{"id":17071,"date":"2023-02-21T10:42:08","date_gmt":"2023-02-21T09:42:08","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=17071"},"modified":"2023-02-21T14:44:15","modified_gmt":"2023-02-21T13:44:15","slug":"matthaeus-41-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-41-11\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 4,1-11"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Invokavit | 26.02.2023 |\u00a0Mt 4,1-11 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0Anders Kj\u00e6rsig |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Versuchungen und Motive aus dem Alltag.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Aphorismen \u00fcber den Text zu Invokavit<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jeden Tag schaue ich in den Himmel, jede Sekunde schaut der Himmel auf mich herab.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich glaube nicht an Liebe, weil Liebe beziehungslos ist. Sie ist eine typisch platonische schlechte Idee ohne Substanz. Ich bin aber sicher, dass es das gibt, Lieben und sich verlieben, dass Lieben ein Zerbrechen von Liebe ist. Liebe und Hass h\u00e4ngen zusammen, diese Beziehung gibt es nicht beim Sich verlieben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Verliebtsein besteht auch kein Unterschied zwischen K\u00f6rper, Geist und Atem. Man pustet, hinkt und holt Luft in einer anderen Weise, wenn man verliebt ist. Liebe f\u00fchrt zu Asthma und erinnert einen an den Inbegriff von Trivialit\u00e4t und aufkommender Gleichg\u00fcltigkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott schuf den Menschen aus Erotik und nicht aus Liebe. Liebt einander und vergesst die Liebe, die gibt es nicht. Gott sagte: Lass Erotik werden, und es kam Liebe. Das ist ein menschlicher Fehler.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Warum soll die Kirche ein Logo haben, wo sie doch das beste Symbol der Welt hat?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In der Diskussion um den Bu\u00df- und Bettag als Feiertag geht es um das Verh\u00e4ltnis zwischen S\u00e4kularismus und Anti-S\u00e4kularismus, zwischen Profanit\u00e4t und Sakralem. Es geht nicht um das Verh\u00e4ltnis zwischen Staat und Kirche. Das meinen die Bisch\u00f6fe, aber nicht die Leute von den Gewerkschaften. Die haben Recht. Die Bisch\u00f6fe haben genug zu tun mit Krankmeldungen, Sexismus, Klimapolitik und Integration. Selbst Pr\u00f6pste sind langzeitkrankgemeldet. Hier ist es sch\u00f6n, schickt mehr Geld. Wir vermissen euch!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Berufung zum Pfarramt existiert nicht. Pr\u00f6pste sind Ver\u00e4nderungsagenten \u2013 habe ich geh\u00f6rt. Ein unpoetisch \u00e4rmlicher Titel, der nichts besagt. Das ist ein Teil des kirchlichen Managements. Pr\u00f6pste wollen F\u00fchrung aus\u00fcben, aber dazu ist es nie gekommen. Das gilt auch f\u00fcr Bisch\u00f6fe. Sie wissen es nur selbst nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0Es ist schwer in diesem Zusammenhang die Volkskirche zu finden. Wir machen Segment-Untersuchungen, versuchen, uns in einer Modernit\u00e4t zurechtzufinden, der wir nach dem Munde reden und der wir dennoch nie gerecht werden. Antwort der Kirche?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn ich zu mir selbst nachhause komme, will ich die Toten und die Lebenden gr\u00fc\u00dfen, ich will mich niederwerfen und zum Himmel aufblicken und an eine Zeit denken, die einmal war. Da geht es um kleine Dinge: Eine Eisenbahn, ein geschlossenes Gasthaus, H\u00e4user, die ihren Glanz verloren haben, ein kleines M\u00e4dchen ohne Z\u00e4hne, S\u00fc\u00dfigkeiten, ein Bier und schlechtes Gewissen. Ich kenne das sehr wohl, all das, was man getan und nicht getan hat, man steht da etwas verklemmt und unerl\u00f6st. Ich bin nun zuhause, und nichts hat sich ge\u00e4ndert. Das gef\u00e4llt mir.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich glaube, weil ich in die Kirche gehe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich habe nie den Ausdruck verstanden: Wenn das Leben zu gro\u00df wird. Was ist das?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich zweifle an echter Liebe. Soll die Liebe echt sein, ist sie ohne Leidenschaft. Das hei\u00dft: Schmutzige Liebe. Die ist sehr echt, m\u00f6chte ich glauben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir reden von Einsamkeit, weil wir Gemeinschaft vermissen. Wir sind Antiindividualisten. Sartre schrieb einen Roman mit dem Titel: \u201eEinsam unter Menschen\u201c. Sein Problem war dann aber wohl die Gemeinschaft, weil sie dem Menschen die Authentizit\u00e4t raubte. Heute ist Einsamkeit ein Problem, weil Identit\u00e4t nicht existentialistisch ist, sondern kommunitaristisch \u2013 wir f\u00fcrchten die Einsamkeit in unserer Sehnsucht nach einer Gemeinschaft, die nicht existiert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich bin \u00e4lter geworden. Damit bin ich einverstanden. Manchmal frage ich mich selbst: Was willst du mit deinem Leben. In der Regel vergesse ich das und gehe woanders hin. Wo ich gehe, ende ich in der Regel an derselben Stelle. Mein Leben ist ein Nichts in Bewegung. Etwas, was nur ist, w\u00e4hrend es geschieht, eine konstante Unsicherheit unterwegs zu Horizonten, die stabil sind. Letzteres ist Gott zu verdanken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kann man den Existentialismus der drei\u00dfiger Jahre heute noch zu etwas gebrauchen? Wer liest noch Tom Kristensen und Hermann Hesse? Liest man die franz\u00f6sische Ausgabe von Sartre usw.? In den 80er Jahren hatten wir die jungen Wilden, schwarze Existentialisten in Lederkleidung. Was ist heute? Ist Existentialismus Realismus, Anti-Identit\u00e4t?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Stimmungen wie Angst und Verzweiflung sind nicht existentiell, sondern pathologisch und diagnostisch. Die neuen Grundstimmungen sindEins1amkeit und Langeweile. Das macht einen Unterschied, w\u00fcrde mich meinen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Man wird \u00e4lter min dem Alter. Menschen verschwinden, Freude verlieren sich im Horizont, Eltern sind nicht mehr da. Ich erinnere mich an ihre Gleichg\u00fcltigkeiten und Trivialit\u00e4ten, sie kamen vorbei und verschwanden wieder. Nun bin ich ich selbst ohne sie, und das ist eine neue Art und Weise, sich selbst zu finden. Eines Tages werde ich nicht mehr hier sein, und andere werden hoffentlich dasselbe sagen. Das hoffe ich doch.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Heute Abend will ich Optimist sein!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich wurde von einem Auto getroffen, mein K\u00f6rper stand zwischen Objekt und Subjekt. Der K\u00f6rper verbindet den Menschen mit Wirklichkeit, wenn man getroffen wird. Ich lande auf dem K\u00fchler des Autos, blicke in die Frontscheibe und entdecke ein Gesicht, das nicht meins ist. Der Test ist nur eine Situation.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich lese ein kleines Buch mit dem Titel: \u201eJuristisch denken\u201c. Es ist im juristischen Buchhandel in Aarhus gekauft worden. Man konnte auch ein Buch kaufen mit dem Titel: \u201eJuristisch schreiben\u201c. Das mag ich nicht lesen. Beide sind von Professor Jens Ewald geschrieben. Er schreibt gut.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist interessant, Kultur, Staat, Markt und Gesellschaft unter dem Kriterium richtig und verkehrt zu betrachten. Das ist weder ein ethisches, \u00e4sthetisches noch ein erkenntnism\u00e4\u00dfiges Problem, das muss man sagen. Jura denkt in einer eigenen Weise, mischt sich aber n viele andere Bereiche ein. Selbst Fiktion kann juristisch gesehen werden. Davon wissen wir heute wenig. Es gibt Grenzen f\u00fcr das, was man heute schreiben darf; man wei\u00df ja nie, ob man jemanden beleidigt hat. Das ist neu: Woke, cancel culture usw. Wir lesen Literatur nicht mehr poetisch, sondern juristisch. Das Sch\u00f6ne unterliegt dem Gerechten. Eine Art von juristischer Hermeneutik, die das Werk nicht \u00e4sthetisch betrachtet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Man muss sich vorsehen, wenn man schreibt, es k\u00f6nnte einen wirtschaftliche ruinieren. Die Moral: Haltet euch an Regeln und Tageb\u00fccher. <em>Aber<\/em>: Passt auf!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Habe gerade geh\u00f6rt, dass hoch denken ungesund ist. Da kenne ich Leute, die beruhigt sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Leitende Leute aus der Kirche behaupten, das Christentum sei eine Grundlage f\u00fcr Werte. Da habe ich meine Zweifel. Ist die Gnade Gottes ein Wert? Gnade kommt von gratia und bedeutet gratis. Das ist in Wirklichkeit ein Anti-Wert, das Gegenteil von Wert und Wertgrundlage und ist paradoxerweise wohl nichts wert. Wert stammt aus \u00f6konomischem Denken, und da ist nichts gratis.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Anders Kj\u00e6rsig<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK 5881 Sk\u00e5rup<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: ankj(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Invokavit | 26.02.2023 |\u00a0Mt 4,1-11 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0Anders Kj\u00e6rsig | Versuchungen und Motive aus dem Alltag. Aphorismen \u00fcber den Text zu Invokavit Jeden Tag schaue ich in den Himmel, jede Sekunde schaut der Himmel auf mich herab. Ich glaube nicht an Liebe, weil Liebe beziehungslos ist. Sie ist eine typisch platonische schlechte Idee ohne Substanz. 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