{"id":1784,"date":"2020-02-20T19:42:42","date_gmt":"2020-02-20T18:42:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=1784"},"modified":"2023-03-12T13:25:29","modified_gmt":"2023-03-12T12:25:29","slug":"naerrische-reimpredigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/naerrische-reimpredigt\/","title":{"rendered":"N\u00e4rrische Reimpredigt"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt zu Lukas 18,31-43, verfasst von Friedrich Schmidt-Roscher |<\/h3>\n<p>Die hohe Zeit der Narren ist nun angebrochen,<\/p>\n<p>manch\u2019 Einem steckt das Feiern in den Knochen,<\/p>\n<p>geschunkelt, getanzt und gesoffen die Nacht.<\/p>\n<p>in Rath\u00e4usern und Gassen sind Narren an der Macht.<\/p>\n<p>Die Narren spielen mit sich und uns verkehrte Welt:<\/p>\n<p>nur Liebe z\u00e4hlt und Tanz, nicht Arbeit noch Geld,<\/p>\n<p>Oben ist unten, h\u00e4sslich ist sch\u00f6n, arm ist reich.<\/p>\n<p>in den tollen Tagen &#8211; so scheint\u2019s &#8211; sind alle gleich.<\/p>\n<p>Auch Jesus ist unterwegs mit seinem J\u00fcnger Zug,<\/p>\n<p>sie gehen nach Jerusalem, zeigen n\u00e4rrischen Mut,<\/p>\n<p>sie haben alles verlassen, folgen dem Gottes Mann,<\/p>\n<p>in der Hoffnung, dass er die Welt \u00e4ndern kann.<\/p>\n<p>Jesus geht nach Jerusalem, der Gefahr sich bewusst:<\/p>\n<p>Leiden\u00a0 und Tod vor Augen und Angst in der Brust.<\/p>\n<p>Petrus und Johannes reiben sich verwundert die Augen,<\/p>\n<p>auch die \u00fcbrigen 10 k\u00f6nnen Jesu Rede kaum glauben.<\/p>\n<p>Sie verstehen diesen Weg nicht, Jesus f\u00fchrt Gott.<\/p>\n<p>Er spart ihm nicht Leiden, Hohn, Folter und Tod.<\/p>\n<p>Doch Jesus sieht weiter, sieht g\u00f6ttliches Licht,<\/p>\n<p>das von Ostern her die Dunkelheit durchbricht.<\/p>\n<p>Uns geht es wie den J\u00fcngern, wir verstehen oft nicht,<\/p>\n<p>Gottes Wege mit Jesus erscheinen arg wunderlich.<\/p>\n<p>Zum Sieg durch Leiden, zum Leben durch Tod,<\/p>\n<p>ein n\u00e4rrischer Plan &#8211;\u00a0 doch der Plan kommt von Gott.<\/p>\n<p>Auch mein eigenes Leben mit all dem Gewimmel.<\/p>\n<p>Mit Tiefen und H\u00f6hen, mit H\u00f6lle und Himmel,<\/p>\n<p>was manchmal als Sieg und Erfolg rasch verbucht.<\/p>\n<p>Sich sp\u00e4ter als vergeblich oder Sackgasse entpuppt.<\/p>\n<p>Was schwierig oder m\u00fchsam oder traurig im Leben,<\/p>\n<p>verwandelt sich im R\u00fcckblick manchmal zum Segen.<\/p>\n<p>Unsre Wege ganz verschieden mal krumm, mal gerade,<\/p>\n<p>dass Gott mit uns mitgeht, ist Hoffnung, ist Frage.<\/p>\n<p>Jesus stellt sich dem Leiden und nimmt es an,<\/p>\n<p>tr\u00e4gt sein Kreuz f\u00fcr dich und mich und jedermann.<\/p>\n<p>Sein Weg kann uns helfen, Leiden zu tragen.<\/p>\n<p>Nicht ergeben, sondern nach dem Sinn uns fragen.<\/p>\n<p><strong>Wie leben wir Menschen in der verr\u00fcckten Welt?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Es scheint nur zu z\u00e4hlen schnelles Gl\u00fcck oder Geld. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Es geht um Gier, Genuss, Sucht nach Leben\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p><strong>Muss es da nicht etwas Anderes noch geben? <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Jesus \u00f6ffne die Augen f\u00fcr ein Leben in F\u00fclle:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Trotz Krankheit und Leiden am Ende Gottes Wille, <\/strong><\/p>\n<p><strong>der st\u00e4rker ist als Sinnlosigkeit, S\u00fcnde und Tod:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Denn Ostern schenkt Leben, wendet all unsre Not. <\/strong><\/p>\n<p>In Jericho kommt der J\u00fcnger-Zug an einem Blinden vorbei,<\/p>\n<p>ein namenloser Mann, doch sein Schicksal ist nicht einerlei.<\/p>\n<p>Er kann nicht sehen und bettelt und ist ganz Ohr.<\/p>\n<p>Er wartet, wartet und wartet auf Hilfe und beschwor:<\/p>\n<p>\u201eWenn einer kommt, der wirklich helfen kann,<\/p>\n<p>darf ich nicht vers\u00e4umen diesen Mann.\u201c<\/p>\n<p>Einer, der nicht Geld gibt, sondern neues Leben.<\/p>\n<p>Darauf setzt er alles, bei Gott, dass muss es geben!<\/p>\n<p>Dann h\u00f6rt er die Menschen, den Aufruhr, die Enge<\/p>\n<p>Jesus von Nazareth ganz nah in der Menge.<\/p>\n<p>Er ruft, er schreit, wird lauter im Ton:<\/p>\n<p>\u201eHilf mir! Du bist doch \u00a0Davids Sohn!\u201c<br \/>\nDie anderen zischen, \u201eHalts Maul, blinder Mann.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer Rabbi aus Galil\u00e4a dich eh nicht h\u00f6ren kann.\u201c<\/p>\n<p>Doch er horcht, ruft lauter, dann schreit er:<\/p>\n<p>\u201eDu, Sohn Davids, erbarme dich meiner!\u201c<\/p>\n<p>Jesus bleibt steh\u2019n, horcht, der L\u00e4rm ist vorbei.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich alles still, fern jedes Geschrei.<\/p>\n<p>Er kommt und obwohl seine Augen nichts sehen,<\/p>\n<p>sieht der Blinde den Heiland vor sich stehen.<\/p>\n<p>\u201eWas willst du, dass ich f\u00fcr dich tu?\u201c,<\/p>\n<p>fragt Jesus den Blinden, und schon im Nu,<\/p>\n<p>steht die Menge im Kreis und wartet gespannt.<\/p>\n<p>Der Blinde sagt nur: \u201eHerr, dass ich sehen kann!\u201c<\/p>\n<p>Der Blinde f\u00fchlt deutlich des Heilands Blick.<\/p>\n<p>Dann h\u00f6rt er das Wort, das sein Herz entz\u00fcckt.<\/p>\n<p>Und schon merkt er wie seine Augen aufgehen.<\/p>\n<p>\u201eDein Glaube hat dir geholfen. Du sollst sehen!\u201c<\/p>\n<p>Nach Jesu Worten das Wunder geschieht.<\/p>\n<p>Die Menge staunt stumm, der Blinde sieht.<\/p>\n<p>Doch er bleibt nicht stumm, muss reden, loben,<\/p>\n<p>Gott, seinen Heiland, den Ewigen dort oben.<\/p>\n<p>Denn Gott, bleibt nicht fern, oben im Himmel,<\/p>\n<p>kommt hier auf die Erde ins Menschengewimmel.<\/p>\n<p>Bewegt Herzen und Menschen durch kr\u00e4ftiges Wort,<\/p>\n<p>weckt Vertrauen, weckt Leben an gottfernem Ort.<\/p>\n<p><strong>Wie leben wir Menschen in der verr\u00fcckten Welt?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Es scheint nur zu z\u00e4hlen schnelles Gl\u00fcck oder Geld. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Es geht um Gier, Genuss, Sucht nach Leben\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p><strong>Muss es da nicht etwas Anderes noch geben? <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Jesus \u00f6ffnet die Augen f\u00fcr ein Leben in F\u00fclle:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Trotz Krankheit und Leiden am Ende Gottes Wille, <\/strong><\/p>\n<p><strong>der st\u00e4rker ist als Sinnlosigkeit, S\u00fcnde und Tod:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Denn Ostern schenkt Leben, wendet all unsre Not. <\/strong><\/p>\n<p>Wo Gott auf den Plan tritt, bleibt nichts, wie es ist,<\/p>\n<p>seine Liebe auch Leidenswege aufbricht.<\/p>\n<p>Das macht Mut, auch in Zeiten dunklen Leidens,<\/p>\n<p>zu Gott zu flehen, dass die Not muss weichen.<\/p>\n<p>In den Augen der Menschen, in den Augen der Welt,<\/p>\n<p>z\u00e4hlt Erfolg, Vernunft, Wissenschaft und Geld.<\/p>\n<p>Nur Kinder und Narren setzen Vertrauen auf Gott,<\/p>\n<p>Beten, hoffen auf Wunder; ernten oft daf\u00fcr Spott.<\/p>\n<p>So sind wir denn Narren, in dieser n\u00e4rrischen Welt,<\/p>\n<p>voller L\u00fcge, der das erl\u00f6sende Wort oft fehlt.<\/p>\n<p>Das Wort, das Menschen froh macht und heilt,<\/p>\n<p>das Wort der Vergebung, das Gott mit uns teilt.<\/p>\n<p>Denn Christus ist unser Heiland der Welt,<\/p>\n<p>ihn k\u00fcmmert nicht Macht, Schmuck oder Geld,<\/p>\n<p>ihn k\u00fcmmert freilich wie es dir oder dir geht.<\/p>\n<p>Der fragt, was dich bedr\u00fcckt und dich bewegt.<\/p>\n<p>Der Messias nimmt sich der Verlassenen an,<\/p>\n<p>ist f\u00fcr die da, denen man nicht mehr helfen kann.<\/p>\n<p>Ein Narr der Hoffnung, ein Verr\u00fcckter im Herrn.<\/p>\n<p>Vielleicht haben ihn deshalb die Verlornen so gern.<\/p>\n<p>Wer ihm vertraut, sieht diese Welt und sein Leben<br \/>\nanders, denn ihm wird eine neue Sicht gegeben.<\/p>\n<p>Gilt als weltfremd, naiv, n\u00e4rrisch oder verr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Weil er vom anderen Standpunkt aufs Leben blickt.<\/p>\n<p>Hoffender, liebender und auch heiter.<br \/>\nDenn die Welt geht nicht immer so weiter.<br \/>\nSie hat ein Anfang und ein Ende, ganz klar.<br \/>\nDann beginnt etwas Neues, das wird wunderbar.<\/p>\n<p>Jesu Zug f\u00fchrt nach Jerusalem, bergauf,<\/p>\n<p>langsam ein Zug der Narren, kein Dauerlauf.<\/p>\n<p>Reihn wir uns ein in den Zug der Narren im Herrn,<\/p>\n<p>mit Hoffnung im Herzen und Jesus so gern!<\/p>\n<p>Im Vertrauen, dass die Welt nicht so bleibt wie sie ist,<\/p>\n<p>dass das Licht von Ostern das Leiden durchbricht;<\/p>\n<p>und wir als fr\u00f6hliche Narren, von Hoffnung belebt,<\/p>\n<p>Menschen helfen, Gott loben, von Liebe bewegt.<\/p>\n<p>Am Ende zieht unser n\u00e4rrischer Zug in die Stadt,<\/p>\n<p>die vor langer Zeit Gott den seinen bereitet hat.<\/p>\n<p>Jerusalem genannt, himmlische Stadt ohne Leid und Not.<\/p>\n<p>Dort spotten wir Narren in Christo \u00fcber Gevatter Tod.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wie leben wir Menschen in der verr\u00fcckten Welt?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Es scheint nur zu z\u00e4hlen schnelles Gl\u00fcck oder Geld. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Es geht um Gier, Genuss, Sucht nach Leben\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p><strong>Muss es da nicht etwas anderes noch geben? <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Jesus \u00f6ffnet die Augen f\u00fcr ein Leben in F\u00fclle:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Trotz Krankheit und Leiden am Ende Gottes Wille. <\/strong><\/p>\n<p><strong>st\u00e4rker ist als Sinnlosigkeit, S\u00fcnde und Tod:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Denn Ostern schenkt Leben, wendet all unsre Not. <\/strong><\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<div id=\"fuss\">Pfarrer Dr. Friedrich Schmidt-Roscher<br \/>\nHa\u00dfloch, Deutschland<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:pfarramt.Hassloch.4@evkirchepfalz.de\">pfarramt.Hassloch.4@evkirchepfalz.de<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Lukas 18,31-43, verfasst von Friedrich Schmidt-Roscher | Die hohe Zeit der Narren ist nun angebrochen, manch\u2019 Einem steckt das Feiern in den Knochen, geschunkelt, getanzt und gesoffen die Nacht. in Rath\u00e4usern und Gassen sind Narren an der Macht. 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