{"id":17902,"date":"2023-03-28T13:49:02","date_gmt":"2023-03-28T11:49:02","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=17902"},"modified":"2023-03-28T14:02:06","modified_gmt":"2023-03-28T12:02:06","slug":"matthaeus-211-9-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-211-9-7\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 21,1-9"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Palmarum | 02.04.2023 |\u00a0Mt 21,1-9\u00a0| Leise Christensen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn man irgendeine Zeitung in die Hand nimmt und darin liest, wird man sehen, dass die Welt in den letzten Wochen von neuen Problemen im Kongo gelesen hat, schreckliche Szenen des Massakers in Bahkmut, man hat geh\u00f6rt vom Erdbeben in der T\u00fcrkei und in Syrien, man hat ersch\u00fctternde Szenen an den Grenzen verschiedener L\u00e4nder gesehen, wo Menschen entweder einreisen wollen oder ausreisen aus gef\u00e4hrlichen oder armen L\u00e4ndern, man hat geh\u00f6rt von kenternden Booten auf dem Mittelmehr, und ja, dann sind da auch die l\u00e4ngst vergessenen aber noch immer stattfindenden Kriege in fernen Gegenden der Welt und vieles mehr. Wir m\u00fcssen einsehen, da sind keine Grenzen f\u00fcr all die Schrecken, die ganz gew\u00f6hnliche Menschen in zuf\u00e4lligen St\u00e4dten und L\u00e4ndern heimsuchen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0 Heute ist Palmarum, so nennt man den Tag am Eingang zur stillen Woche, wie man die ersten Tage der Osterwoche nennt. Die stillen Tage. Die Tage, wo es an der Zeit ist, in sich zu gehen. Am Beginn der stillen Woche kommt Jesus auf einem Esel reitend nach Jerusalem, den langsamen, starken und unersch\u00fctterlichen Esel, der immer die Ankunft des K\u00f6nigs im antiken Orient symbolisiert hat. Sanftm\u00fctig kam er, wie es hei\u00dft. In den stillen Tagen sollen wir bedenken, was das bedeutet. Es ist ein gro\u00dfer Unterschied, ob man donnernd mit Tod und Zerst\u00f6rung in modernen Kriegsmaschinen kommt oder ob man ganz langsam und sanftm\u00fctig mit der Kraft eines Esels kommt. Wie Jesus. Es gibt viele Wege, wie man Macht in der Gesellschaft erlangt, damals wie heute, um die beiden Extreme zu nennen: Mit Machtanwendung und Bomben und \u2013 wahrhaftig \u2013 mit Sanftmut. Viele hatten wohl gehofft, dass Jesus mit seinen besonderen F\u00e4higkeiten, mit denen er Wasser in Wein verwandeln und tausende Menschen mit f\u00fcnf Broten und zwei fischen s\u00e4ttigen und dazu alle Krankheiten und Gebrechen heilen konnte, die verhasste r\u00f6mische Besatzungsmacht verjagen, f\u00fcr ordentliche Verh\u00e4ltnisse sorgen konnte und f\u00fcr ordentliche Menschen in Jerusalem, und dass er \u00fcberhaupt ein K\u00f6nig sein w\u00fcrde, der dieses Titels w\u00fcrdig ist. Man hatte vielleicht gehofft, dass er mit einer etwas gr\u00f6\u00dferen Kraft kommen w\u00fcrde als mit einem Esel, vielleicht mit ein paar Raketen in den Satteltaschen oder jedenfalls mit gro\u00dfer g\u00f6ttlicher Kraft und St\u00e4rke und etwas weniger mit Sanftmut. Ja, man hatte gehofft, wenn er nun als K\u00f6nig kommen w\u00fcrde auf einem Esel (das ist also kein dem\u00fctiges Tier), so wie alle fr\u00fcheren K\u00f6nige in der Geschichte Israels, dann k\u00f6nnte er sich wohl auch wie ein K\u00f6nig verhalten und alle Probleme l\u00f6sen. Dass er die Anliegen und die Sache der Nation wahrnehmen w\u00fcrde. So wie man heute seine Interessen dadurch wahrnimmt, dass man Raketen abschie\u00dft, zuf\u00e4llige Menschen \u00fcberf\u00e4hrt, oder mit Flugzeugen Bomben abwirft. Damals wie heute wollte man seine Anliegen sofort erledigen, man verlangte schnelle Ver\u00e4nderungen. Man wollte seinen Willen durchsetzen. So schnell wie m\u00f6glich. Deshalb reif man damals Hosianna, als Jesus auf seinem friedlichen Esel in die Stadt ritt. \u201eHosianna\u201c bedeutet ganz einfach: \u201eSo erl\u00f6se uns doch. So errette uns doch!\u201c Sie sahen, dass Jesus K\u00f6nig war, der erwartete K\u00f6nig, der die Prophezeiung erf\u00fcllte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Aber es verh\u00e4lt sich anders mit Jesus. Er kommt nicht schnell mit einem Flugzeug, mit Giftgasbomben oder Ungeheuerlichkeiten. Er kommt langsam. Ohne Waffen. Sanftm\u00fctig. Und es dauert eine Zeit, bis sein Reich kommt, es kann nicht herbeigebombt oder erk\u00e4mpft werden. Nun ist es sicher nicht so, dass hier in der Kirche heute Leute sind, die ihre Ziele durch grobe Gewalt durchsetzen wollen. Oder durch Raketen oder was auch immer. Da gibt es viele Beispiele. Aber wir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass wir das alle in uns haben. Die F\u00e4higkeit, anderen wehzutun. Die F\u00e4higkeit, andere zu verletzen. Die F\u00e4higkeit, uns selbst vor anderen in den Vordergrund zu stellen. Die F\u00e4higkeit, das zu tun, was wir am liebsten wollen ganz gleich was andere brauchen oder w\u00fcnschen. Die F\u00e4higkeit, gegen die Gemeinschaft oder die Liebe zu handeln. Die F\u00e4higkeit zu glauben, dass eben das, was ich pers\u00f6nlich will, das Beste ist f\u00fcr alle \u2013 in Wirklichkeit vielleicht der Traum oder Ausgangspunkt aller Diktatoren, dieser Gedanke, dass das ja nicht etwas ist, was ich f\u00fcr mich selbst tue, es ist f\u00fcr das Volk, die wissen es nur noch nicht. \u201eWenn ich gerade diese etwas brutale Tat begangen habe, wird es sicher wieder gut werden\u201c, versichert der absolute Herrscher sich selbst und anderen. Das Gute und das B\u00f6se k\u00e4mpfen \u00fcberall einen st\u00e4ndigen Kampf, vor allem vielleicht in uns selbst. In jedem einzelnen von uns. Diese Erkenntnis kommt langsam zu uns an diesem Tag in Jerusalem mit dem Mann, der auf dem Esel reitet. Das Reich, mit dem er kommt, kann nicht herbeigebombt werden, es kommt von innen, von den Samen, die er in uns ges\u00e4t hat. Die Samen, die von der Sehnsucht handeln, die wir <em>auch<\/em> haben, nach Frieden und Liebe, die Hoffnung, die wir auf Gemeinschaft und Zusammengeh\u00f6rigkeit haben, der Glaube, den wir daran haben, dass die geschaffene Welt trotz all dem, was das Gegenteil zu beweisen scheint, gut ist, weil sie von Gott gewollt ist, der Gedanke, das auch die Sanftmut einen Wert hat. Das Reich Jesu ist nicht von dieser Welt und hat nichts mit dem Get\u00fcmmel dieser Welt zu tun. Der Friede, mit dem er kommt, ist nicht notwendigerweise ein Friede f\u00fcr die Welt, ein Friede in der Welt oder ein Friede f\u00fcr die Tyrannen dieser Welt. Wir k\u00f6nnen ja nur uns in dieser unserer so unruhigen Welt umschauen, und das, was wir sehen, wird uns best\u00e4tigen, dass der Friede noch keine Realit\u00e4t ist, wenn damit gemeint ist eine Welt ohne Macht der Waffen, eine Welt ohne \u00dcbergriffe, ohne Unterdr\u00fcckung und den D\u00e4mon des Hungers. Darum nein, das war nicht der Friede, mit dem Jesus kam bei seinem Einzug in Jerusalem. Das war vielmehr ein Friede f\u00fcr jeden einzelnen Menschen. Ja, ja, denken wir vielleicht, was in aller Welt sollen wir damit heutzutage anfangen? In einer Welt voller Probleme und Streit sowohl drau\u00dfen in der Welt als auch bei uns selbst daheim. Hier sitzen wir viel besch\u00e4ftigt in einem Alltag, wo Sanftmut auf dem Arbeitsmarkt nicht gerade gefragt ist, wo vielmehr Dinge wie Effektivit\u00e4t, Initiative, Schnelligkeit und eine gewisse Portion \u00dcbermut und Kaltbl\u00fctigkeit die Tugenden sind, auf die man Wert legt. Stellt euch eine Bewerbung vor, wo der Bewerber schreibt, dass er sehr sanftm\u00fctig ist. Wir wissen sehr gut, wie das endet. Und dann kann er noch so viel sagen, dass er K\u00f6nig ist, das ist dem Arbeitgeber wohl ganz egal. Hier sitzen wir in einer Welt voll von Krieg, Not, Tod und Zerst\u00f6rung, und da redet man nur von Sanftmut und von einem Frieden, der nicht von dieser Welt ist, sondern zum Reich Gottes geh\u00f6rt. Was sollen wir mit einem solchen unhandgreiflichen Frieden anfangen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Die Antwort ist einfach und schwierig zugleich: Damit k\u00f6nnen wir alles anfangen! Der Friede Gottes ist keine politische Gr\u00f6\u00dfe, die mit milder Hand \u00fcber den S\u00fcdsudan, die Ukraine, Damaskus oder Jerusalem ausgestreut werden kann. Der Friede Gottes bezieht sich auf das Innere des einzelnen Menschen. Der Friede Gottes ist das, was dem Menschen geschenkt wird, so dass wir trotz allem Hoffnung im Leben sehen k\u00f6nnen. Gottes Friede ist das, was uns wieder aufhilft, wenn wir gefallen sind und wenn wir meinen, dass wir nicht mehr weiterk\u00f6nnen. Gottes Friede ist das, was uns Kr\u00e4fte gibt, gegen all die Neigungen zu k\u00e4mpfen, die uns daran hindern, es gut mit unserem Mitmenschen zu meinen. Solange die Welt besteht wird uns das Wort Gottes von einer lebendigen, wachsen Wirklichkeit erz\u00e4hlen, die Gott in uns ges\u00e4t hat. Gottes Wort \u2013 in der Gestalt des Mannes auf einem Esel \u2013 bringt Trost f\u00fcr die, die Angst haben, Hoffnung f\u00fcr die Gefangenen und Gemeinschaft f\u00fcr die Einsamen. Gott will wiederaufrichten. Als lebendiges Wort hat Gott in allen Gestalten gewirkt. Er ist den Menschen gefolgt in die Grenzen des Daseins mit seinem Frieden. Er ist mitgegangen i die tiefste Finsternis und hat dort Licht gebracht (davon h\u00f6ren wir in den kommenden Tagen), so wie er im schlimmsten Sturm an uns festgehalten hat. Das ist der Friede, mit dem Jesus an diesem Tag nach Jerusalem kam, das ist der Friede, mit dem er heute zu uns kommt, das ist der Friede, den er unseren Kindern in der Taufe schenkt und in jedem Gottesdienst, wenn wir das Abendmahl feiern. Da wiederholen wir den Ruf aus Jerusalem: Hosianna, befreie uns. All dies tut er, auch wenn wir oft etwas anderes w\u00fcnschen, und das tut er, damit wir trotz allem den Mut haben, hinauszugehen und unser Leben zu leben \u2013 f\u00fcr den N\u00e4chsten und uns selbst. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Leise Christensen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK 8200 Aarhus N<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: lec(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Palmarum | 02.04.2023 |\u00a0Mt 21,1-9\u00a0| Leise Christensen | Wenn man irgendeine Zeitung in die Hand nimmt und darin liest, wird man sehen, dass die Welt in den letzten Wochen von neuen Problemen im Kongo gelesen hat, schreckliche Szenen des Massakers in Bahkmut, man hat geh\u00f6rt vom Erdbeben in der T\u00fcrkei und in Syrien, man hat [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":17895,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36,1,185,157,114,274,349,218,3,699,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-17902","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-matthaeus","category-aktuelle","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-deut","category-kapitel-21-chapter-21-matthaeus","category-kasus","category-leise-christensen","category-nt","category-palmsonntag","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17902","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17902"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17902\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17903,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17902\/revisions\/17903"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17895"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17902"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17902"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17902"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=17902"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=17902"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=17902"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=17902"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}