{"id":18100,"date":"2023-04-25T17:10:48","date_gmt":"2023-04-25T15:10:48","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18100"},"modified":"2023-04-25T17:10:48","modified_gmt":"2023-04-25T15:10:48","slug":"johannes-1616-23-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1616-23-2\/","title":{"rendered":"Johannes 16,16-23"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Leidenschaft, die Freuden schafft |\u00a0Jubilate |\u00a030.04.2023\u00a0| Joh 16,16-23 | Udo Schmitt\u00a0|<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Jesu, geh voran auf der Lebensbahn!<br \/>\nUnd wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen;<br \/>\nf\u00fchr uns an der Hand bis ins Vaterland.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Soll&#8217;s uns hart ergehn, la\u00df uns feste stehn<br \/>\nund auch in den schwersten Tagen niemals \u00fcber Lasten klagen;<br \/>\ndenn durch Tr\u00fcbsal hier geht der Weg zu dir.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jubilate &#8211; Jauchzet &#8211; jubelt &#8211; seid fr\u00f6hlich &#8211; Freut euch! &#8211; <em>sing Hallelujah!<\/em> &#8211;<br \/>\nso k\u00fcndigt es der Sonntag an, so tr\u00e4gt er es im Namen, und dann das:<br \/>\ndie Ank\u00fcndigung von Leiden und Schmerzen, von Abschied und Traurigkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Also, wenn ich PR-Berater w\u00e4re oder Marketingexperte, dann w\u00fcrde ich sagen:<br \/>\nLiebe Christen, ihr macht da etwas falsch!<br \/>\nIhr m\u00fcsst den Leuten euer Produkt warmreden und schmackhaft machen,<br \/>\nihr m\u00fcsst ihnen gutaussehende und gesunde Menschen zeigen,<br \/>\neine gl\u00fcckliche Familie in einem gro\u00dfen Haus mit Garten<br \/>\nund niedlichen Kindern und putzigen Haustieren, und dann&#8230;<br \/>\ndann setzt ihr euer Produkt genau in die Mitte und sagt:<br \/>\nDas alles kannst du auch haben, das Gl\u00fcck geh\u00f6rt dir,<br \/>\nwenn du unser Produkt kaufst: Los greif zu, Mann!<br \/>\nKnackiger Spa\u00df im Glas f\u00fcr dich, dazu eine gl\u00fcckliche Frau, dank Rama-Margarine,<br \/>\nneidische Nachbarn und gutgelaunte Kinder, dank Milchschnitte.<br \/>\nSo, oder so \u00e4hnlich, muss man&#8217;s machen, wenn man den Leuten etwas verkaufen will.<br \/>\nDer Spa\u00df-Faktor muss stimmen &#8211; dann klingelt&#8217;s auch in der Kasse.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, so m\u00fcsste man es wohl machen. Doch wir Christen wollen nichts verkaufen.<br \/>\nUns geht es nicht um den Spa\u00df-Faktor, sondern um die Wirklichkeit und die Wahrheit.<br \/>\nDie Wirklichkeit ist, &#8211; dass das Leben nicht immer lustig ist.<br \/>\nSchon wenn wir geboren werden, geschieht das unter Schmerzen,<br \/>\nunter Schreien und Weinen kommen wir zur Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das ist noch l\u00e4ngst nicht alles.<br \/>\nWenn wir heranwachsen, m\u00fcssen wir noch vieles lernen.<br \/>\nUnd was wir lernen m\u00fcssen ist nicht immer sch\u00f6n,<br \/>\nund das Lernen selbst ist zuweilen ein schmerzhafter Prozess,<br \/>\nVersuch und Irrtum, wenn&#8217;s nicht klappt, versuch&#8217;s noch einmal,<br \/>\nnur aus Schaden wird man klug.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich kann mich noch gut erinnern, wie meine Kinder klein waren &#8211;<br \/>\nund ich dachte: wie gerne w\u00fcrde ich sie bewahren<br \/>\nvor Krankheiten und Zahnschmerzen,<br \/>\nvor Albtr\u00e4umen und Wachstumsschmerzen in den Knochen und Gelenken,<br \/>\ndoch es geh\u00f6rt zum Leben dazu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie gerne w\u00fcrde ich sie bewahren,<br \/>\nvor den Misserfolgen, Niederlagen und Versagens\u00e4ngsten,<br \/>\nvor schlechten Noten und vor b\u00f6sen Menschen,<br \/>\ndoch es geh\u00f6rt zum Leben dazu,<br \/>\nund auch Sie und ich, wir alle hier sind wohl<br \/>\ndurch das schon hindurchgegangen &#8211; wohl oder \u00fcbel.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist die Wirklichkeit.<br \/>\nDas Leiden &#8211; ist ein Teil unseres Lebens,<br \/>\nauch wenn wir es gern vermeiden t\u00e4ten, es bleibt so wie es ist.<br \/>\nUnd es wird auch nicht besser, wenn wir erwachsen sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn kaum haben wir uns eingerichtet,<br \/>\nund meinen, jetzt &#8211; jetzt k\u00f6nnte es so bleiben,<br \/>\nda sind wir unversehens und \u00fcber Nacht \u00e4lter geworden,<br \/>\nund m\u00fcssen uns mit unangenehmen Dingen befassen,<br \/>\nmit dem Altern und dem Sterben,<br \/>\nm\u00fcssen Menschen verabschieden, die wir kannten, die wir liebten,<br \/>\nund auch das geh\u00f6rt zum Leben dazu &#8211;<br \/>\nund es macht keinen Spa\u00df.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Des Menschen Leben ist von Leiden gepr\u00e4gt,<br \/>\nnicht nur &#8211; nein &#8211; und auch nicht an jedem Tag,<br \/>\nund doch ist es ganz sicher, dass es vorkommt,<br \/>\nohne Leiden ist unser Leben nicht zu haben.<br \/>\nDas ist die Wirklichkeit &#8211; ja &#8211; und doch &#8211;<br \/>\ndas ist nicht alles.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Daneben gibt es auch noch eine Wahrheit.<br \/>\nEs ist die Wahrheit Gottes.<br \/>\nGott setzt seine Wahrheit gegen die Wirklichkeit des Menschen,<br \/>\ner setzt seine Liebe gegen unser Leiden.<br \/>\nWie das?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">An Ostern hat er es uns vorgemacht,<br \/>\ndass er die Macht dazu hat,<br \/>\ndas Leiden und das Sterben zu \u00fcberwinden,<br \/>\nein f\u00fcr alle Mal.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nach Karfreitag kam der Ostermorgen.<br \/>\nJesus war tot &#8211; und siehe doch: er lebt.<br \/>\nDie Frauen sahen es, die J\u00fcnger erfuhren es,<br \/>\nund ihr Leben \u00e4ndert sich mit einem Mal und es \u00e4nderte sich radikal.<br \/>\nDie Feiglinge und Verleugner verlie\u00dfen ihre Verstecke,<br \/>\nsie waren wie befreit und wurden<br \/>\nM\u00e4rtyrer, Apostel, &#8211; die Verk\u00fcnder der befreienden Botschaft:<br \/>\nJesus lebt!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Tod hat nicht das letzte Wort. Er ist besiegt.<br \/>\nGott hat das letzte Wort.<br \/>\nSeine Wahrheit ist gr\u00f6\u00dfer als unsere Wirklichkeit.<br \/>\nSeine Liebe ist gr\u00f6\u00dfer als alles Leid und alle Not,<br \/>\ngr\u00f6\u00dfer als die Schmerzen, das Sterben und der Tod.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das ist noch nicht alles.<br \/>\nDenn nach Karfreitag wird Ostern kommen &#8211; in jedem Leben &#8211;<br \/>\nin dem der J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger, auch in deinem und in meinem:<br \/>\nJesus lebt und auch wir werden leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und diese Osterfreude, die geht tiefer als alles andere.<br \/>\nSie ist der wahre Grund daf\u00fcr,<br \/>\ndass wir \u00fcberhaupt einen Sonntag Jubilate nennen k\u00f6nnen.<br \/>\nEs ist nicht nur weil es das Brauchtum so vorschreibt,<br \/>\nnicht, weil der Kalender sagt: Bitte, freuen sie sich jetzt!<br \/>\nNein, wir haben wirklich Grund dazu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn wir wissen,<br \/>\ndass Gott alles Leid und jede Tr\u00e4ne abwischen wird.<br \/>\nWir haben Grund zur Freude, und das &#8211;<br \/>\ntrotz all der schlimmen Erfahrungen,<br \/>\ntrotz aller tragischen Erlebnisse und all des Leids &#8211;<br \/>\nso unendlich gro\u00df es scheint,<br \/>\nGott gr\u00f6\u00dfer ist als all das<br \/>\nund er wird uns einmal all das abnehmen,<br \/>\nwas wir jetzt noch erleben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8222;An dem Tag werdet ihr mich nichts fragen&#8220;, sagte Jesus zu seinen J\u00fcngern.<br \/>\nWer nichts mehr fragt, der ist fraglos gl\u00fccklich.<br \/>\nNoch ist es nicht so weit &#8211; noch sind wir nicht so weit.<br \/>\nAngesichts des Leids, das wir erleben,<br \/>\nw\u00fcssten wir &#8211; das eine oder andere Mal &#8211; doch ganz gerne:<br \/>\nMein Gott, warum hast du das getan?<br \/>\nWarum hast du das geschehen lassen? &#8211; Warum nur?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, wir d\u00fcrfen Gott klagen, wir d\u00fcrfen uns beschweren,<br \/>\nd\u00fcrfen vor Gott bringen, was uns beschwert.<br \/>\nEr h\u00f6rt es und er sieht es, wie sehr wir leiden,<br \/>\ner wei\u00df es ja schon, noch ehe wir es sagen,<br \/>\nsein Blick geht tief &#8211; bis an den Grund unseres Herzens.<br \/>\nWir d\u00fcrfen es ihm klagen, aber wenn wir ihn fragen: Warum?<br \/>\nDann erhalten wir meist keine Antwort,<br \/>\njedenfalls keine, die uns passt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Einige sagen,<br \/>\ndas Leiden, das wir hier und jetzt ertragen,<br \/>\nwerde uns sp\u00e4ter als Verdienst angerechnet.<br \/>\nDoch ich glaube nicht, dass Gott so eine Kr\u00e4merseele ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Andere sagen,<br \/>\ndas Leiden sei notwendig,<br \/>\nwenn etwas Altes vergeht und etwas Neues entsteht,<br \/>\ndann m\u00fcsse das eben so sein,<br \/>\nwie die Wehen, die zu einer Geburt geh\u00f6ren,<br \/>\nschmerzhaft zwar, aber notwendig eben.<br \/>\nDoch auch das glaube ich nicht.<br \/>\nSchmerzen und Leiden erleben wir, ja,<br \/>\naber nicht immer sind sie notwendig, &#8211; sie wenden nicht die Not.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was Jesus meinte, als er von einer Geb\u00e4renden sprach,<br \/>\ndas war vielmehr das Vergessen und die neue Freude.<br \/>\nSo lange eine Frau in den Wehen liegt,<br \/>\nsind die Schmerzen alles, was sie sp\u00fcrt,<br \/>\nsie erscheinen geradezu unertr\u00e4glich,<br \/>\nund manch eine schreit in ihrer Not: Nie! &#8211; Nie wieder, will ich das erleben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch ist das Kind erst einmal da,<br \/>\ndas neue Leben in all seiner Zartheit und Herrlichkeit,<br \/>\ndann sind die Schmerzen bald schon vergessen,<br \/>\noder jedenfalls nicht mehr so schlimm &#8211;<br \/>\nsie sind einfach nicht mehr so wichtig.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8222;An dem Tag werdet ihr mich nichts fragen&#8220;, sagte Jesus zu seinen J\u00fcngern.<br \/>\nDie Wirklichkeit unseres Leidens ist m\u00e4chtig.<br \/>\nDoch Jesus kennt unser Leiden und er hat ihm die Macht genommen.<br \/>\nEr hat uns nicht gesagt, warum wir leiden.<br \/>\nUnd ob es so sein muss, und ob es \u00fcberhaupt Sinn macht.<br \/>\nEr beantwortet nicht die Fragen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Stattdessen hat er uns seine Liebe gezeigt,<br \/>\nindem auch er gelitten hat.<br \/>\nEr selbst ist hindurchgegangen durch Einsamkeit, Schmerzen und Tod.<br \/>\nEr hat es sich nicht erspart, das Leiden,<br \/>\nund er erspart es auch uns nicht, leider.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber er hat uns einen Weg gezeigt,<br \/>\ner hat uns die Wahrheit gezeigt und das Leben.<br \/>\nEr selber ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.<br \/>\nDer Tod hat nicht das letzte Wort &#8211; Gottes Liebe l\u00e4sst uns nicht im Stich.<br \/>\nUnd darum haben wir Grund zur Freude.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn er hat es uns versprochen:<br \/>\n&#8222;Habt ihr nun auch Traurigkeit, so will ich euch doch wiedersehen,<br \/>\nund euer Herz soll sich freuen und eure Freude soll niemand von euch nehmen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Jesu, geh voran auf der Lebensbahn!<br \/>\nUnd wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen;<br \/>\nf\u00fchr uns an der Hand bis ins Vaterland.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Soll&#8217;s uns hart ergehn, la\u00df uns feste stehn<br \/>\nund auch in den schwersten Tagen niemals \u00fcber Lasten klagen;<br \/>\ndenn durch Tr\u00fcbsal hier geht der Weg zu dir.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong>:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Jauchzt, alle Lande, Gott zu Ehren (EG 279) \u2013 zum Psalm<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bei dir, Jesu, will ich bleiben (EG 406) \u2013 zum Evangelium<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Glauben hei\u00dft wissen, es tagt (HuE 418)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 O herrlicher Tag, o fr\u00f6hliche Zeit (EG 560)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Udo Schmitt, geb. 1968, Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland, von 2005-2017 am Niederrhein, seit 2017 im Bergischen Land.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Dorfstr. 19 \u2013 42489 W\u00fclfrath (D\u00fcssel)<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>udo.schmitt@ekir.de<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leidenschaft, die Freuden schafft |\u00a0Jubilate |\u00a030.04.2023\u00a0| Joh 16,16-23 | Udo Schmitt\u00a0| Jesu, geh voran auf der Lebensbahn! 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