nnen bei diesem Ausblick nur staunen und loben:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Unser Gott hat ein Herz voll Erbarmen.<\/em> <em>Darum kommt uns das Licht aus der H\u00f6he zur Hilfe [besuchen (LUT)].<\/em> <em>Es leuchtet denen,<\/em> <em>die im Dunkel und im Schatten des Todes leben.<\/em> <em>Es lenkt unsere F\u00fcsse auf den Weg des Friedens. (Lk 1,78+79)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Liturgische Hinweise:<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Lieder<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Macht hoch die T\u00fcr, die Tor macht weit<\/strong> <em>(evangelisch reformiertes Gesangbuch der deutschsprachigen Schweiz Nr. 363)<\/em><\/li>\n<li><strong>Mit Ernst, o Menschenkinder <\/strong><em>(evangelisch reformiertes Gesangbuch der deutschsprachigen Schweiz Nr. 364)<\/em><\/li>\n<li><strong>Gott sei Dank durch alle Welt<\/strong> <em>(evangelisch reformiertes Gesangbuch der deutschsprachigen Schweiz Nr. 369) <\/em>\uf0e0 hier kann bei Strophe 5 gut am vergangenen 2. Adventssonntag angekn\u00fcpft werden, welcher dem wiederkommenden Herrn gewidmet ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Gebet <\/strong>(F\u00fcrbitte)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>So viel Dunkelheit in der Welt, aber du bist das Licht. Komm doch zu uns, Herr. Komm auch zu mir!<br \/>\nSo viel Angst in der Welt, aber du gibst Geborgenheit. Komm doch zu uns, Herr. Komm auch zu mir!<br \/>\nSo viel Leid in der Welt, aber du schenkst Trost. Komm doch zu uns, Herr. Komm auch zu mir!<br \/>\nSo viel Krankheit und Tod in der Welt, aber du bist die Auferstehung und das Leben.<br \/>\nKomm doch zu uns, Herr, komm auch zu mir.<br \/>\nWo du bist, wird das Dunkel hell. Wenn du da bist, w\u00e4chst die Hoffnung. Wenn du bei uns bist, sind wir nie mehr allein.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>(Peter Hahne, aus einer Brosch\u00fcre der \u00abStiftung Marburger Medien\u00bb)<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">VDM (Verbi Divini Ministra) Barbara Pfister, CH-Bubikon<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:barbara_pfister@gmx.ch\">barbara_pfister@gmx.ch<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Barbara Pfister, geb. 1977, Pfarrerin in der ev. ref. Kirche Wetzikon (Z\u00fcrich). Diese Predigt wurde in den Alterswohnheimen Kempten und Wildbach gehalten.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gott kommt \u2013 macht den Weg bereit | 3. Advent | 11.12.2022 | Jesaja 40,3.10| Barbara Pfister | Jesaja 40,3.10 \u2013 Wochenspruch Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig. Lesung aus Jesaja 40 (Z\u00fcrcher Bibel) 1\u00a0Tr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk!, spricht euer Gott. 2\u00a0Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":15258,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22,616,122,1,2,812,157,120,853,114,121,325,349,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-15257","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-jesaja","category-3-advent","category-adv_weihn_neujahr","category-aktuelle","category-at","category-barbara-pfister","category-beitragende","category-bes_gelegenheiten","category-bibel","category-deut","category-festtage","category-kapitel-40-chapter-40","category-kasus","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15257","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15257"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15257\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15259,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15257\/revisions\/15259"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15258"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15257"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15257"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15257"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=15257"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=15257"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=15257"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=15257"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}