{"id":18003,"date":"2023-04-04T21:01:41","date_gmt":"2023-04-04T19:01:41","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18003"},"modified":"2023-04-04T22:26:53","modified_gmt":"2023-04-04T20:26:53","slug":"1-korinther-151-11-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-151-11-4\/","title":{"rendered":"1. Korinther 15,1-11"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Ostersonntag | 09.04.2023 | 1. Kor 15,1-11 | Hansj\u00f6rg Biener |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>F\u00fcr die Begr\u00fc\u00dfung<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDer Herr ist auferstanden.\u201c \u2013 \u201eEr ist wahrhaftig auferstanden.\u201c So lautet ein alter Ostergru\u00df in den orthodoxen Kirchen. L\u00e4ngst hat er seinen Weg auch in die Westkirchen gefunden. Aber nicht allen geht dieser Wechselgru\u00df leicht \u00fcber die Lippen. Auferstehung &#8211; was soll das sein? Wie kann man das glauben? Diese Fragen stellen nicht erst naturwissenschaftlich gepr\u00e4gte Menschen von heute. Schon der Apostel Paulus hat sich sehr ausf\u00fchrlich mit solchen Fragen seiner Gemeinde besch\u00e4ftigt. Im 1. Korinther-Brief. Der Anfang des 15. Kapitels ist heute unser Predigttext. Der Auferstandene soll in diesem Gottesdienst aber nicht nur im Predigtwort bedacht werden; wir werden Jesu geheimnisvolle neue Gegenwart auch im Abendmahl begehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Predigt<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Ostersonntag erinnert an die Auferstehung Jesu. Seither, so die biblisch-christliche \u00dcberlieferung, ist Jesus in einer neuen Weise in der Gemeinde anwesend. Aber: Schon in den ersten Gemeinden hat man sich gefragt, wie das zugehen soll. \u201eAuferstehung\u201c, \u201emuss\u201c ich das glauben? Wie \u201ekann\u201c ich das glauben? Fragen rund um die Auferstehung bedenkt der Apostel Paulus in einem ausf\u00fchrlichen Kapitel des 1. Korinther-Briefs. Der Anfang dieses 15. Kapitels ist unser heutiger Predigttext:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Predigttext<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eIch erinnere euch aber, liebe Br\u00fcder [und Schwestern], an das Evangelium, das ich euch verk\u00fcndigt habe, das ihr auch angenommen habt [\u2026], durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr&#8217;s festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verk\u00fcndigt habe; [\u2026].<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Da\u00df Christus gestorben ist f\u00fcr unsre S\u00fcnden nach der Schrift; und da\u00df er begraben worden ist; und da\u00df er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; und da\u00df er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zw\u00f6lfen. Danach ist er gesehen worden von mehr als f\u00fcnfhundert Br\u00fcdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zuletzt ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, da\u00df ich ein Apostel hei\u00dfe, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. [\u2026]\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(1. Korinther 15,1-10*)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das setzt uns heute f\u00fcr die Predigt auf eine historische Spur. Andere Themen aus dem Auferstehungskapitel des 1. Korinther-Briefs sind zu anderer Zeit auszulegen. Beobachten wir zun\u00e4chst, was die urchristliche \u00dcberlieferung \u00fcber die Auferstehung sagt und dann, wie Paulus mit ihr umgeht. Vielleicht kl\u00e4ren sich einige Glaubensfragen ein wenig mehr. Am Ende wird aber auch zu fragen sein, wie die \u201eAuferstehung Jesu\u201c sich heute bewahrheitet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u201eDer Herr ist auferstanden\u201c &#8211; Ein Glaubensbekenntnis, das \u00e4lter ist als der Glaube des Paulus<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gleich am Anfang des Predigttextes finden wir ein Glaubensbekenntnis, das \u00e4lter ist als der Glaube des Paulus. Wo das Zitat endet, ist umstritten; der Anfang ist es nicht. Paulus leitet das \u00fcberlieferte Bekenntnis ja selber als Zitat ein:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eAls erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da\u00df Christus gestorben ist f\u00fcr unsre S\u00fcnden nach der Schrift; und<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">da\u00df er begraben worden ist; und<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">da\u00df er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; und<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">da\u00df er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zw\u00f6lfen\u201c und weiteren Zeugen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das klingt am Anfang fast wie unser Apostolisches Glaubensbekenntnis:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201egekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist interessant, dass Paulus \u201eals erstes\u201c auf die urkirchliche Tradition Bezug nimmt. An anderen Stellen hat er sich durchaus von der urchristlichen Tradition frei gemacht. Wir alle sind Beweis daf\u00fcr, denn wir leben nicht nach den Geboten der Thora, wie Juden es tun. Anders als Petrus, Jakobus, Johannes und die anderen ersten Auferstehungszeugen. Das war eine der gro\u00dfen Auseinandersetzungen zwischen Paulus und Petrus: M\u00fcssen Christen, die aus dem Heidentum kommen, Juden werden, um echte Christen zu sein? Die Jerusalemer sagten Ja; Paulus sagte Nein. Diese Auseinandersetzung war mit direkten pers\u00f6nlichen Konfrontationen verbunden. Trotzdem zitiert Paulus als die ersten Zeugen der Auferstehung Kephas = Petrus, die Zw\u00f6lf und die anderen Jerusalemer. Paulus kommt nicht um sie herum: Deren Auferstehungsbotschaft bleibt trotz aller Differenzen, die Paulus mit den Jerusalemern hat, unaufgebbar. Wie immer sie sich zugetragen haben mag, die \u201eAuferstehung Jesu\u201c ist ein gemeinsames Glaubensfundament der ersten Christenheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Hinweis auf die ersten Zeugen hat noch eine zweite Bedeutung. Als Paulus seinen Brief schreibt, sind die meisten Auferstehungszeugen noch am Leben: Apostel wie Petrus, die schon dem irdischen Jesus nachgefolgt waren. Weitere Apostel und J\u00fcnger auch. Paulus kennt sie und nennt sie. Das ist keine leere Rede, denn man k\u00f6nnte sie besuchen und befragen. Nat\u00fcrlich war Reisen in der Antike beschwerlicher als heute. Doch Korinth ist eine Hafenstadt, in der man \u00dcbersee-Reisen gewohnt ist. Das in der Bibel mehrfach erw\u00e4hnte Jaffa w\u00e4re der Jerusalem n\u00e4chstgelegene Hafen gewesen. Ein weiterer m\u00f6glicher Hafen in Israel-Pal\u00e4stina war die Herodes-Gr\u00fcndung Caesarea am Meer, die vielleicht sogar der zweitgr\u00f6\u00dfte Hafen im \u00f6stlichen Mittelmeerraum war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Damit haben wir erste Einsichten zur Frage, \u201eAuferstehung\u201c, \u201emuss\u201c ich das glauben? Wie \u201ekann\u201c ich das glauben? Obwohl Paulus mit Grundregeln der Urgemeinde, wie man leben muss, gebrochen hat, bleibt ihr Auferstehungszeugnis f\u00fcr Paulus etwas, das man glauben muss. Aber dieser Glaube hat auch etwas mit Wissen zu tun: Was immer auch \u201eAuferstehung\u201c naturhistorisch gewesen sein mag, die \u00dcberlieferungen der ersten Zeugen dar\u00fcber sind zu seiner Zeit noch \u00fcberpr\u00fcfbar. Mehr historische Objektivit\u00e4t als das bekommen wir nicht. Trotzdem ist der Glaube an die Auferstehung damit mehr als das Hirngespinst eines einzelnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Wie Paulus zum Glauben an den Auferstandenen kommt&#8230;<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Traditionsbindung des Paulus ist auch deshalb interessant, weil Paulus in Sachen Auferstehung auch anders reden k\u00f6nnte. Er k\u00f6nnte sich \u201eals erstes\u201c auf seine eigene Erfahrung berufen, so wie Menschen heute sich als Erstes auf den wom\u00f6glich zu engen Horizont ihrer Erfahrungen berufen. Paulus schreibt ja:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eAuch mir hat sich der auferstandene Jesus offenbart.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Auferstehungserfahrung war anders als bei den Aposteln in den Ostertagen, aber doch pers\u00f6nlich \u00fcberzeugend. Diese eigene Erfahrung hat Paulus bei den Auseinandersetzungen mit Petrus und Co. durchaus in Stellung gebracht. Ja, auch er sei Auferstehungszeuge und richtiger Apostel.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Allerdings muss man genau hinh\u00f6ren, wenn Paulus an das alte Glaubensbekenntnis sein eigenes anf\u00fcgt:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eZuletzt ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eUnzeitige Geburt\u201c, das klingt nach den ein, zwei Jahren zu sp\u00e4t der Bekehrung des Paulus. Tats\u00e4chlich ist es aber eine Umschreibung f\u00fcr Fehlgeburt, weil Paulus in einer Hinsicht kein normaler Apostel ist. Die anderen Apostel waren schon zu Jesu irdischen Zeiten J\u00fcnger Jesu. Paulus hingegen wei\u00df genau, wie engagiert er die Sekte der Christen verfolgt hatte. Es ist wichtig, zu sehen, wovon er sich wozu bekehrt hat. Er ist nicht an seinem Gehorsam gegen\u00fcber den Geboten gescheitert. Paulus hat darauf bestanden, dass die Gebote der Thora haltbar sind und er sie auch gehalten hat. Was sich allerdings \u00e4ndern musste, war sein Fanatismus. Er glaubte, Gott und den Menschen etwas Gutes zu tun, indem er die Sekte des Christentums bek\u00e4mpfen wollte. So wie heute manche meinen, sie m\u00fcssten sich im Namen des christlichen Abendlands an Angeh\u00f6rigen anderer Religionen abarbeiten. Aber mit Fanatismus ehrt man Gott nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kehren wir zur Frage zur\u00fcck, \u201eAuferstehung\u201c, \u201emuss\u201c ich das glauben? Wie \u201ekann\u201c ich das glauben? An Paulus sehen wir: Zu erstem Wissen muss das pers\u00f6nliche Ergriffenwerden hinzukommen. Paulus hat in den uns \u00fcberlieferten Briefen nicht von seiner Bekehrung erz\u00e4hlt. Nach Angaben der Apostelgeschichte h\u00e4tte eine Lichterscheinung Paulus bei seinem Fanatismus gepackt: \u201ePaulus, Paulus, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst.\u201c Das bedeutete eine Lebenswende f\u00fcr Paulus. Lebenswendende Erfahrungen kann Paulus auch bei seiner Gemeinde in Korinth ansprechen. Nicht jeder in ihr ist gl\u00e4ubiger Jude gewesen oder hat in der korinthischen Gesellschaft eine sozusagen b\u00fcrgerliche Biographie hinter sich. Es gibt in der Korinther Christengemeinde auch Menschen, in deren Leben die Ankunft Jesu etwas zum Besseren ver\u00e4ndert hat. Dazu von anderer Stelle im 1. Korinther-Brief: \u201eUnz\u00fcchtige, G\u00f6tzendiener, Ehebrecher, Lustknaben oder Knabensch\u00e4nder, Diebe, Habgierige, Trunkenbolde, L\u00e4sterer oder R\u00e4uber werden das Reich Gottes nicht ererben. Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid [\u2026] gerecht geworden um Jesu willen.\u201c Man muss den Lasterkatalog in 1. Korinther 6 nicht in allem w\u00f6rtlich nehmen, und doch sollte er als Verhei\u00dfung f\u00fcr alle Menschen geh\u00f6rt werden: Egal, was an deinem Leben moralisch problematisch war, es kann mit Jesus anders werden. Ich bin Menschen begegnet, f\u00fcr die eine solche Lebenswende einen Rest Lebensqualit\u00e4t nach einer Drogen- oder Gewaltkarriere sicherte, auch wenn es ein Christentum mit strikten Ge- und Verboten war. Wo innere Strukturen zusammengebrochen sind, braucht es eben \u00e4u\u00dfere Ger\u00fcste. F\u00fcr sie war der Glaube an die Auferstehung fundamental, weil Jesus statt der Treibsande ihres Lebens das neue Lebensfundament wurde. Jesu Auferstehung in ihr Leben erm\u00f6glichte ihnen einen Neuanfang und l\u00e4sst sie am Ende trotz eines verkrachten Lebens zu einem ewigen Leben zu Gott \u00fcbergehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Damit haben wir jenseits der Frage nach dem historisch-naturgeschichtlichen Geschehen zweite Einsichten zur Frage, \u201eAuferstehung\u201c, \u201emuss\u201c ich das glauben? Wie \u201ekann\u201c ich das glauben? An Paulus und seiner Gemeinde k\u00f6nnen wir sehen: Der Glaube an die Auferstehung Jesu oder besser seine heutige Gegenwart in unserem Leben ist immer eine Mischung. In jedem Glauben vermischen sich Lebensgeschichte, ihre Deutung im Licht der Tradition und nicht hintergehbare pers\u00f6nliche Transformationserfahrungen. Wer also das nicht will: sein Leben im Angesicht des Auferstandenen betrachten und auch nicht Ver\u00e4nderungen seines Lebens um Jesu Willen, der wird auch nicht weiterkommen bei der Frage, ob es denn die Auferstehung Jesu gegeben hat oder nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Wie der Glaube an den Auferstandenen zu uns kommt&#8230;.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erschienen dem Petrus und den Zw\u00f6lfen, dann anderen, dann Paulus. Die Kette der Menschen, die anderen zu Zeugen der Auferstehung Jesu in ihr Leben geworden sind, ist nicht abgebrochen. Manche tragen einen gro\u00dfen Namen wie Paulus oder andere M\u00e4nner und Frauen des Glaubens. \u00d6fter jedoch sind die Auferstehungszeugen weniger prominent: Die Mutter, die ihre Kinder in die Kirche mitgebracht hat und so mit ihnen Glauben ge\u00fcbt hat. Ein Mann, der f\u00fcr seinen Glauben eingestanden ist, als alle anderen spotteten. Menschen in der Stadtmission, die um ihres Glaubens willen schwierige Leute nicht abschreiben.\u00a0 Menschen auch, die in der Gemeinde nicht nur vergebene Liebesm\u00fch sehen, sondern als einen Ort zum Leben und Glauben erhalten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Trotzdem bleibt die Auferstehung in einem k\u00f6rperlichen Sinn auch f\u00fcr Gl\u00e4ubige kein Ereignis, das alle Tage vorkommt. Das war sie schon f\u00fcr die Urgemeinde nicht. Die Toten, die wir kennen, sind bisher tot geblieben. Wie also werden wir die Kraft des Auferstandenen erleben? Gewiss anders als bei jenen ersten Auferstehungsgeschichten, als sich Jesus von den ersten Zeugen sogar ber\u00fchren lie\u00df. Es wird auch anders sein als bei der Vision des Paulus, obwohl ich Visionen nicht grunds\u00e4tzlich ausschlie\u00dfen will. In unserer Gesellschaft jedoch gelten Visionen eher als Ausdruck psychischer Probleme. Vielleicht ist es auch kein Schl\u00fcsselerlebnis mit Gott und der Welt, wie es Paulus hatte, und keine tiefgreifende Wende in der Lebensf\u00fchrung, wie sie manche Gemeindeglieder in Korinth n\u00f6tig hatten und manche Menschen heute auch.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist wohl so, dass die Wahrheit der Auferstehungsbotschaft jeweils auf die Kultur R\u00fccksicht nimmt. Unsere Gesellschaft baut auf einer Kultur der Tat auf. Sie kennen das klassisch-kapitalistisch als \u201eWer nicht wagt, der nicht gewinnt.\u201c oder jugendsprachlich als \u201eno risk, no fun\u201c. (Wer keine Risiken eingeht, hat auch keinen Spa\u00df.) Leben wird in unserer Gesellschaft in erster Linie als Aktivsein verstanden. Und so ist der Weg der Glaubenserfahrung f\u00fcr viele Menschen unserer Kultur weniger die religi\u00f6se Kontemplation und Vision. Unserer ist es wohl mehr, Jesus in unserem Tun zu suchen. Dazu ist es wichtig, alles Tun auch mit der religi\u00f6sen Dimension des Lebens zu begleiten. Denn Glaube ist immer eine Mischung zwischen eigener Lebenserfahrung, Deutung aus biblisch-christlicher Sicht und unerkl\u00e4rlicher Gewissheit. Es geht also darum, in alle Dinge den Glauben mit hineinzunehmen, in wichtige Entscheidungen wie Berufs- oder Partnerwahl ebenso wie in Alltagsdinge, in gute und in schlechte Zeiten. Gelegenheiten, das eigene Tun mit Gebet zu begleiten, gibt es immer wieder. Nicht nur als Sto\u00dfgebet, wie es Christen und Nichtchristen wohl viele Male zum Himmel schicken, sondern bewusst gepflegt. Dass man dankt f\u00fcr das, was gut war, und nennt, was offenblieb oder immer noch sorgt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Warum ein Restzweifel nicht auszur\u00e4umen ist&#8230;<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich habe ausgehend vom Predigttext den Umgang mit dem historischen Zweifel zum Hauptthema gemacht. Historisch betrachtet k\u00f6nnen wir das Ereignis Auferstehung nicht wirklich erreichen. Wie alle Ereignisse der Vergangenheit liegt sie uns nur indirekt im fremden Zeugnis vor. Wir kommen aber immerhin bis zu einem Glaubensbekenntnis, das nicht allzu lang nach den Ereignissen formuliert worden ist. Und wir k\u00f6nnen zur Kenntnis nehmen, dass rund 20\/25 Jahre danach die ersten Zeugen der Auferstehungsbotschaft noch besucht und befragt werden k\u00f6nnen. Au\u00dferdem k\u00f6nnen wir beobachten, wie das Zeugnis des Auferstandenen aufgenommen wurde und Menschenleben positiv gewendet hat. Vielleicht sind wir uns dabei auch selber Zeugnis, dass es gut wurde und ist mit unserem Glauben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Glaube an Jesu Auferstehung hat, wie ich zu zeigen versuchte, auch etwas mit Denken und Wissen zu tun. Abschlie\u00dfend komme ich zum einzigen Zweifel, der nicht mit Denken auszur\u00e4umen ist. Nicht immer kommt die Botschaft der Auferstehung bei uns an, n\u00e4mlich dann, wenn das T\u00f6dliche im Leben ihr massiv entgegensteht. Hart st\u00f6\u00dft sich das Licht des Ostermorgens mit dem Tod eines lieben Menschen. Hart st\u00f6\u00dft sich eine Hoffnungsbotschaft mit der Sorge um den Arbeitsplatz. Hart st\u00f6\u00dft sich das Auferstehungswunder mit einer bleibenden k\u00f6rperlichen oder seelischen Einschr\u00e4nkung. Es sind Karfreitage des Lebens, wenn unsere Hoffnungen und Sehns\u00fcchte sterben, Lebensmut und Gottvertrauen auch. Doch der auferstandene Christus h\u00e4lt bei uns aus, denn auch vor seiner Auferstehung kam die Passion. Das war ja eine der Eigenarten von Jesus, dass er Leid und Schmerzen im eigenen und fremden Leben nicht floh. Solange wir leben, lebt der Glaube in der Spannung von guten und schlechten Erfahrungen. Wir haben in nicht anders als in der Spannung von Lebensmut und Gottvertrauen einerseits und Lebensangst und gro\u00dfem Leid andererseits. Anders ist Glaube leider nicht zu haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manchmal dauert die Grabesstille \u00fcber Aspekten unseres Lebens ein Leben lang. Doch gegen alles Leid h\u00f6ren wir in unseren Gottesdiensten die Botschaft, es soll nicht so bleiben. Am Ende aller Karfreitage und Karsamstage dieser Welt soll\u00a0 der \u00dcbergang in ein neues Leben kommen. Es ist das Leben bei Gott, das in Ewigkeit w\u00e4hrt und in Ewigkeit lebenswert ist. Deshalb feiern wir j\u00e4hrlich neu das Osterfest. In der Feier des Abendmahls wird unser letztes Osterfest symbolisch vorweggenommen: ein bisschen Brot, als Zeichen, dass einmal alle satt sein werden, ein bisschen Wein, als Zeichen, dass einmal alle fr\u00f6hlich sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dr. Hansj\u00f6rg Biener (*1961) ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und als Religionslehrer an N\u00fcrnberger Gymnasien t\u00e4tig. Au\u00dferdem ist er au\u00dferplanm\u00e4\u00dfiger Professor f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik und Didaktik des evangelischen Religionsunterrichts an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg. (Hansjoerg.Biener (at) fau.de)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ostersonntag | 09.04.2023 | 1. 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