{"id":17988,"date":"2023-04-04T22:00:26","date_gmt":"2023-04-04T20:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=17988"},"modified":"2023-04-04T22:26:20","modified_gmt":"2023-04-04T20:26:20","slug":"lukas-2413-35","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2413-35\/","title":{"rendered":"Lukas 24,13-35"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Brennende Herzen | Ostermontag | 10.04.2023 | Lk 24,13-35 | Martin Hein |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ostermontag: Umfragen zufolge einer der beliebtesten Feiertage im Jahr. Warum das so ist? Viele nutzen ihn als Familienfest. Man nimmt sich Zeit f\u00fcreinander. Macht einen Ausflug in die aufbl\u00fchende Natur. Alles ganz angenehm.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Warum es diesen Feiertag \u00fcberhaupt gibt, dar\u00fcber macht man sich weniger Gedanken. \u201eIrgendwas mit Jesus\u201c, lautete eine Antwort. Immerhin. Aber was? Weniger als die H\u00e4lfte der Deutschen bringt Ostern mit der Auferstehung Jesu in Verbindung. Und selbst dann ist \u00fcberhaupt noch nicht gesagt, was wir eigentlich meinen, wenn wir im Ostergottesdienst in die Worte einstimmen: \u201eDer Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Glauben wir, was wir da sagen? Verlassen wir uns wirklich darauf, dass Christus den Tod \u00fcberwunden hat und zu einem neuen Leben auferweckt worden ist? Viele Fragezeichen also. Und die Antworten m\u00fcssen so sein, dass sie tragf\u00e4hig sind und nicht blo\u00df alte Formeln wiederholen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir befinden uns dabei in guter Gesellschaft: Auch die Geschichte der zwei J\u00fcnger, die auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus waren, beginnt mit lauter Fragen. Sie sind angebracht. Zweifel sind erlaubt, sagt uns das Evangelium. Es kann doch gar nicht anders sein! Nicht erst, seit unsere aufgekl\u00e4rte menschliche Vernunft ihre kritischen Anfragen an die Auferstehung richtet, ist das so. Von Anfang an war die Botschaft, dass Jesus von den Toten auferweckt sei, innerhalb der gewohnten Vorstellungen und Denkmuster unfassbar und unbegreiflich. Ich finde es beeindruckend, dass die Evangelisten das unumwunden zugeben. Oft genug und auf verschiedene Weise ist den J\u00fcngerinnen und J\u00fcngern Jesu am Ostertag vermittelt worden, ihr Herr und Meister lebe. Allein: Der Glaube fehlte zun\u00e4chst vollkommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Einige Beispiele nur: Hatten nicht die Frauen, die am Ostermorgen den Leichnam einbalsamieren wollten, von den Engeln erfahren, Jesus sei auferweckt? Doch als sie vom Grab zur\u00fcckkehrten und es den Aposteln erz\u00e4hlten, erschien das denen, &#8222;als w\u00e4r&#8217;s Geschw\u00e4tz, und sie glaubten ihnen nicht&#8220;.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch als sich Petrus aufmachte, um dieser unglaublichen Nachricht auf den Grund zu gehen und am Grab nach dem Rechten zu schauen, und er tats\u00e4chlich nur die Leinent\u00fccher fand, da \u201ewunderte\u201c er sich \u2013 wie es der Evangelist Lukas lapidar vermerkt. Von begeistertem Osterglauben ist keine Spur.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und die beiden J\u00fcnger schlie\u00dflich, die nach Emmaus aufbrechen, sind geradezu das Musterbeispiel daf\u00fcr, wie es bei den Freundinnen und Freunden Jesu zwei Tage nach seinem Tod aussah: Entt\u00e4uschung, Resignation und Trauer erf\u00fcllten ihre Herzen und bestimmten ihre Gedanken \u2013 und das, obwohl sie geh\u00f6rt hatten, Jesus lebe. Diese Nachricht hatte sie, sagen sie selbst, \u201eerschreckt\u201c. Unfassbar war das! Wie auf der Flucht verlassen sie Jerusalem, deprimiert und ohne Hoffnung, um sich wieder einem Leben ohne Jesus zuzuwenden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So stellt sich die Lage zu Ostern dar: ungeschminkt und ungesch\u00f6nt. Die Sache ist zweifelhaft! Das empfanden damals selbst die allern\u00e4chsten Vertrauten, und heute ist es noch genau so! Denn was den J\u00fcngerinnen und J\u00fcngern gesagt wurde, ist derma\u00dfen radikal neu und widerspricht allen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten menschlichen Lebens, dass man damit zun\u00e4chst einmal gar nicht zurechtkommen kann!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Nachricht, dass Christus aus dem Tod erstanden ist, dass er lebt und dass Gott die Macht des Todes ein f\u00fcr allemal gebrochen hat, stellt alles auf den Kopf, was wir zu denken und f\u00fcr wahr zu halten gew\u00f6hnt sind. Nach menschlicher Erfahrung stimmt doch die tausendfach best\u00e4tigte Gleichung: &#8222;Tot ist tot!&#8220; Nichts ist uns sicherer im Leben als der Tod, hei\u00dft es \u2013 und wenn das nicht mehr gelten sollte, gilt dann \u00fcberhaupt noch irgendetwas, worauf wir uns verlassen k\u00f6nnten?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Genau so ist es! Ostern ver\u00e4ndert alles! Darum hat es die Osterbotschaft so schwer mit uns \u2013 \u00a0selbst nach vielen Jahrhunderten, in denen sie unentwegt verk\u00fcndigt wurde. Die Worte allein richten noch nichts aus. Man wird sie stets abtun k\u00f6nnen als \u00fcberspanntes Geschw\u00e4tz oder als wirklichkeitsfremdes M\u00e4rchen. Es muss etwas hinzukommen, was diese Worte bekr\u00e4ftigt, so dass wir nicht anders k\u00f6nnen, als ihnen gegen alle Einw\u00e4nde zu vertrauen und unser Leben durch sie verwandeln zu lassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und was kommt zu den Worten hinzu? Die Erfahrung: die Erfahrung, dass Jesus lebt! Der Auferstandene erscheint den Beiden auf dem Weg. Er gibt sich ihnen so zu erkennen, wie er war und wie sie ihn kannten. Er legt ihnen die Bibel aus und er\u00f6ffnet ihnen das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Verhei\u00dfungen Gottes. Er isst mit ihnen, wie er es so oft getan hatte, und bricht f\u00fcr sie das Brot. Das soll ihnen den Glauben st\u00e4rken, dass er lebt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gewiss: Tod und Auferstehung haben ihn verwandelt, aber er ist der Gleiche! Seinem Leben hat die Macht des Todes nichts anhaben k\u00f6nnen, und die Geschichte der Liebe Gottes mit uns Menschen, f\u00fcr die Jesus einstand, geht darum weiter.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So begannen sie zu glauben, was sie zun\u00e4chst nur h\u00f6rten und sich nicht zusammenreimen konnten: in Emmaus, in Jerusalem. Die Worte, Jesus sei auferstanden, f\u00fcllten sich mit eigener Erfahrung und ver\u00e4nderten ihr Leben. &#8222;Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege&#8220;, fragen sie sich hinterher. Sie glauben, weil sie erfahren konnten, was sie zu erfahren nicht einmal gehofft hatten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Solche unmittelbaren Begegnungen mit dem auferstandenen Jesus Christus sind eher die Ausnahme geblieben. Die Geschichte von der Erscheinung des Auferstandenen bei den beiden J\u00fcngern auf dem Weg nach Emmaus zeigt uns: Aus eigener Kraft oder Einsicht werden wir nicht glauben k\u00f6nnen, was an Ostern geschehen ist! Es wird immer gen\u00fcgend Einw\u00e4nde geben, die gegen Ostern sprechen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Viele Alltagserfahrungen lassen uns fragen, wo denn das neue Leben sichtbar wird, das Christus uns schenkt. Die Welt, wie sie ist, gibt offensichtlich nicht zu erkennen, dass er die Macht des Todes \u00fcberwunden hat. Das sp\u00fcren wir in diesen Tagen besonders schmerzlich, wohin wir auch blicken. Krieg, Gewalt und Tod sprechen eine deutliche Sprache. Sehen wir nur in die Ukraine, wo der Krieg seit mehr als einem Jahr tobt. Oder schauen wir in die T\u00fcrkei und nach Syrien, wo das Erdbeben Abertausenden das Leben genommen hat. Manchmal kommt auch mir der Satz, dass Christus die Macht des Todes besiegt hat, wie hilfloses Geschw\u00e4tz vor. Wo ist denn Ostern hier erlebbar, wenn t\u00e4glich neue Opfer zu beklagen sind? Aus mir selbst heraus wei\u00df ich darauf keine schl\u00fcssige Antwort!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch wir k\u00f6nnten abwinken und es bei ratlosen Worten belassen. Wir k\u00f6nnten das &#8230; Wir m\u00fcssen es aber nicht! Ich w\u00e4re nicht in der Lage, im Blick auf unsere Welt zuversichtlich zu sein, w\u00fcrde ich nicht darauf vertrauen, dass Gott gr\u00f6\u00dfer ist als unsere enge Wirklichkeit; dass er in der Auferweckung Jesu dem Tod und aller Menschenverachtung die Grenzen gezeigt hat \u2013 und dass wir in unserem Leben diese Befreiung erfahren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder um es in der Sprache des Evangeliums zu sagen: Er l\u00e4sst Herzen brennen \u2013 meines, Ihres! Seine Kraft erf\u00fcllt uns. Sein Geist bewegt uns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Solange Herzen brennen, verharren wir nicht in Resignation angesichts der Geschicke der Welt. Wir wenden wir uns mit dem, was uns besch\u00e4ftigt und bewegt, im Gebet an Gott. Bitten darum, dass \u201eder Geist des Friedens und der Liebe zur Herrschaft komme\u201c. Bitten ihn um St\u00e4rkung im Glauben und um Orientierung f\u00fcr das, was zu tun ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Solange Herzen brennen, geben sich evangelische und katholische Christen nicht damit zufrieden, dass wir als Kirchen immer noch getrennt sind. Wir finden sich nicht ab mit den Spaltungen und hoffen auf Erneuerung und \u00f6kumenische Gemeinschaft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Solange Herzen brennen, \u00fcberlassen sich Menschen einander nicht dem Schmerz und der Not. Viele werden auch heute, am Ostermontag, ihre Zeit f\u00fcr andere opfern, um sie zu pflegen, zu waschen, zu f\u00fcttern, zu tr\u00f6sten. So erfahren Hilfsbed\u00fcrftige die Liebe Gottes, die st\u00e4rker ist als der Tod.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die J\u00fcnger von Emmaus konnten durch die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus Christus der Verzweiflung und Trostlosigkeit entkommen. Sie fanden zur\u00fcck ins Leben mit brennendem Herzen. Nun bezeugen sie ihn. Nun stellen sie sich dem Leben neu. Sie tun das in der Kraft der Auferstehung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Kraft ver\u00e4ndert uns. Wie Jesus an Ostern in ein neues Leben aufbricht, brechen auch wir in die Welt auf, um den Sieg Gottes \u00fcber die Macht des Todes zu bezeugen. Denn nirgendwo anders bew\u00e4hrt sich das neue Leben als mitten unter uns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Statt uns in Abgekl\u00e4rtheit oder Mutlosigkeit, in Zweifeln und Fragen zu verlieren, hoffen wir darauf, dass der Auferstandene uns heute neu begegnet, dass er unser Herz brennen l\u00e4sst und unseren Glauben weckt. Dass er uns durch seinen Geist st\u00e4rkt, damit andere Menschen erfahren, dass es seit Ostern Hoffnung gibt auf neues Leben \u2013 \u00fcber den Tod hinaus.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit brennendem Herzen stimmen wir ein: \u201eDer Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ostermontag: ein wunderbarer, ein fr\u00f6hlicher Feiertag! Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>GEBET<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Herr Jesus Christus,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">f\u00fcr uns gestorben am Kreuz und auferweckt von den Toten:<br \/>\nWir sind zu unverst\u00e4ndig und unser Herz ist zu tr\u00e4ge, um das zu glauben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber du gehst uns nach, wenn wir zweifeln,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">du mischst dich ein in unser Gespr\u00e4ch,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">du brichst uns das Brot wie deinen ersten J\u00fcngern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dann brennen unsere Herzen,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">wir glauben und verstehen,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">was du f\u00fcr uns bist und was du von uns erwartest:<br \/>\nFrieden f\u00fcr die Welt,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Freude trotz aller Sorgen und Angst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir lernen die Wahrheit sehen und sagen und tun.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Darum bitten wir dich, den Lebendigen,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">f\u00fcr heute und alle Tage, bis in Ewigkeit.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>(nach: Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, Agende I, Bd. 1, 226, # 297)<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Bischof em. Prof. Dr. Martin Hein<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Kassel<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>E-Mail: <a href=\"mailto:martinhein@gmx.de\">martinhein@gmx.de<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Zur Person: <a href=\"https:\/\/www.martinhein.de\/biografie\">https:\/\/www.martinhein.de\/biografie<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brennende Herzen | Ostermontag | 10.04.2023 | Lk 24,13-35 | Martin Hein | Ostermontag: Umfragen zufolge einer der beliebtesten Feiertage im Jahr. Warum das so ist? Viele nutzen ihn als Familienfest. Man nimmt sich Zeit f\u00fcreinander. Macht einen Ausflug in die aufbl\u00fchende Natur. Alles ganz angenehm. 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