{"id":1798,"date":"2020-02-16T12:58:06","date_gmt":"2020-02-16T11:58:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=1798"},"modified":"2020-02-22T11:02:44","modified_gmt":"2020-02-22T10:02:44","slug":"der-segen-des-sisyphus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/der-segen-des-sisyphus\/","title":{"rendered":"Der Segen des Sisyphus"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt zu Markus 4,26-32, verfasst von Elof Westergaard | aus dem D\u00e4nischen \u00fcbersetzt von Eberhard Harbsmeier |<\/h3>\n<p>Der Schriftsteller Theodor Kallifatides erz\u00e4hlt in seinem sch\u00f6nen kleinen Buch <em>Ein anderes Leben <\/em>(2017) von seinem Freund, der jeden Tag hart arbeitete. Der Freund stand auf um vier Uhr morgens, um Blumen zu kaufen f\u00fcr den Verkauf im Gesch\u00e4ft, und er arbeitete bis neun Uhr abends. Nach dem Abendessen setzte er sich vor den Fernseher, und seine Frau musste ihn jeden Abend wecken, damit er seine Z\u00e4hne b\u00fcrstete, ehe er zu Bett ging. Jeden Tag dieselbe Routine.<\/p>\n<p>Eines Tages sagte der Autor Kallifatides zu ihm: Du gleichst Sisyphus. Der Blumenh\u00e4ndler kannte den Mythos von Sisyphus nicht, der Autor musste ihm die alte Geschichte erz\u00e4hlen, wie die G\u00f6tter Sisyphus bestraften. Der arme Mann musste einen gro\u00dfen Stein auf den Berg hinaufrollen, um dann zuzusehen, wie er wieder hinabrollte, nachdem er ihn auf den Gipfel geschleppt hatte. Und dann musste er wieder von vorne anfangen, Tag f\u00fcr Tag.<\/p>\n<p>Der Sisyphus-Mythos machte einen so gro\u00dfen Eindruck auf den Blumenh\u00e4ndler, dass er eines Tages am fr\u00fchen Morgen einen anderen hinschickte, um die Blumen zu holen. Er ging stattdessen etwas spazieren. Er beobachtete die M\u00fctter, die mit ihren Kindern im Park spielten. Er ging irgendwohin und trank eine Tasse Kaffee, a\u00df dann eine Wurst mit Brot und ging dann auf den Friedhof. Da sa\u00df er eine Zeitlang und sah die Lebenden, die vorbeigingen, und er dachte daran, dass die auch einmal unter der Erde liegen w\u00fcrden. Dann hatte er genug, und er ging zur\u00fcck zu seiner Arbeit. Und wie er sp\u00e4ter zu Kallifatides sagte: \u201eDu hast Sisyphus nicht verstanden. Gott hat Sisyphus nicht bestraft. Im Gegenteil. Gott hat sich seiner erbarmt. Der Mensch ist nichts ohne seine Arbeit, ohne sein Wirken\u201c. Der Autor, der weit \u00fcber siebzig Jahre alt ist, muss ihm Recht geben. Es ist gut, ganz gleich, wie alt man ist und wieviel Kr\u00e4fte man hat, dass man eine t\u00e4gliche Arbeit hat, ob das nun am Arbeitsplatz ist oder zu Hause.<\/p>\n<p>Jesus f\u00fcgt in dem heutigen Gleichnis eine weitere Bedeutung hinzu f\u00fcr die Arbeit des Menschen, wenn er das Reich Gottes mit einem Mann vergleicht, der in die Erde s\u00e4ht, schl\u00e4ft und aufsteht, Tag und Nacht, seinen Acker bestellt.<\/p>\n<p>Einerseits w\u00e4chst die Saat automatisch, andererseits bedarf es der H\u00e4nde und der Arbeit des Menschen. Die beiden, der Acker und der Mensch gehen eine Symbiose ein. Die Erde ist voller Kraft des Wachstums, und der Mensch hat H\u00e4nde, um den Acker zu pflegen und die Ernte einzuholen.<\/p>\n<p>Was Jesus hinzuf\u00fcgt, ist im doppelten die Hoffnung darauf, dass wir Menschen gebraucht werden. Das Werk unserer H\u00e4nde wird gebraucht, und man denke, der Acker und wir k\u00f6nnen dazu dienen, vom Reich Gottes zu sprechen! Jesus sagt ja: \u201eMit dem Reich Gottes ist es so wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft \u2026\u201c. Amen.<\/p>\n<div id=\"fuss\">Bischof Elof Westergaard<br \/>\nRibe, D\u00e4nemark<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:eve(at)km.dk\">eve(at)km.dk<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Markus 4,26-32, verfasst von Elof Westergaard | aus dem D\u00e4nischen \u00fcbersetzt von Eberhard Harbsmeier | Der Schriftsteller Theodor Kallifatides erz\u00e4hlt in seinem sch\u00f6nen kleinen Buch Ein anderes Leben (2017) von seinem Freund, der jeden Tag hart arbeitete. 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