{"id":15354,"date":"2022-12-19T17:05:14","date_gmt":"2022-12-19T16:05:14","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=15354"},"modified":"2022-12-19T18:51:42","modified_gmt":"2022-12-19T17:51:42","slug":"lukas-21-14-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-21-14-3\/","title":{"rendered":"Lukas 2,1-14"},"content":{"rendered":"<h3>Erster Weihnachtstag | 25.12.22 | Lk 2,1-14 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Rasmus N\u00f8jgaard |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eintritt frei<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Geburt Jesu zur Weihnacht ist ein g\u00f6ttlicher Einbruch in die Zeit. Ein Einschlag, kr\u00e4ftig wie ein Meteor, der die Erdoberfl\u00e4che trifft und ein Beben auf der ganzen Erdoberfl\u00e4che bewirkt. Die Kraft des Christentums kommt aus den drei Einschl\u00e4gen: Weihnachten ist der erste Einschlag, Ostermorgen der zweite und Pfingsten der dritte. Die Erde ist nie mehr wieder dieselbe. Ein Geburtsbeben, so m\u00e4chtig, dass wir seitdem unsere Zeitrechnung hier beginnen lassen mussten: \u201aVor und nach der Geburt Christi\u2018.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir haben uns so sehr an diese Geschichte gew\u00f6hnt, dass wir uns nicht mehr ernsthaft \u00fcber eine so radikale Umschreibung der Geschichte wundern, bei der sie geradezu einen neuen Anfang erh\u00e4lt, und von da aus muss es angebracht sein, direkt zu fragen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie erhielt es eine so gro\u00dfe Bedeutung, dass die Geburt Jesu alles \u00e4ndert, so dass wir eine neue Zeitrechnung beginnen mussten?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Antwort ist einfach: Die Geburt vom Sohn Gottes macht die Erde zu einem Haus Gottes, von nun an ist freier Zugang zu Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das geschah in einer Welt, wo Gott im Himmel thront und die anderen G\u00f6tter auf dem Olymp. Der Abstand zwischen Gott und den Menschen war so abgrundtief und un\u00fcberwindbar, dass man ganz konkret das G\u00f6ttliche f\u00fcrchtete und versuchte, die G\u00f6tter durch Zeremonien und gro\u00dfe Opfer zu bes\u00e4nftigen. In diese Welt wird der Sohn Gottes geboren, und er vereint Himmel und Erde und beseitigt den Abstand zwischen Gott und Menschen. Auch wenn wir anderen mit dem Wissen erzogen sind, dass es ein wahnsinniger Gedanke gewesen sein muss, dass Gottes Sohn nun in dieser verletzlichen, wechselhaften und gefahrvollen Welt gegenw\u00e4rtig ist, dass Gott nun zug\u00e4nglich ist ohne Hindernisse. Diese Vorstellung traf denn auch auf heftigen Widerstand. Aber wir wissen heute, dass nichts das Licht zur\u00fcckhalten konnte. Eine Verwandlung war im Gange. Eine neue Zeitrechnung begann, eine neue hoffnungsvolle Zeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Weihnachtsgeschichte handelt davon, dass Gott durch seinen Sohn Jesus Christus sein Haus f\u00fcr jeden \u00f6ffnet. Er schreibt \u201aEintritt frei\u2018 \u00fcber die T\u00fcr seines Hauses. In dieser Weise haben wir es alle verstanden, hier in der Stadt str\u00f6men alle in die Kirche zu Weihnachten, und auch wenn das gar nicht das gr\u00f6\u00dfte Fest der Kirche ist, so ist es souver\u00e4n das am besten besuchte. Weil wir intuitiv die Botschaft verstehen: Hier ist freier Eintritt f\u00fcr alle!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Botschaft von Weihnachten ist so einfach und einf\u00e4ltig, dass wir sie intuitiv verstehen, und deshalb gibt es auch keinen Musiker, der nicht eine Popnummer gemacht h\u00e4tte, um die T\u00fcr offen zu halten, damit wir einander begegnen mit Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, F\u00fcrsorge und Liebe, und entsprechend Trauer erleben, wenn wir an der Freude nicht teilhaben. Einsamkeit, Armut, Krieg und Drangsal im Gegensatz zur christlichen Botschaft von der N\u00e4chstenliebe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das g\u00f6ttliche Ereignis l\u00e4sst uns noch immer hier nach 2000 Jahren erschauern, und wir sollten danach streben, unsere Herzen zu \u00f6ffnen und gro\u00dfz\u00fcgig zu sein, vor allem in einer Krisenzeit. Weihnachten ist das Fest der offenen T\u00fcr.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Weihnachtsgeschichte ist wohl eine der Erz\u00e4hlungen in den Evangelien, die alle kennen, Es ist sogar verbreitet und ganz \u00fcblich, dass man Zuhause seine eigene Krippe hat, wo Maria und Josef in einem Stall sind oder einer Felsenh\u00f6hle zusammen mit dem Kind in der Krippe, den Hirten, vielleicht auch der Engelschar und den drei Weisen, und nat\u00fcrlich einigen Schafen und Ochsen. Das ist eine gem\u00fctliche, ja idyllische Szene. Nur hat sie nicht sehr viel mit der Erz\u00e4hlung zu tun. Die Weihnachtsgeschichte ist durch die Traditionen gewandert und hat ihre eigenen atmosph\u00e4rischen Motive hervorgebracht, so dass wir gar nicht mehr h\u00f6ren, wie wild die Erz\u00e4hlung eigentlich ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es beginnt mit Kaiser Augustus. Der m\u00e4chtigste Kaiser, den die Welt bis dahin gesehen hat, der erste Kaiser, der zu Lebzeiten verg\u00f6ttlicht wird. Er h\u00e4lt sein Reich in seinem eisernen Griff, auch Syrien, eine gro\u00dfe administrative Provinz, zu der auch Galil\u00e4a und Jud\u00e4a geh\u00f6rten und wo der ber\u00fcchtigte und verhasste r\u00f6mische Legat Quirinius als Statthalter eingesetzt war. Nun sollte Quirinius f\u00fcr den Kaiser Steuern eintreiben, und er bedient sich der lokalen Tradition, die Mitglieder der Familie nach der Zugeh\u00f6rigkeit des Geschlechts zu z\u00e4hlen. Deshalb muss Josef los nach Bethlehem, denn er stammt aus dem Hause und Geschlecht Davids. Mit sich hat er Maria, mit der er verlobt war, aber sie waren nicht verheiratet, denn sie sind jung, und vor allem Maria war nur ein junges M\u00e4dchen, vielleicht 14 bis 15 Jahre alt \u2013 wie ein Konfirmand heute. Die Schwangerschaft Marias hat Josef bekanntlich \u00fcberrascht, aber er hat die Verantwortung \u00fcbernommen, er hat die Verlobung nicht ausgel\u00f6st, was an sich nat\u00fcrlich gewesen w\u00e4re. Maria ist ungew\u00f6hnlich verletzbar, sehr jung, hochschwanger, und ganz auf Josef angewiesen. Die Erz\u00e4hlung verbl\u00fcfft, denn als sie in Bethlehem ankommen, kennt Josef niemanden, bei dem sie unterkommen k\u00f6nnen, keine Verwandten, die ihnen helfen k\u00f6nnen. Sie sind ganz allein. Stattdessen machen sie es wie alle Reisenden, sie begeben sich dorthin, wo die Karawanen ihren Aufenthalt haben, versuchen einen Platz zu finden in einem der Zelte. Aber da war kein Platz. Wir nennen es eine Herberge, aber in Wirklichkeit suchten sie nur einen Platz in einem Karawanenzelt. Die Karawanenzelte wurden in einem Kreis um die Tiere der Karawane aufgeschlagen, so dass sie vor Raubtieren und R\u00e4ubern gesch\u00fctzt waren, und sie schufen rasch einen kleinen Platz, wo die Tiere gef\u00fcttert wurden in aufgestellten Tr\u00f6gen mit Heu und Stroh. Wo Josef also nirgendwo unterkommen konnte, als Maria geb\u00e4ren sollte, besteht keine andere M\u00f6glichkeit als Schutz zu suchen unter den Tieren mitten auf dem Platz, und hier unter offenem Himmel, ohne ein Bett, ohne W\u00e4nde, Fu\u00dfboden, Matratze, Bettzeug oder Dach \u00fcber dem Kopf bringt sie ihren Erstgeborenen zur Welt, wickelt ihn in ihr Kleid und legt ihn in einen der gro\u00dfen Futtertr\u00f6ge. Sie muss sehr ersch\u00f6pft gewesen sein nach der langen Reise auf einem Eselr\u00fccken, der Unsicherheit und dann der gef\u00e4hrlichen Geburt, die damals viele M\u00fctter das Leben kostete. Drau\u00dfen hinter den Karawanen lagen die lokalen Hirten und h\u00fcteten ihre Schafe. Arme Leute, die sich damit begn\u00fcgen mussten, nach den Karawanen zu schauen und den Reicht\u00fcmern, die sie nach Jerusalem weniger als zehn km nord\u00f6stlich brachten. Da drau\u00dfen in den Bergen war kein Licht, hier war es zappenduster, nur die Sterne und der Mond gaben zeitweise einen Eindruck von der Landschaft. Pl\u00f6tzlich aber strahlte ein kr\u00e4ftiges Licht, und ein Engel befahl ihnen, nach einem K\u00f6nigssohn zu suchen, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend. Und dem Engel folgten himmlische Heerscharen, die singen: <em>Ehre sei Gott in der H\u00f6he und Friede auf Erden und den Menschen seines Wohlgefallens. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Maria und Josef unter offenem Himmel, sie haben gerade einen Sohn bekommen, da ist keine T\u00fcr, kein Tor, nicht einmal ein Zelttuch, sondern das neugeborene Kind liegt unter offenem Himmel im Trog der Tiere. Die ersten, die ihn aufsuchen, geh\u00f6ren zu den \u00c4rmsten, die man am wenigsten erwartete: den Hirten. Da ist nichts, was sie daran hindert, das Kind aufzusuchen, denn da ist der Eintritt frei. Da ist nichts, was zwischen dem Kind und jedem steht, der es sucht. Auch die Eltern hindern sie nicht, denn sie wissen, dass dies nicht in ihren H\u00e4nden liegt. Aber sie haben eine bedeutende Rolle zu spielen, denn in Josef und Maria finden wir all die Eltern, in denen wir uns spiegeln k\u00f6nnen, verwundbar, ausgeliefert, von der Hilfe und F\u00fcrsorge anderer abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So kommt Gott in die Welt. Jesus Christus wird geboren in Demut und Verletzbarkeit, genauso verletzbar und der Gnade der Welt ausgeliefert wie wir alle. Jesus ist die offene T\u00fcr, er ist die Br\u00fccke zwischen Gott und Menschen, und der Weg ist nicht unm\u00f6glich und schwierig, er ist offen f\u00fcr jeden, der ihn sucht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott konnte die geschlossene T\u00fcr zum Tempel des Himmels nicht mehr ertragen. An dieser Weihnacht sprengte er das Tempeltor, so wie damals, als er den Blitz den Tempelvorhang zerrei\u00dfen lie\u00df in eben dem Augenblick, als Jesus auf Golgatha starb. Eine weitere Best\u00e4tigung, dass die Verhei\u00dfung gilt, so wie wir sie in der Taufe wiederholen: Gelobt sei Gott, der uns in seiner gro\u00dfen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Himmel und Erde wurden ein Reich, das Tor ist offen, der Eintritt ist frei, und heute feiern wir, dass wir mit den himmlischen Heerscharen Gottes zusammensitzen. M\u00f6ge diese Freude uns alle erf\u00fcllen, so dass auch wir die T\u00fcr \u00f6ffnen und eine Br\u00fccke bauen hinaus in die weite Welt Gottes, dort wo Bruder und Schwester im Krieg miteinander liegen und wo der Unfrieden tobt.\u00a0 Denn wie damals so brauchen auch wir heute, dass wir die Liebe merken und erleben, mit der Gott die Welt umfing, damals, als alles begann, zur Weihnacht. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Pastor Rasmus N\u00f8jgaard<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>DK-2100 K\u00f8benhavn \u00d8<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Email: rn(at)km.dk<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erster Weihnachtstag | 25.12.22 | Lk 2,1-14 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Rasmus N\u00f8jgaard | Eintritt frei Die Geburt Jesu zur Weihnacht ist ein g\u00f6ttlicher Einbruch in die Zeit. 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