{"id":15452,"date":"2022-12-27T00:05:52","date_gmt":"2022-12-26T23:05:52","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=15452"},"modified":"2022-12-27T10:25:23","modified_gmt":"2022-12-27T09:25:23","slug":"roemer-831b-39","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-831b-39\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 8,31b-39"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Alles wird gut! | Altjahresabend | 31.12.2022 | R\u00f6m 8,31b-39 | Hansj\u00f6rg Biener |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Baustein f\u00fcr die Einleitung<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eAlles gut\u201c, sagte die Frau nach dem kleinen Rempler im Bus. \u201eAlles gut\u201c, sagte der Mann nach dem Sturz in den Schnee, nachdem man ihm aufgeholfen hatte. \u201eAlles gut\u201c, sagte ein M\u00e4dchen, dem die D\u00fcsternis im Gesicht stand. \u201eAlles gut.\u201c Mir f\u00e4llt das auf. Fr\u00fcher h\u00e4tte man gesagt: \u201eNichts passiert.\u201c Oder: \u201eDanke. Alles in Ordnung.\u201c Es f\u00e4llt mir auch deshalb auf, weil wom\u00f6glich eben doch nicht \u201ealles gut\u201c ist. Wir k\u00f6nnten eine solche Liste sicher gemeinsam lang machen. Der Predigttext zum Altjahresabend endet dagegen mit folgenden Worten: \u201e<em>Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch M\u00e4chte noch Gewalten, weder Gegenw\u00e4rtiges noch Zuk\u00fcnftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn<\/em>.\u201c Ich m\u00f6chte mit Ihnen heute unser Leben im Gegen\u00fcber zu diesen Worten des Paulus erkunden. Auf der einen Seite also unser \u201eAlles gut.\u201c bzw. \u201eNicht alles gut.\u201c und auf der anderen Seite das \u201eGott macht es gut mit uns\u201c des Paulus.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Gegliedertes Kyrie<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein Adventskalender hat 2022 um \u201eIhre Geschichte in sechs W\u00f6rtern\u201c gebeten. Ich nehme daraus einige Beispiele f\u00fcr unser Kyrie. Ich lese sie, lasse sie in unseren Gedanken wirken, und dann lassen wir sie im \u201eKyrie\u201c aufgehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eEs kommen auch wieder andere Zeiten.\u201c [Pause] [Kyrie-Ruf nach Tradition der Gemeinde]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eKarriere aufgegeben. Leben, Freude, Sinn gefunden.\u201c\u00a0 [Pause] [Kyrie-Ruf nach Tradition der Gemeinde]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eArbeit verloren. Selbstst\u00e4ndig gemacht. Mich gefunden.\u201c [Pause] [Kyrie-Ruf nach Tradition der Gemeinde]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eMann gestorben, kein Gespr\u00e4ch mehr, Gedankenquarant\u00e4ne.\u201c [Pause] [Kyrie-Ruf nach Tradition der Gemeinde]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201ePl\u00f6tzlich pensioniert. Furchtbar. Alles wurde gut.\u201c [Pause] [Kyrie-Ruf nach Tradition der Gemeinde]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDurch Krankheit erblindet. Entdeckung inneren Lichts.\u201c [Pause] [Kyrie-Ruf nach Tradition der Gemeinde]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zum Abschluss denken wir an uns. Ob uns nun sechs W\u00f6rter reichen oder nicht. [Pause] [Kyrie-Ruf nach Tradition der Gemeinde]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Zuspruch<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Geschichten in sechs W\u00f6rtern. Bei manchen folgte auf die Katastrophe neues Leben und es wurde etwas gut. Bei anderen ahnen wir, dass noch nichts gut ist. \u201eAlles wird gut.\u201c\u00a0 Mit diesen Worten beendete vor Jahren Nina Ruge ihre Boulevardsendung ZDF Leute heute (1997-2007), und danach machte sie daraus eine Marke f\u00fcr Lebensberatung. Offensichtlich brauchen die Menschen diese beruhigende Zusage und Wegweisung zum guten Leben. Wie viel mehr brauchen wir diese Zusage von Gott. \u201eDurch alle H\u00f6hen und Tiefen Deines Lebens soll es gut werden.\u201c Entdeckt hat die Christenheit das am Lebensweg Jesu; ge\u00fcbt hat sie es in Tausenden von Schicksalen. \u201eGott f\u00e4ngt mich auf. Auch jetzt.\u201c Auch dieses Lebenszeugnis stammt aus den Geschichten in sechs W\u00f6rtern. Das ist kein selbstbewusstes Vertrauen, sondern errungen. Ebenso ist jedes Gotteslob nicht einfach im Heute begr\u00fcndet, sondern in dem, was die Gemeinde von Gott erhofft. \u201eDass alles gut wird, weil Gott es mit uns gut meint.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Predigttext<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">R\u00f6m 8,31b-39<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u201eIst Gott f\u00fcr uns, wer kann wider uns sein? [&#8230;] Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und f\u00fcr uns eintritt. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Tr\u00fcbsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Bl\u00f6\u00dfe oder Gefahr oder Schwert? [&#8230;] Aber in dem allen \u00fcberwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch M\u00e4chte noch Gewalten, weder Gegenw\u00e4rtiges noch Zuk\u00fcnftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.\u201c<\/em> (R\u00f6m 8,31b-39 in Auswahl)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Glauben in einer anfechtenden Welt: Paulus und so viele<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eIst Gott f\u00fcr uns, wer kann wider uns sein? [&#8230;] Ich bin gewiss, dass nichts, weder Gegenw\u00e4rtiges noch Zuk\u00fcnftiges, uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, unserm Herrn.\u201c Das klingt enthusiastisch, ist es aber nicht. Jedenfalls nicht f\u00fcr Paulus.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich kann nur ahnen, was \u201eTr\u00fcbsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Bl\u00f6\u00dfe oder Gefahr oder Schwert\u201c ist. Aber es macht mir Angst. Bedr\u00e4ngnis und Verfolgung, Hunger und Durst, kaum mehr als das Hemd, Lebensgefahr und Gewalt. All das und noch viel mehr hat Paulus nach eigener Aussage erlebt. In einem anderen Brief schreibt er:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u201eVon Juden habe ich f\u00fcnfmal erhalten vierzig Gei\u00dfelhiebe weniger einen; ich bin dreimal mit St\u00f6cken geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer. Ich bin oft gereist, ich bin in Gefahr gewesen durch Fl\u00fcsse, in Gefahr unter R\u00e4ubern, in Gefahr von meinem Volk, in Gefahr von Heiden, in Gefahr in St\u00e4dten, in Gefahr in W\u00fcsten, in Gefahr auf dem Meer, in Gefahr unter falschen Br\u00fcdern; in M\u00fche und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Bl\u00f6\u00dfe.\u201c<\/em> (2. Kor 11,24-27)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mein Leben ist nicht frei von Anfechtung und Problemen. Aber was Paulus alles erlebt hat, ist eine Welt, die meinem Alltag gl\u00fccklicherweise fern ist. &#8211; Leider ist es trotzdem auch unsere Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch heute werden Menschen von Glaubensgenossen geschlagen. 40 minus einen &#8211; das zur Erkl\u00e4rung: Das war eine Strafe, aber das minus einen sollte deutlich machen, dass auch eine Strafe nicht zur Dem\u00fctigung werden darf.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch heute werden Menschen gesteinigt, in der Regel von fanatisierten Mengen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch heute erleiden Menschen Schiffbruch wie Paulus auf dem Mittelmeer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch heute sind Menschen zu Fu\u00df unterwegs und fallen unter die R\u00e4uber.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich setze das nicht fort und belasse es bei den Andeutungen. Die Erl\u00e4uterungen bekommt jeder, der einigerma\u00dfen oft internationale Nachrichten verfolgt. [Bei der Berichterstattung von bbc.com wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Konfrontation mit dem Berichteten ggf. selbst traumatisierend wirken kann.] Wie gesagt: Mit keinem Menschen in den Brennpunkten dieser Welt von Afghanistan \u00fcber Ukraine bis Zentralafrika wollte ich tauschen. Aber man muss nicht auch noch ausmalen, was alles nicht gut ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich will nicht erleben, was \u201eTr\u00fcbsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Bl\u00f6\u00dfe oder Gefahr oder Schwert\u201c mit mir machen w\u00fcrden. Deshalb will ich dem\u00fctig sein vor den Menschen, denen dieses zust\u00f6\u00dft, und muss dem\u00fctig sein vor den Menschen, die dann immer noch Lebensmut und Gottvertrauen beweisen. Ich w\u00fcsste nicht, mit welcher psychischen St\u00f6rung und k\u00f6rperlichen Verletzung ich da herausk\u00e4me. Ich w\u00fcsste nicht, ob ich das alles im Glauben \u00fcberwinden w\u00fcrde, wie Paulus sagt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Am Glauben festhalten: mit Paulus <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Paulus hat all das erlebt und \u00fcberlebt. Gewiss mit Angst und Sto\u00dfgebet, mit Einsamkeit und Kampf um das Festhalten am Glauben. Wo alle Gewissheiten \u00fcber sich selbst getestet werden, bleibt Paulus am Ende Gott. Ich muss genauer sein: Es bleibt Paulus der Gott, den er in Jesus, dem Christus, kennengelernt hat. Dieser Gott ist in seiner Liebe zu Paulus immer noch gr\u00f6\u00dfer als Tod und Leben, irgendwelche irdische und sonstige Gewalten, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, dass nichts Irdisches Gott und Paulus trennen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieses \u201eAlles gut.\u201c des Paulus ist nicht in seiner \u00dcberzeugung und pers\u00f6nlichen Festhaltekraft verankert. Der Anker liegt in einem Geschehen au\u00dferhalb von Paulus und bevor Paulus, das f\u00fcr sich annahm. \u201eJesus Christus ist bei mir, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und f\u00fcr uns eintritt.\u201c Ich will das nur kurz erl\u00e4utern, um den Gedankengang der Predigt nicht zu brechen: In der Antike und vielen anderen Kulturen hat man sich G\u00f6ttern nur mit Opfern gen\u00e4hert, um sie gn\u00e4dig zu stimmen. So haben auch die Germanen Menschenopfer dargebracht. Im Licht der Auferstehung haben die Christen dem unverst\u00e4ndlichen Tod Jesu genau diese Bedeutung abgerungen: Jesus ist das einzige und letzte Opfer. Es nimmt hinweg alles, was zwischen Menschen und Gott stehen k\u00f6nnte. Gemeinhin dachte man hier an S\u00fcnden. Und die Auferstehung sollte nun besagen: Um Jesu Willen steht nichts mehr zwischen Gott und den Menschen. Im Gegenteil: Der Auferstandene steht f\u00fcr seine Gl\u00e4ubigen vor Gott auch im Himmel ein. Vertraue Dein Leben Jesus an, und es wird durch alle H\u00f6hen und Tiefen hindurch wie seines in Gottes Ewigkeiten eingehen. Diese Ewigkeitsperspektive macht Paulus zuversichtlich, auch wenn ich heute das \u201enoch nicht gut\u201c st\u00e4rker im Blick habe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun hat Paulus den meisten Christen nicht nur die Vielzahl und Schwere der Pr\u00fcfungen voraus. Er hatte auch ein Berufungserlebnis, das ihn der Auferstehung Jesu und seiner eigenen Aufgabe unmittelbar gewiss machte. Diese Jesuserfahrung machte ihn nach seinem Verst\u00e4ndnis sogar zum Augenzeugen Jesu und zum Apostel. Die anderen Apostel haben ihm das nicht zugestanden, weil sie auf einer Augenzeugenschaft des irdischen Jesus bestanden. Wenn beim Sendungsbewusstsein des Paulus irgendein \u00dcbermut dabei gewesen sein sollte, so wurde er in dem \u00dcberma\u00df der Pr\u00fcfungen gewiss beseitigt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich kann uns Paulus nicht zum heroischen Glaubensvorbild machen. Zun\u00e4chst, weil ich sein Leben nicht nachleben will. Aber auch, weil ich sein Leben nicht nachleben muss. Schon die alte Kirche hat gewusst, dass man das Leiden nicht suchen soll. Vielmehr habe man an seinen eigenen Anfechtungen genug. Wenn man trotzdem Glaubenszeuge bleiben oder werden kann, sei man gesegnet. Wie das auch in unserer Zeit Menschen zu gelingen scheint, dem will ich im Folgenden an zwei Momentaufnahmen nachsp\u00fcren. Es sind zwei Beispiele von 2022, die ich im Blick auf den heutigen Predigttext aufgehoben habe.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Am Glauben festhalten: mit Rose Romani in Tansania<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mein erstes Beispiel ist Rose Romani aus Tansania, einem der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt. Die Kolonialgeschichte hat dieses ostafrikanische Land mit Deutschland verwoben. Deshalb sind heute einige Kirchen Deutschlands in Partnerschaften mit Kirchen Tansanias verbunden. Die r\u00f6misch-katholische Kirche, evangelische Landeskirchen wie die Bayerns, Westfalens, Mitteldeutschlands oder Sachsens, aber auch zum Beispiel die Herrnhuter Br\u00fcdergemeine.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Rose Romani schreibt: \u201eManche Dinge im Leben versteht man erst, wenn man sie selbst erlebt, wie zum Beispiel die Herausforderungen in der Ehe oder als Eltern, bei Verlust und Trauer. 2017 verlor ich ganz \u00fcberraschend meinen Vater. Es war der schlimmste Tag in meinem Leben. [&#8230;] Ich hatte immer das Gef\u00fchl gehabt, dass er auf mich aufpasste, f\u00fcr mich betete und der beste Freund war, den man haben kann.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieser Verlust warf die 33-j\u00e4hrige v\u00f6llig aus der Bahn: \u201ePl\u00f6tzlich war mein Leben ein Scherbenhaufen. Ich konnte nicht mehr in die Kirche gehen, ich lief vor den Menschen davon, um mich zu verstecken und zu weinen. Meine Arbeit im B\u00fcro litt darunter, und irgendwann hatte ich das Gef\u00fchl, dass Liebe, Gl\u00fcck und Freude vollst\u00e4ndig aus meinem Leben verschwunden waren.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In dieser Zeit erinnerte sich Rose daran, was ihren Vater zu ihrer Zuflucht gemacht hatte, zu einem Felsen in der Brandung des Lebens. Ihrem Vater sei es \u201eimmer wichtig gewesen [\u2026], zu beten und in der Bibel zu lesen\u201c. In einer Nacht nahm sie es sich zu Herzen, schlug die Bibel auf und las sich an einem Bibelvers fest. \u201eIn diesem Moment sprach Gott zu mir \u00fcber meine schwierige Situation. [&#8230;] Ich hatte mich verloren und untr\u00f6stlich gef\u00fchlt. Doch [&#8230;] ich begriff: Er hat Gutes mit mir vor und schenkt mir eine Zukunft.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">N\u00fcchtern betrachtet, war der Bibelspruch einst f\u00fcr jemand anderen bestimmt. Aber wenn man die Bibel nur als historisches Dokument liest, bleibt sie auch nur historisch. Rose Romani hat in der Bibel Gottes Wort gesucht. Und so hat sie ein Gotteswort gefunden. Diese Formulierung ist wunderbar doppeldeutig, weil Akkusativ und Nominativ vertauschbar sind und hier die Wechselseitigkeit g\u00f6ttlicher Inspiration ausgedr\u00fcckt wird: Sie hat ein Gotteswort f\u00fcr sich gefunden. Oder eben auch: Ein Gotteswort hat sie gefunden und es hat sie getr\u00f6stet, aufgerichtet und neu ausgerichtet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDieser Bibelvers ist mein ganz pers\u00f6nlicher Ermutigungs-Vers geworden. Er hat mein Leben ver\u00e4ndert und gibt mir immer wieder neue Hoffnung und neuen Mut, wie schwierig das Leben auch sein mag. Ich glaube, dass Gott schon vor meiner Geburt etwas Gutes mit meinem Leben vorhatte. [&#8230;] Gott hat mich nicht grundlos erschaffen, sondern weil mein Leben ein Ziel und einen Sinn hat.\u201c Die Verletzung ist geblieben, doch es gibt eine neue Ausrichtung, den Blick nach vorne.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u00a0<\/strong><strong>Am Glauben festhalten: mit Nabil Saad in Syrien <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mein zweites Beispiel aus der Gegenwart: Nabil Saad aus Syrien. Von Haus aus Rechtsanwalt, aber auch Besitzer eines Restaurants in Aleppo, und Opfer des B\u00fcrgerkriegs, der das Land ganz katastrophal im fragile states index [https:\/\/fragilestatesindex.org\/] stehen l\u00e4sst. Dieser Index bewertet nach einem ausgekl\u00fcgelten System von Kriterien die Lebensbedingungen in fast 180 L\u00e4ndern dieser Welt. Nur im Jemen und in Somalia lebt es sich noch schlechter als in Syrien.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eSchon als kleiner Junge liebte ich es, zu kochen und zu essen. Und jetzt liebte ich es, nach einem Tag im B\u00fcro zu meinem Restaurant zu gehen und nach dem Rechten zu sehen. Mein Leben war ein Traum. Doch eines Tages brach meine Welt zusammen. Mein sch\u00f6nes Restaurant wurde bombardiert und es blieb nicht einmal eine einzige Pfanne davon \u00fcbrig. Das ganze Geb\u00e4ude war zu Staub geworden. So wie meine Tr\u00e4ume. Ich wachte in einem dunklen Loch auf [\u2026]. Ich war so voller Bitterkeit und Hass, dass ich an nichts mehr glauben konnte.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWie oft hatten wir Verse aus der Bibel wiederholt, doch erst jetzt begannen sie, lebendig zu werden. [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich begann zu verstehen, warum Jesus gebetet hatte. Und auch, warum wir beten sollen. Gebet ist nicht nur das Wiederholen von Worten, sondern das Zusammensein mit Gott, dem Vater. Jesus hatte im Gebet den Ort der geistlichen Kraft ber\u00fchrt und diese Kraft gab er weiter.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So stark wie Jesus f\u00fchlte sich Nabil Saad nicht. Es brauchte vielmehr \u201eF\u00fcgungen\u201c, damit sein Leben wieder in die Bahn kam. \u201eIch wurde angefragt, bei der Syrischen Bibelgesellschaft zu arbeiten. Meine erste Aufgabe w\u00fcrde es sein, einen \u00fcberregionalen Dienst f\u00fcr Traumabegleitung aufzubauen.\u201c Und dabei lernte Saad: \u201eAlle in unserem Land brauchen Heilung! Nicht nur die Katholiken, nicht nur die Christen. Nein, alle. [&#8230;] Heute bin ich froh, dass er mich von der Anwaltskanzlei und dem Restaurant befreit hat, um mir sein K\u00f6nigreich zu zeigen, das aus wunderbaren Menschen verschiedener Herkunft besteht. Ich w\u00e4re sonst nie auf die Idee gekommen, all diese \u201aAnderen\u2018 als meine Schwestern und Br\u00fcder zu betrachten, als Teil der wunderbaren Familie Gottes. Meine vielen Wunden werden geheilt, so wie ich auch bei anderen Heilung sehe.\u201c Die Narben bleiben, aber sie verheilen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Lebensmut und Gottvertrauen bew\u00e4hren: Auch wir<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich komme zum Schluss.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir wissen, dass in unserem Leben und in unserer Welt vieles nicht \u201ealles gut\u201c ist. Jeder von uns tr\u00e4gt da sein eigenes P\u00e4ckchen. [Und seit wenigen Monaten kenne ich neben \u00c4ngsten um mich eine neue Angst um uns alle: Kriegsangst. Als Sechzigerjahrekind sind mir die sichtbaren und unsichtbaren Folgen des Zweiten Weltkriegs bewusst. Ich wei\u00df noch, wie meine Mutter, Schlesienfl\u00fcchtling, sich vor Angst nicht beruhigte, als Truppen des Warschauer Paktes 1968 den Prager Fr\u00fchling niederschlugen. Sie glaubte, dass die Russen nach Westen durchmarschieren w\u00fcrden. Und eine ihrer typischen Fragen des Alters war wie bei meiner Tante: \u201eGibt es Krieg?\u201c \u201eNein, gibt es nicht.\u201c Heute bin ich in einer Position, dass mir versichert werden muss: \u201eNein.\u201c Und ich zittere mit meiner Mutter vor einem russischen Durchbruch nach Westen.]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn ich mit dem Blick auf mutma\u00dfliche Pr\u00fcfungen auf meine eigene Glaubensst\u00e4rke\/-schw\u00e4che schaue, m\u00f6chte ich mich festhalten am Wort der Bibel: \u201eJesus Christus ist bei mir, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und f\u00fcr uns eintritt.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und ich will mir ein Vorbild nehmen an Mitchristen, deren Lebensmut und Gottvertrauen getestet wurde. Ohne Enthusiasmus, sondern mit Realismus will ich sehen, dass sie schwere Erfahrungen im Glauben gewandelt haben. Einsamkeit wurde durch Gott aufgefangen. Traumatische Erfahrungen wandelten sich in die F\u00e4higkeit und Aufgabe, Menschen in \u00e4hnlicher Situation zu begleiten und vielleicht sogar bei der Bew\u00e4ltigung zu helfen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die genannten Beispiele von 2022 haben Zuflucht in der Bibel und im Gebet gesucht und Zuflucht gefunden. Gebe Gott, dass mir, dass uns das in den Stunden der Anfechtung gegeben wird. \u201eIst Gott f\u00fcr uns, wer kann wider uns sein? [&#8230;] Jesus Christus ist hier, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und f\u00fcr uns eintritt.\u201c Ja bitte, Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dr. Hansj\u00f6rg Biener (*1961) ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und als Religionslehrer an N\u00fcrnberger Gymnasien t\u00e4tig. Au\u00dferdem ist er au\u00dferplanm\u00e4\u00dfiger Professor f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik und Didaktik des evangelischen Religionsunterrichts an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg.<\/p>\n<hr \/>\n<h4 style=\"font-weight: 400;\">Zitierte Quellen<\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Geschichten in 6 W\u00f6rtern, in: Andere Zeiten e. V. (Hg.): Der 28. andere Advent [2022\/23], Hamburg 2022, Texte f\u00fcr Di 13.12.2022.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Romani, Rose: Gottes gute Pl\u00e4ne, in: Bibelreport 2022 Sonderausgabe, S. 16-17.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Saad, Nabil: Unterwegs im Auftrag Jesu, in: Bibelreport 2022,3, S. 14-15.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles wird gut! | Altjahresabend | 31.12.2022 | R\u00f6m 8,31b-39 | Hansj\u00f6rg Biener | Baustein f\u00fcr die Einleitung \u201eAlles gut\u201c, sagte die Frau nach dem kleinen Rempler im Bus. \u201eAlles gut\u201c, sagte der Mann nach dem Sturz in den Schnee, nachdem man ihm aufgeholfen hatte. \u201eAlles gut\u201c, sagte ein M\u00e4dchen, dem die D\u00fcsternis im Gesicht [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":15455,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41,122,1,549,157,120,853,114,121,271,447,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-15452","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-roemer","category-adv_weihn_neujahr","category-aktuelle","category-altjahresabend","category-beitragende","category-bes_gelegenheiten","category-bibel","category-deut","category-festtage","category-hansjoerg-biener","category-kapitel-08-chapter-08-roemer","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15452","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15452"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15452\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15456,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15452\/revisions\/15456"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15455"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15452"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15452"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15452"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=15452"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=15452"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=15452"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=15452"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}