{"id":17892,"date":"2023-03-28T13:50:37","date_gmt":"2023-03-28T11:50:37","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=17892"},"modified":"2023-03-28T14:07:40","modified_gmt":"2023-03-28T12:07:40","slug":"johannes-1212-19-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1212-19-2\/","title":{"rendered":"Johannes 12,12-19"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u2026 das Eselchen des Herrn | Palmsonntag | 02.04.2023 | Joh 12, 12- 19 | Jochen Riepe |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/strong>I<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Man mu\u00df nicht alles verstehen, nein, \u00a0und \u00a0\u201aAlles-Versteher\u2018 verstehe ich \u00fcberhaupt nicht. Es gibt Ereignisse, Bilder, Texte, die trotz langer Vertrautheit \u00a0ein dunkler Schatten begleitet: Der K\u00f6nig Israels auf einem \u201a<em>Eselchen<\/em>\u2018*\u2013 klingt herzig, gewi\u00df. Johannes schreibt: \u201a<em>und seine J\u00fcnger verstanden es zuerst nicht\u2018.<\/em> Ich glaube, ich m\u00f6chte mich zu ihnen stellen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0<em>\u201a<\/em>\u2026 <em>eure Wege sind nicht meine Wege\u2026<\/em>\u2018 (Jes 55,8), lese ich beim \u00a0Propheten Jesaja.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/em>II<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Rollenwechsel: Die Queen als \u201aBondgirl\u2018**. 2012 anl\u00e4\u00dflich der Er\u00f6ffnungsfeier der Olympiade von London spielte Elisabeth II in einem Actionfilm mit. Bond pers\u00f6nlich holte sie von Buckingham Palace ab, ein Hubschrauber stieg mit ihnen auf. Dann geschah es: Die T\u00fcren \u00f6ffneten sich, beide sprangen \u00fcber dem Stadion mit dem Fallschirm ab. Alles jubelte: \u201aGod save the queen\u2018.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201aEinzug der K\u00f6nigin\u2018 \u2013 von ganz oben. H\u00e4ndel schrieb die Musik dazu. Wer das h\u00f6chste Amt innehat, soll ernst sein, w\u00fcrdig, der Beste: \u201a<em>Ein Gerechter und ein Helfer<\/em>\u2018 (Sach 9,9). Allen gegen\u00fcber gleich nah und fern. Erwartungen und Tr\u00e4ume umgeben ihn. Er soll f\u00fcr Frieden und Wohlstand sorgen. Im Herrscher, im \u201ahohen Beruf\u2018***,\u00a0 sieht das Volk \u201asein erh\u00f6htes Wunschbild, in dessen Anblick es hoch leben\u2026 kann\u2018. Der Leib des Regenten darf nicht ber\u00fchrt werden. Eine K\u00f6nigin ist unantastbar, so \u00a0wie das Volk selbst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0III<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jerusalem. Noch ein K\u00f6nig\u2026 noch ein Volk. Kommt ihr mit? Das Passahfest steht vor der T\u00fcr. Das Fest der Freiheit. Die Tempels\u00e4nger gr\u00fc\u00dfen: \u201a<em>Hosanna, gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn<\/em>\u2018. Einem der Pilger, ein \u201a<em>Prophet<\/em>\u2018 aus Galil\u00e4a, rufen die Menschen zu und \u201aerheben\u2018 ihn, ihn, der doch \u201a<em>von<\/em> <em>oben<\/em>\u2018(3,31) kommt: Jesus von Nazareth. Palmwedel werden geschwungen zu Ehren des \u201a<em>K\u00f6nigs Israels<\/em>\u2018. Hatte er nicht durch seine Taten, seine \u201a<em>Zeichen und Wunder<\/em>\u2018(4,48), bewiesen: \u201aIch bringe Heil und Leben\u2018.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, \u201a<em>die<\/em> <em>Menge<\/em>\u2018. Besonders Beh\u00f6rden haben gemischte Gef\u00fchle angesichts ungeb\u00e4ndigter Versammlungen. Was brodelt in den Menschen? Welche Hoffnungen, welche Erinnerungen! Sind Fanatiker, Abenteurer, Gewaltbereite dabei? \u201aTrunkene Lust\u2018: Wie schnell kann die Feststimmung umschlagen und aus der Erhebung des einen ein Aufstand der vielen werden! Nach der Speisung der F\u00fcnftausend wollte man Jesus schon einmal zum \u201a<em>K\u00f6nig<\/em>\u2018(6,15) machen. Damals \u201a<em>entwich<\/em>\u2018 er. Heute aber \u201a<em>kommen<\/em>\u2018 sie ihm machtvoll \u201a<em>entgegen<\/em>\u2018, und er, er kann nicht ausweichen. L\u00e4\u00dft der Gottgesandte sich in den Hinterhalt menschlicher W\u00fcnsche ziehen? Kann das Volk in ihm \u201ahochleben\u2018? Ein Reich \u201a<em>Israel<\/em>\u2018 gibt es doch schon lange nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0IV<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201a<em>Jesus aber fand ein Eselchen und ritt darauf<\/em>\u2018. Das bekannte \u00fcberlieferte Bild vom Palmsonntag erf\u00e4hrt eine merkw\u00fcrdige \u00dcber- oder Untertreibung. Johannes geht ja oft \u201aspielerisch\u2018 mit seinen Vorlagen um und bringt so eigene Akzente. In seinem Bericht sitzt Jesus nun einem \u201a<em>Esel\u2013chen<\/em>\u2018 auf, ein Tier vielleicht \u00e4hnlich einem sog. \u201aMini-Esel\u2018. Der Leser kann das \u201a-chen\u2018 ignorieren, er kann aber auch h\u00e4ngenbleiben und unruhig werden: Will ich, kann ich in diese unwirkliche Szene eintreten? Kann ich das \u201a<em>ertragen<\/em>\u2018(16,12) und Jesus dabei zusehen? Das Volk jubelt und streut Palmen, und der Evangelist verkleinert das k\u00f6nigliche Reittier. Sein Herrscher zieht wenig feierlich auf wackligen Beinen ein. Ja, \u201awas f\u00fcr ein Bild\u2018 (K. Wengst)!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201aDas ist doch Phantasie\u2018, m\u00f6gen wir denken, oder ein Ableger der ber\u00fchmten johanneischen Ironie****, die die Passah-K\u00f6nigs-Erhebung des Wanderpredigers zum skurrilen Eselchen-Einzug macht. Ein Narrenzug. Ich wei\u00df nicht, ob Jesus selbst eine literarische Sponti-Posse auf die M\u00e4chtigen, die auf ihren \u201a<em>Rossen<\/em> <em>dahinfliegen<\/em>\u2018 (Jes 30,16), gutgehei\u00dfen h\u00e4tte. Kann man solch einen \u201aNarrenk\u00f6nig\u2018 auf dem Tier der Armen ehren, ja, lieben? Wir wissen, da\u00df in anderen Gegenden dieser Welt, sehr empfindsam, wenn nicht gewaltsam, auf die Verspottung ihrer h\u00f6chsten G\u00fcter, ihrer K\u00f6nige, G\u00f6tter, Helden, Stifter\u00a0 reagiert wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0V<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gewi\u00df, \u201anichts Menschliches ist uns fremd\u2018\u2026 aber \u201aG\u00f6ttliches\u2018, das sich karikiert\u2026 vielleicht hat die Menge den K\u00f6nig trunken gemacht, vielleicht hat der, \u201a<em>der<\/em> <em>im Himmel wohnt<\/em>\u2018, mit-\u201a<em>gelacht<\/em>\u2018(Ps 2,4). Es mu\u00df doch hinter dem Eselchen-Spiel des Evangelisten ein ernstes Anliegen stecken. Aus einem guten \u201aWitz\u2018 entspringt Geist, Esprit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Elisabeth II hat sie vor aller Welt gewagt: die k\u00f6nigliche Selbstironie. Keine Staatskarosse, kein 8-Sp\u00e4nner vor einer pr\u00e4chtigen Kutsche, sondern ein Fallschirm. Etwa nach der Regel: \u201aWer sich nicht selbst zum besten haben kann, der ist gewi\u00df nicht von den Besten\u2018 (J.W. v. Goethe). \u00a0Nat\u00fcrlich: Sie konnte es sich nach einer langen Regierungszeit leisten. Die Briten liebten ihren Humor, und wenn es nat\u00fcrlich ein Double war, das mit dem Fallschirm sprang \u2013 die \u201aAls-ob-Szene\u2018 hat der Popularit\u00e4t der Frau entsprochen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Rollenwechsel, ja, so etwas wie \u201aaus der Rolle fallen\u2018, eben: Selbstironie, Ent\u00e4u\u00dferung, kann ja der riskieren, der wei\u00df: Ich selbst nehme mich ernst und wei\u00df, wer ich bin, und woher ich komme. <em>\u201aIch bin\u2018s<\/em>\u2026\u2018 sagt Jesus wenig sp\u00e4ter den Soldaten (18,5), und die \u201a<em>wichen zur\u00fcck und fielen zu Boden<\/em>\u2018. Selbstachtung hat etwas Machtvolles, Entwaffnendes, ja, gleichsam einen hoheitlichen \u00dcberschu\u00df. Wir, die kleinen \u201aKings\u2018, setzen in der Regel als erstes: Gesicht wahren, Image pflegen, keine Bl\u00f6\u00dfe geben, immer ernst, gefa\u00dft, mitunter rechthaberisch die Stellung \u00a0halten &#8230; immer hoch zu Ro\u00df.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0VI<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber das lernt ja der, der dem Jesus des Johannesevangeliums lesend folgt: Es gibt eine Lebendigkeit, ein \u201a<em>Von-oben-sein<\/em>\u2018(3,31), ein \u201ahoch leben in Gott\u2018, eine \u201a<em>Selbstachtung\u2018<\/em> in \u201a<em>Demut<\/em>\u2018 \u00a0(Sir 10,31), die geradezu dahin dr\u00e4ngt, \u201aim unten\u2018 sich zu entfalten, von dort zu blicken und befreiend zu wirken: \u201a<em>Das Wort wurde Fleisch\u2026\u2018 <\/em>und \u201a\u2026ritt auf einem Eselchen\u2018. Von Gott kommend, nahe bei den Menschen, aber nicht ihren W\u00fcnschen untertan. Mag die entgegen kommende Menge in der Feststimmung, geladen mit Phantasien und politischen Illusionen, Jesus zum \u201a<em>K\u00f6nig Israels<\/em>\u2018 erheben &#8211;\u00a0 er f\u00fcllt den Titel \u00a0auf seine Weise mit einer eigen-, ja \u201aun-sinnigen\u2018 Handlung, die die Erwartungen \u201aver-st\u00f6rt\u2018, ihnen Einhalt gebietet und das eigentliche K\u00f6nigtum freilegt: \u201a<em>Ich bin\u2019s<\/em>\u2026\u2018, \u201a<em>Ich bin ein<\/em> <em>K\u00f6nig; ich bin dazu \u2026 in die Welt gekommen, die Wahrheit zu bezeugen<\/em>\u2018(18,37).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201aDer k\u00f6nigliche Mensch\u2018: \u201aWelch ein Bild!\u2018, das der Evangelist uns vor Augen malt. Ein \u201a<em>Eselchen \u2026 ein Grauchen<\/em>\u2018, rufen die Kinder, \u201aniedlich \u2026 Komm doch mit!\u2018\u00a0 Zum Lachen f\u00fcr die einen, und anderen wird es wehgetan haben. Seht nur: \u201a<em>der K\u00f6nig der Juden<\/em>\u2018(19, 19), wie er sich kleinmacht und selbst \u201a<em>erniedrigt<\/em>\u2018(Phil 2,8). Was den einen ihr Spott, ist den anderen Entt\u00e4uschung, Verbitterung. Menschen, deren Held, deren Gr\u00f6\u00dfentraum nun in einem kl\u00e4glichen Bild gespiegelt wird, k\u00f6nnen gef\u00e4hrlich abst\u00fcrzen. \u201aEr verl\u00e4\u00dft uns, er will uns nicht und macht uns l\u00e4cherlich\u2018 &#8211; Schafe, die den \u201a<em>guten<\/em> <em>Hirten<\/em>\u2018 als \u201a<em>Mietling\u2018<\/em> (10,13) erfahren, der die Bed\u00fcrfnisse seiner Herde nicht ernst nimmt. Was aus unerf\u00fcllter, zur\u00fcckgewiesener oder gar ironisierter Liebe und Bewunderung wird, kann man beim Psychologen lernen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ob der Evangelist mit seinem Eselchen-Spiel darauf hinauswollte? Schon jetzt in diesem surrealen Zug all die Tiefen und Untiefen andeuten, in die hinein er geraten wird. \u201a<em>Alle Welt l\u00e4uft ihm nach<\/em>\u2018, klagen die Pharis\u00e4er. \u201a<em>Weg, weg mit dem<\/em>\u2026\u2018 (19,15), wird es bald hei\u00dfen. Die Karwoche, die Woche des Abstiegs, kann beginnen\u2026<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0VII<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie gut, da\u00df in der Mitte der Geschichte der Satz steht: \u201a<em>das verstanden seine<\/em> <em>J\u00fcnger zuerst nicht<\/em>\u2018. Der dunkle Schatten vom Anfang. Sie stehen an einer Grenze, einer unruhigen Grenze, und ich habe mich dazu gestellt. Nichtverstehen, Nichtmehrdurchblicken, Falschverstehen\u2026 Die \u201aEselei\u2018 wird ja sehr schmerzlich enden. \u201a<em>Ehre von den Menschen nehme ich nicht an<\/em>\u2018 (5,41), aber ihre Schl\u00e4ge&#8230; Die Queen mit Fallschirm wurde gedoubelt. Ihr Leib ist unantastbar &#8211; um Himmels willen: Niemals ihr von sich aus die Hand reichen oder sie gar umarmen! Er aber stand mit Leib und Leben f\u00fcr sein K\u00f6nigtum der Wahrheit ein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die J\u00fcnger fanden sp\u00e4ter beim Propheten Sacharja den Satz: \u201a<em>Freue dich, du<\/em> <em>Tochter Zion, denn siehe dein K\u00f6nig kommt, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, dem F\u00fcllen der Eselin<\/em>\u2018 (9,9). Im Nachhinein, nach Ostern, gingen ihnen die Augen auf. Sein Ritt auf dem Tierlein der Armen war die Erf\u00fcllung des einst Angek\u00fcndigten. Eine Art Aha-Erlebnis. Die einen beruhigen sich dabei, andere bleiben skeptisch. In jedem Verstehen liegt immer auch neues Nicht-Verstehen. <em>\u201aAn jenem Tag\u2018, <\/em>sagt Jesus in den Abschiedsreden<em> \u00a0\u201awerdet ihr mich nichts mehr fragen<\/em>\u2018(16,23).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0VIII<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201aDein K\u00f6nig kommt in niedern H\u00fcllen\u2018 (eg 14). Der Beste. Komm doch mit und gr\u00fc\u00dfe ihn! Hoheit im Leiden. \u201aHoch leben\u2018 und froh werden im Bild des Gekreuzigten. Menschlicher Gewalt unterworfen, zerbrechlich und doch auf Gottes Seite. Einen gekreuzigten Esel kritzelte ein R\u00f6mer an die Wand: \u201a<em>Seht den Menschen<\/em>\u2018, seht den Gott der Christen. \u201aUnw\u00fcrdig und unanst\u00e4ndig\u2018, spotteten die Heiden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201a<em>Eure Gedanken sind nicht meine Gedanken<\/em>\u2018, Gottes Wege sind nicht unsere Wege, und wer seinen Wegen nachgehen will, kann dahin gef\u00fchrt werden, \u201a<em>wohin du nicht willst<\/em>\u2018 (21, 18).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">_________________________________________________________________<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Gebet nach der Predigt:)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Lieber Vater im Himmel, deine Gedanken sind nicht unsere Gedanken, deine Wege sind nicht unsere Wege. \u201aSt\u00e4rke uns, dein Leiden zu bedenken\u2018. \u201aGib uns ein h\u00f6rendes Herz\u2018. Leite du uns auf den Weg Jesu, den Weg des Friedens. Gib uns deinen Geist, der uns das Wort erschlie\u00dft. Hilf uns, Dunkles und Unverst\u00e4ndliches zu ertragen und schenke uns zu deiner Zeit das Osterlicht des Verstehens.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lieder: Dein K\u00f6nig kommt in niedern H\u00fcllen (eg 14); Herr, st\u00e4rke mich, dein Leiden zu bedenken (eg 91); Ich will hier bei dir stehen (eg 85,6); Meine engen Grenzen (eg 600); Korn, das in die Erde (eg 98); <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=BP9HPxZ-y8M\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=BP9HPxZ-y8M<\/a> (Orgelimprovisation); Behutsam will ich dir begegnen (E. B\u00fccken, Th. Quast, Ruhama Liederbuch 27)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">*K. Wengst, Das Johannesevangelium (2), 2007, S. 31: \u201aWas f\u00fcr ein Bild! Der K\u00f6nig auf einem Eselchen\u2018. H. Thyen, Das Johannesevangelium, 2005, S. 555 \u00a0**\u2018Happy and glorious\u2018 (Kurzfilm von D. Boyle; zum Soundtrack geh\u00f6rt G.F. H\u00e4ndels \u201aEinzug der K\u00f6nigin von Saba\u2018, 1748 (HWV 67) ***Th. Mann, K\u00f6nigliche Hoheit (1909), 1960, S.159 ****K. Scholtissek, \u201aIhr versteht nichts\u2018 (11,49). Ironie und Rollenwechsel im Johannesevangelium in: ders., Textwelt und Theologie des Johannesevangeliums, 2021, S. 349ff<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0\u2026 das Eselchen des Herrn | Palmsonntag | 02.04.2023 | Joh 12, 12- 19 | Jochen Riepe | \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0I Man mu\u00df nicht alles verstehen, nein, \u00a0und \u00a0\u201aAlles-Versteher\u2018 verstehe ich \u00fcberhaupt nicht. Es gibt Ereignisse, Bilder, Texte, die trotz langer Vertrautheit \u00a0ein dunkler Schatten begleitet: Der K\u00f6nig Israels auf einem \u201aEselchen\u2018*\u2013 klingt herzig, gewi\u00df. Johannes [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":17895,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[39,1,157,114,170,349,3,699,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-17892","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-johannes","category-aktuelle","category-beitragende","category-deut","category-jochen-riepe","category-kasus","category-nt","category-palmsonntag","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17892","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17892"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17892\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17897,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17892\/revisions\/17897"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17895"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17892"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17892"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17892"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=17892"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=17892"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=17892"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=17892"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}