{"id":15779,"date":"2023-01-04T00:01:48","date_gmt":"2023-01-03T23:01:48","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=15779"},"modified":"2023-01-01T21:41:13","modified_gmt":"2023-01-01T20:41:13","slug":"lukas-241-52-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-241-52-2\/","title":{"rendered":"Lukas 2,41-52"},"content":{"rendered":"<h3>1. Sonntag nach Epiphanias | 08.01.2023 | Lk 2,41-52 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0Mikkel Tode Raahauge |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So sagen wir dir, Vater, Dank<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">f\u00fcr das, was wir fanden in deinen Heiligt\u00fcmern,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und Dank f\u00fcr das teure Pfand des Geistes<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">f\u00fcr das, was noch kommen mag!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und leite uns im Leben des Glaubens<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">weiter durch das Licht des Wortes,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">dass wir im Himmelreich unsere Heimat finden. Amen.<a href=\"applewebdata:\/\/1642D216-E239-4655-91BB-E939732B3574#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manchmal kann man sehr wohl etwas dar\u00fcber nachdenken, dass es noch mehr gibt zwischen Himmel und Erde. Ich glaube das, und da ist irgendetwas in diesem Evangelium \u00fcber den zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Jesus im Tempel, was offenbar dieses \u201emehr\u201c betrifft. Jedenfalls f\u00fcr mich. Denn als ich das letzte Mal auf die Kanzel stieg, um \u00fcber diesen Text zu predigen, da war das an einem der ersten Gottesdienste nach der ziemlich brutalen Schlie\u00dfung der Kirchen an Weihnachten 2020 wegen der Corona-Epidemie. Ich meine in der Tat, dass es der erste \u201erichtige\u201c Gottesdienst war, den ich als Pastor hielt, auch wenn ich zugestehe, dass ich ungehorsam war und am 24. Dezember alle Gottesdienste durchf\u00fchrte. Und ich erinnere mich deutlich an das Gef\u00fchl, die violette Kanzel in der Kirche von J\u00e6gersborg (einem Vorort von Kopenhagen) zu besteigen und diesen Text aus dem Lukasevangelium vorzulesen, wo der junge Jesus mit der ganz besonderen Mischung von Wundern und Anklage, die nur ein Teenager aufweisen kann, seine Eltern fragt, die drei Tage lang herumgelaufen sind, um nach ihm zu suchen: \u201eWusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?\u201c &#8211; Wusstet ihr das nicht?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Worte machten damals auf mich einen gro\u00dfen Eindruck. Und das liegt wohl auch an einer Mischung von einer Verwunderung dar\u00fcber, dass man auf die Idee kommen konnte, die Kirchen zu schlie\u00dfen \u2013 nicht nur zu Weihnachten, sondern dazu noch in einer Krisenzeit, wo sich die Leute Sorgen machten und Angst hatten \u2013 und dann auch an dem Umstand, dass ich selbst ein ganz neuer und nerv\u00f6ser Pastor war. Aber die Worte machen auch Eindruck auf mich im Lichte des Plans, den unsere neue d\u00e4nische Regierung neulich vorlegte, man werde \u201e<em>aufrecht und mit offenen Augen<\/em>\u201c, wie es die Ministerpr\u00e4sidentin k\u00fchl ausdr\u00fcckte, den d\u00e4nischen Bu\u00df- und Bettag als Feiertag abschaffen. Diese Formulierung zeigt fast, dass sie im Grunde gut wissen,\u00a0 dass sie sich auf unsicherem Boden befinden, und das wird nicht besser durch die etwas manipulatorische Rhetorik, dass die meisten D\u00e4nen sicher gerne dieses Opfer bringen w\u00fcrden f\u00fcr mehr Frieden in der Welt, denn der Gewinn soll ja bekanntlich die erh\u00f6hten Verteidigungsausgaben D\u00e4nemarks finanzieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Vorschlag ist aus mehreren Gr\u00fcnden problematisch. Erstens kann man sich etwas dar\u00fcber wundern, dass eine Regierung, die selbst in ihrem Regierungsprogramm geschrieben hat, dass D\u00e4nemark \u201eein christliches Land ist\u201c, was immer das bedeuten mag, kirchliche Feiertage infrage stellt. Zweitens ist es schade, wenn al die ziemlich vielen und alten Traditionen verschwinden, die sich mit dem Bu\u00df- und Bettag verbinden, das einst\u00fcndige Glockengel\u00e4ut z.B., das Essen von besonderem Geb\u00e4ck und der Abendspaziergang am Wall von Christianshavn in Kopenhagen am Vorabend. Es ist schade, dass das alles in Vergessenheit ger\u00e4t \u2013 vor allem in einer Zeit, wo wir so sehr etwas brauchen, was uns zusammenh\u00e4lt. Drittens ist das recht merkw\u00fcrdig zu h\u00f6ren nach einem Wahlkampf, in dem vor allem das Leben der jungen Menschen, psychische Belastungen und Gef\u00e4hrdungen, Verschlei\u00dferscheinungen und Stress ein Thema waren. Dann muss man h\u00f6ren, die L\u00f6sung bestehe in noch mehr Arbeit. Und viertens nimmt man also gro\u00dfen Teilen der Bev\u00f6lkerung die M\u00f6glichkeit, in die Kirche zu kommen und das Wort Gottes zu h\u00f6ren, jedenfalls wenn sie nicht bereit sind, daf\u00fcr zu bezahlen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich wei\u00df sehr wohl, der Bu\u00df- und Bettag ist ein besonderer d\u00e4nischer Feiertag, der erst 1686 eingef\u00fchrt wurde, er ist auch nicht genauso gro\u00df und wichtig wie z.B. Weihnachten, Ostern, Himmelfahrt oder Pfingsten. Und ich wei\u00df auch sehr wohl, dass viele eine wohlverdiente Pause sch\u00e4tzen, eine notwendige Pause mit der Familie oder dergleichen \u2013 mehr als den Kirchgang am Bu\u00df- und Bettag, und das sei jedem geg\u00f6nnt. Aber f\u00fcr einige ist es von gr\u00f6\u00dfter Wichtigkeit, in die Kirche zu kommen, nicht nur f\u00fcr die Konfirmanden, die ja unsere Kirche in Skovshoved an diesem Tag bis zum letzten Platz f\u00fcllen mit Menschen und frohen Erwartungen an ihre Konfirmation, der sie monatelang entgegengefiebert haben, aber auch f\u00fcr alle die, die etwas anderes h\u00f6ren m\u00f6chten als all das, was sonst den Alltag bestimmt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eBittet, so wird euch gegeben, suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empf\u00e4ngt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan\u201c. So h\u00f6ren wir am Bu\u00df- und Bettag jedes zweite Jahr nach der d\u00e4nischen Perikopenordnung. Und wir brauchen es durchaus, das zu h\u00f6ren \u2013 sowohl diese Worte als auch die anderen Worte, die wir im Laufe des Kirchenjahres h\u00f6ren. Denn die Kirche ist wohl eigentlich der einzige Ort in der Welt, wo wir h\u00f6ren k\u00f6nnen, dass wir unsere Menschenw\u00fcrde nicht aus F\u00e4higkeiten, unserem Flei\u00df, unseren guten Intentionen beziehen oder, wie es in dem Kirchengebet hei\u00dft, das ich meist verwende, kraft all dessen, was <em>wir<\/em> k\u00f6nnen und wollen und glauben. Die Kirche ist vielmehr der Ort, wo wir uns versammeln k\u00f6nnen als die Menschen, die wir sind. ganz gleich, von wo aus wir unser Leben leben und wie wir es leben, mit all unserer Freude und unserem Leid, all unserem Glauben und unserem Zweifel, all unseren Hoffnungen und Sehns\u00fcchten das Wort h\u00f6ren, dass sich Gott in seinem Sohn ganz offenbart hat als Liebe \u2013 und uns als die, die Gott liebt. Nicht weil wir irgendeinen besonderen Anspruch darauf h\u00e4tten oder weil wir uns das irgendwie verdient h\u00e4tten, sondern weil es Gott offenbar so will.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr uns ist es allesentscheidend, das zu h\u00f6ren, was wir uns nicht selbst sagen k\u00f6nnen. Und dann besonders in diese Zeit, wo Kriege, Krisen und Katastrophen bewirken, dass das Leben als noch unsicherer erfahren wird, als wir das schon gewohnt sind. Denn wenn wir hier in die Kirche kommen und das Wort h\u00f6ren, dass unsere ganze Wirklichkeit mit all dem, was sie an Gutem und B\u00f6sen enth\u00e4lt, immer schon von der Liebe Gottes umfangen und gehalten ist, dann k\u00f6nnen wir auch wieder von hier hinausgehen und als die freien Menschen leben, zu denen wir von Anfang an geschaffen sind, voll versehen mit Mut zum Leben, Glauben an die Zukunft, Hoffnung f\u00fcr die Welt und eine Liebe von oben, die alles \u00fcberwindet. Mit seiner Frage: \u201eWusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?\u201c will der zw\u00f6lfj\u00e4hrige Jesus eben dies seinen Eltern und uns zu verstehen geben: \u201eLebt doch der Mensch von Gottes Wort, hat bei dem Vater Heim und Hort\u201c, wie es in einem Lied hei\u00dft.<a href=\"applewebdata:\/\/1642D216-E239-4655-91BB-E939732B3574#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Deshalb sollen wir uns in der Kirche versammeln -oder zumindest die M\u00f6glichkeit dazu haben \u2013 um immer wieder daran erinnert zu werden, dass es sich so verh\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und dann wird es interessant sein zu sehen, was mit dem Bu\u00df- und Bettag geschieht \u2013 ob wir ihn behalten d\u00fcrfen, oder ob er aus finanziellen Gr\u00fcnden abgeschafft wird. Aber wie auch immer, liebe Gemeinde, wir werden das \u00fcberleben. Denn das Wort Gottes war nie gebunden. Denn Gottes Wort will geh\u00f6rt werden. Es findet seinen Weg an den merkw\u00fcrdigsten Orten: In der Kirche, im Stall, in der W\u00fcste, am Kreuz, im Grab. Und wenn weder W\u00e4chter, noch Felsen oder Gesetze der Physik ihm im Wege stehen konnten \u2013 wer oder was in aller Welt k\u00f6nnte das?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Namen Jesu. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Mikkel Tode Raahauge<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Skovshoved, DK 2930 Klampenborg<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: mitr(at) km.dk<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/1642D216-E239-4655-91BB-E939732B3574#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Str. 2 des Liedes 424 aus dem d\u00e4nischen Gesangbuch.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/1642D216-E239-4655-91BB-E939732B3574#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> D\u00e4nisches Gesangbuch 41, Str. 2, hier nach Deutsch-d\u00e4nisches Kirchengesangbuch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Sonntag nach Epiphanias | 08.01.2023 | Lk 2,41-52 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0Mikkel Tode Raahauge | So sagen wir dir, Vater, Dank f\u00fcr das, was wir fanden in deinen Heiligt\u00fcmern, und Dank f\u00fcr das teure Pfand des Geistes f\u00fcr das, was noch kommen mag! 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