{"id":16194,"date":"2023-01-31T17:04:12","date_gmt":"2023-01-31T16:04:12","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=16194"},"modified":"2023-01-31T17:22:32","modified_gmt":"2023-01-31T16:22:32","slug":"matthaeus-99-13-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-99-13-3\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 9,9-13"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Septuagesimae | 05.02.2023 | Mt 9,9-13 | Winfried Klotz |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Berufung des Matth\u00e4us und das Mahl mit den Z\u00f6llnern (Mk 2,13-17; Lk 5,27-32)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">9 Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matth\u00e4us am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matth\u00e4us auf und folgte ihm.\u00a0\u00a0 8,22; (9-13) Mk 2,13-17; Lk 5,27-32<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">9-13: Nur das Matth\u00e4usevangelium identifiziert den bekehrten Beamten der Zollstelle von Kafarnaum mit Matth\u00e4us, dem Mitglied des Zw\u00f6lferkreises und sp\u00e4teren Apostel (vgl. auch 10,3: \u00abMatth\u00e4us, der Z\u00f6llner\u00bb). Bei Markus und Lukas fehlen diese Hinweise; bei ihnen hie\u00df der Z\u00f6llner Levi (vgl. die Einf\u00fchrung zum Matth\u00e4usevangelium).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">10 Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Z\u00f6llner und S\u00fcnder und a\u00dfen zusammen mit ihm und seinen J\u00fcngern.\u00a0\u00a0\u00a0 11,19; Lk 15,1f; 19,7<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">in seinem Haus: entweder im Haus des Matth\u00e4us oder im Haus Jesu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">11 Als die Pharis\u00e4er das sahen, sagten sie zu seinen J\u00fcngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Z\u00f6llnern und S\u00fcndern essen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">12 Er h\u00f6rte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">13 Darum lernt, was es hei\u00dft: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die S\u00fcnder zu rufen, nicht die Gerechten.\u00a0\u00a0 Hos 6,6; Mt 12,7; Lk 19,10<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ist Jesus nicht gro\u00dfartig, er erkennt sofort das Potential eines Menschen. Er sieht Matth\u00e4us am Zoll sitzen und wei\u00df, den brauche ich in meiner Zw\u00f6lfergruppe. Und so ruft er ihn: Folge mir nach! Sofort steht Matth\u00e4us auf und schlie\u00dft sich Jesus an. Seine Aufgabe Zoll zu kassieren ist ihm nicht mehr wichtig. Jetzt hat er Wichtigeres zu tun. Jetzt f\u00fchlt er sich gro\u00dfartig. Der fromme Rabbi Jesus hat ihn gerufen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ist die Geschichte von Matth\u00e4us und Jesus wirklich so einfach gestrickt? Ist Matth\u00e4us wirklich geeignet Jesus nachzufolgen? Kann Jesus diesen Menschen brauchen in seinem Team? Viele Umstehende bezweifeln das.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Arbeitet Matth\u00e4us nicht mit der Besatzungsmacht zusammen? Hat er nicht gierig den Zoll kassiert? Und manchmal auch etwas mehr? Hat er sich damit nicht mit Leuten zusammengetan, die Gottes Gesetz nicht achten? Hat er sich damit nicht verabschiedet aus der Gemeinschaft des Volkes Gottes?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mhm &#8230; Aus Sicht derer, die sich an das Gute halten, ist Matth\u00e4us ein Mensch im Defizit. Vor seinem Leben steht ein gro\u00dfes Minus. Warum ruft Jesus diesen Menschen? Braucht er nicht die Guten, die Gottesf\u00fcrchtigen, um Gottes Herrschaft aufzurichten? Was kann Matth\u00e4us f\u00fcr das Gelingen der Gottesherrschaft einbringen? Was ist sein Potential?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und dann isst Jesus auch noch mit Matth\u00e4us und seinen Freunden. Verh\u00e4lt sich Jesus hier nicht so, als sei es kein Problem, das Matth\u00e4us aus der Gemeinschaft des Volkes Gottes weggelaufen ist?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wozu braucht Jesus Matth\u00e4us? Oder muss es hei\u00dfen: Wozu braucht Matth\u00e4us Jesus?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Reaktion des Matth\u00e4us auf den Ruf Jesu deutet darauf hin, dass Matth\u00e4us Jesus braucht. Das Festmahl im Anschluss ist noch ein Hinweis darauf, welche befreiende Kraft der Ruf Jesu f\u00fcr Matth\u00e4us hat. Jesus hat Matth\u00e4us aus einer Gebundenheit befreit. Jesus hat Matth\u00e4us wieder eingef\u00fcgt in die Gemeinschaft seines Volkes. Damit dies geschehen konnte musste Jesus eine Grenze \u00fcberschreiten. Genau darin sah Jesus seine Aufgabe, Gottes Volk sammeln f\u00fcr seinen Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Folge mir nach, hat Jesus zu Matth\u00e4us gesagt. Jesus ruft ihn in die Gemeinschaft mit sich hinein. Das ist nicht ein Ruf zum Glauben, wie man es missverstehen k\u00f6nnte. Matth\u00e4us wird nicht zu einem neuen Glauben gerufen, sondern zu einem neuen Leben, einem Leben eingef\u00fcgt in den Bund mit Gott. Wer in heutigen s\u00e4kularen Zeiten meint, christliche Werte verteidigen zu m\u00fcssen, greift zu kurz. Er steht in der Gefahr, das Vertrauen auf Gott, dass uns Jesus erm\u00f6glicht, zu einer christlichen Weltanschauung zu machen. In heutigen Zeiten kommt es vor allem darauf an, das sichtbar wird, Christsein ist ein Ruf in eine Gemeinschaft hinein. Ohne Gemeinschaft, zuerst die Gemeinschaft mit Jesus Christus und damit zu Gott, dann die Gemeinschaft mit Schwestern und Br\u00fcdern, die ihr Vertrauen auf Jesus Christus gesetzt haben, ist christlicher Glaube hohl und leer, eben nur eine religi\u00f6se Weltsicht, die sich nicht von anderen Ideologien unterscheidet. Ohne Gemeinschaft ist christlicher Glaube unverbindlich, unterworfen meinen pers\u00f6nlichen W\u00fcnschen und Erwartungen. Ohne Gemeinschaft fehlt fr\u00f6hliches Essen und Trinken, aber auch die Auseinandersetzung mit meinen Schwestern und Br\u00fcdern. Es fehlt die tr\u00f6stende Zuwendung und die Korrektur, das gemeinsame Tragen von Schwierigkeiten. Noch einmal: Jesus ruft Matth\u00e4us in die Gemeinschaft hinein, diesen Sohn Israels, der sich verlaufen hatte, der verloren gegangen ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich habe zu Beginn vom Potential geredet, das Jesus bei Matth\u00e4us sieht. Damit meine ich nichts, was Matth\u00e4us selbstverst\u00e4ndlich in sich tr\u00e4gt. Damit meine ich das, was in dem Augenblick zur Wirksamkeit kommt, in dem Matth\u00e4us aufsteht und Jesus folgt. Indem Matth\u00e4us aus seiner Ecke zu Jesus kommt, beginnt f\u00fcr ihn ein neues Leben. Denn genau in diesem Augenblick erf\u00e4hrt Matth\u00e4us die Barmherzigkeit Gottes. Die Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes braucht jeder Mensch, der Jesus folgt! Das ist Grund ein gro\u00dfes Festmahl zu feiern. Wer wie Matth\u00e4us Gottes Barmherzigkeit in Jesus erfahren hat, kann Bote dieser Barmherzigkeit werden. Das ist das Potential des Matth\u00e4us. Genau das aber fehlt all denen, die aus Tradition und eigener Leistung sich in der Gemeinschaft mit Gott sehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes fehlt den Kritikern in unserer Geschichte. Sie sehen, dass Jesus mit denen isst, die gottlos gelebt haben. Miteinander essen dient nicht nur dazu, den Hunger zu stillen; es ist Ausdruck der Gemeinschaft! Jesus macht sich gemein mit Gottlosen! Die Kritiker Jesu vermuten, dass Jesus durch sein Verhalten die guten Gebote Gottes aufl\u00f6st. Die Ver\u00e4nderung, die mit Matth\u00e4us geschehen ist, sehen sie nicht. Deshalb fragen sie vorwurfsvoll Jesu J\u00fcnger: \u201ewie kann euer Meister zusammen mit Z\u00f6llnern und S\u00fcndern essen?\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liegen die Kritiker so ganz verkehrt? Setzt Jesus nicht ein Zeichen daf\u00fcr, dass die \u00dcbertretung des Gesetzes nicht so schlimm ist? Ich beobachte immer wieder, wie Autofahrer auf einer zweispurigen Stra\u00dfe, aber noch innerorts, andere viel zu schnell \u00fcberholen, sobald sie an der Radars\u00e4ule vorbei sind. Zeigt das nicht die innere Einstellung vieler: wenn es nichts kostet, kann ich ruhig Regeln brechen? &#8211; F\u00f6rdert Jesus durch sein Verhalten nicht die Leichtfertigkeit im Umgang mit dem Gesetz? M\u00fcssen wir nicht zugeben, dass das Leben leichter, \u00fcberschaubarer, sicherer ist, wenn wir uns an Regeln halten?! Zudem geht es f\u00fcr die Pharis\u00e4er beim Gesetz nicht nur um menschliche Regeln, es geht um Gottes Gebot, es geht um ihre Gottesbeziehung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die kritische Frage, \u201ewie kann euer Meister zusammen mit Z\u00f6llnern und S\u00fcndern essen?\u201c kann deshalb auch bedeuten: \u201awarum respektiert Jesus den Bund mit Gott und seine Regeln nicht?\u2018<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer ist Jesus?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auf die Frage der Pharis\u00e4er an die J\u00fcnger antwortet Jesus: \u201eNicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es hei\u00dft: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die S\u00fcnder zu rufen, nicht die Gerechten.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer ist Jesus?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist die entscheidende Frage damals wie heute! Je nachdem, wie wir auf diese Frage antworten, sind wir Kirche der Gnade oder Kirche des Gesetzes, und sei es ein aufgekl\u00e4rt- liberales Gesetz. Ein aufgekl\u00e4rt- liberales Gesetz ist noch lange keine Gnade. Ist Jesus Christus gesandt, die S\u00fcnder zu rufen, dann leitet uns das mit geschichtlicher Notwendigkeit zu seinem stellvertretenden Leiden am Kreuz. Dreimal k\u00fcndigt Jesus sein Leiden an, z. B. so: \u201eVon da an begann Jesus, seinen J\u00fcngern zu erkl\u00e4ren, er m\u00fcsse nach Jerusalem gehen und von den \u00c4ltesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde get\u00f6tet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen.\u201c (Mt. 16, 21) Ist Jesus beauftragt S\u00fcnder zu rufen, dann ist S\u00fcnde unser Thema als Kirche, und zwar S\u00fcnde als getrennt sein von Gott und Gnade als eingef\u00fcgt werden in ein Leben mit Gott. Dann reden wir nicht vom Glauben und meinen damit christliche Werte, sondern wir rufen Menschen zur Umkehr, die ohne Gott und nur mit irdischen Hoffnungen leben; wir rufen sie hinein in die Gemeinschaft derer, die durch Jesus Christus Hoffnung und Leben haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Umkehr, auf den Ruf Jesu antworten, ist oft nur ein kleiner Schritt und doch eine ganz gro\u00dfe Sache; das Leben bekommt einen neuen, sehr gro\u00dfen Horizont. Jetzt hei\u00dft es nicht mehr \u201elasst uns essen und trinken, denn Morgen sind wir tot!\u201c (1. Kor. 15, 32), sondern lasst uns vor Gott fr\u00f6hlich feiern, denn ER hat uns angenommen als seine geliebten Kinder. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Winfried Klotz, Pfr. i. R. in Bad K\u00f6nig, Odenwald, verheiratet, drei erw. Kinder. <a href=\"mailto:winfried.klotz@web.de\">winfried.klotz@web.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Septuagesimae | 05.02.2023 | Mt 9,9-13 | Winfried Klotz | Die Berufung des Matth\u00e4us und das Mahl mit den Z\u00f6llnern (Mk 2,13-17; Lk 5,27-32) 9 Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matth\u00e4us am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! 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