{"id":15270,"date":"2022-12-06T16:08:26","date_gmt":"2022-12-06T15:08:26","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=15270"},"modified":"2022-12-06T16:08:26","modified_gmt":"2022-12-06T15:08:26","slug":"matthaeus-112-20-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-112-20-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 11,2-20"},"content":{"rendered":"<h3>3. Advent | 11.12.2022 | Matth\u00e4us 11,2-20 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Laura Lundager Jensen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Erz\u00e4hlung von Jesus geh\u00f6rt zusammen mit der Erz\u00e4hlung von Johannes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vielleicht waren sie vielleicht verwandt, das sagt die Schrift. Jedenfalls verwandt im Geist. Und beide waren Wanderprediger und verk\u00fcndigten das Wort Gottes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bei Matth\u00e4us, von dem das heutige Evangelium stammt, h\u00f6ren wir ein paar Mal von Johannes. Meist weil Jesus auf Johannes verweist, aber sie begegnen sich ein einzelnes Mal bei der Taufe Jesu, wo der Zusammenhang zwischen beiden deutlich wird. Und dennoch nicht ganz durchschaubar \u2013 denn warum <em>muss<\/em> Jesus von Johannes getauft werden und nicht umgekehrt? \u201eDamit alle Gerechtigkeit erf\u00fcllt wird\u201c, ist die Antwort Jesu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Selbst sieht sich Johannes nur als der, der den Weg bereitet f\u00fcr Jesus, er tauft mit Wasser, aber \u201eder nach mir kommt, ist st\u00e4rker als ich, \u2026 er hat die Worfschaufel in seiner Hand und wird die Sporen vom Weizen trennen und seinen Weizen in die Scheune sammeln, aber die Spreu wird er verbrennen mit unausl\u00f6schlichem Feuer\u201c. Das ist das Bild vom Gerichtsprediger, mehr als vom guten Hirten, das hier erscheint. \u00dcberhaupt ist Johannes mehr heftig, die Pharis\u00e4er nennt er Otterngez\u00fccht, und seine eigenen J\u00fcnger sollen fasten und enthaltsam sein, w\u00e4hrend die J\u00fcnger Jesu feiern d\u00fcrfen, \u201esolange der Br\u00e4utigam bei ihnen ist\u201c. F\u00fcr Johannes ist es ernst, hier und jetzt gilt es \u2013 die letzten Zeiten sind nahe, das ist seine Botschaft. Und er, der da kommt, ist nun auf dem Wege, predigt er. Die Zeichen sind \u00fcberall zu sehen, verk\u00fcndet er.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie wir wissen, ist das Schicksal des Johannes tragisch, er wird von K\u00f6nig Herodes Antipas gefangen genommen, und als die sch\u00f6ne T\u00e4nzerin Salome, die Stieftochter des K\u00f6nigs, das Haupt des Johannes auf einer Sch\u00fcssel verlangt, wird Johannes geopfert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber bevor das geschieht, will Johannes Gewissheit haben \u00fcber sein ganzes Wirken als Prediger. Und im Gef\u00e4ngnis ist sein festes Vertrauen zu Jesus zu einer Frage geworden. Es ist offenbar in Zweifel gekommen. Ist Jesus der, \u201eder kommt\u201c? Kann es wirklich wahr sein, dass dieser freundliche Mann der weltver\u00e4ndernde Messias ist? Johannes ist im Zweifel.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber auch wenn Johannes vielleicht an Jesus zweifelt, Jesus zweifelt nicht an ihm. Johannes ist mehr als ein Prophet. Er ist der Engel, der den Weg bereiten soll. Das erz\u00e4hlt er seinen eigenen J\u00fcngern. Und auch wenn sich die Art ihrer Verk\u00fcndigung unterscheidet, ist ihre Botschaft dieselbe, sagt Jesus. Das Ende ist nahe, Neues ist auf dem Wege. Gottes Gerechtigkeit ist nahe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist der letzte Abschnitt im heutigen Evangelium.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der erste Abschnitt handelt vom Zweifel des Johannes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und in seinem Zweifel schickt er die Frage mit seinen J\u00fcngern an Jesus. Denn auch wenn er sich wohl selbst als den sieht, der den Weg bahnt, wie ein Elias, der infolge der alten j\u00fcdischen Erz\u00e4hlung den Weg f\u00fcr den Messias bahnen soll, ist er in Zweifel geraten, ob Jesus nun auch der Messias ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus empf\u00e4ngt die J\u00fcnger des Johannes, wendet die Frage aber sogleich zu einer Gegenfrage: \u201eWas seht ihr?\u201c Fragt er. Seht ihr all das, was das Zeichen enthalten sollte?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn sie schneller gewesen w\u00e4ren, h\u00e4tten sie sicher von all dem erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, was Johannes gesagt hatte von Zeichen f\u00fcr das Kommen der letzten Zeiten, mit Szenarien, die wahrscheinlich an die schlimmsten Katastrophenfilme unserer Zeit erinnern \u2013 von einer Welt auf dem Weg in die H\u00f6lle. Von Waldbr\u00e4nden, dem Rasen von Kriegen, dem Rasen von Pandemien, steigenden Meeren, drohenden Kometeneinschl\u00e4gen und der Drohung von Atombomben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eJa\u201c, k\u00f6nnten sie sicher antworten. Ihr Herr und Meister Johannes ist gefangen durch Frauenlist und Machtgier, Krieg und Besatzung und Hunger herrschten \u00fcberall. Also \u201eja\u201c, k\u00f6nnten sie antworten, wenn es um die Zeichen des Johannes ginge, nach denen sie suchten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So wie wir antworten k\u00f6nnen, wenn wir gefragt w\u00fcrden, Die Zeichen, die Johannes verk\u00fcndete vom Untergang der Welt und dem Ende der Zeiten, die ganze Palette an katastrophalen Zeichen, die sehen wir wohl.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber die J\u00fcnger des Johannes kommen nicht dazu zu antworten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auf die Frage; \u201eBist du, der da kommen sollen wir auf einen anderen warten?\u201c antwortet Jesus selbst. Was seht ihr? Seht ihr es: \u201eBlinde sehen und Lahme gehen. Auss\u00e4tzige werden rein und Taube h\u00f6ren, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die J\u00fcnger des Johannes m\u00fcssen ganz verwirrt geworden sein. Da ist nicht viel W\u00fcten und Gericht. Die Rufe und Fahnen der Revolution sind am Horizont nicht zu h\u00f6ren. Die Posaunen des Untergangs klingen nicht in der Ferne.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Daf\u00fcr aber ja all das, von dem der alte Jesaja prophezeite. Von einem neuen Weg, der sich \u00f6ffnet f\u00fcr den, der sieht und mit und im Glauben das Wort Gottes annimmt. Ein von Gottes Gerechtigkeit gebahnter Weg, der in die Welt gekommen ist in der Taufe Jesu durch Johannes am Jordan. All das, in dem Jesus sich zeigte, was er zeigte und in dem er handelte durch seinen Wandel im Lande der Menschen. Trotz der Zeichen des Untergangs bei Johannes \u2013 oder eher zugleich mit ihnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im heutigen Evangelium geht es darum, Zeichen zu sehen. Mut zu fassen, Zeichen zu sehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zeichen gibt es ja genug, und es besteht kein Zweifel daran, dass wir Zeichen wahrnehmen sollen, nicht zuletzt die Zeichen, die Handeln hier und jetzt verlangen, damit sich die Katastrophenszenarien von Johannes und all den anderen nicht bewahrheiten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nicht das ist die Frage oder die Antwort. Die Frage ist, ob die J\u00fcnger des Johannes und wir mit ihnen auch das andere sehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sehen wir, dass Gott in der Welt ist? Sehen wir, dass er herrscht mitten in all der Gewalt, mitten in der Zeit der Irrungen, mitten in der Offenbarung unserer Verletzlichkeit und mitten in unserem Zweifel und unserer Verzweiflung? Da ist etwas, was st\u00e4rker ist und kr\u00e4ftiger. Etwas, das w\u00e4chst und getragen wird selbst mitten in Krieg und Katastrophen. Eine Hoffnung, die nicht zuschanden wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Licht, das jeden Advent im Kranz mehr wird. Das Licht, das leuchtet f\u00fcr die im Finstern wohnen. Wir kleine Mirakel und Botschaften der Liebe, die selbst dort geschehen, wo Sinnlosigkeit und Missmut herrschen. Trotz dem b\u00f6sen in der Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sehen wir \u2013 oder besser haben wir den Mut zu sehen, auch wenn der Messias nicht wie eine Marianne der Freiheit leuchtend vorangeht als die Personifizierung der Hoffnung selbst, so ist die Freiheit in der Welt, die Gerechtigkeit in der Welt, so sind die Liebe und das Licht in der Welt. Geboren im Stall von Bethlehem und getauft mit Wasser im Jordan von dem Menschen und Wegbereiter und Engel Johannes, und versehen mit dem Geist und Wort Gottes als dem Schwert des Lichts gegen die Macht der Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auf die Frage: \u201eBist du, der da kommt, oder sollen wir auf einen anderen warten?\u201c h\u00e4tte Jesus antworten k\u00f6nnen: \u201eJa, ich bin der Messias\u201c. Stattdessen antwortete er: \u201eWas seht ihr\u201c. Statt auf eine Antwort zu verweisen, werden wir und Johannes und seine J\u00fcnger darauf verwiesen, die Werke der Liebe in einer Welt zu sehen, die so voll ist von allem anderen. Statt die Frage an eine fertige Antwort zu binden, werden die und wir in Arbeit gebracht, werden beauftragt, selbst nach der Antwort zu suchen in der Welt, die Gott geschaffen hat und in der er noch immer wirkt, in der Weisheit seiner Gerechtigkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Advent bedeutet, dass wir unsere Augen \u00f6ffnen, unsere Augen all das sehen lassen, was schon ist, es zu Herzen nehmen und den Weg bereiten f\u00fcr das was nach dem Willen Gottes kommt. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Laura Lundager Jensen<br \/>\nLangetoften 1, Osted<br \/>\nDK-4320 Lejre<br \/>\nE-mail: luje(at)kp.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Advent | 11.12.2022 | Matth\u00e4us 11,2-20 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Laura Lundager Jensen | Die Erz\u00e4hlung von Jesus geh\u00f6rt zusammen mit der Erz\u00e4hlung von Johannes. Vielleicht waren sie vielleicht verwandt, das sagt die Schrift. Jedenfalls verwandt im Geist. 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