{"id":15347,"date":"2022-12-18T01:21:22","date_gmt":"2022-12-18T00:21:22","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=15347"},"modified":"2022-12-18T21:21:46","modified_gmt":"2022-12-18T20:21:46","slug":"jes-91-6a-lukas-21-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jes-91-6a-lukas-21-14\/","title":{"rendered":"Jes. 9,1-6a; Lukas 2,1-14"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Heiligabend | 24.12.22 | Jes. 9,1-6a; Lukas 2,1-14 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Christiane Gammeltoft-Hansen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und es geschah in den Tagen, als sie im Finsteren wanderten.\u00a0 Es war finster, als sie losgingen, und es war dunkel, als sie zur\u00fcckkamen. Aber trotz fehlenden Lichts konnten sie dennoch ihre Dinge erledigen. Es geschah n\u00e4mlich mitten in dem, was ihnen vertraut war. Dort wo sie die Namen der Wege kannten und sich selten verirrten. Aber nicht in dem Sinne, dass sie ihr Leben im Griff hatten. Dazu geschahen allzu viele unvorhergesehene Dinge. Wie nun auch das, was in den Tagen geschah, wo es wieder Weihnachten wurde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es war in der Zeit des Jahres, wo die Kinder auf Schnee hofften. Der lie\u00df auf sich warten, aber die Kinder gaben nicht einfach ihre W\u00fcnsche auf, Sie warteten so lange wie n\u00f6tig.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und dann sahen sie deutlich auch mehr als das, was sichtbar war f\u00fcr einen erwachsenen Blick. Sie machten gro\u00dfe Entdeckungen bei ganz gew\u00f6hnlichen Dingen. \u201eSeht Derner\u201c, riefen sie und zeigten auf alles von Fahrradlampen und winterm\u00fcden Stauden bis zu den Apfelsinen bei Netto. \u201eDas hei\u00dft jetzt Sterne\u201c, sagten die Erwachsenen. Aber die Kinder waren schon dabei, mehr sch\u00f6ne Dinge zu entdecken, die sie davon \u00fcberzeugten, dass die Erf\u00fcllung ihrer W\u00fcnsche n\u00e4her war, als andere es weismachen wollten. \u201eSeht ne\u201c riefen sie und zeigten auf Stra\u00dfenmarkierungen, Wasserpf\u00fctzen und wei\u00dfe Hunde, die vorbeigingen. \u201eNein\u201c \u2013 \u201eund das hei\u00dft jetzt\u201c \u2026 sollten die Erwachsenen gerade sagen. Aber sie hielten sich zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So geschah es im nahen Umfeld, wo sie Zuhause waren und ihr Leben lebten, wo die Tage kurz waren, und wo es \u201eDerner\u201c gab. Zugleich aber geschah es in gro\u00dfem Stil. Es geschah dort, wo Menschen wohnten, die sie gar nicht kannten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder das bedeutet, dass das nicht ganz stimmt. Denn das war das Besondere an den Tagen, wo es geschah, dass die Welt allen Ernstes zu einem gemeinsamen Ort wurde. Man sprach nicht mehr nur mit dem Nachbarn, dem auf der anderen Stra\u00dfenseite und denen, die vorbeikamen. Man redete auch mit denen die weit weg wohnten \u2013 in anderen St\u00e4dten, anderen L\u00e4ndern und an Orten, die einem ganz fremd vorkamen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es geschah also in den Tagen, wo ein feinmaschiges Netz von Gespr\u00e4chen die Welt verbunden hatte zu einem riesengro\u00dfen Gewebe. Ein M\u00e4dchen im Norden redete mit einem Jungen im S\u00fcden. Ein Mann im Westen fragte, wie es einer Frau im Osten ging. Zusammen stellten die vielen Gespr\u00e4che die gr\u00f6\u00dfte Gemeinschaft dar, die die Welt je gesehen hatte. Man chattete, skypte, twitterte und snappte, und bei seltenen Gelegenheiten schrieb man auch einen Brief.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Stimmen, die nie zuvor zu Worte kamen, erhielten pl\u00f6tzlich Redezeit. Ein pakistanisches M\u00e4dchen erz\u00e4hlte von ihrem Kampf f\u00fcr das Recht auf Ausbildung, ein amerikanisches M\u00e4dchen erz\u00e4hlte von ihrem Kampf f\u00fcr Waffenkontrolle, ein schwedisches M\u00e4dchen erz\u00e4hlte von ihrem Kampf f\u00fcr den blauen Planeten. Ja, nur das. Drei junge Frauen wurden starke Stimmen in einer Welt, die das nicht gewohnt war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und nicht nur die drei. Jeder hatte die M\u00f6glichkeit, mit dem zu kommen, was einem am Herzen lag. Was das war, woran man glaubte und worauf man hoffte. Wovor man Angst hatte und was einem den Mut wiedergeben konnte, wenn man ihn zeitweilig verloren hatte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So war der Abstand zwischen Zentrum und Peripherie k\u00fcrzer geworden. Und so erhielten die ein Wissen wie nie zuvor. Nie hatten sie so viel vom Leben der anderen gewusst. Und nie war es so deutlich, dass ihre Tr\u00e4ume dieselben waren. Sie tr\u00e4umten alle vom guten Leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und da geschah es. Da geschah es, dass ein Licht aufging. Es leuchtete \u00fcber einem Stall, vielleicht als ein Zeichen daf\u00fcr, dass die Kinder nicht so weit von der Wahrheit entfernt waren, wenn sie etwas Wunderliches selbst in ganz gew\u00f6hnlichen Dingen sahen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das war das verborgene Geheimnis des Daseins, auf das der Stern leuchte. Hin und wieder waren da zwar Leute, die sagten, dass sie alles durchschaut h\u00e4tten. Aber die Sache war die, dass da niemand war, der das konnte. Nicht v\u00f6llig jedenfalls. Denn es handelte sich eben um ein Geheimnis. Etwas, was sie nicht beherrschen konnten, was aber eben deshalb mit desto gr\u00f6\u00dferer St\u00e4rke in ihrem Leben wirken konnte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So geschah es, dass die Botschaft sie wieder erreichte. Die Botschaft, dass die Liebe zur Welt gekommen war und die Hoffnung lebte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie w\u00fcrde die Welt aussehen, wenn das Kind nie geboren w\u00e4re in der ersten Weihnacht der Welt? H\u00e4tten sie dann das gewusst, was sie jetzt wussten von Barmherzigkeit und Mitmenschlichkeit! H\u00e4tten sie dann die Tr\u00e4ume gehabt, die sie vom Norden bis zum S\u00fcden, vom Osten bis zum Westen miteinander verbanden? H\u00e4tten sie da entdeckt, dass die Erde sch\u00f6n ist und deshalb wert ist, gr\u00fcn und bewohnbar bewahrt zu werden?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das wei\u00df niemand. Es geschah ja. Gott kam zur Welt. F\u00fcr immer war da nun dieses leuchtende Zentrum in der Welt, ein Licht, das sie zugleich entlarvte und erbaute. Es entlarvte all das, was sie an destruktiven Dingen unternahmen. Es entlarvte sie, wenn sie einer rohen Macht huldigten und mehr darum bem\u00fcht waren, sich selbst zu sichern, als f\u00fcr das Wohl anderer zu arbeiten. Und es machte es offenbar, wenn alles engstirnig und unpoetisch wurde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zugleich aber wies das Zentrum der Liebe darauf hin, dass da eine Sch\u00f6nheit und eine Freude war. Nein, sie w\u00fcrden wohl nie auf diese Weise ihr eigenes Leben kontrollieren. Aber das war auch nicht der Sinn, beruhigte sie die Liebe. Lasst euch lieber etwas mitrei\u00dfen, sagt die Liebe. Liebt, wagt, betet. Sucht, wagt, k\u00e4mpft, glaubt, sagt die Liebe. Liebt, wagt, betet. Sucht, wagt, k\u00e4mpft, glaubt. Helft, h\u00f6rt zu, redet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hin und zur\u00fcck aus dem Zentrum des Lebens wanderten sie. Wenn es finster war, zeigte der Stern ihnen den Weg. Rissen sie nieder, anstatt aufzubauen, machte die in Windeln gewickelte Liebe offenbar, um stattdessen an das Beste in ihnen zu appellieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was w\u00e4re geschehen, wenn es die erste Weihnacht der Welt nie gegeben h\u00e4tte? Was w\u00e4re geschehen mit ihren Gespr\u00e4chen, wenn sie nicht die Botschaft der Freiheit und des Friedens als Grundton gehabt h\u00e4tten? Sie h\u00e4tten diese Botschaft nie erfahren: Nun ist es wieder Weihnachten!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein g\u00f6ttlicher Einschlag hat stattgefunden. Im Zentrum der Welt lag ein Kind, und aus ihm strahlte Licht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und da geschah es: Die Glocken der Weihnacht begannen zu l\u00e4uten, und die Weihnachtslichter wurden angez\u00fcndet. Die Kinder riefen \u201eDerne\u201c und zeigten auf die B\u00e4ume, die sie in ihrem Haus gepflanzt hatten. Die Bogen des Glaubens spannten sich \u00fcber der Welt, und in der Ferne h\u00f6rte man schlagende Fl\u00fcgel und Stimmen, die sangen. Ein Dichter mit dem Geh\u00f6r eines Engels schrieb etwas von diesem Gesang nieder:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Friede auf Erden,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">freut euch ihr Menschen,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">gebor\u2018n ist uns der Heiland heut.<a href=\"applewebdata:\/\/35D809A5-296E-452E-86DE-8BA8BF4CC267#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Christiane Gammeltoft-Hansen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-2000 Frederiksberg<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-mail: cgh(at)km.dk<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/35D809A5-296E-452E-86DE-8BA8BF4CC267#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> D\u00e4nisches Weihnachtslied von B.S. Ingemann, V. 3, D\u00e4nisches Gesangbuch Nr. 121, hier deutsche \u00dcbersetzung nach Deutsch-d\u00e4nisches Kirchengesangbuch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiligabend | 24.12.22 | Jes. 9,1-6a; Lukas 2,1-14 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Christiane Gammeltoft-Hansen | Und es geschah in den Tagen, als sie im Finsteren wanderten.\u00a0 Es war finster, als sie losgingen, und es war dunkel, als sie zur\u00fcckkamen. Aber trotz fehlenden Lichts konnten sie dennoch ihre Dinge erledigen. 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