{"id":17945,"date":"2023-04-03T06:48:20","date_gmt":"2023-04-03T04:48:20","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=17945"},"modified":"2023-04-03T06:48:20","modified_gmt":"2023-04-03T04:48:20","slug":"johannes-1931-42","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1931-42\/","title":{"rendered":"Johannes 19,31-42"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Trauer um den K\u00f6nig | Karsamstag | 08.04.2023 | Joh 19, 31-42 | Katharina Wiefel-Jenner |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weil es aber R\u00fcsttag war und die Leichname nicht am Kreuz bleiben sollten den Sabbat \u00fcber \u2013 denn dieser Sabbat war ein hoher Festtag \u2013, baten die Juden Pilatus, dass ihnen die Beine gebrochen und sie abgenommen w\u00fcrden. Da kamen die Soldaten und brachen dem ersten die Beine und auch dem andern, der mit ihm gekreuzigt war. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht; sondern einer der Soldaten stie\u00df mit einer Lanze in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr, und er wei\u00df, dass er die Wahrheit sagt, damit auch ihr glaubt. Denn das ist geschehen, damit die Schrift erf\u00fcllt w\u00fcrde: \u00bbIhr sollt ihm kein Bein zerbrechen.\u00ab Und ein anderes Schriftwort sagt: \u00bbSie werden auf den sehen, den sie durchbohrt haben.\u00ab Danach bat Josef von Arimath\u00e4a, der ein J\u00fcnger Jesu war, doch heimlich, aus Furcht vor den Juden, den Pilatus, dass er den Leichnam Jesu abnehmen d\u00fcrfe. Und Pilatus erlaubte es. Da kam er und nahm den Leichnam Jesu ab. Es kam aber auch Nikodemus, der vormals in der Nacht zu Jesus gekommen war, und brachte Myrrhe gemischt mit Aloe, etwa hundert Pfund. Da nahmen sie den Leichnam Jesu und banden ihn in Leinent\u00fccher mit Spezereien, wie die Juden zu begraben pflegen. Es war aber an der St\u00e4tte, wo er gekreuzigt wurde, ein Garten und im Garten ein neues Grab, in das noch nie jemand gelegt worden war. Dahin legten sie Jesus wegen des R\u00fcsttags der Juden, weil das Grab nahe war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wenn ein K\u00f6nig stirbt, bleibt nichts dem Zufall und der blinden Trauer \u00fcberlassen. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Tod hat sich durchgesetzt. Die Kriegsknechte haben den Tod festgestellt. Ein letztes Mal haben sie den Leib des Toten mit ihren Waffen maltr\u00e4tiert. Jesus, der K\u00f6nig der Juden, ist am Kreuz gestorben. Es gibt keine offizielle Mitteilung. Die Nachrichtenticker bleiben stumm. Die Welt dreht sich weiter. Ein Toter mehr. Dass er ein K\u00f6nig war, hat keine Bedeutung. Wer hat die Inschrift \u00fcber dem Kreuz schon ernst genommen? Sie war doch selbst f\u00fcr den, der sie anbringen lie\u00df, eher ein ironischer Kommentar. Der Tod hat gesiegt. Jesus Christus ist tot.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist Karsamstag. Gestern hallten die Worte des Evangelisten durch die Kirchen der Welt. Die Trauer um das Haupt voll Blut und Wunden klang in vielen Sprachen auf. Der Heiland fragte, was er noch mehr h\u00e4tte tun sollen. Er klagte uns Hartherzige an, hielt uns seine Dornenkrone hin. Jetzt schweigen die Glocken. Es ist ein stiller Tag. Kaum auszuhalten f\u00fcr die, die sich dem ganz ausliefern. Der Tod war an diesem Freitag so m\u00e4chtig. Gott hat sich in den Tod zur\u00fcckgezogen. Jesus Christus, der K\u00f6nig, ist tot.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wenn ein K\u00f6nig stirbt, bleibt nichts dem Zufall und der blinden Trauer \u00fcberlassen. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus mag zwar den \u00fcbelsten Tod gestorben sein, aber er wird nicht wie die anderen \u00dcbelt\u00e4ter in einem Massengrab verscharrt. Seine Freunde sorgen daf\u00fcr, dass die Kriegsknechte nicht noch weiter ihrem Handwerk nachgehen k\u00f6nnen. Sie kommen den Dienern des Todes zuvor. Die k\u00f6nnen sich an diesem Freitag nicht mehr daran weiden, wie das Blut in die Erde sickert. Die m\u00fcssen sich an diesem Freitag zur\u00fcckziehen, bevor sie dem Toten die letzte verbliebene W\u00fcrde rauben konnten. Deren \u00fcblichen Methoden der Kriegsf\u00fchrung wurden an diesem Tag unterbrochen. Jesu Freunde kommen und retten den Toten. Die Freunde wissen, dass Jesu K\u00f6nigstitel alles andere als Ironie ist. Sie machen sich daran, einen K\u00f6nig \u2013 ihren K\u00f6nig \u2013 zu bestatten. Sie haben die \u00d6le dabei, mit denen ein K\u00f6nig einbalsamiert wird. Sie haben die Gew\u00fcrze, die dem Gestank des Todes \u00fcberdecken. Sie bereiten ihrem K\u00f6nig einen Ruheort, der seiner w\u00fcrdig ist. Sie tun, was ihrem K\u00f6nig zusteht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist Karsamstag. Gestern hatte Gott dem Tod freie Hand gelassen. Gestern ist Jesus am Kreuz gestorben. Heute ist ein neuer Tag. Unertr\u00e4glich ruhig. Es ist kaum zum Aushalten, dass Gott den Tod einfach gew\u00e4hren l\u00e4sst. Die Freunde wussten nicht, was wir wissen. Sie legten Jesus in ein Grab, das bis zum Ende aller Tage sein k\u00f6nigliches Grabmal sein sollte. Ihre Trauer war f\u00fcr die Ewigkeit bestimmt. Sie handelten wahrhaft menschlich und verwehrten dem Tod den Zutritt zu ihren Seelen. Das verdient den h\u00f6chsten Respekt. Der Tod hat sich als Herrscher aufgespielt, aber sie huldigen ihm nicht. Sie bleiben Jesus treu, obwohl der einen elenden Tod gestorben ist. Sie spielten das Spiel des Todes nicht mit und blieben dabei, dass dieser Jesus ihr K\u00f6nig ist. Sie fl\u00fcchteten nicht in die Ohnmacht, stellten sich nicht selbst tot. Sie ignorierten die Gefahr, hineingezogen zu werden und in der Todesspirale der M\u00e4chtigen umzukommen. Sie hielten an Jesus, dem get\u00f6teten K\u00f6nig, fest. Aber sie wussten nicht, was wir wissen. Sie wussten nicht, dass der dritte Tag kommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Karsamstag. Es ist noch nicht der dritte Tag. Heute ist der Tag nach dem elenden Freitag, an dem der Tod sein gro\u00dfes Fest feierte. Immer noch ist Karsamstag. Wir m\u00fcssen diesen Tag heute ertragen. Wir m\u00fcssen es aushalten, dass der Tod weiter l\u00e4rmend unterwegs ist. Gottes unertr\u00e4gliches Schweigen lastet. Verzweifelte Stille bedr\u00fcckt die ganze Welt. Sie l\u00e4hmt die Menschen guten Willens. Sie f\u00fcllt die Stunden mit Trostlosigkeit. Sie l\u00e4sst uns irre werden an allem, was uns Halt gibt. Was f\u00fcr ein Tag! Gott verbirgt sich. Von Stunde zu Stunde wird die Erl\u00f6sung dringlicher, aber dieser Tag h\u00f6rt nicht auf. Gott schweigt. Wie endlos ist der Karsamstag! Was sollen wir nur tun?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wenn ein K\u00f6nig stirbt, bleibt nichts dem Zufall und der blinden Trauer \u00fcberlassen. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Josef und Nikodemus ahnten nicht, dass der dritte Tag kommen w\u00fcrde. Sie waren nicht mit Jesus durch die D\u00f6rfer und St\u00e4dte gezogen. Sie dienten ihrem K\u00f6nig heimlich, nachts. Sie waren die J\u00fcnger in der zweiten Reihe. Sie kannten die endlose Macht der Kriegsknechte und wussten, dass man die M\u00e4chtigen f\u00fcrchten muss. Sie dienten Jesus auf ihre Weise und wussten, was am Ende des Tages zu tun ist. Sie betrauerten den in einem Schauprozess Verurteilten und grausam Get\u00f6teten. Sie hielten ihrer eigenen Angst stand. Sie befreiten ihren Jesus aus den Armen der M\u00e4chtigen. Sie lie\u00dfen nicht zu, dass die Kriegsknechte auch noch einen Toten sch\u00e4ndeten. Sie retteten Jesu W\u00fcrde. Sie setzten ihren Reichtum ein, um den Gestank des Todes zu vertreiben. Sie liebten ihren K\u00f6nig und ertrugen, dass Gott nicht eingegriffen hat. Sie hielten es aus, dass Gott schwieg und blieben doch bei Jesus.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Am Karsamstag verweigerten Josef von Arimath\u00e4a und Nikodemus dem Tod die Gefolgschaft. <em>Wenn ein K\u00f6nig stirbt, bleibt nichts dem Zufall und der blinden Trauer \u00fcberlassen.<\/em> Am Karsamstag wissen wir, dass dieser Tag zu Ende gehen wird. Heute ist Gott verborgen. Morgen wissen wir, dass der dritte Tag kommt. Am Karsamstag verweigern wir dem Tod die Gefolgschaft. Mag dieser Karsamstag auch endlos scheinen. Als Jesus starb, \u00fcberlie\u00df Gott nichts dem Zufall und der blinden Trauer. Der dritte Tag wird kommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dr. Katharina Wiefel-Jenner<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Berlin<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"mailto:wiefel_jenner@hotmail.com\">wiefel_jenner@hotmail.com<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Katharina Wiefel-Jenner, geb.1958, Pfarrerin i.R., bildet als Dozentin f\u00fcr Liturgik und Homiletik Ehrenamtliche f\u00fcr den Verk\u00fcndigungsdienst aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trauer um den K\u00f6nig | Karsamstag | 08.04.2023 | Joh 19, 31-42 | Katharina Wiefel-Jenner | Weil es aber R\u00fcsttag war und die Leichname nicht am Kreuz bleiben sollten den Sabbat \u00fcber \u2013 denn dieser Sabbat war ein hoher Festtag \u2013, baten die Juden Pilatus, dass ihnen die Beine gebrochen und sie abgenommen w\u00fcrden. 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