{"id":15289,"date":"2022-12-14T08:04:56","date_gmt":"2022-12-14T07:04:56","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=15289"},"modified":"2022-12-15T09:15:39","modified_gmt":"2022-12-15T08:15:39","slug":"philipper-44-7-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/philipper-44-7-3\/","title":{"rendered":"Philipper 4,4-7"},"content":{"rendered":"<h3>Freuet euch! |\u00a04. Advent |\u00a018.12.2022\u00a0| Phil 4,4-7 | Udo Schmitt\u00a0|<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Freuet euch in dem Herrn!<br \/>\nFreut euch, was immer auch geschieht.<br \/>\nUnd nochmal sage ich: Freuet euch!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bald schon wird dieser Raum hier sehr viel voller sein. So voll, dass einige keinen Sitzplatz mehr finden. In sechs Tagen, in gut 150 Stunden am Heiligen Abend. Manchmal ist dann eine seltsame Spannung in der Luft. Einige sind da, die kommen zum ersten Mal in diesem Jahr, andere haben noch den Stress mitgebracht, der ihnen in den Kleidern steckt. Stumm sitzen sie da, mit verschr\u00e4nkten Armen, als wollten sie sagen: Jetzt mach mir mal Weihnachten! Los, bring mich in Stimmung!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich komm mir dann vor wie eine Mischung aus L\u00f6wenb\u00e4ndiger und Vorturn-Bespa\u00dfer im Club-Hotel. Oder wie der Schulleiter aus einem St\u00fcck von Hanns-Dieter H\u00fcsch (\u201eHagenbuch hat jetzt zugegeben\u201c), der immer, in den verschiedenen Pausen kleiner und gr\u00f6\u00dferer Art, sein Fenster mehrmals ge\u00f6ffnet hat, um in den Hof hinunterzurufen: \u201eUngezwungen, seid ungezwungen! Kinder, seid ungezwungen ungezwungen!\u201c Ganz \u00e4hnlich soll ich nun \u2013 so steht es geschrieben und so sieht es die Ordnung der Perikopen vor &#8211; mit Paulus rufen: \u201eFreuet euch! Und abermals sage ich: Freuet euch!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dabei kann ich die echte Freude so wenig machen wie den Glauben. Oder die Liebe. Oder die Dankbarkeit. Ich kann Sp\u00e4\u00dfe machen, die Leute belustigen, ermahnen, unterhalten\u2026 &#8211; aber freuen, m\u00fcssen sie sich schon selbst. Das kann ihnen keiner abnehmen. <em>W\u00e4r Christus hundertmal zu Bethlehem geboren, und nicht auch in dir, so w\u00e4rst du doch verloren.<\/em> Es w\u00fcrde dir nichts bedeuten, das Kind im Stall, dich weder r\u00fchren noch freuen. Da mag der Chor \u201eJauchzet! Frohlocket!\u201c singen, &#8211; es w\u00fcrde dir nichts bringen. Dabei gibt es Grund zur Freude \u2013 ernsthaft \u2013 und mehr als genug.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eure G\u00fcte lasst kund sein allen Menschen!<br \/>\nSeid freundlich im Umgang miteinander und mit jedem, den ihr trefft, denn:<br \/>\nDer Herr ist nahe!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Darum ist die Freude manchmal eine kontrafaktische. Sie widerspricht \u2013 dem Schein, den Fakten, den Umst\u00e4nden, der Vernunft. Menschen, die eigentlich nichts zu lachen haben, sch\u00f6pfen daraus Hoffnung, Mut und Zuversicht &#8211; und freuen sich. Schon jetzt. Das kleine M\u00e4dchen Maria, das nicht erkl\u00e4ren kann, wie es zu dem Kinde kam, es beweint nicht sein Schicksal, nein, es singt: \u201eDu, Gott, hast meine Not gesehen. Du st\u00f6\u00dft die M\u00e4chtigen von ihrem Thron und befreist die Armen und Schwachen.\u201c<br \/>\nDer alte Mann im Gef\u00e4ngnis, Paulus, l\u00e4sst sich nicht von R\u00fcckschl\u00e4gen, Krankheiten und Sorgen niederdr\u00fccken, sieht sich nicht als gescheitert an, im Gegenteil, er schreibt der Gemeinde: \u201eMacht euch keine Sorgen! Freut euch mit mir! Und wenn ihr Gott um etwas bittet, vergesst nicht zu danken! Den Menschen begegnet stets freundlich, aber Gott immer und immer wieder mit fr\u00f6hlicher Dankbarkeit! Denn der Herr ist nahe.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und dann wird der Friede Gottes,<br \/>\nder weit \u00fcber alles Verstehen hinausreicht, Euch besch\u00fctzen,<br \/>\neuer Herz und eure Gedanken bewahren,<br \/>\ndenn ihr selber seid in ihm, in Jesus Christus.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Friede Gottes. Ach, seufz&#8230; Da ist ein Sehnen tief in uns. Nach Frieden. Die Sehnsucht anzukommen. Die tiefe, stille Sehnsucht endlich anzukommen und daheim zu sein, nicht mehr fort m\u00fcssen, sondern frei zu sein &#8211; frei zu bleiben &#8211; in der W\u00e4rme, in dem Licht, in der Geborgenheit, das war \u2013 das ist \u2013 die Grundmelodie des Advent. Man h\u00f6rt sie nicht immer im L\u00e4rm unserer Zeit, in der Hektik des Sorgens und Besorgens. Doch sie ist da die Melodie, man kann sie sp\u00fcren, wie T\u00f6ne, die man nicht h\u00f6rt und doch im Bauch f\u00fchlt: die Sehnsucht anzukommen. Bis er dann endlich da ist, der Heilige Abend, und die Engel singen: Frieden. Ehre sei Gott in der H\u00f6he und Frieden. Frieden auf Erden, den Menschen, ein Wohlgefallen. Wir sind da, endlich da.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie viele Soldaten sind ausgezogen, mit einem lustigen Lied auf den Lippen, einem Bl\u00fcmchen der Liebsten dazu, und dem Versprechen: Weihnachten sind wir wieder zu Hause. Ob das auch die jungen Russen und Ukrainer hoffen? Weihnachten wieder zu Hause zu sein?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Lied der Sehnsucht, das ist die eine Melodie des Advents, die andere aber ist das Lied der Vorfreude. Er kommt. Nicht nur wir gehen zu ihm, &#8211; Gott ist auch auf dem Weg zu uns. Also versinkt nicht in Melancholie und Resignation. Genug geheult. Auf! Wascht euer Gesicht! Putz euch heraus! Putzt euer Haus! R\u00e4umt auf und r\u00e4umt weg, was hindert und st\u00f6rt! Damit nichts ihm im Weg steht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und nicht nur \u00e4u\u00dferlich schafft Platz und macht Bahn. Auch in euren Herzen macht einen Fr\u00fchjahrsputz! Und ebnet ihm den Weg! Sch\u00fcttet die Schlagl\u00f6cher zu: Die tr\u00fcben Gedanken legt trocken. Die Moore und Meere. Tragt ab die H\u00fcgel! Entfernt den Hochmut, die Eitelkeit und Selbstverliebtheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die T\u00e4ler des Tr\u00fcbsinns und der Hoffnungslosigkeit, die T\u00e4ler der Angst, der Trauerklo\u00df-Br\u00fche sch\u00fcttet zu! Denn er kommt. Und ihr seid nicht allein. Das Licht der Welt ist auf dem Weg und will auch euer Dunkel erhellen. Die H\u00fcgel der Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung ebnet ein. Ihr m\u00fcsst es nicht selber k\u00f6nnen. Es geht nicht immer nur um dich. Bildet euch nichts ein und nehmt euch nicht so wichtig. Denn er kommt. Und stellt alles richtig. Er schafft sich Raum, bricht sich Bahn, er f\u00e4ngt ganz neu an, auch mit euch. Eine neue Hoffnung, ein neuer Anfang.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist es, was der Advent uns alles bedeuten kann. Nicht nur das nach Hause kommen und daheim sein. Nein. Auch das Aufbrechen und Neuanfangen. Nicht nur wir kommen zu ihm, er kommt auch zu uns. Advent, das ist Vorfreude. Vorfreude nicht nur auf Geschenke f\u00fcr die Kinder, ein gutes Essen und sch\u00f6ne Stunden mit der Familie und denen, die man liebt. Nein, Vorfreude auch darauf, dass Gott zu uns kommt. Dass wir Gemeinschaft haben nicht nur untereinander, sondern auch mit ihm und er mit uns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In Vorfreude darauf gehen wir durch unser Leben, und dann kann keine K\u00e4lte und kein Winter, kein Streit und kein Krieg, keine Seuche und keine Krankheit, keine Sorge und keine Not uns davon abhalten, doch auch ganz heimlich und tief drin, doch auch ein kleines bisschen Freude zu empfinden. Denn er kommt. Und alles wird gut!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und darum k\u00f6nnen wir schon jetzt \u201evergn\u00fcgt, erl\u00f6st, befreit\u201c sein. Der Herr ist nahe. Und alles wird gut. Die Bilder, die ihr im Fernsehen seht, die Nachrichten, Klima, Katastrophen und Krieg. All die Sorgen werden vergessen sein, all die Stimmen schweigen, alle H\u00e4upter sich neigen. Darum, wenn ihr ans Weihnachtsfest denkt, vielleicht mit bangem Herzen: Wie wird es werden? Gibt es Frieden f\u00fcr die Welt? Wird wenigstens die Familie sich vertragen? Werde ich einsam sein in diesem Jahr? Dann h\u00f6rt auf Selma Lagerl\u00f6f, die schreibt: \u201eMan sollte nicht \u00e4ngstlich fragen. Was wird sein und was kann noch kommen? Sondern sagen: Ich bin gespannt, was Gott noch mit mir vorhat.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dann h\u00f6rt auf Paulus, der schreibt: \u201eFreuet euch! Denn der Herr ist nah!\u201c<br \/>\nDann h\u00f6rt auf Maria, die singt: \u201eMeine Seele erhebt den Herrn! Und mein Geist freut sich, jubelt \u00fcber Gott, meinen Retter!\u201c Und stimmt mit ein. Denn:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nicht die Reichen und M\u00e4chtigen werden jubeln. Nein, die Armen, die Schwachen werden es sein. Nicht die Gewaltt\u00e4tigen werden triumphieren. Nein, die Friedfertigen und Versager werden es sein. Nicht die Meinungsmacher werden sich freuen. Die Alten, Kinder, die nichts zu sagen haben, werden es sein. Nicht die M\u00f6rder werden, nein, die Opfer werden es sein, die tanzen und singen, h\u00fcpfen und springen. Denn der Herr kommt. Und alles wird gut.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Freuet euch in dem Herrn! Fasst neuen Mut.<br \/>\nFreut euch, was immer auch geschieht.<br \/>\nUnd nochmal sage ich: Freuet euch!<br \/>\nDenn der Herr kommt.<br \/>\nUnd alles wird gut.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong>:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 EG 8\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Es kommt ein Schiff geladen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em>EG 17\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wir sagen euch an den lieben Advent (freut euch ihr Christen)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 EG 18 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Seht, die gute Zeit ist nah<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 EG 545 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Es ist f\u00fcr uns eine Zeit angekommen<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Udo Schmitt, geb. 1968, Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland, von 2005-2017 am Niederrhein, seit 2017 im Bergischen Land.<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Dorfstr. 19 \u2013 42489 W\u00fclfrath (D\u00fcssel)<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>udo.schmitt@ekir.de<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freuet euch! |\u00a04. 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