{"id":17992,"date":"2023-04-04T21:59:28","date_gmt":"2023-04-04T19:59:28","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=17992"},"modified":"2023-04-04T22:27:20","modified_gmt":"2023-04-04T20:27:20","slug":"lukas-2413-35-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2413-35-2\/","title":{"rendered":"Lukas 24,13-35"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Ostermontag | 10.04.2023 | Lukas 24,13-35 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Christiane Gammeltoft-Hansen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was ist das, was bewirkt, dass etwas in einer Weise auf uns wirkt, wo die Worte eines anderen nicht nur eigene Worte werden, sondern etwas, was man gemeinsam singen kann?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich glaube, es beginnt mit der Aufrichtigkeit, dass man sich ehrlich zum Menschlichen bekennt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer sich selbstsicher hinstellt, von seiner Sache \u00fcberzeugt und sicher in seinem Glauben, h\u00e4lt andere au\u00dfen vor. Die Ehrlichkeit dagegen, die auch Zweifel zul\u00e4sst, l\u00e4dt andere ein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Grundtvig ist im Zweifel. Er soll \u00fcber die Auferstehung predigen, aber er ist selbst nicht dabei. Er ist vielmehr dort, wo viele andere auch sind. In einer Art Zwischenleben des Ostersamstages. Da wo wir sehen, dass vieles auf uns wartet, wo aber auch Zweifel da sind und eine Unsicherheit hinterlassen. Wie das Wetter im M\u00e4rz \u2013 ein gegenw\u00e4rtiges Bild f\u00fcr die Wechselhaftigkeit des Zwischenlebens.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Zwischenleben hinterl\u00e4sst mehrere Fragen als das es Antworten gibt. Fragen, die sich die beiden\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0Wanderer nach Emmaus auch gestellt haben m\u00fcssen. \u201eWas hat das zu bedeuten? Ist nach Leben, nachdem der Tod das Seine genommen hat? Und was bedeutet das, dass einer lebt, wenn wir die Hoffnung verloren haben?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jemand hat eine Osterblume auf den Schreibtisch von Grundtvig<a href=\"applewebdata:\/\/5A588F7A-02F4-4E5F-A58E-409E14AF97E5#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> gestellt. Grundtvig wundert sich. Er kann nicht sehen, was die da soll. Sie duftet nicht, ist viel zu gelb und zu gew\u00f6hnlich. Zu seiner Zeit eine Art Unkraut. Heute w\u00fcrde man sie wie L\u00f6wenzahn betrachten. Was soll der hier?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dichter brauchen Rosen. Und die m\u00fcssen rot sein. Rot wie das Blut und das Herz, das schl\u00e4gt. \u00dcber Rosen kann man Lieder schreiben. Von Dornen, die kratzen und bei\u00dfen. Oder anders, man kann f\u00fcr einen Augenblick vergessen, dass da so viel ist, was trotzdem da ist, und sich stattdessen der Sch\u00f6nheit hingeben. Dass es so etwas wie ein seidenes rotes Kronenblatt gibt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber nun steht die Osterblume auf seinem Tisch und dr\u00e4ngt sich fast neon-gelb auf. Das kann sehr wohl einem Dichter in die Augen fallen. Zugleich aber ist das auch eine Aufdringlichkeit, die einen Zweifler zum Reden bringen kann. Und eben dies geschieht: Der Dichter und die Blume reden miteinander.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir m\u00fcssen dort beginnen, wo wir nun einmal sind, andere M\u00f6glichkeiten gibt es nicht. F\u00fcr die beiden auf dem Weg aus Jerusalem beginnt es auf einem Weg nach Emmaus. Mit gebeugten H\u00e4uptern gehen sie los, weg von dem, was sie geglaubt hatten und von dem sie gehofft hatten, dass es eine Erl\u00f6sung ist. F\u00fcr einen Dichter beginnt es in zweifelnder Nachdenklichkeit. Es mag ja gut sein, dass der Engel sagt, das Christus auferstanden ist, f\u00fcr die, die im Zwischenleben beginnen, kann es nur schwierig sein, damit richtig etwas anzufangen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vielleicht aber mit etwas Gelb. Eine einfache Blume. Hier ist ein Anfang, wo die meisten mit dabei sind.\u00a0 Oder in einem Gespr\u00e4ch, das sich entwickelt, bereichert und tr\u00f6stet, wo man es am meisten braucht \u2013 eine Begegnung auf dem Weg, auf dem man sich bewegt, und die bewirkt, dass sich ein neuer Weg f\u00fcr einen jetzt \u00f6ffnet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine Osterlilie hat es an sich, dass sie zur rechten Zeit bl\u00fcht. Sie bricht hervor bei winterlichem Sturm und Regen und kommt damit eben zum Zwischenleben. Eben da, wo man leicht unsicher werden kann, ob es blo\u00df immer k\u00e4lter wird und wo man den Glauben an eine gemeinsame Zukunft verlieren kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber die Osterlilie kommt an. Sie wei\u00df Bescheid. Selbst wenn es kalt ist, wird das nicht so bleiben. Es ist dunkel, da bahnt sie sich den Weg. Aber sie schl\u00e4gt aus, weil sie von einem lichtvollen Ort wei\u00df.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine Osterlilie, das ist nichts. Ein flacher und kantiger Spross mit einem Kragen, der gezackt ist und einem Kopf, der nach unten gebeugt ist. Ganz gew\u00f6hnlich. Zugleich aber ist das auch ein Gew\u00e4chs mit einer Erfahrung. N\u00e4mlich der, dass neues Leben entstehen kann. Dass das, was tot in der Erde lag, durchbrechen kann so gelb, dass es das graue Grab \u00fcberstrahlen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn da keine Kraft der Auferstehung w\u00e4re, h\u00e4tte man die Osterlilie l\u00e4ngst vergessen.\u00a0 Sie w\u00fcrde der Vergangenheit angeh\u00f6ren. Aber hier ist sie, und irgendjemand hat sie auf einen Schreibtisch gestellt, so dass ein Dichter sie nicht \u00fcbersehen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit seiner Dichtergabe, die mit der menschlichen Gottesebenbildlichkeit zusammenh\u00e4ngen muss, hat er einen Blick f\u00fcr ihre Bedeutung. Er sieht, hier ist nicht nur eine gezackte Bl\u00fcte. Hier ist ein Becher, aus dem man trinken kann, einen Schluck aus ihrer Auferstehungserfahrung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine Osterlilie k\u00f6nnte nur eine Osterlilie sein, vor der nichts weiter zu sagen ist. Etwas, was f\u00fcr eine Zeit da ist und dann wieder fort ist. Aber sie kann auch ein Ort sein, wo der Glaube beginnt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist wie mit der Ostererz\u00e4hlung selbst. Sie konnte auch f\u00fcr eine Zeit da sein und dann wieder verschwinden. Als eine Erz\u00e4hlung von einer Niederlage, wo die Anh\u00e4nger des Verstorbenen sich als feige und unbegabt erwiesen, und wo das entscheidende Zeugnis von Frauen stammte, denen sp\u00e4ter gesagt wurde, dass sie in der Versammlung zu schweigen h\u00e4tten. Aber hier sind wir dennoch am Ostermontag, auf dem Weg zu neuen Tagen.\u00a0 Hier sind wir am Ostermontag und erhalten eine Antwort, die nicht selbstsicher ist, sondern darauf verweist, dass man von diesen Auferstehungserfahrungen zehren kann. Wie eine gelbe Blume, die in unseren Landen bl\u00fcht. Wie ein Dichter, der ihre Bedeutung sieht und die Bedeutung anderer Blumen auch. Wie die Begegnung auf einem Weg, die man nicht absch\u00fctteln kann, weil sie neue hoffnungsvolle Gedanken er\u00f6ffnet, die den gang wieder leichter machen. Ein Gespr\u00e4ch, das die Zukunft \u00f6ffnet statt sie zu verschie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir <em>hatten<\/em> gehofft, sagen die beiden auf dem Weg nach Emmaus. Eine Blume und eine Begegnung k\u00f6nnen bewirken, dass wir wieder von der Hoffnung als Gegenwart und Zukunft reden k\u00f6nnen. da <em>ist<\/em> Hoffnung, so wahr wie da ein Puls ist, ein Herzschlag, offene Augen und Ohren und ein Leben, an dem wir teilhaben. So wahr wir Worte haben, mit denen wir uns begegnen und die und erz\u00e4hlen, dass wir die sind, die Gott nicht alleinl\u00e4sst, sondern zu denen er zur\u00fcckkommt. Wir sind die, die eine Zukunft in der Wirklichkeit Gottes haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr Zweifler erfordert das, dass der Auferstandene nicht nur auf uns in Galil\u00e4a wartet, sondern uns dahin folgt. Das ist unser Evangelium des Ostermontags, dass er das tut, uns auf dem Wege folgt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und auf dem Wege haben wir Lieder, die wir singen k\u00f6nnen, und Worte, die uns n\u00e4her zum Leben bringen. Und wir haben Bescher, die gef\u00fcllt werden, und wir h\u00f6ren, dass uns gesagt wird: Dies ist f\u00fcr dich, mein Leben ist dein Leben, die Auferstehung gilt auch dir. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Pastorin Christiane Gammeltoft-Hansen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>DK-2000 Frederiksberg<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>E-mail: cgh(at)km.dk<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/5A588F7A-02F4-4E5F-A58E-409E14AF97E5#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Anspielung auf das bekannte Osterlied des d\u00e4nischen Dichters Grundtvig: <em>P\u00e5skeblomst, hvad vil du her<\/em>, D\u00e4nisches Gesangbuch Nr. 236, deutsch im Deutsch-d\u00e4nischen Kirchengesangbuch Nr. 236: <em>Sag mir doch, was willst du hier, Osterglocke, dorfgeboren, ohne Duft und Pracht und Zier. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ostermontag | 10.04.2023 | Lukas 24,13-35 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Christiane Gammeltoft-Hansen | Was ist das, was bewirkt, dass etwas in einer Weise auf uns wirkt, wo die Worte eines anderen nicht nur eigene Worte werden, sondern etwas, was man gemeinsam singen kann? 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