{"id":18184,"date":"2023-05-16T16:29:16","date_gmt":"2023-05-16T14:29:16","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18184"},"modified":"2023-05-17T11:35:29","modified_gmt":"2023-05-17T09:35:29","slug":"1-samuel-31-10-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-samuel-31-10-2\/","title":{"rendered":"1.Samuel 3,1-10"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Rede, deine Dienerin h\u00f6rt | Exaudi | 21.05.2023 | 1 Sam 3,1-10 | Verena Salvisberg |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was f\u00fcr eine Geschichte! So anschaulich erz\u00e4hlt, dass man sich das ganz gut vorstellen kann. Die Szene im Tempel. Die Lampe brennt. Das Licht k\u00fcndet von Gottes Dasein, auch im Dunkeln. D\u00e4mmrig ist es sicher im Tempel. Ich sehe die Szene vor mir. Wie der Junge auf seinem Lager liegt und schl\u00e4ft. Samuel, der im Gotteshaus dient, der hier aufw\u00e4chst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Seit seine Mutter Hanna ihn nicht mehr stillt, lebt er hier.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und ich h\u00f6re geradezu, was geschieht, so lebendig wird erz\u00e4hlt: \u00abSamuel!\u00bb<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie der Junge aus dem Schlaf aufschreckt. Eli \u2013 es muss Eli sein, der ihn gerufen hat. Eli mit seinen schwachen Augen. Was ist mit ihm? Muss er ihm aufhelfen zum Wasserlassen? Braucht er etwas? Der Junge eilt zu seinem Meister. \u00abHier bin ich. Du hast mich gerufen.\u00bb<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00abIch war\u2019s nicht\u00bb.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es hat etwas Humorvolles, finde ich, eine Art Situationskomik. Da wird einer gerufen von Gott, aber er merkt es nicht. Genauso wenig wie sein Meister, eigentlich ein Fachmann in Gottesfragen. Eine ziemlich lange Leitung haben die beiden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Drei Mal braucht es den Ruf: \u00abSamuel\u00bb, bis es dem Priester d\u00e4mmert. Die Geschichte liefert selbst Erkl\u00e4rungen f\u00fcr dieses seltsame Gebahren: <em>Und in jenen Tagen war das Wort des Herrn kostbar, Schauungen waren nicht h\u00e4ufig.<\/em>Und: <em>Samuel aber kannte den Herrn noch nicht, und noch war ihm das Wort des HERRN nicht offenbart worden. <\/em>Eine Art Entschuldigung f\u00fcr die Begriffsstutzigkeit von Eli und Samuel, die die Geschichte selbst liefert. Wie soll man eine Vision erkennen, wenn sie so selten sind? Und dann muss man noch sagen: Samuel ist ja noch jung. Er muss noch viel lernen, z.B. die Stimme Gottes von der Stimme eines Menschen zu unterscheiden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nach dem dritten Mal endlich realisiert Eli, was hier passiert, und dann weiss er auch sofort, was zu tun ist. Da ist kein Zweifel, dass Gott die Geduld verloren haben k\u00f6nnte. Kein Zweifel, dass er noch ein viertes Mal rufen wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und Eli sagte zu Samuel: Geh, leg dich schlafen, und wenn er dich ruft, so sprich: Rede, Herr, dein Diener h\u00f6rt. Und Samuel ging und legte sich schlafen an seinem Ort.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und der Herr kam, stand da und rief wie schon zuvor: Samuel! Samuel! Und Samuel sprach: Rede, dein Diener h\u00f6rt.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00abSamuel!\u00bb Dieses beim Namen rufen. Als erstes habe ich gedacht Wann hat eigentlich mich jemand zum letzten Mal beim Namen genannt? Du, Verena. Dich meine ich. Dich brauche ich. Dich und keine andere. Dich, Ruth. Dich, Andreas. Dich, Susanne\u2026 Wie ist das bei dir? K\u00f6nnte es sein, dass mit dem Erwachsenwerden dieses Beim-Namen-gerufen-werden seltener wird? Wenn das Leben seinen Lauf nimmt. Die Partnerin gew\u00e4hlt. Die Berufsentscheidung getroffen\u2026<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als ich nach der Matura nicht wusste, ob ich mich f\u00fcr das Theologie- oder das Psychologiestudium entscheiden sollte, dachte ich, f\u00fcr Theologie m\u00fcsste man einen Ruf haben. So etwas wie eine Vision oder ein Gotteserlebnis. Ich h\u00e4ngte dann sp\u00e4ter die Theologie als Zweitstudium an und legte mir zurecht, eine Berufung k\u00f6nne ja auch etwas unspektakul\u00e4rer vonstatten gehen. Dass zu tun, was einem liegt, sinnvoll sei und Talente zu haben vielleicht auch eine Art Auftrag.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In der Zwischenzeit habe ich mich \u2013 und da bin ich nicht allein &#8211; schon l\u00e4ngst daran gew\u00f6hnt, dass man sich auf eine Pfarrstelle bewirbt, dass man sich anpreist. Dass die Gemeinde erleichtert ist, wenn sie die offene Stelle endlich besetzen kann. Meistens keine Spur von einem Ruf: Verena! Dich meinen wir. Dich brauchen wir. Dich und keine andere. Und das ist wahrscheinlich auch gut so, es kann ja schliesslich nicht jede eine Prophetin werden. Und wenn jemand sagt, Gott habe ihn in diese Gemeinde geschickt, werde ich eher misstrauisch. Es ist wie schon damals bei Samuel: Es gilt immer noch die g\u00f6ttliche und die menschliche Stimme, insbesondere die eigene, zu unterscheiden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Also geht es eher n\u00fcchtern zu und her und eher so wie damals zu Zeiten Samuels und Elis: <em>Und in jenen Tagen war das Wort des Herrn kostbar, Schauungen waren nicht h\u00e4ufig.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nur ein paar Bibliodramafreundinnen und -freunde fragen manchmal: \u00abVerena, was ist deine Berufung?\u00bb F\u00fcr mich ist das eine feine Frage, die mich mahnt, dass es nicht gleichg\u00fcltig ist, dass es mich gibt und wie es mich gibt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und darum m\u00f6chte ich gerne weitergeben: Wie ist das bei dir? Ruth, Andreas, Susanne\u2026 Was ist deine Berufung? Ja, dich meine ich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Samuel ist noch jung. Ein Lehrling. Wie sehr w\u00fcnschte ich mir manchmal so einen Ruf f\u00fcr manche jungen Menschen, mit denen ich zu tun habe. Menschen voller Selbstzweifel und Fragen. \u00a0Wo ist mein Platz im Leben? Welchen Beruf soll ich erlernen? Welches Studium w\u00e4hlen? Wie praktisch w\u00e4re da ein Auftrag von Gott, der blitzartig Klarheit schafft!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wobei man ja sagen muss, dass es auch bei Samuel ja nicht so klar war und auch nicht so blitzartig ging mit der Berufung. Er merkt es ja zun\u00e4chst nicht. Genauso wenig wie sein Meister, nicht einmal der, der ja eigentlich ein Fachmann in Gottesfragen gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Samuel muss zuerst lernen zu h\u00f6ren und zu unterscheiden. Und er muss zuerst lernen, mit der Stimme Gottes zu rechnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das kommt mir eben bekannt vor: Dieser lange Lern- und \u00dcbungsprozess, um unter all den lauten und weniger lauten Stimmen, die auf uns eindringen, Berufung herauszuh\u00f6ren. Wozu bin ich vorgesehen? Was ist meine Aufgabe?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es braucht Geduld. Vielleicht dauert es viele Jahre, vielleicht braucht es ein paar Anl\u00e4ufe und Umwege, um Berufung zu finden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Daran festhalten m\u00f6chte ich trotz all dem. Dass es nicht egal ist, wer ich bin, wie ich bin, was ich tue. Dass es eine Berufung gibt. Darauf zu vertrauen, dazu m\u00f6chte ich auch die jungen Menschen ermutigen. Dabei sehe ich mich gerne in der Rolle des Eli. Mit dem Rat, zu h\u00f6ren, zu sehen, zu f\u00fchlen und damit zu rechnen, gebraucht zu werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00abUnd Eli sagte zu Samuel: Geh, leg dich schlafen, und wenn er dich ruft, so sprich: Rede, Herr, dein Diener h\u00f6rt.\u00bb<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00dcbrigens: Die erste go\u0308ttliche Botschaft, die Samuel nun zu ho\u0308ren bekommt und die er keinem geringeren als seinem Lehrmeister Eli zu u\u0308bermitteln hat, ist alles andere als leicht: weil die So\u0308hne Elis, die auch Priester sind, mit Wissen ihres Vaters gottesla\u0308sterlich geredet und gelebt hatten, wird Unheil u\u0308ber die Priesterfamilie des Eli kommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dem jungen Samuel fa\u0308llt es schwer, mit dieser Gottesbotschaft umzugehen, doch Eli selbst ermutigt ihn zu Klarheit und Wahrheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und Samuel schlief bis zum Morgen, dann \u00f6ffnete er die T\u00fcren des Hauses des Herrn. Samuel aber f\u00fcrchtete sich, Eli von der Erscheinung zu berichten. Und Eli rief Samuel und sagte: Samuel, mein Sohn! Und er sagte: Hier bin ich.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und Eli sagte: Was hat er zu dir gesagt? Verheimliche es mir nicht. Da berichtete Samuel ihm alles und verheimlichte ihm nichts. Und er sagte: Er ist der Herr; er wird tun, was in seinen Augen gut ist.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was f\u00fcr eine Geschichte! Uralt und doch verbl\u00fcffend aktuell. Wie vertraut ist mir ihre Ausgangslage: Gott hat sich schon l\u00e4nger weder h\u00f6ren noch sehen lassen. Er hat weder durch eine Stimme noch durch eine Vision seinen Willen kundgetan. Einige rechnen schon gar nicht mehr mit ihm. Der religi\u00f6se Betrieb l\u00e4uft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber wenn sich pl\u00f6tzlich der lebendige Gott zu Wort melden w\u00fcrde: \u00abDu, Verena. Du, Ruth. Andreas, Susanne\u2026\u00bb, dann m\u00f6chte ich sagen k\u00f6nnen: \u00abRede, deine Dienerin h\u00f6rt\u00bb.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfrn. Verena Salvisberg Lantsch, Merligen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: <a href=\"mailto:verenasalvisberg@bluewin.ch\">verenasalvisberg@bluewin.ch<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Verena Salvisberg Lantsch, geb. 1965, Gemeindepfarrerin in Roggwil BE, Frick und Laufenburg, seit 1. August 2022 Regionalpfarrin im Kreis Berner Oberland\/Oberes Emmental<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rede, deine Dienerin h\u00f6rt | Exaudi | 21.05.2023 | 1 Sam 3,1-10 | Verena Salvisberg | Liebe Gemeinde Was f\u00fcr eine Geschichte! So anschaulich erz\u00e4hlt, dass man sich das ganz gut vorstellen kann. Die Szene im Tempel. Die Lampe brennt. 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