{"id":18197,"date":"2023-05-24T08:09:05","date_gmt":"2023-05-24T06:09:05","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18197"},"modified":"2023-05-24T08:13:42","modified_gmt":"2023-05-24T06:13:42","slug":"1-korinther-212","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-212\/","title":{"rendered":"1. Korinther 2,12"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">\u201eWissen und w\u00fcrdigen k\u00f6nnen, was einem geschenkt ist&#8220; |\u00a0Pfingstsonntag | 28.5.2023 | 1. Kor 2,12\u00a0| Hansj\u00f6rg Biener |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>F\u00fcr die Begr\u00fc\u00dfung<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wissen und w\u00fcrdigen, was einem geschenkt ist, \u2013 das ist manchmal schwer. Sie kennen das bestimmt: Man bekommt etwas geschenkt, \u2013 und wei\u00df nicht so recht, ob man sich freut oder nicht. Nicht umsonst gibt es nach Weihnachten vielerorts einen \u201eMarkt der langen Gesichter\u201c. Auf dieser Versteigerung kommt dann unter den Hammer, was am Heiligen Abend nicht so gut angekommen ist. Im heutigen Predigttext geht es um mehr: Wissen und w\u00fcrdigen k\u00f6nnen, was uns von <u>Gott<\/u> geschenkt ist. Und weil dieses \u201eWissen und W\u00fcrdigen\u201c offenbar so schwer ist, darum gibt es den Heiligen Geist, den wir an Pfingsten feiern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Predigttext <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">sondern den Geist aus Gott,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">damit wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist.\u201c (1. Kor 2,12)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">[M\u00f6glicherweise ist es f\u00fcr das Publikum orientierend, die \u00dcberschriften mit vorzutragen.]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Von SOS-Geschenken und Missverst\u00e4ndnissen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wissen und w\u00fcrdigen, was einem geschenkt ist, \u2013 das ist manchmal schwer. Sie kennen das bestimmt von Geburtstagen, von Weihnachten oder auch von beruflichen Abschieden. Ich habe das am Anfang schon kurz angesprochen. Lassen Sie uns noch ein wenig bei der Alltagssituation des Schenkens und Beschenktwerdens bleiben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich denke, dass wir uns in der Regel schon \u00fcber Geschenke freuen. Und irgendwann kommen wir sogar in ein Alter, wo man sich \u00fcber eine Gru\u00dfkarte im Briefkasten oder im Postfach f\u00fcr E-mails freut. Mindestens dar\u00fcber, dass man uns nicht vergessen hat. Ich stamme noch aus der Zeit, in der man im Fernsehen Galama oder Tosca beworben hat. Dabei wusste eigentlich jeder, dass ein Gesundheitstonikum oder ein Oma-Duft ein No-Go beim Schenken waren. Dann doch lieber ein Bild von den Enkeln? Schenken kann schwierig sein und schief gehen. Nicht umsonst gibt es die L\u00e4sterworte vom Staubf\u00e4nger oder vom SOS-Geschenk. \u201eSchnaps oder Sekt\u201c, \u201eSchlips, Oberhemd, Socken\u201c. Und so k\u00f6nnte man dann Schnaps und Sekt mehr oder weniger gelangweilt annehmen und zu den anderen Flaschen auf dem Geburtstagstisch stellen, den Schlips am Abend zu den anderen h\u00e4ngen und die Socken in die Schublade zu den anderen Paaren legen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Trotzdem ist Socke nicht gleich Socke. Es ist ein Unterschied, ob die Socken aus dem Kaufhaus sind oder in liebevoller Handarbeit gestrickt wurden. Und damit kommen wir zu den Schenkenden. Es k\u00f6nnte sein, dass in dem Geschenk etwas vom Schenkenden drin ist. Und wo jemand etwas von sich mitschenkt, ist es gef\u00e4hrlich, wenn der Beschenkte das nicht \u201ewei\u00df\u201c und nicht \u201ew\u00fcrdigt\u201c. Wer so ein Geschenk nicht angemessen beachtet, verletzt und verliert den Schenkenden. Und manchmal, so will ich gleich dazusetzen, ist es allerdings auch schwer genug, mit einem geschenkten Herzen angemessen umzugehen, das man nicht will.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Vom Geschenk des Da-Seins in D\/A\/CH<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wissen und w\u00fcrdigen, was einem geschenkt ist, das ist manchmal schwer. Was f\u00fcr Geburtstags-\/ Weihnachtsgeschenke gilt, kann man auch auf unser ganzes Leben anwenden. Das beginnt bei unseren k\u00f6rperlichen und geistigen Gaben und endet beim Vorrecht\/Privileg, in Deutschland\/\u00d6sterreich\/der Schweiz zu leben. \u201eVor allem Gesundheit\u201c w\u00fcnschen manche beim Geburtstag eines \u00e4lter werdenden Menschen, der sonst schon \u201ealles hat\u201c. Wer [wie ich] schon erfahren hat, was nicht mehr Gesundsein ist, f\u00fcr den ist das keine leere Floskel. Oft genug lernen \u201ewir\u201c erst im Nachhinein, wie nat\u00fcrlich unser Atmen war, was H\u00f6ren und Sehen k\u00f6nnen hei\u00dft, was gesunde H\u00fcften und F\u00fc\u00dfe bedeuteten. Und wof\u00fcr haben \u201ewir\u201c diese Geschenke nicht alles verwendet: f\u00fcr den Lungenzug, f\u00fcr den neidischen Blick, f\u00fcr den falschen Weg. Oder nehmen wir die F\u00e4higkeit, zu reden und zu denken, und denken daran, wof\u00fcr das alles eingesetzt wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder nehmen wir das Geschenk von Wasser aus dem Wasserhahn, von vollen Regalen in den verschiedensten L\u00e4den und von vielen M\u00f6glichkeiten zur Zerstreuung und Unterhaltung. All das ist uns in Mitteleuropa zugefallen\/geschenkt. Und trotzdem gibt es Menschen, die das nicht angemessen w\u00fcrdigen, sondern f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich nehmen und sogar allen anderen, die zuf\u00e4llig nicht hier geboren sind, nicht g\u00f6nnen. Dabei k\u00f6nnte man diese Geschenke auch anders erleben: Als gute Gaben des Lebens an uns, die wir wissen und w\u00fcrdigen sollten. Als Aufgaben auch, mit ihnen sorgf\u00e4ltig umzugehen oder \u201enachhaltig\u201c, wie man neudeutsch sagt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Von Gott als verborgenem Geber<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bisher habe ich nach weltlicher Weise gesprochen. Man muss nicht Christ sein, Christin, um das Bisherige zu verstehen und sich zu Herzen zu nehmen. Aber im Bibeltext kommt auch noch ein Geber ins Spiel. Durch den Heiligen Geist sollen wir \u201ewissen und w\u00fcrdigen k\u00f6nnen, was uns von <u>Gott<\/u> geschenkt ist\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unser Da-Sein und im Besonderen unser Hier-Sein in Deutschland\/der Schweiz\/\u00d6sterreich verdanken wir nicht uns selbst. Das ist einfach so. Nach christlichem Verst\u00e4ndnis ist da noch mehr zu sagen. Nach christlichem Verst\u00e4ndnis ist da [ein] Gott, der uns wollte und uns eine Welt \u00fcbergibt: \u201eAll das ist f\u00fcr dich da. \u2013 Mach was draus. Was Gutes!\u201c Und Gott tritt auch beiseite, sodass wir in der Freiheit und Selbstbestimmung leben k\u00f6nnen, die wir Mitteleurop\u00e4er ja auch einklagen. Gott zwingt sich nicht durch Offensichtlichkeit auf, sondern spricht eine Einladung aus, wie das Leben gelingen kann. Seine Wegweisung f\u00fcr uns finden Christen in Jesus Christus. In ihm trat, so der christliche Glaube, Gott selbst in die Welt hinein, um zu zeigen, wer Gott ist und was ein Mensch sein k\u00f6nnte. Nicht jeder hat in Jesus Gott erkannt. Denn Gott zwingt sich nicht durch Offensichtlichkeit auf, sondern wirbt um uns. \u201eAlles ist mein, doch ich bin dein\u201c \u2013 das k\u00f6nnte die angemessene Antwort des glaubenden Menschen sein. Damit w\u00fcrde nicht nur anerkannt, was immer schon und unausweichlich so ist. Es w\u00fcrde auch eingestimmt werden in das, was ist. Gott erzwingt das nicht. Durch den Heiligen Geist sollen wir \u201ewissen und w\u00fcrdigen k\u00f6nnen, was uns von Gott in der Freiheit des Lebens und Glaubens geschenkt ist\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Von der Gabe der Sch\u00f6pfung<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eAlles meins\u201c, so gehen die Menschen mit ihrem Leben und ihrer Welt um. Das ist naheliegend, verst\u00e4ndlich und irgendwie auch unumg\u00e4nglich. Doch ist es eine Frage, wie bewusst wir mit dem uns Geschenkten umgehen. Als Menschheit versetzen wir Berge, um an Rohstoffe zu kommen, und h\u00e4ufen M\u00fcllberge auf, weil wir mit den Ressourcen der Welt verschwenderisch umgehen. Den gro\u00dfen Umweltproblemen kann man nur politisch begegnen, aber wie oft sehe ich Bierflaschen und Getr\u00e4nkedosen ins Geb\u00fcsch gepfeffert. Dann denke ich mir, h\u00e4tte Mensch sie doch wenigstens ordentlich hingestellt f\u00fcr Menschen, die auf das Sammeln von Flaschen und Dosen angewiesen sind. \u201eRed Bull verleiht Fl\u00fcgel\u201c, befl\u00fcgelt aber nicht immer das Umweltbewusstsein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie also k\u00f6nnen wir wissen und w\u00fcrdigen lernen, was uns von Gott in der Sch\u00f6pfung geschenkt ist? Durch Anerkennen, dass wir Sch\u00f6pfung sind. Die Welt ist nicht nur ausbeutbare Ressource, sondern anvertraute Sch\u00f6pfung. Wir sind nicht Ressource, sondern Sch\u00f6pfung. Unsere Mitmenschen in der N\u00e4he und Ferne sind nicht Ressourcen, sondern Sch\u00f6pfung. Aus der rechten Einsicht mag dann ein rechter Entschluss folgen zum pfleglichen Umgang mit uns selbst und der ganzen Welt. Das Christentum und andere Religionen haben immer viel zu sagen gehabt, wie man achtsam mit sich und der Welt umgeht. Da war sicher viel Richtiges dabei. Aber ich will hier keine Beispiele nennen oder Vorschriften machen. Ich erinnere mich an Storys, wie Leute dar\u00fcber spotteten, dass die Frommen in W\u00fcrttemberg nicht rauchten, aber Viertele schlotzten, w\u00e4hrend die Frommen im Siegerland grunds\u00e4tzlich keinen Alkohol tranken, aber pafften (Dinkel 2014). Also halten wir einfach fest: Unser Leben ist das einzige Leben, das wir haben, und unsere Welt ist die einzige Welt, die wir haben. Gehen wir bewusst und pfleglich damit um. Jeder, jede von uns wird seinen individuellen Weg finden, wenn man f\u00fcr sich bedenkt, was zum Glauben an Gott passt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Von der Gabe der Erl\u00f6sung<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein zweites Geschenk, das es zu wissen und zu w\u00fcrdigen gilt, ist die Erl\u00f6sung. Der Apostel Paulus hat sie im Umfeld des Predigttextes bereits angesprochen. Viele Menschen von heute haben mit der Vorstellung der Erl\u00f6sung Probleme: mit dem \u201eKonzept S\u00fcnde\u201c, mit der Idee, dass Gott ein S\u00fchnopfer br\u00e4uchte, und der Behauptung, dass Jesus das gewesen sei. Wenn Paulus schlecht drauf w\u00e4re, w\u00fcrde er vielleicht antworten. Das versteht auch niemand, der nur weltlich denkt. \u201eWir haben ja nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, damit wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist.\u201c (1. Kor 2,12) Vielleicht ist er auch besser drauf und erinnert uns daran, dass man in vielen Kulten seiner Zeit und teilweise bis heute die Grenze zwischen Mensch und Gott nur mit einer Opfergabe \u00fcberschreitet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun bin ich nicht Paulus, sondern Ihr heutiger Prediger. So lange die Christenheit nicht eine \u00e4hnlich ber\u00fchrende Sprache findet, bleibt es meine Aufgabe, Ihnen eine Br\u00fccke zur Gr\u00fcndungstradition des Christentums anbieten. Wie also k\u00f6nnen wir wissen und w\u00fcrdigen lernen, was Erl\u00f6sung hei\u00dft, sodass es nicht nur Kopfwissen ist, sondern Herzenswissen wird? Erlauben Sie mir, Sie an den Tag der Kreuzigung Jesu mitzunehmen. Ich will nicht die ganze Geschichte erz\u00e4hlen. Stellen wir uns einfach dazu und schauen uns um. Erinnern wir uns an das Panorama der Menschen, die laut den Evangelien Zeugen der Szenerie waren. Da haben wir Jesus und zwei Nachbarn am Kreuz. In der N\u00e4he auch noch ein bisschen Familie und wenige Freunde. Vor allem aber haben wir auch erkl\u00e4rte Feinde Jesu und M\u00e4nner, die ihre blutige Arbeit tun und sich mit den Habseligkeiten der Gekreuzigten belohnen. Nicht zuletzt waren da Leute wegen des Schauspiels dabei, so wie Leute heute bei Unf\u00e4llen das Smartphone z\u00fccken. \u201eIch war dabei&#8230;\u201c Und sie werden nicht verstanden haben, wo sie dabei waren. Stellen wir uns dazu. \u201eWer w\u00e4re ich damals in der Angelegenheit Jesu gewesen?\u201c Unverst\u00e4ndige Masse, tapfere Mutter, fliehender J\u00fcnger, seiner politischen Sachlogik folgender Pilatus, triumphierender Gegner. H\u00e4tte ich gar Scherge sein k\u00f6nnen und als Folterknecht meinen Spa\u00df gehabt? Und es mag sein, dass das an Ereignisse der eigenen Biographie erinnert, wo man nicht durchgeblickt hat oder auch nichts verstehen wollte, wo man Schmerz bereitet hat und vielleicht sogar Freude daran hatte. Hier hinein zu gehen, in die Zerknitterungen der eigenen Geschichte und die eigenen Geschichtsklitterungen, das ist \u201eg\u00f6ttliche Weisheit\u201c, die uns wieder menschlich werden l\u00e4sst, wenn wir Unmenschliches oder Menschenunw\u00fcrdiges getan haben. Und wer gemerkt hat, wie viel er zwischen sich und andere gestellt hat, der wird vielleicht auch verstehen und w\u00fcrdigen, was Evangelium hei\u00dft. Denn er wird trauern \u00fcber gelebtes Leben und ungelebtes besseres Leben und sp\u00fcren, was es hei\u00dft, Leben verloren zu haben. Und er wird sich fragen, was man zwischen Gott und sich gestellt hat. \u201eVater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.\u201c, das sagt Jesus am Kreuz. Aber manchmal brauchen wir Vergebung, weil wir wussten, was wir tun. Und w\u00e4re es da nicht gut, das zum Kreuz bringen zu k\u00f6nnen, wo wir Lasten des Lebens abladen d\u00fcrfen? Das klassische Christentum sagt: \u201edas geht\u201c und \u201edu darfst\u201c. Am Ende wird man sich freuen und hoffen, dass die Verhei\u00dfung stimmt, dass uns um Jesu willen neues Leben f\u00fcr heute und f\u00fcr die Ewigkeit zukommen wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Von der Gabe des Geistes<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sch\u00f6pfung und Erl\u00f6sung, zwei Geschenke Gottes an uns sind schon besprochen. Es fehlt jetzt nur noch der besondere Geist Gottes f\u00fcr die Gl\u00e4ubigen. Es gibt Bewegungen, die suchen und finden den Heiligen Geist in besonderen Erlebnissen. Sie erinnern sich an die Wunder, die im Neuen Testament aus Fr\u00fchzeit des Christentums erz\u00e4hlt werden, und ersehnen dieses Gotteswirken auch f\u00fcr heute. Ich will hier nur Stichworte aus der Pfingstbewegung nennen. Sprachengebet, Prophetie, vision\u00e4re Erlebnisse, Wunder. Wer wei\u00df, worum es geht, wird meine Worte noch besser einordnen k\u00f6nnen. N\u00f6tig zum Verstehen sind diese Kenntnisse aber nicht. Lassen Sie mich also zuerst etwas feststellen: Ich freue mich \u00fcber jede glaubensst\u00e4rkende religi\u00f6se Erfahrung und jede wunderbare Heilung. Dazu habe ich an ausreichend vielen Betten gestanden, wo es Wunder gebraucht h\u00e4tte. Ich wei\u00df aber auch: Fr\u00fcher haben die Verk\u00fcndiger gesagt, dass Durchbrechungen des Gew\u00f6hnlichen, wir Modernen w\u00fcrden sagen: der Naturgesetze, nur in der Anfangszeit n\u00f6tig waren. Seit Abschluss der Bibel brauche es keine Visionen und au\u00dfergew\u00f6hnliche Erfahrungen, um Gott zu finden, sondern nur offene Augen und Herzen. Um es mit einem bekannten Zitat eines bekannten Theologen zu sagen. \u201eWir werden in der Bibel immer gerade so viel finden, als wir suchen: Gro\u00dfes und G\u00f6ttliches, wenn wir Gro\u00dfes und G\u00f6ttliches suchen. Nichtiges und [blo\u00df] \u201aHistorisches\u2018, wenn wir Nichtiges und \u201aHistorisches\u2018 suchen; \u00fcberhaupt nichts, wenn wir \u00fcberhaupt nicht suchen!\u201c (Barth 1925)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und damit sind wir bei der dritten Antwort f\u00fcr das wissen und w\u00fcrdigen lernen, was uns von Gott geschenkt ist. Ich beschreibe den Heiligen Geist weniger durch au\u00dfergew\u00f6hnliche Erfahrungen und Wunder. Ich beschreibe ihn mehr wie die Atmosph\u00e4re, in der wir leben und atmen. Der Heilige Geist ist bisschen wie ein Teamgeist, der Mannschaften zusammenh\u00e4lt, positiv, nicht negativ durch Abgrenzung wie in manchen Fu\u00dfballszenen, die manche Spiele zu Risikoveranstaltungen machen. Und auf den Einzelnen bezogen, betrachte ich den Heiligen Geist wie eine geheimnisvolle, unaufdringliche Er\u00f6ffnung von Lebensmut und Gottvertrauen. Wo der Heilige \/Geist zum Wirken kommt, da z\u00e4hlt nicht mehr allein das, was vergangen ist oder was in menschlicher Ambivalenz noch zu erwarten ist. Noch mehr als das z\u00e4hlen der Dank f\u00fcr das Leben, die Ausrichtung an Jesus und die Hoffnung auf eine Welt, in der die Schattenseiten unseres Lebens von uns abfallen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Vom Geschenk einer ewigen Verhei\u00dfung<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lassen Sie mich zum Schluss noch einmal auf die Alltagssituation des Schenkens und Beschenktwerdens Bezug nehmen. Schon da wissen wir, dass das Wissen und W\u00fcrdigen nicht so leicht ist. Nun aber geht es nicht nur um Schlips, Oberhemd und Socken. Es geht um Gott und seine Geschenke und um uns. Gott ist es, der uns leben l\u00e4sst. Gott ist es, der uns in Jesus Christus Wege zeigt bis in die Ewigkeit. Gott ist es, der uns einen Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit schenkt, sodass unser Leben bei allen H\u00f6hen und Tiefen, die es mit sich bringt, gelingen kann. Wer von diesem Glauben ergriffen wird, der wird selig werden. Das ist die Verhei\u00dfung, aus der wir leben sollen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">sondern den Geist aus Gott,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">damit wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist.\u201c (1. Kor 2,12)<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dr. Hansj\u00f6rg Biener (*1961) ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und als Religionslehrer an N\u00fcrnberger Gymnasien t\u00e4tig. Au\u00dferdem ist er au\u00dferplanm\u00e4\u00dfiger Professor f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik und Didaktik des evangelischen Religionsunterrichts an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg. (Hansjoerg.Biener (at) fau.de)<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Literaturhinweise<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Barth 1925) Barth, Karl: Die neue Welt in der Bibel, in: Barth, Karl: Das Wort Gottes und die Theologie, M\u00fcnchen: Kaiser, 1925, S. 18-32, S. 20. Hinweis: Das Zitat findet man im Internet mit \u201eWichtiges\u201c statt \u201eNichtiges\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Dinkel 2014) So erz\u00e4hlt als Erleben auch von Prof. Dr. Christoph Dinkel, <a href=\"https:\/\/www.christuskirche-stuttgart.de\/fileadmin\/mediapool\/gemeinden\/KG_stuttgart_christuskirche\/Predigten\/2014\/Dinkel__Predigt_Eph._5__Taufsprueche__19.10.14.pdf\">https:\/\/www.christuskirche-stuttgart.de\/fileadmin\/mediapool\/gemeinden\/KG_stuttgart_christuskirche\/Predigten\/2014\/Dinkel__Predigt_Eph._5__Taufsprueche__19.10.14.pdf<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWissen und w\u00fcrdigen k\u00f6nnen, was einem geschenkt ist&#8220; |\u00a0Pfingstsonntag | 28.5.2023 | 1. Kor 2,12\u00a0| Hansj\u00f6rg Biener | F\u00fcr die Begr\u00fc\u00dfung Wissen und w\u00fcrdigen, was einem geschenkt ist, \u2013 das ist manchmal schwer. 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