{"id":18072,"date":"2023-04-18T06:47:12","date_gmt":"2023-04-18T04:47:12","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18072"},"modified":"2023-04-18T22:39:23","modified_gmt":"2023-04-18T20:39:23","slug":"johannes-1611-16","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1611-16\/","title":{"rendered":"Johannes 16,11-16"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Miserikordias Domini | 23.04.2023 | Johannes 16,11-16 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Leise Christensen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-18073 alignright\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_0826-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"294\" height=\"392\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_0826-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_0826-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_0826-9x12.jpg 9w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_0826.jpg 1125w\" sizes=\"auto, (max-width: 294px) 100vw, 294px\" \/><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auf dem Bild kann man einige K\u00f6pfe von Schafen sehen. Das Bild habe ich im M\u00e4rz aufgenommen in \u00d8ster Lem Hede in Westj\u00fctland, dem herrlichsten, sch\u00f6nsten, unber\u00fchrtesten Ort im ganzen K\u00f6nigreich. \u00d8ster Lem Hede ist eine Heidelandschaft, wo das Meer von lila Bl\u00fcten im August so sch\u00f6n ist, dass selbst die schlimmsten Gro\u00dfstadtmenschen davon \u00fcberw\u00e4ltigt werden. Aber so eine Heidelandschaft hat auch ihre Probleme. Einerseits ist das Natur, andererseits wachsen in dieser Landschaft allzu leicht Fichten, Birken und Ginster \u2013 mit dem Ergebnis, dass das lila Meer dann zu kleinen Seen wird und nicht mehr alles f\u00fcllt. Deshalb wurde eine Schafsherde auf der Heide vor einigen Jahren installiert. Da gehen sie und passen gut zusammen mit der ja im gr\u00f6\u00dften Teil des Jahres braunen Heide, w\u00e4hrend sie fressen und daf\u00fcr sorgen, dass Fichten und Birken nicht die Heide verdr\u00e4ngen. Kein Schaf auf der Heide ohne Hirten, trotz allem. Da ist also ein Hirte, eine Hirtin, sie hei\u00dft Anette, mit einem Hirtenstab, zwei Hirtenhunden, Ness und Nate und nat\u00fcrlich auch einem isl\u00e4ndischen Pferd. Ein ganz anderes Tier ist jedoch in den letzten Jahren aufgetaucht, n\u00e4mlich der Wolf. Wenn man Gl\u00fcck hat und es nachts geregnet hat, kann man auf dem Steg am Tage Wolfspuren sehen! Das ist nat\u00fcrlich kein besonderes Gl\u00fcck f\u00fcr die Schafe. Denn der Wolf ist ein Raubtier, nat\u00fcrlich ist er das. Heutzutage w\u00e4re kein Schafshirte so dumm, dass er sein Leben f\u00fcr die Schafe riskiert. Dann m\u00fcssen die Schafe eben geopfert werden, verst\u00e4ndlicherweise. Der Hirte ist kein Mietling, er ist wirklich Hirte. Da ist ein Unterschied zu dem Hirten in biblischer Zeit, wo Menschenleben nicht immer alles bedeuteten wie heute und wo der Hirte verpflichtet war, sein Leben zu riskieren. Heute w\u00fcrden wir nicht meinen, dass Anette f\u00fcr die Schafe ihr Leben aufs Spiel setzen sollte \u2013 so liebenswert und n\u00fctzlich und wichtig sie ansonsten sind. Heute sind wir auch der Meinung \u2013 einige von uns jedenfalls, dass der Wolf auch ein Daseinsrecht hat, und das kosten Schafen das Leben. Wir w\u00fcrden nicht meinen, dass sich der Hirte bei Angriffen von W\u00f6lfen opfern soll.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Hirte, von dem wir im heutigen Evangelium h\u00f6ren, n\u00e4mlich Jesus, ist eigentlich ein Hirte, der \u00fcber das hinausgeht, was man eigentlich von einem Hirten verlangen kann. F\u00fcr ihn ist die Herde, also wir, immer am wichtigsten. Sollen wir dem guten Hirten gleichen? Sollen wir uns immer f\u00fcr den anderen Menschen in der Herde opfern? Ja und nein, w\u00fcrde ich sagen. Manchmal ist der Unterschied haarfein zwischen dem guten Hirten und dem Mietling, der seine Schafe unter den Bus jagt, wenn man das so sagen darf, der Mietling, der sich nie f\u00fcr etwas oder jemanden opfert. Hirten, die in Wirklichkeit erb\u00e4rmliche Mietlinge sind, davon gibt es viele in der Weltgeschichte. Br\u00fcllende und schreiende F\u00fchrer, die angeblich wissen, was dem Volk am besten dient, und die schnell die in Tod und Zerst\u00f6rung jagen, die da nicht mitmachen. So ein Hirte geht immer voran und nie hinterher, um den Verzagten, den Vorsichtigen, den Ungl\u00fccklichen weiterzuhelfen, so ein Hirte jagt die Schafe auseinander statt sie zu sammeln. So ein Hirte kennt keine R\u00fccksicht. Ja, wir kennen sie. In der Stunde der Niederlage sind das Hirten, die keine Verantwortung \u00fcbernehmen konnten f\u00fcr die Katastrophe und die Niederlagen, in die sie ihr Volk gef\u00fchrt hatten. Sie sind echte Mietlinge, sie sind W\u00f6lfe in Hirtenkleidern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was aber mit denen, die immer in der Rolle auftreten, dass sie das Gute wollen? Die sich immer wieder opfern f\u00fcr den anderen Menschen? Das muss doch die rechte Sache sein. Naja, man kann auch seine Zweifel haben. Wenn Menschen die Rolle als der gute Hirte spielen, tun sie das nicht immer aus R\u00fccksicht auf die anderen Schafsk\u00f6pfe, sondern ebenso sehr um sich selbst in ihrem Wert zu best\u00e4tigen. Es best\u00e4tigt einen, sagen zu k\u00f6nnen, dass man sich f\u00fcr seine Mitmenschen geopfert hat. Die Welt ist voll von Beispielen f\u00fcr Menschen, die andere mit ihrer Gutheit geradezu tyrannisieren. Das gilt von \u00fcberbesorgten Eltern, die ihre Kinder nicht ihr eigenes Leben leben lassen &#8211; \u201eich habe <em>alles<\/em> f\u00fcr meine Kinder getan\u201c, was f\u00fcr eine Last ist das nicht f\u00fcr die Kinder! \u2013 bis hin zu Eheleuten, die behaupten, sich gegenseitig f\u00fcr einander aufgeopfert zu haben \u2013 \u201eich habe mich daf\u00fcr abgem\u00fcht und eingesetzt, dass du das Haus bekommen konntest, das du gerne haben wolltest\u201c. \u201eIch habe nicht gearbeitet, damit Du Karriere machen konntest\u201c. \u201eIch habe mich f\u00fcr dich geopfert\u201c, so klingt es an den Esstischen und in kalten Ehebetten. Es mag ja sein, dass es sich so verh\u00e4lt. Es mag ja sein, dass man sich f\u00fcr den anderen geopfert hat. Aber selten geschieht das stillschweigend. Viel kann man f\u00fcr seine lieben Kinder, Ehepartner und enge Freunde tun. Aber das wahre Opfer k\u00f6nnen wir nicht bringen oder laut darauf verweisen, dass wir es gebracht haben. Kann man also kein Opfer bringen? Doch, nat\u00fcrlich, aber selten ganz ohne Eigeninteresse. Aber wie kann man dann den Unterschied erkennen zwischen dem Hirten und dem Mietling und all den grauen Nuancen dazwischen? Da sind die Hirten auf dem Marktplatz, Facebook, die politische Arena, die Zeitungen, all die Hirten, die sich anbieten. Ich glaube, die Antwort liegt in der goldenen Regel, die Jesus selbst formuliert hat. Jesu Taten und Worte sind immer Werke und Worte der Liebe. Sie sind immer getragen von Liebe und f\u00fchren zu Liebe. Das ist der wahre Hirte. Wenn der Hirte nicht aus Liebe zu Liebe spricht, zu Respekt und Achtung zwischen Menschen &#8211; ja dann ist er nicht ein Hirte im christlichen Sinne. Deshalb ist Jesus der wahre Hirte \u2013 weil er die Liebe ist. Das verpflichtet uns, die wir als getaufte Menschen zu seiner Herde geh\u00f6ren. Die Verpflichtung besteht darin, dass wir in unserem Leben und Tun auf die Stimme des Hirten h\u00f6ren und seine Liebe weiter hinaus in die Welt tragen. Nicht auf andere herumtreten, nicht uns selbst zu Opfern stilisieren in laute Gutheit, um anderen weh zu tun, sondern unabl\u00e4ssig gegen das Unrecht aufstehen, wo es uns begegnet. Zu dem R\u00fcpel in uns selbst reden, ehe wir selbst ein R\u00fcpel werden. Das ist schwer. Das wissen wir wohl. Denn das kann kosten \u2013 z.B. am Arbeitsplatz, in der Familie. In der Politik, im Leben. Vielleicht gelingt es nie. Vielleicht fallen wir auf dem Wege. Aber der wahre Hirte, zu dessen Herde wir geh\u00f6ren, wird umkehren, sich unserer annehmen und uns in der Herde belassen. Und zu allen (leicht jammernden) selbstaufopfernden Leuten wird gesagt: Der gute Hirte hat sich schon geopfert. Wir sollen unseren Mitmenschen helfen, das sollen wir ja, aber das ist nicht dasselbe wie sich f\u00fcr sie zu opfern. Helfen bedeutet, dass man weiter das Recht des anderen respektiert, ein selbst\u00e4ndiges Individuum zu sein. Wenn man sich opfert, dann bringt man den Mitmenschen sozusagen dazu, dass er einem etwas schuldig ist, und auf diese Weise kann man dann Macht \u00fcber ihn haben, ihn beherrschen. Der Hirte verwandelt sich langsam aber sicher in einen Mietling. Das hat man, denke ich, selbst von beiden Seiten aus erfahren. Das n\u00fctzt dem Mitmenschen kaum. Deshalb sollte man bedenken, dass der Mensch, der danach strebt, der gute Hirte zu sein, sehr leicht schlie\u00dflich das Gegenteil wird. Das ist ein ungesunder Mechanismus. Viel kann man in unserem Leben an sich rei\u00dfen, kleine und gro\u00dfe Katastrophen unter uns, das Dasein hat L\u00f6cher und Risse, in denen wir festsitzen. Wir k\u00f6nnen Hilfe annehmen, wir k\u00f6nnen helfen, aber das eigentliche Opfer hat der gute Hirte gebracht. Das ist nicht unsere Sache. Denn das ist ein Opfer aus Liebe ohne den Gedanken an Gegenleistung, Macht oder Gr\u00f6\u00dfe. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Pastorin Leise Christensen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>DK 8200 Aarhus N<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Email: lec(at)km.dk<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Miserikordias Domini | 23.04.2023 | Johannes 16,11-16 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Leise Christensen | Auf dem Bild kann man einige K\u00f6pfe von Schafen sehen. Das Bild habe ich im M\u00e4rz aufgenommen in \u00d8ster Lem Hede in Westj\u00fctland, dem herrlichsten, sch\u00f6nsten, unber\u00fchrtesten Ort im ganzen K\u00f6nigreich. \u00d8ster Lem Hede ist eine Heidelandschaft, wo das Meer von lila [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":18081,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[39,1,185,157,853,726,349,218,723,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-18072","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-johannes","category-aktuelle","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-bibel","category-kapitel-16-chapter-16-johannes","category-kasus","category-leise-christensen","category-misericordias-domini","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18072","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18072"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18072\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18085,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18072\/revisions\/18085"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/18081"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18072"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18072"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18072"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=18072"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=18072"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=18072"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=18072"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}