{"id":18015,"date":"2023-04-06T08:18:43","date_gmt":"2023-04-06T06:18:43","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18015"},"modified":"2023-04-06T08:18:43","modified_gmt":"2023-04-06T06:18:43","slug":"lukas-24-13-35-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-24-13-35-7\/","title":{"rendered":"Lukas 24, 13-35"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">\u00d6sterliche Tischgemeinschaften | Ostermontag | Lk 24, 13-35 | Ralf Reuter |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zum Himmel auf Erden braucht es einen Tisch. Der muss eingedeckt werden. Mit Tellern und Tassen, mit Besteck, mit Servierten. Vielleicht auch mit Blumen und einer sch\u00f6nen Decke. Nat\u00fcrlich geh\u00f6ren dann Brot und Getr\u00e4nke dazu, auch Gekochtes und Gebratenes. Auftischen von dem, was vorbereitet wurde, in der K\u00fcche da ist oder andere mitbringen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn zum Himmel auf Erden geh\u00f6ren auch Menschen. Manchmal wird das vergessen und man sitzt alleine. Also einladen, ins Haus bitten, die Kirche \u00f6ffnen, am Wegesrand Platz nehmen. Es gibt \u00fcberall Orte, wo Menschen zusammenkommen, um miteinander zu essen und zu trinken. Auch in unserer Kirche. Entscheidend ist, dass wir einladen und selber kommen. Und andere mitbringen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wo ein Tisch steht und Menschen an ihm sitzen, gibt es Geschichten, die erz\u00e4hlt werden. Geschichten des Lebens. Sch\u00f6ne Geschichten, aber auch schwere. Manche berichten von ihren Erlebnissen der letzten Zeit, andere von ihren Wunden, die sie mit sich tragen. Reden und H\u00f6ren, beides braucht es wie Essen und Trinken. Anderen zuh\u00f6ren und sich mitteilen, so entsteht Gemeinschaft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gemeinschaft derer, die unterwegs sind wie die beiden J\u00fcnger vom Kreuz. Sie gehen miteinander, und in ihr Klagen hinein gesellt sich ein Fremder zu ihnen. Er ist pl\u00f6tzlich da, h\u00f6rt zu, fragt nach. Sie berichten ihm von Jesus, vom Ende ihrer Gemeinschaft in Jerusalem. Warum musste dies geschehen? Wir verstehen es nicht. So gehen auch unsere Geschichten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">An den Tischen in Kirchengemeinden erz\u00e4hlen wir davon, wie wir weniger werden. Berichten, was in den Kirchen gerade l\u00e4uft, es diese und jene Ver\u00e4nderung gibt. Wir wissen nicht, warum es so sein muss, es nicht bleiben kann wie es war. Es wird auch von neuen Aufbr\u00fcchen berichtet. So wie die J\u00fcnger von anderen h\u00f6rten, das Grab sei leer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Den J\u00fcngern legt der von ihnen noch nicht erkannte Jesus die Schrift aus. Warum traut ihr nicht dem Wort? Musste Christus dies nicht erleiden? Er ist der Verk\u00fcndiger der Verk\u00fcndigung, ist als Jesus auch Christus. Mehr geht nicht, doch die J\u00fcnger verstehen es nicht. Der Himmel auf Erden kommt nicht nur \u00fcber den Verstand, das Wort muss erst ins Leben springen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es braucht einen Tisch, mit Essen und Trinken, in der Gemeinschaft der Menschen und g\u00f6ttlicher Gegenwart. \u201eBleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget.\u201c Die sch\u00f6nste Einladung der Welt. Es wird Abend, nicht nur mit Abendglocken und Abendbrot, auch bald Nacht mit Dunkelheit und Schlaf. Abend des Tages, aber darin schon vorweggenommen auch Abend des Lebens, Abend der Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bleibe bei uns, du hast unser Herz ber\u00fchrt, Geleit gegeben. Ein g\u00f6ttlicher Funke ist \u00fcbergesprungen. Nicht allein bleiben, mit dem Himmel in die Zukunft gehen, uns mitnehmen, tragen lassen. Daher: Im Anderen immer auch den m\u00f6glichen Boten Gottes sehen. Lade ein, vielleicht wirst du, ohne es zu wissen, Engel beherbergen (Hebr. 13,2).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und es geht dann so unkompliziert und schnell, fast wie aus der Zeit gefallen. Wer kann spontan jemanden ins Haus mitbringen? Und ihn auch noch bewirten? Selbst in der Kirche, dem gro\u00dfen Gasthaus Gottes auf Erden gelingt uns das nur selten. Wir f\u00fchlen uns nicht als spontan Einladende. Oft ist es ist nicht nur \u00e4u\u00dferlich, sondern auch menschlich kalt unter uns. So manch ein Engel geht so an unseren Gemeinden vorbei.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ostern an Tischen in der Kirche sitzen und von den Emmaus-J\u00fcngern erz\u00e4hlen. Darin unsere Geschichten des Lebens erkennen. Wo wir unterwegs sind, klagen, nichts verstehen, und darin dem auferstandenen Herrn begegnen, in seinem Mahl, in seinem wirksamen Wort, in der Gemeinschaft der Menschen, die mit uns unterwegs sind. Das ist die Vision einer Kirche der Zukunft, eines Lebens mit dem Himmel auf Erden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese wunderbare Geschichte von Lukas berichtet vom auferstandenen Jesus, wie er seinen J\u00fcngern im Brotbrechen als Christus begegnet. Er ist f\u00fcr diesen Moment mit seiner ganzen G\u00f6ttlichkeit auf Erden pr\u00e4sent, sendet sie in die Zukunft und ist wieder verschwunden. Pl\u00f6tzlich ist alles anders, die Nacht schon zum Morgen geworden. Nicht mehr im r\u00fcckw\u00e4rtigen Denken gefangen, brechen sie mit gro\u00dfer Energie in die Zukunft auf.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Abendmahl als Urbild unserer christlichen Existenz, zu allen Zeiten und an allen Orten, f\u00fcr mich ist dies die Osterbotschaft dieses Jahres. Darin den Himmel auf Erden sp\u00fcren und erfahren, und mit ihm in die Einladungen des Lebens gehen. Andere mit an unseren Tisch nehmen, ihnen Gastrecht gew\u00e4hren. \u00dcberall, wo es geht, und in der Kirche und im Alltag.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch an den Tisch unserer Freundlichkeit laden. Wo in der Begegnung einen Moment verweilt wird. Fragen, wie es geht, was einen bewegt, bedr\u00fcckt, worauf man sich freut. Geht wunderbar im Supermarkt Manchmal wird daraus ein gemeinsamer Kaffee. Oder kurze Gespr\u00e4che drau\u00dfen vor dem Kindergarten beim Abholen der Kinder. Nicht um r\u00fcckw\u00e4rtig zu klagen, sondern zuversichtlich nach vorne zeigen. Wie Jesus Christus beim Abendmahl.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Gem\u00e4lde vom Emmausmahl des Malers Caravaggio von 1602 zeigt Jesus segnend mit seiner Hand nach vorne. Ich halte es f\u00fcr wichtig, solche Bilder anzuschauen, mit dem Smartphone in die unmittelbare Gegenwart zu holen. Das Jesusgeschehen und der auferstandene Christus sind unsere Leitbilder. Hier wird das g\u00f6ttliche Wort im Bild lebendig und springt in die Augen. Und wir springen voll himmlischer Dynamik vom Tisch wieder auf wie die J\u00fcnger bei Caravaggio.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So wie unsere J\u00fcnger von Emmaus jetzt eigenst\u00e4ndig in Jerusalem einziehen. Mit der Botschaft der Auferstehung im Herzen. Ihr Herz ist nicht mehr kalt. Es brannte im R\u00fcckblick schon da, wo er mit ihnen unterwegs war, ihnen die Schrift auslegte und sie ihn einluden. Nun sind sie Gesandte des Herrn. Wie wir. Mit dem Osterglauben unterwegs sein, in den beruflichen und famili\u00e4ren Verbindungen. Im Einsatz als christliche Gemeinde, in den Orten unseres Lebens, solange wir leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Also einladen zu \u00f6sterlichen Tischgemeinschaften. Wo das Feuer im Herzen entfacht wird. Wo aus r\u00fcckw\u00e4rtigem Klagen neue Aufbr\u00fcche entstehen. Kirche der Zukunft ist niemals eine Kopfgeburt, sie ist das Versammeln der Menschen am Tisch. Nicht unsere Konzepte, auch nicht unsere Reicht\u00fcmer begehren die Menschen, sondern unsere Freundlichkeit. Sich eingeladen f\u00fchlen an den Tisch des Herrn. Wo das Herz brennt, wo die Zukunft aufbl\u00fcht und der Himmel auf Erden erfahrbar wird.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Pastor Ralf Reuter<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>G\u00f6ttingen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>E-Mail: <a href=\"mailto:Ralf.Reuter@evlka.de\">Ralf.Reuter@evlka.de<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ralf Reuter, Pastor der Ev.-luth. Weststadt-Kirchengemeinde G\u00f6ttingen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00d6sterliche Tischgemeinschaften | Ostermontag | Lk 24, 13-35 | Ralf Reuter | Zum Himmel auf Erden braucht es einen Tisch. Der muss eingedeckt werden. 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