{"id":18156,"date":"2023-05-14T08:43:41","date_gmt":"2023-05-14T06:43:41","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18156"},"modified":"2023-05-14T08:43:41","modified_gmt":"2023-05-14T06:43:41","slug":"1-koenige-822-24-26-28","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-koenige-822-24-26-28\/","title":{"rendered":"1. K\u00f6nige 8,22-24.26-28"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Nirgendwo und \u00fcberall | Christi Himmelfahrt | 18.5.2023 | 1. K\u00f6nige 8,22-24.26-28 | Rudolf Rengstorf |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Salomo trat vor den Altar des HERRN angesichts der ganzen Gemeinde Israel und breitete seine H\u00e4nde aus gen Himmel und sprach: <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>HERR, Gott Israels, es ist kein Gott weder droben im Himmel noch unten auf Erden dir gleich, der du h\u00e4ltst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen; 24 der du gehalten hast deinem Knecht, meinem Vater David, was du ihm zugesagt hast. Mit deinem Mund hast du es geredet, und mit deiner Hand hast du es erf\u00fcllt, wie es offenbar ist an diesem Tage. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Nun, Gott Israels, lass dein Wort wahr werden, das du deinem Knecht, meinem Vater David, zugesagt hast. Denn sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel k\u00f6nnen dich nicht fassen \u2013 wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe? Wende dich aber zum Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, HERR, mein Gott, auf dass du h\u00f6rst das Flehen und Gebet deines Knechts heute vor dir: <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>(1. K\u00f6nige,8,22-24.26-28) <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Leserin, lieber Leser!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein eigenartiger Widerspruch kennzeichnet diesen Tag: himmelhochjauchzende Freude in seinen Liedern. \u00dcber der bekanntesten Himmelfahrtsgeschichte aber liegt eine gewisse Ratlosigkeit. Eine Wolke &#8211; so hei\u00dft es da &#8211; nahm Jesus vor den Augen seiner J\u00fcnger weg. Und als sie ihm noch nachschauten, standen bei ihnen zwei M\u00e4nner in wei\u00dfen Gew\u00e4ndern, die sagten: Ihr M\u00e4nner von Galil\u00e4a \u2013 was steht ihr da und seht zum Himmel? Von gro\u00dfer Freude bei den J\u00fcngern zeugt das nicht gerade.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Verdattert sind die J\u00fcnger \u2013 nicht etwa, weil hier elementare Naturgesetze vermeintlich durchbrochen wurden. Auch damals wusste man nat\u00fcrlich, dass ein Mensch aus Fleisch und Blut sich nicht einfach in die L\u00fcfte erheben und in den Himmel entschwinden kann. Nein, das war von Anfang an n i c h t das Problem von Himmelfahrt. Denn seit Ostern war den J\u00fcngern klar: Jesus geh\u00f6rt nicht mehr zu dieser Welt, hat keinen Leib mehr aus Fleisch und Blut. Zwar tauchte der Auferstandene noch unversehens in ihrer Welt auf, aber sie konnten ihn nicht halten. Er kam, wann er wollte und wo er es f\u00fcr angebracht hielt und ging dabei durch W\u00e4nde und verschlossene T\u00fcren. Wer das erlebt hat, dem bereitet eine Wolke kein Kopfzerbrechen. Der Grund f\u00fcr ihre Ratlosigkeit war die Erde, die der Auferstandene verlassen hatte, auf der er sich nicht mehr zeigte, wie er es zu Ostern und in den Tagen danach getan hatte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was Himmelfahrt schwierig macht, ist das Aufh\u00f6ren von Ostern. Die Erscheinungen des Auferstandenen sind so nicht weitergegangen. Das Leben des Auferstandenen, das so triumphierend in den Osterliedern besungen wird: &#8222;schwingt fr\u00f6hlich hier und da sein F\u00e4hnlein als ein Held, der Feld und Mut beh\u00e4lt&#8220; \u2013 es verfl\u00fcchtigt sich immer mehr. Das Bild von Himmelfahrt will zeigen: Jesus geh\u00f6rt nicht mehr zu dieser Welt. Daf\u00fcr geh\u00f6rt er zu ihm da oben. Von ihm ist er aufgenommen, bei ihm ganz aufgehoben. Das ist der Punkt. Und dar\u00fcber k\u00f6nnen seine Leute sich von Herzen freuen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und wer das ist \u2013 der da oben \u2013, was wir von ihm haben und was wir nicht von ihm haben, das kommt sehr hilfreich in Worten des K\u00f6nig Salomo zum Ausdruck: Sie sind ein Teil des Gebetes, das der K\u00f6nig aus Anlass der Tempelweihe in Jerusalem gesprochen hat. Mit Himmelfahrt direkt hat das nichts zu tun. Es hat aber alles zu tun mit dem Gott, den Jesus uns als den Vater unser im Himmel nahegebracht hat, und spricht ihn an auf das, was typisch ist f\u00fcr ihn \u2013 n\u00e4mlich:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zum einen: &#8222;Es ist kein Gott weder droben im Himmel noch unten auf Erden dir gleich.&#8220; Mit nichts und niemand ist der Gott Israels und Vater Jesu Christi vergleichbar. Und wenn Juden und Christen ihn mit dem Himmel in Verbindung bringen, dann vor allem, weil der Himmel dem Zugriff des Menschen entzogen war. Und wenn der Himmel seine Unerreichbarkeit auch verloren hat, Gott bekommen wir damit nicht in den Griff. Nichts von dem, was sich da oben abspielt \u2013 etwa zwischen den Gestirnen \u2013 nichts davon spiegelt etwas wider vom Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde. Sonne, Mond und Sterne \u2013 den Menschen des Altertums, aber ebenso modernen Esoterikern gelten sie als g\u00f6ttliche M\u00e4chte. In der Bibel aber werden sie gleich im Anfang entg\u00f6ttert. Dort sind die, den anderen so heiligen Gestirne nichts als von Gott gemachte Lampen f\u00fcr die Nacht. Und auch hier unten auf der Erde, nicht einmal tief drinnen in uns Menschen gibt es etwas, was g\u00f6ttlichen Charakter h\u00e4tte. Kein Seelenfunke, keine innere Balance, kein Erleuchtungszustand hat etwas mit Gott gemein. Juden und Christen k\u00f6nnen nichts in der Welt vorweisen, was ihrem Gott nahekommt und womit man ihn darstellen k\u00f6nnte. Darum hat man sie im Altertum sogar als \u201eatheoi\u201c \u2013 Atheisten \u2013 bezeichnet. Das von Juden und Christen gepr\u00e4gte Abendland erscheint im Vergleich mit anderen Zivilisationen als gottesleer. Das erzeugt die Ratlosigkeit, die zu Himmelfahrt geh\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch \u2013 das ist das zweite \u2013 ist das nur der Schatten des Lichtes, das von ihm ausgeht und in unser Leben hineinscheint. Denn \u2013 so f\u00e4hrt Salomo fort \u2013 &#8222;<em>du h\u00e4ltst den Bund und die<\/em> <em>Barmherzigkeit<\/em>&#8222;. Ein Gott, der nicht f\u00fcr sich bleiben, sondern mit Menschen im Bunde leben will. Daran zeigt er sich, dass er sich uns einpr\u00e4gt in einem Herzen, das nicht aufh\u00f6ren kann, nach ihm zu fragen, auch wenn der Kopf ihn nicht feststellen kann. Er h\u00f6rt nicht auf, uns anzusprechen in dem, was uns befreit aufatmen und \u201cGott sei Dank\u201c sagen l\u00e4sst. Ebenso spricht er uns in dem an, was unser Gewissen, Verantwortungsbewusstsein weckt und sch\u00e4rft. Und er ist es, der unsere Sehnsucht nach Leben, das gelingt und gut wird, wachh\u00e4lt und unser Herz empf\u00e4nglich macht daf\u00fcr, dass da einer ist, der sich um uns sorgt und nicht ruht, bis er uns in den Verstrickungen von Sachzw\u00e4ngen und Eigensinn, Angst und Rechthaberei gefunden hat. Ein Gott, den wir nicht ergreifen, ergr\u00fcnden, festhalten k\u00f6nnen \u2013 auch nicht mit der gr\u00f6\u00dften Fr\u00f6mmigkeit und der reflektiertesten Theologie. Aber er ergreift uns und h\u00e4lt uns fest. Er l\u00e4sst uns das auch sp\u00fcren in allem, was uns aufrichtet, tr\u00f6stet und am Leben h\u00e4ngen und festhalten l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das dritte: &#8222;<em>Wende dich zum Gebet deines Knechtes und zu seinem Flehen, Herr, mein<\/em> Gott<strong>&#8222;<\/strong> \u2013 so begr\u00fcndet der K\u00f6nig Salomo den Bau des Tempels. Du, Gott, brauchst zwar keinen Tempel und keine Kirchen. Aber wir brauchen Orte, die \u00fcber uns und unsere Welt hinausweisen auf den, von dem wir alles haben und der um unseretwillen alles gibt. Wir brauchen Orte, wo das Gebet \u2013 die Zwiesprache mit dem unfassbaren Gott \u2013 sich nicht zu verstecken braucht. Orte, an denen wir damit rechnen k\u00f6nnen, dass von ihm die Rede ist. Im normalen Leben da drau\u00dfen erzeugt das ja meist Peinlichkeit, weil der Name Gottes da nicht hinpasst. Aber wir sind darauf angewiesen, von ihm zu h\u00f6ren, best\u00e4tigt zu werden in dem, was er uns ins Herz legt und mit hineingezogen zu werden ins Klagen und Bitten, Loben und Danken. Wir brauchen unsere Kirchen auch als den Ort, wo uns der Segen Gottes, seine Treue und wache Liebe auf den Leib zugesprochen wird. Damit wir gewiss werden: Er, der nirgends zu finden ist, er hat uns l\u00e4ngst gefunden und l\u00e4sst uns nicht mehr los! Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nirgendwo und \u00fcberall | Christi Himmelfahrt | 18.5.2023 | 1. 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