{"id":1749,"date":"2020-02-17T13:42:32","date_gmt":"2020-02-17T12:42:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=1749"},"modified":"2020-02-21T18:36:18","modified_gmt":"2020-02-21T17:36:18","slug":"by-the-rivers-of-babylon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/by-the-rivers-of-babylon\/","title":{"rendered":"By the Rivers of Babylon"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt zu Hesekiel 2,1-3;3, verfasst von Marion Werner |<\/h3>\n<p><em>Gnade sei mit euch und Frieden, von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus.<\/em><\/p>\n<p>\u00abBy the Rivers of Babylon\u201d Boney M &#8211; wird angespielt\u2026.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Sie alle kennen dieses Lied. 1978 brachten Boney M diesen Song raus und st\u00fcrmten damit die Charts. Bis heute wird das Lied gern geh\u00f6rt und gesungen. Was nicht alle wissen, der Hintergrund des Liedes ist der 137. Psalm. Es ist die Zeit der Deportation nach Babylon im 6. Jahrhundert v.Chr.<\/p>\n<p>Nebukatnezar II hatte nach seinem Sieg im Jahr 598 v. Chr. die Oberschicht Jerusalems nach Babylon verschleppt und in Mesopotamien, am Fluss Kadar angesiedelt.<\/p>\n<p>Hier entstehen die Worte des Psalms, die Boney M singen:<\/p>\n<p>An den Str\u00f6men Babels, da sa\u00dfen wir.<br \/>\nUnd \u00a0wir weinten, wenn wir an Zion dachten.<br \/>\nAls die Gottlosen uns in die Gefangenschaft verschleppten,<br \/>\nForderten sie von uns die Worte eines Liedes.<br \/>\nWie nun sollten wir des Herrn Lied singen<br \/>\nAuf fremder Erde?<\/p>\n<p>Diese Worte bringen die Tragik der Verschleppten zum Ausdruck. Deportiert und fern der Heimat, f\u00fchlen sie sich im wahrsten Sinne von Gott verlassen. F\u00fcr sie war klar, Gott wohnte mit seiner Herrlichkeit im Tempel von Jerusalem. Dort war er anzubeten. Dort erh\u00f6rte er Gebete. Dort konnte man ihm singen und Opfer bringen. In Babylon, waren sie nun sehr sehr weit weg von Gott uns seiner Herrlichkeit. Jetzt, wo sie ihn und seine Hilfe am dringendsten brauchten, war er so weit weg, konnte sie weder h\u00f6ren, noch ihnen helfen. Sie f\u00fchlten sich verlassen. Im wahrsten Sinne, von Gott verlassen. Und so sitzen sie an den Str\u00f6men Babylons, denken an Zion und weinen.<\/p>\n<p>Es sind f\u00fcnf Jahre her seit der Deportation, als der dreissigj\u00e4hrige Priestersohn Hesekiel, der auch mit verschleppt worden war, pl\u00f6tzlich Visionen hat und von Gott zum Propheten f\u00fcr die Israeliten im Exil berufen wird. In beeindruckenden Bildern schildert Hesekiel am Anfang seines Buches den Thronwagen der Gott und seine Herrlichkeit aus dem Tempel von Jerusalem nach Babylon f\u00e4hrt. Das Unfassbare geschieht hier: Gott verl\u00e4sst Jerusalem und begibt sich in das fremde Land zu seinem verschleppten Volk. Gott kommt zu denen, die sich von ihm verlassen gef\u00fchlt haben. Und er beruft und beauftragt Hesekiel seine Worte an die Exulanten weiter zu geben.<\/p>\n<p><em>Hesekiel 2,1-3,3<\/em>.<\/p>\n<p>Hesekiel wird in ein schweres Amt berufen. So sch\u00f6n auch die Vorstellung ist, dass Gott zu dein Seinen ins fremde Land Babylon kommt, so ern\u00fcchternd sind seine Worte. Er kommt nicht als der liebende und tr\u00f6stende Gott, sondern als derjenige, der ihnen die \u00abLeviten liest\u00bb. Als Sprachrohr Gottes soll Hesekiel nun seinem Volk, einem widerspenstigen Volk, die Wahrheit sagen und ihnen ihre Schuld aufzeigen. Er muss ihnen aufzeigen, wo sie nicht nach Gottes Willen gelebt und geglaubt haben. Hesekiel bekommt eine Schriftrolle, die beidseitig beschrieben ist. Eine Anklageschrift mit so vielen Punkten, mit so viel \u00abKlage, Ach und Weh\u00bb, dass kein unbeschriebener Fleck auf der Rolle \u00fcbrig ist.<\/p>\n<p>Es ist ein unglaublich schwerer Auftrag, den Hesekiel erh\u00e4lt. Als Teil der Gruppe von Deportierten Israeliten, die hier in der Fremde zusammenhalten muss, soll Hesekiel nun Ankl\u00e4ger im Namen Gottes sein und sich gegen sie stellen.<\/p>\n<p>Ob Hesekiel den Auftrag lieber abgelehnt h\u00e4tte, wissen wir nicht. Er wird n\u00e4mlich einer besonderen Prozedur unterzogen. \u00abDu Menschenkind, nimm und iss, was du vor dir hast!\u00bb, wird ihm gesagt, \u00abDu musst diese Schriftrolle in dich hinein esse und deinen Leib damit f\u00fcllen\u00bb. Hesekiel isst die Rolle und verinnerlicht dadurch mit jeder Zelle seines K\u00f6rpers Botschaft und Auftrag. Er wird dadurch auf die Seite Gottes gezogen und zu seinem Amt bef\u00e4higt. Sonderbarer Weise schmeckt die Botschaft nicht wie erwartet bitter, sondern s\u00fcss wie Honig.<\/p>\n<p>Die Israeliten damals haben die Anklage Gottes nicht gern geh\u00f6rt. Auch uns heute, als Kinder der Reformation, ist es viel angenehmer zu h\u00f6ren: \u00abWir sind von Gott geliebt und angenommen\u00bb. Kritik h\u00f6rt niemand gerne, schon gar nicht aus Gottes Mund. Dennoch war es f\u00fcr die Israeliten damals wichtig, und ebenso wichtig ist es f\u00fcr uns heute, zu erkennen, dass Gott nicht nur ein liebender, sondern auch ein fordernder Gott ist. Unser Glaube w\u00e4re ein billiger und harmloser Glaube, wenn Gott nur der Liebende w\u00e4re, der all unsere W\u00fcnsche zu erf\u00fcllen h\u00e4tte. Es ist Bestandteil der Liebe, ja Ausdruck der Liebe, Distanz zu nehmen zu Dingen, die man nicht mag und Kritik zu \u00fcben. Liebe und Kritik sind wie zwei Seiten einer M\u00fcnze. Der Wahre Gegensatz zur Liebe ist die Gleichg\u00fcltigkeit.<\/p>\n<p>Bei Gott werden durch Kritik und Gericht Beziehungen geheilt. Es geht Gott nicht um die Bestrafung f\u00fcr Einzeltaten, sondern es geht um Ver\u00e4nderung. Indem er den Israeliten die Wahrheit \u00fcber ihr Leben und auch ihren Glauben aufzeigt, sollen sie ver\u00e4ndert werden. Die Gerichtsrede des Hesekiel ist sozusagen ein therapeutischer Prozess. Gott hat sich nicht zu ihnen auf den Weg gemacht, um sie fertig zu machen, sondern um sie zu ver\u00e4ndern und um die Beziehung zwischen ihm und seinem Volk zu heilen. \u00abIch will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in sie geben und will das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leibe und ihnen ein fleischernes Herz geben.\u00bb sagt Gott. Weil das Ziel die Heilung der Beziehung ist kann die Gerichtsrolle, die Hesekiel isst, auch s\u00fcss wie Honig schmecken.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde es ist f\u00fcr uns als Christen wichtig durch Propheten wie Hesekiel daran erinnert zu werden, dass wir als Kinder Gottes in dieser Welt eine Aufgabe haben. Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Sch\u00f6pfung \u2013 daf\u00fcr haben wir uns in dieser Welt einzusetzen. Gott will durch uns in dieser Welt wirken. Er meint es gut mit der Welt und ihren Menschen, aber er will unsere Mitwirkung.<\/p>\n<p>So schliesst auch das Lied von Boney M mit einem Gebet:<\/p>\n<p>\u00abLass das Reden unserer M\u00fcnder<\/p>\n<p>Und das Singen unserer Herzen<\/p>\n<p>Wohlgef\u00e4llig sein vor Dir\u00bb.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen in Christus Jesus unserm Herrn. Amen<\/p>\n<div id=\"fuss\">Pfrn. Dr. Marion Werner<br \/>\nZ\u00fcrich, Schweiz<br \/>\nE-Mail:\u00a0<a href=\"mailto:pfarrerin@luther-zuerich.ch\">pfarrerin@luther-zuerich.ch<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Hesekiel 2,1-3;3, verfasst von Marion Werner | Gnade sei mit euch und Frieden, von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. \u00abBy the Rivers of Babylon\u201d Boney M &#8211; wird angespielt\u2026. Liebe Gemeinde, Sie alle kennen dieses Lied. 1978 brachten Boney M diesen Song raus und st\u00fcrmten damit die Charts. 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