{"id":16752,"date":"2023-02-07T06:15:53","date_gmt":"2023-02-07T05:15:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=16752"},"modified":"2023-02-08T08:17:44","modified_gmt":"2023-02-08T07:17:44","slug":"markus-41-20-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-41-20-4\/","title":{"rendered":"Markus 4,1-20"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Sexagesimae | 12,02,2023 | Markus 4,1-20 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Eva Holmegaard Larsen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als Kontrast zu der ereignisreichen Welt, in der wir leben, begegnet uns an diesem Sonntagmorgen eine sehr ruhige Geschichte. Die Geschichte von einem Bauern, der \u00fcber sein Feld geht. Der Sack mit dem Samen h\u00e4ngt \u00fcber seiner linken H\u00fcfte, w\u00e4hrend er die rechte Hand mit einer ruhigen, rhythmischen Bewegung hinab in den Sack greift nach einer Handvoll Korn. Dann \u00f6ffnet er die Hand und streut das Korn \u00fcber den Acker. Schritt f\u00fcr Schritt. Geduldig, ausdauernd, beharrlich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Seht es vor euch! Das ist ja vor der Zeit der S\u00e4he-Maschinen. Diese Erz\u00e4hlung richtet unseren Blick auf die gef\u00fcllte Faust des Bauern, die sich \u00f6ffnet und das Korn in gro\u00dfen Bewegungen ausstreut, so dass auch etwas weit au\u00dferhalb des Ackers f\u00e4llt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das sollen wir vor uns sehen: Die Ruhe in den Bewegungen des Bauern und die gro\u00dfe Hand voll von Korn &#8211; voll von Segen, h\u00e4tte ich fast gesagt. Und dann sollen wir vor uns sehen, wie er freim\u00fctig die Hand \u00f6ffnet \u2013 so dass etwas auf den Weg f\u00e4llt, etwas auf den Felsen, etwas f\u00e4llt mitten zwischen die Disteln. Und dann ist da auch etwas, was in den guten, fruchtbaren Boden f\u00e4llt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus will uns vielleicht mit seiner Erz\u00e4hlung dazu bringen, der ruhigen Spur des Bauern und seinem Blick zu folgen, wenn er ihn von der engen, abgegrenzten Pflugspur hebt und seinen Samen gro\u00dfz\u00fcgig und unbegrenzt nach allen Seiten ausstreut \u2013 ohne sich darum zu k\u00fcmmern, wo er hinf\u00e4llt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, lasst uns den Blick heben von den Pflugspuren unseren eigenen Lebens und das gro\u00dfe Bild sehen und dort den Glauben an die \u00fcberraschende Wende unserer eigenen Geschichte finden. Es kann etwas Gutes aus steinigem Boden kommen!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vielleicht geht es in der Erz\u00e4hlung um Glauben und Hoffnung. Und das brauchen wir. Mehr als je. Die Welt ist ersch\u00fcttert von Erbeben, von Krieg und neuen Krisen, die immer wieder auftauchen. Es geschieht so viel in der Welt. Das war immer so \u2013 aber wir sind \u00fcber alle Ma\u00dfe informiert \u00fcber alles, was geschieht, und die Furcht vor den Unw\u00e4gbarkeiten des Lebens l\u00e4sst sich kaum verleugnen. Was soll aus uns werden?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Glaube und die Hoffnung liegen zuweilen in uns als ein kleines, verwundbares Korn auf dem Feld voller Disteln. Und es wird unmittelbar nicht dadurch besser, dass Jesus die mystischen Worte gesagt haben soll: <em>Sie werden sehen und sehen, und doch nicht verstehen! Und h\u00f6ren und h\u00f6ren, und doch nichts fassen!<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Darin liegt nicht viel Trost. Sind der Trost, der Glaube und die Hoffnung nur f\u00fcr wenige da? Nein, keineswegs. Aber zuweilen sind wir blind und taub f\u00fcr die Hoffnung, die im Leben selbst liegt &#8211; und die Gott mit offener Hand in die Welt gelegt hat seit der Sch\u00f6pfung am Anfang der Zeiten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es geht darum, den Blick zu heben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Erz\u00e4hlung ist ja gar nicht schwer zu verstehen. Das sind auch die anderen Geschichten Jesu nicht. Sie sind vielmehr unmittelbar zug\u00e4nglich und beziehen sich auf Szenen, Bilder und Ereignisse aus dem gew\u00f6hnlichen Alltag.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was man etwas mehr beachten soll \u2013 das ist die \u00fcberraschende Wende. Da verbirgt sich immer eine \u00dcberraschung in der Erz\u00e4hlung, die unsere eigene Erfahrung und das, was wir fassen und verstehen, herausfordert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber darin liegt der ganze Sinn. Dass wir uns mitten zwischen dem befinden, was wir verstehen, und dem, was wir nicht verstehen und wor\u00fcber wir uns wundern m\u00fcssen. Oder anders gesagt: Das ist das Ringen zwischen dem, was wir verstehen, und dem, was au\u00dferhalb unseres Fassungsverm\u00f6gens ist, dass etwas Wesentliches geschieht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie in der Taufe und beim Abendmahl. Das Wasser in der Taufe ist mehr als Wasser, und Brot und Wein sind im Abendmahl mehr als Brot und Wein. Und dieses Mehr, das ist es, das ist das, was unsere Augen \u00f6ffnet und unseren Blick erweitert. Und vielleicht ist eben dies Glaube, der weite Blick.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Seht nun diesen Bauern. Ihn kennen wir gut, auch wenn wir so einen Bauern aus alten Tagen nicht kennen, der mit der Hand s\u00e4ht, es sei denn wir kennen so einen Bauern aus dem Fernsehen. Aber wir wissen sehr wohl, was das bedeutet, was es hei\u00dft, die Saat auf das Feld au streuen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir verstehen auch, dass der Bauer hier etwas Besonderes ist. Denn er ist in der Tat kein sehr guter Bauer, so wie er da geht und mit seiner Saat das Ziel verfehlt. Er wirkt unkonzentriert und sorglos, ein Bauer, der schnell pleitegehen wird, wenn er so weitermacht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das verstehen wir auch \u2013 aber verstehen wir auch warum? Was kann wichtiger sein als eine gute Ernte? Das ist das \u00dcberraschende. Das ist da, wo wir einhalten und den Blick erheben sollen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das gilt auch f\u00fcr eine andere Erz\u00e4hlung Jesu, wo der Besitzer eines Weinberges, oder der Leiter eines Unternehmens, wie wir das heute nennen w\u00fcrden, allen seinen Angestellten genau denselben Lohn gibt, obwohl sie nicht gleich viel gearbeitet haben. Einige waren Vollzeitbesch\u00e4ftigte, andere Halbzeitbesch\u00e4ftigte, andere nur zu einem Viertel besch\u00e4ftigt. Aber wenn der Tag vorbei ist, bekommen sie alle denselben Tageslohn.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wo der Bauer nur unklug wirkt, so ist dieser Unternehmer direkt unfair und ungerecht. Aber hier muss man den Blick heben. Jesus ist der Erz\u00e4hler \u2013 und er will unsere Augen daf\u00fcr \u00f6ffnen, dass ein anderes Gesetz gilt \u2013 n\u00e4mlich das Gesetz Gottes. Wie es beim Propheten Jesaja hei\u00dft: <em>Eure Pl\u00e4ne sind nicht meine Pl\u00e4ne, und eure Wege sind nicht meine Wege \u2013 sagt der Herr. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott belohnt nicht so wie wir das gewohnt sind. Gott belohnt nicht nach Verdienst, sondern l\u00e4sst es regnen und die Sonne scheinen \u00fcber B\u00f6se und Gute. Selbst wenn wir uns in Scham und Schuld und Bereuen einschlie\u00dfen, \u00f6ffnet Gott seine milde Hand und l\u00e4sst die Sonne aufgehen \u00fcber meinem Leben und gibt mir noch einen Tag. Noch eine M\u00f6glichkeit zu danken und zu lieben und das wieder gut zu machen, was ich zerst\u00f6rt habe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und Gott s\u00e4ht nicht sein Feld wie ein gew\u00f6hnlicher kluger Bauer, der den guten Boden im Voraus ausw\u00e4hlt. Gott wagt, dass er vielleicht vergebens s\u00e4ht und die gute Saat auf trockenen und steinigen B\u00f6den verschwendet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber wenn wir unsere Augen ge\u00f6ffnet haben, k\u00f6nnen wir vielleicht sehr wohl den Sinn darin sehen, dass der trockene, steinige Boden noch eine Chance mehr braucht, dass vielleicht nur ein kleines einzelnes Saatkorn Wurzeln schl\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb liebt Gott gro\u00dfz\u00fcgig, verschwenderisch und vergebend. Nicht weil es egal ist, was wir tun und wie wir leben. Es ist nicht gleichg\u00fcltig, ob wir den fruchtbaren Acker Gottes zu Schlachtfeldern machen und unsere Herzen hart wie Stein. Aber die Gnade Gottes ist verschwenderisch und gro\u00dfz\u00fcgig, denn es kann sein, dass sie gerade dort wirkt, wo sie am allermeisten gebraucht wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb ging Gott selbst hinein in eine Welt voller Disteln und hartem Boden, statt sich ganz fernzuhalten. Um Glauben und Hoffnung dort zu pflanzen, wo sie am allermeisten gebraucht werden. Das ist hier bei uns. Bei dir und mir. Und hier sind wir gerade versammelt um Jesus, der mit seiner Erz\u00e4hlung unseren Blick erhebt f\u00fcr die unverdiente Freude und die gute Wende der Geschichte. Die d\u00fcrfen wir nicht aufgeben \u2013 weder in unserem eigenen Leben noch drau\u00dfen in der Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Keim daf\u00fcr, dass etwas Sch\u00f6nes und Gutes wachsen kann, ist gepflanzt. Die Liebe bl\u00fcht mitten in der harten Wirklichkeit. Mit F\u00fcrsorge und W\u00e4rme, Lachen und Gemeinschaft. Die Welt ist gesegnet, und hin und wieder beginnt es zu wachsen mitten in den Schrecken des Krieges, mitten in den Ruinen, mitten in der Last des Alltags \u2013 ja mitten in all dem Leben, das recht verloren und hoffnungslos aussieht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist die Vergebung der S\u00fcnden. Dass wir Menschen f\u00fcr Gott mehr sind als hoffnungsloser Felsenboden. Wir sind mit all unserer Trockenheit und den steinernen Herzen noch immer der N\u00e4hrboden f\u00fcr das Wort, f\u00fcr den Willen und die Liebe Gottes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Selbst das kleinste Korn kann zu einem gro\u00dfen Baum werden. Selbst die hoffnungslosesten Schicksale k\u00f6nne sich zum Guten wenden. Selbst die hoffnungslosesten Situationen k\u00f6nnen mit der Kraft Gottes zu einem neuen Tag werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das heutige Evangelium spricht hinein in die Hoffnungslosigkeit und sagt: Es ist ein Unterschied, ob man Klarsicht oder Weitsicht \u00fcbt. Wir sollen nicht aufh\u00f6ren, klar zu sehen und der Wirklichkeit ins Auge zu sehen. Aber wir sollen auch weit sehen und den Glauben unsere Augen \u00f6ffnen lassen f\u00fcr das gro\u00dfe Bild und die gro\u00dfe Geschichte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da ist nichts, was fertigerz\u00e4hlt ist, bevor Gott das letzte Wort gesprochen hat. Und Gott gibt nicht auf. Das sollen wir auch nicht. Wir sollen nach vorn blicken und an die unerwartete Wende der Geschichte glauben. Wir sollen es wagen, die Hoffnung zu bewahren. Und dann sollen wir versuchen, genauso gro\u00dfz\u00fcgig und verschwenderisch mit unserem Leben umzugehen wie der unkluge Bauer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zum Schluss geht es, wie Gott in seiner G\u00fcte will. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Pastorin Eva Holmegaard Larsen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>N\u00f8debovej 24, N\u00f8debo, 3480 Fredensborg<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>E-mail: ehl(at)km.dk<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sexagesimae | 12,02,2023 | Markus 4,1-20 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Eva Holmegaard Larsen | Als Kontrast zu der ereignisreichen Welt, in der wir leben, begegnet uns an diesem Sonntagmorgen eine sehr ruhige Geschichte. Die Geschichte von einem Bauern, der \u00fcber sein Feld geht. 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