{"id":17316,"date":"2023-02-28T15:59:53","date_gmt":"2023-02-28T14:59:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=17316"},"modified":"2023-03-08T16:02:36","modified_gmt":"2023-03-08T15:02:36","slug":"markus-121-12-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-121-12-3\/","title":{"rendered":"Markus 12,1-12"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Reminiszere | 2. Sonntag in der Passionszeit | 05.03.2023 | Mk 12,1-12 | Ralph Kunz |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mein Grossvater war Bauer im St. Galler Rheintal. Der Betrieb geh\u00f6rte allerdings nicht ihm, sondern der Gemeinde Eichberg; der Hof war Teil des \u00abB\u00fcrgerheims\u00bb \u2013 eine gemeinn\u00fctzige Einrichtung. Mein Grossvater war P\u00e4chter \u2013 wie die Weing\u00e4rtner im Gleichnis. Das Vieh, das Mostobst und das wenige Ackerland warfen allerdings nicht viel ab. Es waren damals in den 1920er und 1930er Jahren, als er den Betrieb \u00fcbernahm, schwierige Zeiten. Eine Option war auszuwandern. Ein Appenzeller Cousin, Konrad, war Melker in Wisconsin. Er schrieb meinem Grossvater einen Brief, in dem es hiess: \u00abEmil, komm her\u00fcber, hier ist das Paradies.\u00bb Was tun? Meine Grosseltern wurden sich nicht einig. Sie standen vor der schwierigsten Entscheidung ihres Lebens. Also beschlossen sie, die Bibel zu fragen. Sie schlugen \u00abblind\u00bb das Buch auf und lasen das, was auf der Seite stand, als \u00abLosung\u00bb. Ein riskantes Verfahren! Ich w\u00fcrde es niemanden empfehlen. Bei meinen Grosseltern hat es funktioniert. Sie sind bei Jeremia 29 gelandet: \u00abBaut H\u00e4user und wohnt darin; pflanzt G\u00e4rten und esst ihre Fr\u00fcchte \u2026 Suchet der Stadt Bestes &#8211; so geht\u2019s euch auch wohl.\u00bb<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aufgrund dieser Losung blieben meine Grosseltern P\u00e4chter im Rheintal. Sie hatten f\u00fcnf T\u00f6chter und es gingen ihnen gut \u2013 wenn auch in sehr bescheidenem Rahmen. Und doch war ein \u00abRest\u00bb Unzufriedenheit. Mein Grossvater h\u00e4tte gerne einen eigenen Hof erworben. Aber das vermochte er nicht. In Amerika w\u00e4re das vielleicht m\u00f6glich geworden. Und dieses \u00abVielleicht\u00bb nagte an ihm. Wie auch immer. Die j\u00fcngste Tochter war meine Mutter und ich bin froh, blieb mein Grossvater P\u00e4chter im Rheintal. Sonst w\u00e4re ich nicht da. Oder w\u00e4re ein Ami. Ich bin froh, haben meine Grosseltern das 29. Kapitel Jeremia aufgeschlagen, Bei Jeremia g\u00e4be es auch Texte, die eher zur Flucht raten. Zum Beispiel das Lied vom Weinberg (Jes 7,1-5).<br \/>\nIm Lied vom Weinberg beklagt sich Gott \u00fcber sein treuloses Volk \u2013 in der Rolle eines Weinbauers, der viel in seinen Rebberg investiert, eine Mauer gezogen und einen Turm gebaut hat, um gefr\u00e4ssige R\u00e4uber abzuwehren. Aber die Reben haben dennoch schlechte Trauben hervorgebracht. Also beschliesst der frustrierte Bauer seinen Weinberg dem Erdboden gleichzumachen. F\u00fcr j\u00fcdische Ohren hat das Lied vom verw\u00fcsteten Weinberg einen bitteren Klang. Es ist eine Gerichtsansage und r\u00fchrt an das Trauma der Diaspora. Diese Deutung hat sich ihnen eingepr\u00e4gt: \u00abDer Weinberg Gottes aber ist das Haus Israel und die Menschen Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch.\u00bb<br \/>\nAuch Jesus erz\u00e4hlte seinen Zuh\u00f6rern ein Gleichnis. Wir haben es geh\u00f6rt. Und sogleich wird klar, dass der Meister der Parabel mit dem alten Lied spielt \u2013 aber seinen Bildgehalt variiert. In der Jesusversion hat der Besitzer des Weinbergs P\u00e4chter eingesetzt. Er selbst ist nicht anwesend. Er z\u00e4hlt auf die Treue seiner Stellvertreter. Sie d\u00fcrfen Gewinn erwirtschaften, aber sollen f\u00fcr den Herrn reservieren, was ihm zusteht, weil der Weinberg nicht ihnen geh\u00f6rt. Von Zeit zu Zeit schickt der Besitzer Knechte, um seinen Anteil einzufordern. Aber die P\u00e4chter wollen keine Pacht zahlen. Sie begehen Vertragsbruch. Im Jesusgleichnis sind also nicht die Trauben, sondern die Verwalter schlecht. Sie betr\u00fcgen den Besitzer pl\u00fcndern den Weinberg und werden kriminell. H\u00f6hepunkt respektive Tiefpunkt im jesuanischem Weinbergdrama ist der Mord am Sohn des Besitzers. Auch vor diesem letzten grossen Frevel schrecken die P\u00e4chter nicht zur\u00fcck. Sie bringen den Sohn um, weil <em>sie<\/em> die Chance wittern, das Erbe an sich zu reissen. Sie f\u00fchlen sich als die Herren des Weinbergs, nicht als P\u00e4chter.<br \/>\nAn dieser Stelle unterbricht Jesus die Erz\u00e4hlung; er wechselt die Ebenen und spricht die Zuh\u00f6renden an: \u00abWie <em>wird<\/em> der Weinbergbesitzer reagieren?\u00bb Jeremias Lied im Hintergrund sorgt daf\u00fcr, dass seinen Zuh\u00f6rern klar ist, was gemeint ist, worauf das Ganze hinauslauft. Jesus zieht den erwartbaren Schluss, den diese Geschichte haben wird. Dem Besitzer reicht es. Er <em>wird<\/em> die b\u00f6sen Verwalter richten und t\u00f6ten.<br \/>\nIst das die Pointe der Parabel?<br \/>\nJa und Nein. Wir lesen von Jesus, der eine Geschichte erz\u00e4hlt, in einer Geschichte \u00fcber Jesus, die der Evangelist erz\u00e4hlt. Das ganze Szenario ist doppelb\u00f6dig, mehrschichtig, wenn man Jeremia mith\u00f6rt, der 700 Jahre vor Jesus seinen H\u00f6rern das Weinberglied gesungen hat. Das alte Gerichtslied ist wie ein Schatten, der auf das erwartbare Ende Jesu f\u00e4llt. Jesu Zuh\u00f6rer verstehen die Parabel und merken sehr wohl, welchen Part Jesus ihnen zuschanzt. <em>Sie<\/em> haben die Rolle der treulosen P\u00e4chter inne. Sie werden den Sohn t\u00f6ten \u2013 denjenigen, der sich erdreistet, in die Rolle des Erben zu schl\u00fcpfen. Das Einzige, was sie davon abh\u00e4lt, sogleich zur Tat zu schreiten, ist der Umstand, dass Jesus in der Gunst des Volkes steht. Noch.<br \/>\nAus der Reminiszenz wird Pr\u00e4senz. So erz\u00e4hlt es uns Markus. Wir sind in der <em>Story von Jesus<\/em> noch nicht beim Tiefpunkt angekommen, am dramatischen Kipppunkt, an dem der Sohn get\u00f6tet wird. Noch ist die Sache offen. Noch hat es nicht geblitzt. Noch wird um das Erbe gestritten. Noch h\u00e4tten alle, die sich an das erinnern, was in den alten Tagen mit den Propheten geschehen ist, die Chance, den Sohn zu schonen, auf seine Worte zu h\u00f6ren, seiner Einladung zu folgen. Denn ER hat allen, die im Weinberg arbeiten, eine Botschaft des Besitzers zu sagen.\u00a0 Denn Jesus ist ein Poet, ein S\u00e4nger, der neue Lieder singt und hoffnungsvolle Geschichten erz\u00e4hlt. \u00abDer Herr kommt nach Hause, aber nicht um zu richten, sondern um zu befreien. Tut Busse.\u00bb (Mk 1,1ff)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer Ohren hat zu h\u00f6ren, h\u00f6rt das Evangelium. Jetzt ist es Zeit, umzukehren und sich daran zu erinnern, dass Gott immer wieder geworben hat, immer wieder barmherzig war und noch einmal und noch einmal seine Propheten geschickt hat, um seine Pacht ein einzufordern. Und diese Pacht ist der Glaube, ist Euer Herz. <em>Reminizere<\/em> \u2013 erinnert euch an Gottes Erbarmen.<br \/>\nDas ist die Pointe. Dass sich die H\u00f6rer als P\u00e4chter erkennen, die freudig ihren Teil aus der \u00dcberf\u00fclle zur\u00fcckgeben, die sie bekommen haben, dem Gutsherrn dienen, ihm f\u00fcr seine G\u00fcte danken, weil er gn\u00e4dig und barmherzig ist. So gesehen ist auch die dunkle Weinbergerinnerung in der gr\u00f6sseren Erz\u00e4hlung des Evangeliums ein Angebot an alle, die Ohren haben zu h\u00f6ren. Welches Ende gibst Du der Geschichte? Auf welche Seite schl\u00e4gst Du Dich? Geh\u00f6rst Du zu denen, die sich freuen, wenn der Sohn kommt? Warum f\u00e4llt es Dir so schwer, diese einfache Botschaft zu h\u00f6ren und danach zu leben?<br \/>\nDie Geschichte, die Jesus in seiner Geschichte erz\u00e4hlt, gibt eine Antwort. Die Antwort steckt in der Verschachtelung. Sie t\u00f6teten damals die Propheten und sie t\u00f6ten jetzt den Sohn. So war es im alten Israel, so ist es im Gleichnis und darauf wird es am Ende mit Jesus hinauslaufen. Wir erkennen in dieser Verschachtelung das Evangelium. Was so gut beginnt und so hoffnungsvoll klingt, st\u00f6sst auf Ablehnung und geht doch weiter. Aber warum dieser Widerstand?<br \/>\nNaiv gefragt: Ginge es nicht einfacher? Direkter? Wir sehen die Figur des Messias im Sohn, die Figur der Propheten in den Knechten und die Figur der verstockten Menschen in den P\u00e4chtern, die nicht h\u00f6ren wollten.\u00a0 Und \u00fcber allen die Figur des Besitzers \u2013 ein Schatten Gottes. Abwesend. K\u00f6nnte der Herr des Weinbergs das Drama nicht verhindern, indem er endlich selbst auftaucht und Ordnung schafft? <em>Muss<\/em> der \u00abgeliebte Sohn\u00bb umgebracht werden?<br \/>\nMarkus stellt es in seinem Evangelium so dar, dass Jesus selbst die Frage beantwortet, verh\u00fcllt in Gleichnissen und unverh\u00fcllt in seiner Lehre und in Streitgespr\u00e4chen. In Kapitel 8,31 heisst es: \u00abUnd er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn <em>muss<\/em> vieles leiden und verworfen werden von den \u00c4ltesten und Hohen Priestern und Schriftgelehrten und get\u00f6tet werden und nach drei Tagen auferstehen.\u00bb<br \/>\nDie Antwortet lautet also: Ja, es <em>musste<\/em> so kommen. Aber wir bekommen nur die Geschichten erz\u00e4hlt Im Markusevangelium wird die Frage, <em>warum<\/em> der Messias leiden musste, nicht mit einem \u00abDogma\u00bb beantwortet, sondern als \u00abStory\u00bb erz\u00e4hlt. Der Gewinn: Ich kann als Leser des Evangeliums mit ihm, dem Sohn, der get\u00f6tet wird, mitgehen. Ich kann ihm nachfolgen. Ich bin bei ihm, wenn er seine J\u00fcnger bittet: \u00abBleibet hier und wachet mit mir.\u00bb<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und <em>sie<\/em> schlafen, aber <em>ich<\/em> lese weiter, ich bleibe bei, wenn er ganz allein zu Gott im Garten Getsemani fleht: \u00abDein Wille geschehe.\u00bb Und ich h\u00f6re ihn mit dem Psalm 22 beten: \u00abWarum hast Du mich verlassen, Gott?\u00bb<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber noch ist nicht Karfreitag. Darum will ich am zweiten Sonntag, am Anfang der Passionszeit noch einmal nachhaken: Weshalb hat Gott das Risiko auf sich genommen, seinen Sohn in diese Welt zu schicken? H\u00e4tte er nicht eine weniger gef\u00e4hrliche Strategie fahren k\u00f6nnen? W\u00e4re die Sache anders gelaufen, wenn einer gekommen w\u00e4re, mit weniger radikalen Ideen? Einer, der nicht so provokativ und so parteiisch aufgetreten w\u00e4re? Statt einem rebellischen Reich-Gottes-Aktivist ein Weisheitslehrer, der meditiert und keiner Seele etwas zu leide tut? Ein graub\u00e4rtiger Heiler, der Allvers\u00f6hnung predigt und alle segnet, die ihm \u00fcber den Weg laufen, der alt und gl\u00fccklich stirbt und seinen Nachkommen ein Buch hinterl\u00e4sst, in dem jeder seine Regeln nachlesen kann? Ein Evangelium ohne Kreuz, ohne Schande, ohne Spott? Ohne Gewalt, ohne Komplikationen, mit einem Weinberg ohne faule Trauben und b\u00f6sartigen P\u00e4chtern? Warum musste der Messias sterben? Weil alle, die <em>seine<\/em>Geschichte h\u00f6ren, vor die Entscheidung gestellt werden, ob sie ihm, Jesus glauben, was er von Gott erz\u00e4hlt. Weil durch seinen Tod <em>alle<\/em> zu P\u00e4chtern werden. Denn der Verrat, die Untreue, das Verbrechen ist nicht die Untat der B\u00f6sewichte, auf die <em>wir<\/em> mit den Fingern zeigen k\u00f6nnten.<br \/>\nEs sind nicht die \u00abAnderen\u00bb, die den Sohn t\u00f6teten, es waren nicht die Juden \u2013 um an eine diabolische Verblendung des Christentums zu erinnern. Das Weinbergdrama ist keine Familienangelegenheit unter Israeliten. Es waren auch nicht die Atheisten oder die Kommunisten oder die dummen K\u00f6nige, auch nicht die fehlbaren P\u00e4pste oder die fanatischen Sektierer, die den Sohn umgebracht haben.<br \/>\nAlle Schuldzuweisungen geh\u00f6ren zur Fantasie eines unkomplizierten Evangeliums. Das komplizierte entlarvt uns. Unsere Illusion, dass <em>wir<\/em> die Schuldigen benennen und uns zu Unschuldigen erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Dass <em>wir <\/em>die verbrecherischen P\u00e4chter erkennen und sie richten d\u00fcrfen und uns selbst die Rolle zuweisen, der allein dem Herrn der Geschichte zukommt. Nein. Es der Sinn der Passionszeit, dass wir die Gelegenheit bekommen, unseren Part im Drama zu erkennen, \u00a0die Mitschuld anzuerkennen, um dann die richtigen Schl\u00fcsse zu ziehen. Oder mit einem alten Wort, das viele nicht m\u00f6gen: Busse zu tun.<br \/>\nBusse, Umkehr ist aber nur m\u00f6glich, weil die Geschichte eine \u00fcberraschende Wende genommen hat. Denn wir verk\u00fcnden seinen Tod und preisen seine <em>Auferstehung<\/em>. Und die Verbrecher werden <em>nicht<\/em> bestraft. Der Sohn bittet den Vater: \u00abVergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.\u00bb (Lk 23,34) Erinnere Dich Deines Erbarmens (Ps 25,6)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieselbe Pointe hat das Psalmwort, das Jesus seinen H\u00f6rer an den Kopf wirft: \u00abDie Bauleute haben den Stein verworfen, der den Bau vollenden soll. Sie haben seinen Wert nicht erkannt. Sie haben ihren Gott des Erbarmens nicht begriffen. Haben sich zum B\u00f6sen reizen lassen. Denn sie wussten nicht, was sie getan haben \u2013 und haben so, unwillentlich und unwissentlich, der Geschichte eine Wende zum Guten gegeben. Das ist der Faden der Glaubensgeschichte, den wir mit den F\u00e4den der eigenen Geschichte verkn\u00fcpfen \u2013 immer wieder neu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">***<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich bin Enkel eines P\u00e4chters, habe mitbekommen, wie es an der Seele nagen kann, wenn man nicht Besitzer einer \u00abHeimat\u00bb ist. Es ist nur ein Erinnerungsfaden, aber er hat sich mit meiner kindlichen Seele verbunden. Ich war gern mit ihm unterwegs \u2013 er lehrte mich melken, ich durfte die K\u00e4lber tr\u00e4nken, half ihm beim Most\u00e4pfel sammeln. F\u00fcr mich war es sonnenklar, dass ich den Hof einmal erben und als Bauer den Hof meines Grossvaters dereinst \u00fcbernehmen werde. Das habe ich ihm dann eines Tages stolz verk\u00fcndet. Er reagierte nicht, wie ich es mir erhoffte. Ich sehe immer noch den Schatten im Gesicht, h\u00f6re die Entt\u00e4uschung in seiner Stimme. \u00abIch bin nur P\u00e4chter, Ralph \u2013 ich kann Dir nichts vererben.\u00bb\u00a3<br \/>\nIch habe verstanden und bin nicht Bauer, sondern Pfarrer geworden. Was ich erst sp\u00e4ter begriffen habe \u2013 und ich wollte, ich k\u00f6nnte es meinem Grossvater heute sagen \u2013 dass er mir sehr viel mehr als einen Hof hinterlassen hat. Er war ein treuer P\u00e4chter! Er war ein sanftm\u00fctiger, friedliebender Mensch, ein Ehemann, der seine Frau verehrte und bis in den Tod treu begleitete, seinen T\u00f6chtern ein liebender Vater, leidenschaftlicher und fortschrittlicher Bauer, ein engagierter Gemeinderat und ein fantastischer Jasser. Er hat seine Pacht bezah Was f\u00fcr ein wunderbares Erbe!<br \/>\nWas macht es mit Menschen, wenn sie sich als P\u00e4chter erkennen? Wie gehen sie damit um, dass sie nicht Besitzer sind und von ihnen eine Pacht erwartet wird? Die menschliche Seele ist kompliziert. Sie w\u00fcnscht sich eine eigene Heimat. Sie strebt nach Selbst\u00e4ndigkeit. Sie entdeckt sich als Gesch\u00f6pf und schwankt zwischen Dank und Trotz, vertraut auf ihren Sch\u00f6pfer, sucht seine N\u00e4he und versteckt sich, bockt, wenn er sich naht, h\u00f6rt seinen Ruf und verstockt sich, wenn er in sein Eigentum kommt. Dabei verkennt sie das Erbe, das sie schon bekommen hat. Es ist die unerh\u00f6rte M\u00f6glichkeit, ein Mensch zu sein, der in seiner Familie, seiner Gemeinde und seiner Stadt am Wohl mitarbeitet, der in Treue und Liebe dienen und aus der F\u00fclle des Lebens sch\u00f6pfen darf. Was wir geben k\u00f6nnen, macht uns gl\u00fccklich, was wir teilen d\u00fcrfen, macht uns reich. Es w\u00e4re so einfach. <em>Wir<\/em> machen das Evangelium kompliziert. Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reminiszere | 2. 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