{"id":18132,"date":"2023-05-09T14:08:08","date_gmt":"2023-05-09T12:08:08","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18132"},"modified":"2023-05-09T14:08:08","modified_gmt":"2023-05-09T12:08:08","slug":"johannes-1623b-28","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1623b-28\/","title":{"rendered":"Johannes 16,23b-28"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Rogate | 14.05.2023 | Gen 32,25-32; Jak 1,22-25; Joh 16,23b-28 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Tine Illum |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>So lasst uns an uns selbst denken, wie wir waren zu Tisch bei dir<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sehen wir es ein: Gebet ist keine ultimative magische Art und Weise, Gott dazu zu bringen, das zu tun, was wir wollen. Wenn es so w\u00e4re, dann m\u00fcsste die einzige logische Schlussfolgerung die sein, dass Gott entweder nicht existiert oder dass ihm alles egal ist oder dass er geradezu b\u00f6se ist. Wir bekommen nicht immer das, worum wir bitten. Und wenn wir beten, werden wir nicht automatisch gl\u00fccklich. Und es geschehen schreckliche und teuflische Dinge in der Welt. So ist es.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0 Wenn Jesus also sagt, dass wir nur beten sollen, haben wir wirklich damit zu k\u00e4mpfen \u2013 mit dem was das bedeutet und damit, wer Gott eigentlich ist. Das tun die Menschen, von denen wir in der Bibel h\u00f6ren, auch. Sie protestieren, sie rufen, sie k\u00e4mpfen mit Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Wie Jakob.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWas bist du f\u00fcr einer?\u201c \u2013 \u201eWer bist du?\u201c \u2013 \u201eWie hei\u00dft du?\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jakob schiebt Gott nicht weg, auch wenn er nichts versteht. Und Gott schiebt Jakob nicht weg. Sie halten einander fest. Und da geschieht etwas in diesem Kampf.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So kann Gebet sein. Ein Kampf, wo etwas geschieht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nicht das, worum ich bitte. Aber etwas \u2026 etwas Unbestimmtes vielleicht. Ein anderes Mal, wo Jesus vom Beten spricht, sagt er: \u201eWer bittet, dem wird gegeben\u201c \u2013 und nicht mehr. Wer k\u00e4mpft, weint, schreit, dankt, klagt, fl\u00fcstert \u2026 der bekommt, wird gesegnet, und muss hinkend und tanzend, ohne es zu verstehen, gesegnet hinaus ins Leben gehen. Hinaus in diese verwunderliche Welt, wo so viel Verwunderliches und Schreckliches geschieht. Hier sollen wir leben und k\u00e4mpfen, und nie ohne Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich glaube, es ist wichtig, dass wir es wagen, Gebet auch als einen Kampf zu verstehen, den wir nicht unbedingt siegreich und aufrecht bestehen, sondern hinkend und verletzt \u2013 und dennoch gesegnet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir wissen, dass Jesus in der Nacht vor Karfreitag in Todesangst Gott darum bat, von dem verschont zu werden, was ihn erwartete. Wir wissen nicht, was Gott ihm antwortete. Aber wir wissen, dass etwas geschah in dieser Begegnung mit Gott, die das Gebet ist. Jesus erhielt Mut und Kr\u00e4fte f\u00fcr den Karfreitag. Und wir glauben, dass er am dritten Tage von den Toten auferstand. Offenbar in dem Leben der Liebe mit Gott, dass unsichtbar schon im Leiden, im Zweifel, im Tod, in der Einsamkeit gegenw\u00e4rtig war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 M\u00f6gen wir den Glauben wagen, dass weder wir selbst oder andere in den Schickungen des Lebens allein sein werden. Dass dies wahr ist, ganz einfach, was gesagt ist und uns eingefl\u00f6\u00dft ist, als wir getauft wurden: \u201eIch bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir werden alle dort stehen mit unseren Schicksalen. Wie Jakob.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und wir werden im Finsteren k\u00e4mpfen mit etwas, was wir nicht sehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir meinen, dass Gott uns helfen sollte, und dann ist es so als sei er im Dunklen und Undurchschaubaren und wolle mit uns k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir k\u00e4mpfen mit Schwierigkeiten, die wir nicht beherrschen, in einer Finsternis, gegen starke Kr\u00e4fte, die wir nicht sehen k\u00f6nnen. Wir k\u00e4mpfen mit dem R\u00e4tselhaften.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir k\u00e4mpfen, so dass wir f\u00fcr das Leben gezeichnet sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Gebet gibt es mitten in der Welt \u2013 nicht in einer anderen Sph\u00e4re. Wer betet, zieht sich nicht zur\u00fcck aus einer b\u00f6sen Wirklichkeit an einen besseren und mehr geistlichen Ort. Beten ist Leben. Wer betet, der sieht die Welt, wie sie ist \u2013 und wie sie sein k\u00f6nnte. Beten hei\u00dft, dass man sagt: \u201eDein Wille geschehe\u201c \u2013 und darauf hofft, dass die Welt mehr ist als das, was ich schon wei\u00df, mehr als das, woran ich kaum zu glauben wage \u2013 und mehr als das, was ich allzu leicht vergesse.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In einem der neuen Gebete nach dem Abendmahl bitten wir:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eSt\u00e4rke uns jetzt, dass wir an uns selbst denken,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">wie wir waren zu Tisch bei dir,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und dass wir diesen Sinn in den n\u00e4chsten Zeiten mit uns tragen\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir werden also ver\u00e4ndert im Gebet, in der Taufe, im Abendmahl, im Gottesdienst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der jetzige Papst hat einmal gesagt: \u201eErst beten wir f\u00fcr die Hungernden. Dann geben wir ihnen zu Essen. So ist Gebet\u201c. Gebet ist auch Tat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist es wohl, was wir auch in dem kleinen Abschnitt aus dem Brief des Jakobus zu Beginn des Gottesdienstes geh\u00f6rt haben, dass man nicht nur H\u00f6rer, sondern T\u00e4ter des Wortes sein soll. Dass wir daran denken sollen, wie wir waren, als wir Gott begegneten. Unmittelbar m\u00f6gen wir vielleicht denken, dass das aber \u00a0zu sch\u00f6n ist, um wahr zu sein, dass Gott uns seine Liebe gibt, uns das Brot des Lebens und den Becher des Heils reicht. Dann handelt es sich dennoch nicht um Gnade, sondern um Forderung &#8211; dass also der, der diesen Brief geschrieben hat, meint, dass sich Gott nur zu uns bekennen will, wenn wir immer das tun, was er will. \u201eWerkgerechtigkeit\u201c nennen wir das zuweilen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich glaube, wir sollten anders denken. Vielleicht ist das schlichtweg eine Aufforderung, den Glauben vom Sonntag in die Tage der Woche einflie\u00dfen zu lassen, dass das Gebet uns verwandelt. Vielleicht ist das eine Aufforderung, dass wir unser Leben ein Ganzes sein lassen \u2013 so unvollkommen und vorl\u00e4ufig wir es nun k\u00f6nnen. Und dann k\u00f6nnen wir am n\u00e4chsten Sonntag wiederkommen und Worte h\u00f6ren, Brot essen, Wein trinken und gesegnet werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Worte von Gott und von dem, was er uns gegeben hat und uns noch immer gibt. Das ist auch ein Spiegel, h\u00f6rten wir. Wo wir uns selbst und unser Leben in einer neuen und sonnvollen Weise sehen. Eine Hoffnung sehen f\u00fcr uns und die Welt. In unserem glauben gest\u00e4rkt werden. Wenn wir in den Spiegel geschaut haben, sollen wir nicht fortgehen und vergessen, wie wir ausgesehen haben. Was wir da in Gottes Gegenwart gesehen haben, das sollen wir im Ged\u00e4chtnis behalten und das sollen wir sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jakob nennt den \u00dcbergang Penuel \u2013 Gottes Angesicht \u2013 weil er glaubt, dass er dort mit Gott gek\u00e4mpft hat und von ihm gesegnet worden ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun bitten wir dich, mach uns aufmerksam, dass wir die Gebete h\u00f6ren k\u00f6nnen, die du h\u00f6rst, und die Not verstehen, die du verstehst. Lass uns nicht vergessen, wer wir waren und sind in der Begegnung mit dir.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir bitten f\u00fcr alle, die sich m\u00fcde gek\u00e4mpft haben, und f\u00fcr alle, die sich stumm gebetet haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir bitten f\u00fcr alle, f\u00fcr die niemand bittet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sitze an den Krankenbetten, in Gef\u00e4ngniszellen und bei denen, die im Sterben liegen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir bitten f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge und Obdachlose.,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">f\u00fcr Menschen in Todesangst,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">f\u00fcr alle, die ihre get\u00f6teten S\u00f6hne im Leichens\u00e4cken zur\u00fcckbekommen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">oder nicht wissen, wo ihre Lieben sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr alle die heilen, lindern und tr\u00f6sten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir bitten, dass der Krieg enden m\u00f6ge,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">dass der Friede kommen m\u00f6ge,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">dass sich der Straub legt,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">dass Wunden an Leib und Seele heilen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus, wir beten mit in deinem Gebet: Dein Wille geschehe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und wir bitten, dass er auch durch uns geschieht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hilf uns, dass wir die Welt zu einem mehr barmherzigen Ort machen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Segne uns. Segne die Welt. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Tine Illum<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-6091 Bjert<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: ti(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rogate | 14.05.2023 | Gen 32,25-32; Jak 1,22-25; Joh 16,23b-28 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Tine Illum | So lasst uns an uns selbst denken, wie wir waren zu Tisch bei dir Sehen wir es ein: Gebet ist keine ultimative magische Art und Weise, Gott dazu zu bringen, das zu tun, was wir wollen. 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