{"id":15427,"date":"2022-12-18T17:11:38","date_gmt":"2022-12-18T16:11:38","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=15427"},"modified":"2022-12-21T17:25:29","modified_gmt":"2022-12-21T16:25:29","slug":"lukas-21-20-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-21-20-2\/","title":{"rendered":"Lukas 2,1-20"},"content":{"rendered":"<h3>Weihnachten 2022 | 24.12.2022 |\u00a0Lukas 2, 1-20 | Ulrich Nembach |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">die Weihnachtsgeschichte beginnt mit einem Befehl des Kaisers Augustus aus dem fernen Rom. Der Ort wird nicht genannt, sondern mit Recht als bekannt vorausgesetzt. Heute sagt auch niemand \u201ePutin in Moskau\u201c. Unsere Art zu reden hat mancherlei Konstanten. Ausdrucksweisen \u00e4hneln einander \u00fcber Jahrhunderte, ja Jahrtausende hinweg.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unser Denken hingegen ist von Bildern gepr\u00e4gt. Wir sehen Maria und Joseph nach einer Herberge suchen. Sie gehen von Haust\u00fcr zu Haust\u00fcr; stets werden sie abgewiesen. So stellen es unsere Krippenspiele dar. Die Bibel berichtet nichts von der Suche nach einer Herberge durch das Paar aus Nazareth.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es hat eine lange Reise voller Strapazen hinter sich. Die beiden werden v\u00f6llig ersch\u00f6pft gewesen sein. Unter heutigen Bedingungen dauert der Fu\u00dfweg von Nazareth nach Bethlehem laut Google Maps drei bis dreieinhalb Stunden. (Karten f\u00fcr die damalige Zeit hat Google leider noch nicht vorgelegt.) Maria war hochschwanger. Das Paar musste mit Sicherheit zahlreiche Pausen machen. Seine Reise k\u00f6nnte 12 bis 15 Stunden gedauert haben, vermute ich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und auch an solchen \u00dcberlegungen ist die Bibel nicht interessiert. Sie erw\u00e4hnt gezielt, knapp, die Geburt und lenkt das Augenmerk anschlie\u00dfend gleich auf deren Folgen. Als erstes h\u00e4lt sie fest, dass das Neugeborene wie jedes Neugeborene in Windeln gewickelt wird. (Pampers wurden erst 1961 erfunden.)<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">2.<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Zentrum der Geschichte stehen die Reaktionen von Menschen auf diese Geburt. Die ersten, die von ihr h\u00f6ren, sind Hirten. Sie werden vorgestellt: Sie sind nachts auf dem Feld und h\u00fcten ihre Herde. Es ist das \u00dcbliche, was Hirten zu dieser Uhrzeit tun.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch dann \u00e4ndert sich die Szene pl\u00f6tzlich. Es wird hell. Die M\u00e4nner erschrecken. Der Engel des Herrn tritt zu ihnen. Sie werden umgeben von g\u00f6ttlichem Lichtglanz. Sie, einfache Hirten auf dem Felde! \u201eSie f\u00fcrchteten sich sehr\u201c, hei\u00dft es beim Evangelisten Lukas. Mit diesen Worten beschreibt er ihre Reaktion. Man darf durchaus annehmen, dass es Panik war, panische Angst, die sie ergriff.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Engel bemerkt das und spricht sie freundlich an: \u201eF\u00fcrchtet euch nicht!\u201c Er kommt mit einer Freudenbotschaft, einer Sensation, ja, <em>der<\/em> Sensation \u2013 der Sensation bis zum heutigen Tag, mehr als 2000 Jahre danach \u2013: Christus wurde geboren, der Herr, der Retter! In Bethlehem, in ihrer N\u00e4he, kam er zur Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Engel fordert die Hirten nicht auf, dort hinzugehen; es versteht sich von selbst, dass sie das tun werden. Er gibt ihnen lediglich ein Erkennungszeichen mit auf den Weg: Sie \u201ewerden finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Damit ist alles gesagt. Alles? Nein, der Engel bekommt sozusagen unvermittelt Verst\u00e4rkung. \u201eAlsbald war bei ihm\u201c, wie Luther \u00fcbersetzt, \u201edie Menge der himmlischen Heerscharen\u201c. Ihn umgaben Scharen des himmlischen [Engel]Heers. Sie priesen Gott und sprachen: \u201eEhre sei Gott in der H\u00f6he und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens!\u201c \u2013 In der poetischen \u00dcbertragung von Walter Jens (1991): \u201eIn den Himmeln Gottes Macht, Licht und Herrlichkeit \/ auf der Erde Gottes Frieden, Frieden allen, die er liebt!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Danach ist von den Engeln keine Rede mehr. Die Engel kehren in den Himmel zur\u00fcck. Das Weitere ist menschliches Agieren, ist menschliche Reaktion.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">3.<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Hirten beraten und beschlie\u00dfen, sofort aufzubrechen. Sie lassen alles stehen und liegen. Die Herde bleibt allein. Sie haben es eilig, zu sehen, was da geschehen ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie kommen nach Bethlehem und finden \u201ebeide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen\u201c. Die Beschreibung war konkret. Sie sehen das Kind und verbreiten \u00fcberall, \u201ewas zu ihnen von diesem Kinde gesagt war\u201c. Sie erz\u00e4hlen es im Stall. Sie erz\u00e4hlen es allen Menschen, auf die sie treffen. Diese k\u00f6nnen es kaum glauben. Sie wundern sich. Sie sind erstaunt. Das ist kein Wunder. Wir staunen noch immer, auch heute, gut 2000 Jahre sp\u00e4ter.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Freilich, nicht wenige unter uns scheinen das Staunen verlernt zu haben. Sie wenden sich ab. Manche verzichten von vornherein darauf, sich mit dem unglaublich Staunenswerten zu befassen. Sie wollen sich auf nichts einlassen. Andere gr\u00fcbeln und argumentieren. Sie verweisen auf Elend und Not in der Welt, Ungerechtigkeit und Krieg, der in diesem Jahr mit dem Krieg in der Ukraine bei uns zum allgegenw\u00e4rtig bedr\u00fcckenden Thema geworden ist. \u201eWie kann Gott das zulassen?\u201c fragen sie, klagen sie.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gottes Antwort ist befremdlich. Er kam vor rund 2000 Jahren als Kind in einem Stall in Bethlehem zur Welt. Auch damals gab es Kriege und Unrecht. Wir, wir in unseren Zeiten, haben in dem, was wir einander antun, wohl eher noch Fortschritte gemacht. Aber Gott hat gehandelt, und er gibt uns nicht auf.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Davon zu reden, das zu begreifen, haben Menschen sich \u00fcber die Jahrhunderte hinweg bem\u00fcht. Wir sind in guter Gesellschaft, wenn auch wir das tun. \u00dcberdies gibt es Wegbereiter, die uns ein Beispiel geben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">1653 etwa. Der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg in Europa war erst seit f\u00fcnf Jahren vorbei, als der Dichter Paul Gerhardt im Advent einen seiner wirkm\u00e4chtigsten Liedtexte schuf. \u201eWie soll ich dich empfangen und wie begegn\u00b4 ich dir?\u201c fragt er. Es ist eine echte Frage. Deshalb bittet er Jesus, selber f\u00fcr die rechte Antwort zu sorgen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Seit 1653 steht das Lied in unseren Gesangb\u00fcchern. Wir singen es noch immer im Advent. Zugleich geh\u00f6rt es f\u00fcr uns wie selbstverst\u00e4ndlich zum Weihnachtsfest. Johann Sebastian Bach nahm die erste Strophe des Liedes in die erste Kantate seines Weihnachtsoratoriums auf, vorgesehen f\u00fcr den ersten Weihnachtstag. \u201eWie soll ich dich empfangen?\u201c fragt der Chor stellvertretend f\u00fcr die Gemeinde, bevor der Evangelist dann den biblischen Bericht von Jesu Geburt (Lk 2,7) vortr\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWie soll ich dich empfangen?\u201c ist die Frage des Heiligen Abends, real f\u00fcr uns heute. Und so feiern wir Weihnachten aufs Neue, beginnend mit dem Lied:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>O du fr\u00f6hlich e, o du selige,<br \/>\ngnadenbringende Weihnachtzeit!<br \/>\nWelt ging verloren, Christ ist geboren:<br \/>\nFreue, freue dich, o Christenheit! <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>O du fr\u00f6hliche, o du selige,<br \/>\ngnadenbringende Weihnachtszeit!<br \/>\nChrist ist erschienen, uns zu vers\u00fchnen:<br \/>\nFreue, freue dich, o Christenheit! <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>O du fr\u00f6hliche, o du selige,<br \/>\ngnadenbringende Weihnachtszeit!<br \/>\nHimmlische Heere jauchzen dir Ehre:<br \/>\nFreue, freue dich, o Christenheit! <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Prof. Dr. Ulrich Nembach<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weihnachten 2022 | 24.12.2022 |\u00a0Lukas 2, 1-20 | Ulrich Nembach | Liebe Gemeinde, die Weihnachtsgeschichte beginnt mit einem Befehl des Kaisers Augustus aus dem fernen Rom. 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