{"id":17218,"date":"2023-02-28T17:08:45","date_gmt":"2023-02-28T16:08:45","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=17218"},"modified":"2023-03-01T21:45:22","modified_gmt":"2023-03-01T20:45:22","slug":"markus-12-1-12-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-12-1-12-4\/","title":{"rendered":"Markus 12, 1-12"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Was wird nun der Herr des Weinbergs tun?| 2. So. d. Passionszeit Reminiszere | 05. M\u00e4rz 2023 | Mk. 12, 1-12 | Thomas-M. Robscheit |<\/h3>\n<p><em>12,1 Und er fing an, zu ihnen in Gleichnissen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weing\u00e4rtner und ging au\u00dfer Landes. 2Und er sandte, als die Zeit kam, einen Knecht zu den Weing\u00e4rtnern, damit er von den Weing\u00e4rtnern seinen Anteil an den Fr\u00fcchten des Weinbergs n\u00e4hme. 3Da nahmen sie ihn, schlugen ihn und schickten ihn mit leeren H\u00e4nden fort. 4Abermals sandte er zu ihnen einen andern Knecht; dem schlugen sie auf den Kopf und schm\u00e4hten ihn. 5Und er sandte einen andern, den t\u00f6teten sie; und viele andere: die einen schlugen sie, die andern t\u00f6teten sie. 6Da hatte er noch einen, den geliebten Sohn; den sandte er als Letzten zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. 7Sie aber, die Weing\u00e4rtner, sprachen untereinander: Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn t\u00f6ten, so wird das Erbe unser sein! 8Und sie nahmen ihn und t\u00f6teten ihn und warfen ihn hinaus vor den Weinberg. 9Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weing\u00e4rtner umbringen und den Weinberg andern geben. 10Habt ihr denn nicht dieses Schriftwort gelesen (Ps 118,22-23): \u00bbDer Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. 11Vom Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen\u00ab? 12Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen, und f\u00fcrchteten sich doch vor dem Volk; denn sie verstanden, dass er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte. Und sie lie\u00dfen ihn und gingen davon.<\/em><\/p>\n<p>(Lutherbibel 2017)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Friede sei mit Euch!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">wie ist es Ihnen ergangen, als Sie vorhin bei der Evangelienlesung unseren heutigen Predigttext geh\u00f6rt haben? Sind die W\u00f6rter mehr oder weniger an Ihnen vorbeigerauscht, wie es uns oft bei vermeintlich bekannten Texten geht? Oder haben die Worte Sie erschreckt? Erschreckt, weil der Text politisch so inkorrekt ist? Ganz offensichtlich (Mk. 11,27) sind mit den b\u00f6sen Weing\u00e4rtnern die Hohepriester, Schriftgelehrten und \u00c4ltesten der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung in Jerusalem gemeint. Dem interreligi\u00f6sen Dialog ist dieser Text eher nicht dienlich. Er lehnt nicht nur ab, sondern verunglimpft die religi\u00f6se j\u00fcdische Elite. So was macht man nicht und schon gar nicht beim Judentum, werden Sie denken und fragen sich vielleicht, wie \u00fcber den Text gepredigt werden soll, ohne Tabus zu brechen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Man k\u00f6nnte sich hinter dem damaligen Zeitgeist verstecken. Die Gemeinde ist eine religi\u00f6se Splittergruppe des Judentums, eine Sekte. Und wie alle Abspaltungen f\u00fchlten sie sich als etwas Besseres, mussten das Sektierertum legitimieren und sich deutlich abgrenzen und zwar davon, wo ihre eigenen Wurzeln liegen. Der Ausspruch des Karikaturisten F.W.Bernstein hatte auch damals schon seine G\u00fcltigkeit: \u201eDie sch\u00e4rfsten Kritiker der Elche waren fr\u00fcher selber welche.\u201c Ob die Geschichte von den b\u00f6sen Weinbauern, die in allen drei synoptischen Evangelien \u00fcberliefert und Jesus in den Mund gelegt ist, tats\u00e4chlich von ihm stammt, l\u00e4sst sich nicht sicher beantworten. Der Hinweis auf den Tod des Sohnes spricht meines Erachtens aber eher f\u00fcr einen nach\u00f6sterlichen Text. F\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Textes und die Spekulation dar\u00fcber, was die H\u00f6rer des Markusevangliums verstanden haben, ist das letztlich aber egal. Sie d\u00fcrften sich als \u201edie anderen\u201c (V. 9) verstehen, die nun den Weinberg bekommen haben. Vermutlich wird ihnen aber auch ein weiterer Text sofort in den Sinn gekommen sein: Das Lied vom Weinberg in Jesaja 5; das wir vorhin im Gottesdienst ebenfalls geh\u00f6rt haben. Wenn man diese beiden Texte gedanklich nebeneinander legt, f\u00e4llt ein gravierender Unterschied auf: Bei Jesaja bringt der Weinberg keine Frucht und wird vernichtet, im Gleichnis bei Markus geht es darum gar nicht, sondern wie die Eliten mit ihren Pflichten, mit ihrer Verantwortung umgehen. F\u00fcr den Verfasser steht au\u00dfer Frage, dass diese Eliten versagt haben. Deswegen schlie\u00dflich gibt es ja die kleine Splittergruppe, aus der sp\u00e4ter eine Weltreligion werden sollte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das sind wir nun (auch wenn man als Christ in Deutschland eher wieder zu einer gesellschaftlichen Splittergruppe geh\u00f6rt). Die Zeiten, in denen wir meinten, uns vom Judentum abgrenzen zu m\u00fcssen, sind l\u00e4ngst vorbei. Das Christentum ist erwachsener geworden und kann sich gemeinsam mit den anderen gro\u00dfen Religionen auf das Verbindende, im Sinne des Weltethos\u00a0 konzentrieren. Ist dieser Text deswegen jetzt obsolet, nur ein historisches Zeugnis f\u00fcr die pubert\u00e4re Phase unserer Religion? Was ist, wenn wir den Text so lesen, als w\u00fcrde er heute zu uns gesprochen werden?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer sind wir in diesem Gleichnis? Die Propheten, die geschlagen werden? Der vergleichsweise passive Weinberg?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie leben und glauben Sie, liebe Schwestern und Br\u00fcder? Sie sind heute im Gottesdienst, das unterscheidet Sie von 80% unserer Gemeindeglieder; Sie engagieren sich zum gro\u00dfen Teil f\u00fcr Ihre Kirche und gestalten Ihre christliche Gemeinde mit. Wo finden sie sich in dem Gleichnis heute wieder? In denen, die Verantwortung f\u00fcr den Weinberg \u00fcbernommen haben! Wir sind die, die die gute Nachricht in die Welt tragen sollen, auf deren Fahnen Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Sch\u00f6pfung steht. Machen wir das auch? Von ganzem Herzen? Oder wenigstens ausreichend? Lassen wir uns motivieren, \u00fcberdenken unser Handeln? Erkennen wir, wenn wir auf falschem Weg sind und sind wir bereit umzukehren?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie gehen wir mit den Mahnerinnen und den Vision\u00e4ren unserer Tage um? Mit denen, die weltweite Gerechtigkeit einfordern? Oder mit denen, die mit ihrer pazifistischen \u00dcberzeugung wie der einsame Rufer in der W\u00fcste nicht still werden wollen? Was ist mit der \u00d6ko-Laus in unserem Pelz der etablierten Behaglichkeit?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir verpr\u00fcgeln niemanden oder schlagen ihn gar tot, weil uns Klimaprotest nervt. Nein, das machen wir nicht; wir legen nicht Hand an.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das haben wir auch gar nicht n\u00f6tig! Den Idealisten mit seinem Traum vom Frieden ohne Waffen schlagen wir mit den harten Argumenten der scheinbar in Beton gegossenen Realit\u00e4t. Wer in verzweifelten Zeichenhandlungen zum Umdenken aufruft, wird unter digitalem Shitstorm begraben oder wird f\u00fcr seine Naivit\u00e4t bel\u00e4chelt und totgeschwiegen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was wird nun der Herr des Weinbergs tun?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Schwestern und Br\u00fcder,wie ist es Ihnen ergangen, als Sie Text geh\u00f6rt haben? Sind die W\u00f6rter mehr oder weniger an Ihnen vorbeigerauscht? Oder haben die Worte Sie erschreckt? Erschreckt, weil das Gleichnis uns spiegelt, wie wir uns nicht sehen wollen?<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><u>Hinweis: <\/u>Ich empfehle, den Predigttext als Evangelium und die AT-Lesung anstelle der Epistel zu lesen. So sind beide Texte pr\u00e4sent.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><u>Liedvorschlag:<\/u><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hilf Herr meines Lebens<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Thomas-M. Robscheit, EKM, Apolda, thm@robscheit.de<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was wird nun der Herr des Weinbergs tun?| 2. So. d. Passionszeit Reminiszere | 05. M\u00e4rz 2023 | Mk. 12, 1-12 | Thomas-M. 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