{"id":17919,"date":"2023-04-01T12:25:50","date_gmt":"2023-04-01T10:25:50","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=17919"},"modified":"2023-04-01T12:39:07","modified_gmt":"2023-04-01T10:39:07","slug":"matthaeus-2617-30","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-2617-30\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 26,17-30"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\">Gr\u00fcndonnerstag | 06.04.2023 |\u00a0Mt 26,17-30 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Marianne Christiansen |<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Dunkeln sitzen sie und singen. Alle diese Menschen um den Tisch, die nicht von sich selber sagen k\u00f6nnen: \u201eIch wei\u00df von mir selber, dass ich meinen Freud und Meister niemals verraten k\u00f6nnte. Niemals k\u00f6nnte ich das verleugnen, woran ich glaube\u201c. Jeder einzelne muss fragen: \u201eDas bin wohl nicht ich Herr?\u201c Alle diese Menschen, die gerne gut sein wollen, aber nichts ausrichten. Er sagt, sie sind rein, aber sie f\u00fchlen sich schmutzig. Er sagt, er wird sterben, sie wissen nicht, was sie glauben sollen \u2013 \u00fcber ihn, \u00fcber sich selbst. Und es ist finster, und sie haben Angst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und dann beginnen sie zu singen. Die Lieder, die man singen soll, weil ein Fest gefeiert wird. Es ist das Fest der unges\u00e4uerten Brote, Ostern. Sie singen die alten Lieder aus den Schriften:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Halleluja!<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Lobet den Namen des Herrn!<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Gelobt sei der Name des Herrn<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Von nun an bis in Ewigkeit!<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Sei gelobet der Name des Herrn.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Der Herr ist hoch \u00fcber alle V\u00f6lker;<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wer ist wie der Herr, unser Gott,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>der oben thront in der H\u00f6he,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>der niederschaut in die Tiefe,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>auf Himmel und Erde;<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>der den Geringen aufrichtet aus dem Staube<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>und erh\u00f6ht den Armen aus dem Schmutz. <\/em>(Ps. 113,1-7)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie singen wie bei allen Osterfesten Loblieder. Sie singen Halleluja f\u00fcr die Geschichte von der Befreiung aus der Sklaverei in \u00c4gypten, dem Auszug durch das Rote Meer. Jesus, der sterben wird, singt. Die J\u00fcnger, die verraten werden, singen mit. Judas, der verraten wird, singt mit. Sie singen dasselbe Lied und essen dasselbe Festmahl zum Ged\u00e4chtnis an das, was einmal war. Sie singen von einer Hoffnung auf das, was kommen wird. Sie feiern das Fest in der sinnlosen Gegenwart. Das Fest erinnert sie an jemanden, der einst durch das Rote Meer kam, durch Leiden und Todeskampf hinaus in die Freiheit und das neue Leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kann eine Freude darin liegen, die Freude anderer zu feiern, die Befreiung anderer, das, was schon lange her ist \u2013 wenn man selbst mit der Furcht dasitzt und auf dem Wege ist auf das n\u00e4chtlich finstere Meer ohne einen Moses, der die Wasser scheidet?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eHalleluja \u2013 aus dem Staube erh\u00f6ht er den Schwachen, aus dem Schmutz erh\u00f6ht er den Armen\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eHalleluja f\u00fcr den Tisch des Herrn, im Himmel jenseits und auf Erden\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/4B68B73C-E8E0-4778-BCE0-0A41125D3147#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie sangen. Wir singen von denen, die sangen, und singen weiter ihr Halleluja in unserer Sprache in unserer Zeit. Jeder von uns mitten in einem Leben von Freud und Leid mit dem Versagen, das andere kennen, und dem, das wir nur selbst bedauern, und mit Hoffnung und Erinnerungen, und immer ein Bewusstsein, eines Tages durch das rote Meer von Untergang und Tod zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Halleluja.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wo ist Gott abgeblieben? Was soll aus der Welt werden, was soll aus mir werden?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gelobt sei der Name des Herrn.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Gesang und das Fest widersprechen der Wirklichkeit. Oder besser: Der Gesang und das Fest reden von der Wirklichkeit in einer anderen Weise, weil sie die Gegenwart zugleich in die Vergangenheit und in die Zukunft versetzen. So geschieht es auch f\u00fcr uns. Die Zeit vergeht, und es <em>wird<\/em> Weihnachten, und es <em>wird<\/em> Ostern. Wir bestimmen das nicht, es kommt. Ostern wird der erste Sonntag nach den dem ersten Vollmond nach dem Fr\u00fchlingsbeginn, ob nun unser Leben in voller Bl\u00fcte oder in Ruinen steht, das Fest kommt. Solange jemand die Geschichte weitererz\u00e4hlen will, solange jemand die Lieder singen und das Essen zubereiten will, kommt das Fest und feiert etwas, was einmal war \u2013 wer wei\u00df, vielleicht kommt es auch, obwohl alle vergessen haben warum. Noch erinnern wir uns daran:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Befreiung aus der Sklaverei und den Menschen Jesus, der vom Osterfest in den Tod ging, aber am dritten Tag von den Toten auferstand. Schon wenn wir beginnen, von der Trauer zu singen, sind wir in der Melodie, die uns in die Freude f\u00fchrt. W\u00e4hrend wir ein Lied singen, das vor vielen Jahren gedichtet wurde, nimmt es uns mit in die Zukunft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">K\u00f6nnen wir darin sein? Teil einer Feier von etwas sein, was vor vielen Jahren geschah und was wir vielleicht gar nicht verstehen k\u00f6nnen? An Weihnachten spricht man davon, in die rechte Weihnachtsstimmung von Freude und Gem\u00fctlichkeit zu kommen. Zu Ostern ist das ganz unm\u00f6glich, denn keine Stimmung kann die Gegens\u00e4tze von Ostern erfassen: Gemeinschaft und Einsamkeit, Liebe und Hass, Leiden und Tod und unbegreifliche Lebensfreude.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie k\u00f6nnen wir das fassen? Das k\u00f6nnen wir nicht, und das sollen wir nicht. An diesem einen Abend k\u00f6nnen wir ganz still um den Tisch sitzen und empfangen und singen und an dem Liebesmahl teilnehmen, ohne es zu verstehen. Das Fest l\u00e4sst uns in dem sein, was wir nicht fassen k\u00f6nnen. Das gemeinsame Ostermahl Jesu mit den J\u00fcngern, das wir jeden Sonntag Jahr f\u00fcr Jahr, jedes Menschenleben wiederholen, wenn wir Abendmahl feiern. Abendmahl ist ein eine abendliche Mahlzeit, das t\u00e4gliche lebensnotwendige Fest.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eSo brich denn aus in Freudenruf, du alter Glaube, du junge Hoffnung, und was nie altern wird, die ewig junge Liebe\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/4B68B73C-E8E0-4778-BCE0-0A41125D3147#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist nicht zu entscheiden, ob wir es sind, die singen, oder ob es der Glaube, die Hoffnung und die Liebe sind, die in uns singen und uns durch das tragen, was wir nicht verstehen. Aber wir sind mit Leib und Stimme mit bei einem Gesang und einem Fest, das hier vor uns war und nach uns sein wird. Dabei haben wir teil an der Tischgemeinschaft mit ihm, der uns sich selbst gibt und singt, ehe er seinem Leiden entgegengeht. Wir sitzen mit ihm zu Tisch, der der Tode und der Auferstehung entgegengeht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir, die lieben und verraten \u2013 Gutes tun und B\u00f6ses, was wir nicht wollen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir, die wir jeder an einer Schw\u00e4che zu tragen haben, einer Gier, einer Furcht, die uns dazu bereit sein l\u00e4sst, das zu verraten, woran wir glauben: \u201eDas bin wohl nicht ich, Herr\u201c, der so etwas Dummes und H\u00e4ssliches und Schreckliches tun k\u00f6nnte? Ja, das bin ich auch.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das ist das Mysterium des zugleich traurigen und frohen Festes: Als alle als Verr\u00e4ter und Verleugner offenbar werden, da nimmt er das Brot, dankt und gibt es ihnen und sich selbst. Judas und allen uns anderen, die auch Judas sein k\u00f6nnten. \u201eNehmet, esset \u2026 Trinket alle. Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gew\u00e4chs des Weinstocks trinken bis an dem Tag, an dem ich aufs Neue davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das bedeutet: Gerade jetzt will er den Wein zusammen mit ihnen, mit uns trinken \u2013 eben als den offenbaren Verr\u00e4tern, die wir sind \u2013 und die Hoffnung auf das Fest einst im Reiche Gottes auf der anderen Seite des Roten Meeres teilen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eIm Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort\u201c, und jetzt sitzt das Wort am Tisch und singt. Unsere Stimmen sich mit seinem Gesang, ganz gleich wie br\u00fcchig sie sind oder ob sie zu Weinen und Fl\u00fcstern werden. Er singt <em>vor<\/em> bei dem Gesang, der unsere Vergangenheit in das gro\u00dfe Halleluja erhebt. Der Ostergesang hat begonnen. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bisch\u00f6fin Marianne Christiansen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ribe Landevej 37<br \/>\n6100 Haderslev<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: mch(at)km.dk<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/4B68B73C-E8E0-4778-BCE0-0A41125D3147#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Grundtvig, D\u00e4nisches Gesangbuch 466, V. 6.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/4B68B73C-E8E0-4778-BCE0-0A41125D3147#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Grundtvig, D\u00e4nisches Gesangbuch 466, V. 8.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gr\u00fcndonnerstag | 06.04.2023 |\u00a0Mt 26,17-30 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Marianne Christiansen | Im Dunkeln sitzen sie und singen. Alle diese Menschen um den Tisch, die nicht von sich selber sagen k\u00f6nnen: \u201eIch wei\u00df von mir selber, dass ich meinen Freud und Meister niemals verraten k\u00f6nnte. 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