{"id":18162,"date":"2023-05-11T08:55:50","date_gmt":"2023-05-11T06:55:50","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18162"},"modified":"2023-05-14T08:57:47","modified_gmt":"2023-05-14T06:57:47","slug":"markus-1614-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-1614-20\/","title":{"rendered":"Markus 16,14-20"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Himmelfahrt | 18.05.2023 | Markus 16,14-20 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0Thomas Reinholdt Rasmussen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn man vom Glauben redet, von Gott und anderen wesentlichen Fragen des Lebens, dann muss man auf die Erfahrung verweisen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dann bezieht man sich auf die Erfahrung und die Erfahrungswelt, die uns gemeinsam ist und mit der wir alle etwas verbinden k\u00f6nnen. Wir reden zur Erfahrung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es irritiert deshalb etwas, dass die Texte dieses Tages unsere Erfahrungswelt sprengen. Auch wenn man die besten Intentionen hat, den Glauben mit unserer Erfahrung und unserer Lebenswelt zu verbinden, so ist das nicht in den heutigen Texten enthalten. Sie gehen \u00fcber unsere Erfahrung hinaus und reden von einer leiblichen Himmelfahrt, die in unseren Begriffen und gemeinsamen Rahmen \u00fcberhaupt nicht zu erfassen ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb kann es im Grunde eine merkw\u00fcrdige Aufgabe sein, von der Erfahrung auszugehen, wenn das Evangelium zuweilen \u00fcber unsere Erfahrung hinausgeht bzw. unsere Erfahrung sprengt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn das Problem ist wohl auch dies: Wenn nur an die Erfahrung appelliert werden kann, kann im Grunde nichts Neues gesagt werden. Dann ist die Welt grundlegend immer dieselbe, und was kann das Evangelium eigentlich noch bieten, wenn es eben nicht Grenzen sprengt und damit auch \u00fcber unsere gemeinsame Erfahrung hinausgeht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist es, was die erste Lesung des heutigen Tages aufzeigt: Die Himmelfahrt Jesu sprengt unsere Erfahrungswelt, und das Evangelium ist so viel gr\u00f6\u00dfer als unser Raum und unsere Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Evangelium ist zugleich unsere Erfahrung und gr\u00f6\u00dfer als unsere Erfahrung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb zeigt der heutige Tag auch, dass der christliche Glaube keine Sekte ist. Das h\u00e4tte er ja gut werden k\u00f6nnen. Es h\u00e4tte gut sektiererisch werden k\u00f6nnen mit der eigenen Welt der J\u00fcnger in Jerusalem und ihrer Geheimlehre, aber das sprengt Jesus mit seiner Himmelfahrt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus ist nicht nur da f\u00fcr die wenigen Erl\u00f6sten, sondern f\u00fcr die vielen Verlorenen. Er ist nicht das f\u00fcr die besonders Eingeweihten, sondern f\u00fcr alle gew\u00f6hnlichen Menschen, die verwirrt sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Himmelfahrt handelt n\u00e4mlich gerade davon, dass das Evangelium f\u00fcr alle Welt ist, und deshalb lautet die Botschaft von Markus auch, dass wir hinausgehen sollen in alle Welt und das Evangelium f\u00fcr die ganze Sch\u00f6pfung verk\u00fcndigen sollen. Himmelfahrt Christi ist dort, wo das Evangelium verbreitet wird in alle Welt. Und eben dies sprengt alle Grenzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn es aber verbreitet wird, dann kann es nicht allein auf unsere Erfahrung begrenzt sein. Dann ist es nicht nur ein Teil unserer Erfahrung und l\u00e4sst sich durch sie auch nicht begrenzen. Dann m\u00fcssen wir akzeptieren, dass das Evangelium gr\u00f6\u00dfer ist als dies und zu uns in Ereignissen spricht, die au\u00dferhalb unserer Erfahrung liegen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn das Evangelium ist im besten Sinne etwas, was unsere Grenzen sprengt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch das bedeutet nicht, dass das Evangelium abstrakt ist. Das Evangelium ist konkret. Das Evangelium ist konkret in einer abstrakten Zeit. Denn unsere Zeit ist so unglaublich abstrakt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn man das gerade nicht meint \u2013 dass unsere Zeit abstrakt ist \u2013 kann man ja einen Blick werfen auf so etwas Verbreitetes wie die neuen Stadtwappen unserer Kommunen. Vor der Kommunalreform bezogen sie sich auf etwas konkretes in der Geschichte oder der Bedeutung der Stadt. Nun sind es abstrakte Figuren ohne unmittelbaren Sinn. Und man muss fragen, ob diese Abstraktion Ausdruck einer tieferen Abstraktion in der Konstruktion selbst ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dies nur um zu sagen, dass wir in vieler Hinsicht in einer Zeit der Abstraktion leben. Man sehe nur das Internetz, das Zeit und Raum sprengt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zunehmend sind wir umgeben von Abstraktionen und dem Unkonkreten und damit auch dem, was wir nicht unmittelbar mit unserer eigenen Erfahrung verbinden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und hier scheint der heutige Tag \u2013 Himmelfahrt Christi \u2013 ein Glied in dieser Bewegung zu sein. Aber das Entscheidende ist ja, dass die Himmelfahrt mit dem Sprengen von Erfahrung eine R\u00fcckkehr zum Konkreten ist. Jesus muss fort, damit der Glaube nicht zu einer Sekte wird, sondern eben f\u00fcr alle ist. Und alle sollen einbezogen werden, das Evangelium soll f\u00fcr die ganze Sch\u00f6pfung gepredigt werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb ist das Konkrete, auf das heute verwiesen wird. Christus ist f\u00fcr alle da, gegeben f\u00fcr alle. Niemand ist vom Glauben ausgeschlossen, denn Jesus ist dank seiner Himmelfahrt nicht f\u00fcr die, die festhalten. Er ist eben nicht eingeschlossen in einem besonderen Kreis oder eine besondere Gruppe oder in der Auffassung einer besonderen Welt oder Zeit, so dass Jesus nur in einem besonderen historischen Kontext begriffen werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus ist dank der Himmelfahrt konkret gegenw\u00e4rtig f\u00fcr jeden in jeder beliebigen Zeit und jedem beliebigen Raum. Jesus ist durch die Himmelfahrt nicht an eine besondere Zeit oder eine besondere Erfahrung gebunden, Jesus ist durch die Himmelfahrt konkret gegenw\u00e4rtig in dem Raum und der Zeit, die unsere sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb sprengt der Glaube hier alle Erfahrung und jeden Erfahrungsraum, um nicht an eine besondere Zeit oder einen besonderen raum gebunden zu sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Gr\u00f6\u00dfe der Himmelfahrt Christi besteht darin, dass Jesus Christus nun in dem Leben gegenw\u00e4rtig sein kann, das wir miteinander teilen. In dem Abendmahl, das wir zusammen teilen, und in dem Wort, das wir gemeinsam h\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hier ist Jesus Christus wahrhaft gegenw\u00e4rtig mit der Gnade, dem Frieden und der Liebe Gottes. Wirklich und wahr gegenw\u00e4rtig mit der Gnade Gottes und der Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Nur indem er Zeit und raum verl\u00e4sst, kann er bei uns gegenw\u00e4rtig sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist die Gr\u00f6\u00dfe: Wirklich gegenw\u00e4rtig in der Liebe, die die Welt tr\u00e4gt. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Bischof Thomas Reinholdt Rasmussen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Thulebakken 1<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>DK-9000 Aalborg<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>E-Mail: trr(at)km.dk<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Himmelfahrt | 18.05.2023 | Markus 16,14-20 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0Thomas Reinholdt Rasmussen | Wenn man vom Glauben redet, von Gott und anderen wesentlichen Fragen des Lebens, dann muss man auf die Erfahrung verweisen. Dann bezieht man sich auf die Erfahrung und die Erfahrungswelt, die uns gemeinsam ist und mit der wir alle etwas verbinden k\u00f6nnen. 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