{"id":18052,"date":"2023-04-12T08:30:27","date_gmt":"2023-04-12T06:30:27","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18052"},"modified":"2023-04-12T08:30:27","modified_gmt":"2023-04-12T06:30:27","slug":"genesis-3223-32-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/genesis-3223-32-3\/","title":{"rendered":"Genesis 32,23-32"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Baptizatus sum \u2013 Ich bin getauft | Quasimodogeniti | 16.04.2023 | 1. Mose 32,23-23 | Rainer Stahl |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDie Gnade unseres Herrn Jesus Christus,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">die Liebe Gottes<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">sei mit Euch allen!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Leserin, lieber Leser!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Schwestern und Br\u00fcder!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">I.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit unserem Sonntag beginnt die erste Woche nach der Osterwoche. In der alten Kirche waren zu Ostern die Tauffeiern durchgef\u00fchrt worden. Bis zu diesem Sonntag nach Ostern trugen die T\u00e4uflinge ihr wei\u00dfes Gewand als Zeichen daf\u00fcr, gerade getauft zu sein. In unserer evangelischen Kirche wurde dann der Sonntag \u201eQuasimodogeniti\u201c genannt, nach der Antiphon des Psalms des Sonntags aus 1 Petrus 2,2a: \u201eWie die neugeborenen Kinder\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/3E9CCF26-4C60-4B01-9753-B61A31F99054#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a> Auch wir k\u00f6nnen uns bewusst machen, was es f\u00fcr uns hei\u00dft, getauft zu sein. In diesem Jahr hatte meine Gemeinde, in der ich in Erlangen lebe, am 19. M\u00e4rz den Gottesdienst als Tauferinnerungsfest gefeiert. Das war ein lebendiger Gottesdienst zusammen mit vielen Familien mit ihren Kindern \u2013 voller Aktivit\u00e4ten und ganz moderner Sprache. Im Gemeindebrief war auf eine wichtige Dimension hingewiesen worden:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eEs gibt die \u00dcberlieferung, dass Martin Luther auf seinen Schreibtisch folgende Worte auf Latein geschrieben oder eingeritzt hatte: \u00bbIch bin getauft!\u00ab Das konnte man nicht mehr wegwischen. Der Grund f\u00fcr all sein Tun und Handeln blieb, auch unter T\u00fcrmen von Papieren und B\u00fcchern. Viel zu tun gab es damals wie heute fast immer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00bbIch bin getauft!\u00ab Nicht nur Luther tat diese Erinnerung gut. Auch uns tut es gut, uns an die Taufe zu erinnern.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich denke, diese \u00dcberlieferung ist richtig: \u201eIch bin getauft!\u201c \u2013 \u201eBaptizatus sum!\u201c Das hatte sich Luther fest notiert, dass er es nicht vergessen oder \u00fcbersehen konnte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">II.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Fragen Sie sich doch einmal, ob Sie wissen, wann Sie getauft worden waren! Ich, als am 18. M\u00e4rz Geborener, war am 17. Juni getauft worden. Denn ich war zu fr\u00fch geboren worden und musste gleich nach der Geburt in ein Krankenhaus gebracht werden und musste zu Kr\u00e4ften kommen. Deshalb war ich erst nach einem Vierteljahr so weit, dass die Taufe vollzogen werden konnte. Der taufende Pfarrer hatte ein feines Bibelwort f\u00fcr mich entschieden: \u201eEs ist in keinem anderen Heil, ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden\u201c (Apostelgeschichte 4,12).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">III.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">D\u00e4mmern da nicht doch Verbindungslinien zu dem fremden und \u00fcberraschenden Predigttext auf? Wir haben uns sicher schon gefragt, was diese Geschichte \u00fcber ein Geschehen in der Furt des Jabbok mit uns und mit unserer Taufe zu tun haben k\u00f6nnte. Jetzt wird mir bewusst:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">III.1.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Taufhandlung kann auch die Gesundheit gef\u00e4hrden. Deshalb war es ja f\u00fcr mich n\u00f6tig gewesen, so lange zu warten, bis ich eine grundlegende St\u00e4rke gewonnen hatte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die \u00fcberraschende Begegnung zwischen Jakob und \u2013 ja wohl! \u2013 Gott in der Furt des Jabbok zeichnet Jakob f\u00fcr sein weiteres Leben, macht ihn zu einem hinkenden Mann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">III.2.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In der Taufhandlung wird eine gro\u00dfe Wahrheit er\u00f6ffnet, die gleichwohl \u2013 auf alle F\u00e4lle: wenn wir als kleines Kind getauft werden \u2013 im eigenen Leben immer wieder gewonnen, angeeignet werden muss: Dass ich trotz aller anderen Anregungen und Herausforderungen doch festhalte, Christus sei mein Gegen\u00fcber, durch das mein Leben gelingen kann \u2013 gelingen wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die \u00fcberraschende Begegnung zwischen Jakob und Gott f\u00fchrt dazu, dass Jakob eine neue Identit\u00e4t zugesprochen wird: \u201eIsrael\u201c \u2013 \u201eFechter Gottes\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/3E9CCF26-4C60-4B01-9753-B61A31F99054#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a>.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So bleibt das doch bei uns allen: Wir m\u00fcssen immer wieder mit Gott ringen. Dass wir Gef\u00e4hrdungen durchstehen. Dass wir Herausforderungen meistern. Dass wir Gott nicht vergessen, sondern mit ihm in Verbindung bleiben. Und wenn nicht \u00e4u\u00dferlich, so doch gewiss innerlich werden wir durch solches Ringen zu gezeichneten Menschen. Versuchen Sie doch, diese Zeichnung positiv zu sehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">III.3.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00dcber Jakob hei\u00dft es dann, dass er dort \u2013 an dieser Furt \u2013 gesegnet wurde. Und dass er diesen Ort \u201eGottesantlitz\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/3E9CCF26-4C60-4B01-9753-B61A31F99054#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a>genannt habe: \u201eDenn ich habe Gott von Angesicht gesehen.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist <u>die<\/u> Aufgabe, die uns diese so ferne und doch auch so nahe Geschichte aufgibt: Welchen Ort, welche Lebenssituation w\u00fcrden wir \u201eGottesantlitz\u201c nennen? Gehen wir mit dieser Frage in die neue Woche! Ich bin \u00fcberzeugt, dass wir mit \u00fcberraschenden Erkenntnissen rechnen k\u00f6nnen!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">IV.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">W\u00e4hrend meines Pal\u00e4stina-Lehrkurses im Sommer 1989 konnten wir am 16. August im Norden Jordaniens in der N\u00e4he von Machanaijm auch die Furt am Jabbok durchqueren. Wir hatten dazu die Schuhe ausgezogen und gingen mit blo\u00dfen F\u00fc\u00dfen durch das Wasser. Aber es blieb doch ein realistisches Gef\u00fchl: Die Landschaft und der Fluss waren nicht besonders erschreckend oder beeindruckend, \u00fcberquerten wir die Furt ja auch gegen Mittag \u2013 unter strahlendem Sonnenschein. Au\u00dferdem bleibt die Lokalisation jener Geschichte in Genesis 32 auch ganz unsicher. So brauchen wir diese alte Geschichte nicht zu verifizieren, nicht wirklich zu lokalisieren. Wir k\u00f6nnen alle solche Fragen offenhalten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber ihre Elemente, ihre Einzelheiten \u2013 die k\u00f6nnen uns zu Hinweisen auf ganz eigenes Erleben der N\u00e4he Gottes werden. Eben auch zu der einmal erfolgten Wende in unserem Leben: \u201eBaptizatus sum!\u201c \u2013 \u201eIch bin getauft!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eUnd der Friede Gottes,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">der h\u00f6her ist als unsere Vernunft,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liedvorschl\u00e4ge:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EG 204: \u201eHerr Christ, dein bin ich eigen\u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EG 208: \u201eGott Vater, du hast deinen Namen\u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EG 574: \u201eLasset mich mit Freuden sprechen\u2026\u201c (Regionalteil Bayern).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dr. Rainer Stahl<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erlangen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"mailto:rainer.stahl.1@gmx.de\">rainer.stahl.1@gmx.de<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">[1951 geboren, Studium der Theologie in Jena, Assistent im Alten Testament, 1981 ordiniert, Pfarrer der Ev.-Luth. Kirche in Th\u00fcringen, zwei Jahre lang Einsatz beim Lutherischen Weltbund in Genf, dann Pfarrer in Altenburg, Alttestamentler an der Kirchlichen Hochschule in Leipzig, Referent des Th\u00fcringer Landesbischofs in Eisenach, von 1998 bis 2016 Dienst als Generalsekret\u00e4r des Martin-Luther-Bundes (des evangelisch-lutherischen Diasporawerks) in Erlangen, seit April 2016 im Ruhestand.]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/3E9CCF26-4C60-4B01-9753-B61A31F99054#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a>\u00a0 Vgl. hierzu: Georg von Gynz-Rekowski: Der Festkreis des Jahres, Berlin <sup>2<\/sup>1985, S. 126.135-136.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/3E9CCF26-4C60-4B01-9753-B61A31F99054#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a>\u00a0 Dieser Begriff wurde der Verdeutschung durch Martin Buber und Franz Rosenzweig entnommen.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/3E9CCF26-4C60-4B01-9753-B61A31F99054#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a>\u00a0 Auch dieser Begriff wurde der Verdeutschung durch Martin Buber und Franz Rosenzweig entnommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Baptizatus sum \u2013 Ich bin getauft | Quasimodogeniti | 16.04.2023 | 1. 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