{"id":18218,"date":"2023-05-24T12:39:09","date_gmt":"2023-05-24T10:39:09","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18218"},"modified":"2023-05-24T12:45:47","modified_gmt":"2023-05-24T10:45:47","slug":"apostelgeschichte-21-11-johannes-316-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-21-11-johannes-316-21\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 2,1-11; Johannes 3,16-21"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Pfingstmontag | 29.05.2023 | Apg 2,1-11; Joh 3,16-21 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Anna Jensen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Der Heilige Geist ist Zusammengeh\u00f6rigkeit mit Gott<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was ist Geist? Geist ist Zusammengeh\u00f6rigkeit. Was ist Heiliger Geist? Heiliger Geist ist Zusammengeh\u00f6rigkeit mit Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Momentweise kann es geschehen, dass wir uns pl\u00f6tzlich verbunden f\u00fchlen, dass wir uns nahezu aufl\u00f6sen und mit dem verschmelzen, was uns umgibt. Das k\u00f6nnen Menschen sein, die Natur, ein Kunstwerk oder vielleicht etwas ganz anderes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In Josefine Klougarts Roman \u201eAll dies k\u00f6nntest du bekommen\u201c erlebt das M\u00e4dchen Barbara in einer Nacht im Sommerhaus eine pl\u00f6tzliche Verbundenheit mit allem, was sie umgibt. Sie lag in ihrem Bett und h\u00f6rte das Rinnen aus den Rohren hinter den Brettern und der Isolierung, den knurrenden Klang des Donners drau\u00dfen \u00fcber dem Meer, und sie fand, dass sich dies alles in ihr verband. Sie versuchte, ganz still zu liegen und sich nicht zu r\u00fchren, um nicht die Verbindung zu zerst\u00f6ren, f\u00fcr die sie keine Sprache hatte, die sie aber deutlich sp\u00fcrte. Die Tropfen, die in das Heidekraut und den Sand fielen, die Bucht, die von den Blitzen erhellt wurde, und sie merkte, wie sie fast verschwand und zur Wurzel der Heidepflanzen, dem Blitz, dem Regen, den Tropfen und der trockenen Erde wurde, und genauso pl\u00f6tzlich wie es entstand verschwand dieses Gef\u00fchl. Sie lag still, aber das Gef\u00fchl war verschwunden, und dann dachte sie an ein Wort, das Wort Offenbarung. Sie war ersch\u00fcttert, sagte aber nichts. Dass sich die Welt pl\u00f6tzlich \u00f6ffnen kann. Dass sie pl\u00f6tzlich so tief werden kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Geist ist Zusammengeh\u00f6rigkeit. An den d\u00e4nischen Heimvolkshochschulen herrscht ein besonderer Geist, wenn die Sch\u00fcler zusammen bei der Morgenandacht singen. Dann atmen sie im Takt! Der Gesang aus der Vergangenheit wird Gegenwart, bezieht sich aber auf die Zukunft, die Augen lesen die n\u00e4chste Linie der Strophe, ehe sie laut wird. Im Geist gibt sich der einzelne der Gemeinschaft hin, wird ein Teil des Gemeinsamen, ob das nun die Natur, die anderen Sch\u00fcler oder eine Fu\u00dfballmannschaft ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Heilige Geist ist das Gegenteil von Autonomie.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In diesem 21. Jahrhundert huldigen wir der Autonomie. Das Selbstbestimmungsrecht ist wichtig, niemand verf\u00fcgt \u00fcber dich und deine Geschichte. Du kannst frei deinen Nachnamen \u00e4ndern, du kannst deine Ausbildung frei w\u00e4hlen, deine Familie, deinen Umgangskreis, deine Religion, du kannst dein Haar f\u00e4rben und deinen K\u00f6rper ver\u00e4ndern, so dass er genau zu deiner Vorstellung und deiner Erz\u00e4hlung von dir selbst passt. Freiheit und Gl\u00fccksgef\u00fchl geh\u00f6ren zusammen, nie sind wir so frei gewesen, nie waren wir so gl\u00fccklich, und dennoch gibt es viele von uns, die zuweilen finstere Stunden erleben. Nach der Beseitigung aller Hindernisse sahen wir einer neuen Generation entgegen, die das Leben ergreift und sich hineinwirft, aber wir haben vergessen, dass die Freiheit des Lebens viele Entscheidungen erfordert, und mit diesen Entscheidungen folgt ein Unbehagen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gewisse Dinge k\u00f6nnen zeitweise unangenehm sein, auch wenn sie uns eigentlich zugutekommen. Es ist unangenehm, die Pr\u00fcfung zu einem Examen machen zu m\u00fcssen, die Nervosit\u00e4t kann Schwei\u00df und Zittern ausl\u00f6sen. Es ist unangenehm, in eine Versammlung von Menschen gehen zu m\u00fcssen, die man nicht kennt. Da ist es angenehmer, sein Handy hervorzuholen und sich dahinter zu verstecken. Es ist unangenehm, etwas Neues zu beginnen, etwas Unbekanntes, oft ist man versucht aufzugeben, weil das leichter ist und unmittelbar Unbehagen erspart.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Weg heraus aus unserer Unsicherheit und unserem Unbehagen ist nicht der, dass man die Hindernisse entfernt oder die Anspr\u00fcche reduziert. Nein, ich glaube, dass Weg eben hier zu Pfingsten aufgezeigt wird.\u00a0 Die Gemeinschaft ist Geist, deshalb m\u00fcssen wir den Geist etwas mehr zu Herzen nehmen. Trotz unserer gro\u00dfen Freude am Selbstbestimmungsrecht wohnt in vielen von uns noch immer eine Sehnsucht nach Zugeh\u00f6rigkeit, eine Sehnsucht nach etwas, was unbeweglich ist, was den Charakter von Ewigkeit hat, eine Sehnsucht nach dem Licht, eine Sehnsucht nach Zusammengeh\u00f6rigkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Geist ist das Gegenteil von Autonomie. Also muss man viel vom Eigenen aufgeben, um an der Gemeinschaft teilzuhaben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott wollte die Gemeinschaft mit den Menschen. Deshalb gab er nicht nur etwas von sich, nein er gab das Kostbarste, was er hatte, er gab seinen Sohn. Er sandte seinen Sohn auf die Erde, weil er nicht wollte, dass die Menschen verlorengehen sollten, er kam nicht um die Welt zu richten, sondern er kam, um uns zu erl\u00f6sen. Er wollte uns eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr ein anderes Leben zeigen, ein Leben im Reich Gottes, wo die Liebe herrscht. Gott gab sich selbst, er gab seinen Sohn, er gibt sich selbst hin f\u00fcr uns, wann immer wir sein Blut trinken und seinen Leib essen im Abendmahl. Er ruft uns hervor ins Licht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es erscheint unmittelbar als eine leichte Wahl, das Licht zu w\u00e4hlen und nicht die Finsternis. Der Mai und der Juni sind die sch\u00f6nsten Monate des Jahres, das Licht nimmt zu und weckt uns neu zum Leben, der Sommer ist Leichtigkeit, helle N\u00e4chte. Dennoch geschieht es, dass wir die Finsternis vorziehen. In der Finsternis k\u00f6nnen wir uns verstecken, all das verbergen, was uns leidtut und was wir nicht offen zeigen wollen. Das Licht, die Gemeinschaft ruft uns, aber in uns ist ein Streit. Um uns dem Geist hinzugeben, m\u00fcssen wir unsere Autonomie aufgeben, wir m\u00fcssen uns selbst der Gemeinschaft geben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieser innere Kampf war leicht f\u00fcr die J\u00fcnger. Als der Pfingsttag kam, waren sie alle versammelt, ein Wind, eine Kraft fuhr durch das Haus, wo sie sa\u00dfen, und sie wurden erf\u00fcllt vom Heiligen Geist. All ihre Furcht und Feigheit waren weggeblasen, erf\u00fcllt vom Heiligen Geist konnten sie von den Taten Jesu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Heilige Geist wohnt schon in uns, er war unser Taufgeschenk. Der Heilige Geist ist unsere Gemeinschaft mit Gott. Als eine Linie, die stets offen ist, ein Kanal, ein Sprachrohr, Gott ist nicht weiter weg als ein Gedanke. Im Gebet k\u00f6nnen wir uns immer an ihn wenden. Das kann ein langwieriges flie\u00dfendes Gebet sein, aber es kann auch ein nachdenklicher Moment sein, wo wir unsere H\u00e4nde falten. Dann bringen wir unsere W\u00fcnsche uns Sorgen vor Gott. Auch wenn wir wissen, dass Gott der Unbewegliche ist, der fest steht, auch wenn die ganze Welt wackelt. Auch wenn wir Gott kennen als den, der weiser ist und gr\u00f6\u00dferen \u00dcberblick hat als wir, werden wir ihn im Gebet dennoch bitten, ihm erkl\u00e4ren, vielleicht ihn geradezu <em>\u00fcberreden<\/em>, unseren Wunsch zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eHeile meine Schwester, die Krebs bekommen hat, hilf den jungen Leuten, die mit Angst k\u00e4mpfen, lass nicht einen b\u00f6sen Diktator den Krieg gewinnen, lass nicht die Erde durch Umweltzerst\u00f6rung untergehen. Gib mir Brot, gute Nachbarn, gesunde Kinder, einen neuen Job, einen Parkplatz.\u201c So beten und streiten wir, denn es wird nie so kommen, wie wir wollen, sondern wie Gott will. Dadurch werden wir \u00fcberwunden, nicht indem Gott \u00fcber uns siegt, sondern indem der Heilige Geist in uns siegt. Der Heilige Geist kommt uns zu Hilfe, er beugt uns, so dass wir Gott suchen, die Gemeinschaft, der wir uns hingeben k\u00f6nnen. \u201e<em>Dein <\/em>Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden\u201c. Wenn wir diese Worte sagen, schmelzen wir zusammen im Geist, da wirkt der Heilige Geist in uns, und all unser Eigenes das wir loslassen m\u00fcssen, wird ersetzt von all dem Gro\u00dfen, von der Gemeinschaft, der Zusammengeh\u00f6rigkeit, vom Geist. Wir treten ein in das Reich Gottes \u2013 immer, wenn wir morgens aufstehen. Der Heilige Geist wohnt in uns, er ruft uns hin zum Licht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfingsten bedeutet Neusch\u00f6pfung, neue Kr\u00e4fte. Gott verspricht seinen Kindern nicht ein leichtes Leben ohne Unannehmlichkeiten und Schmerzen, aber er verspricht, in seinem Geist stets in uns zu sein, so dass wir mit der Finsternis und dem Leiden leben k\u00f6nnen. In der Gemeinschaft Gottes werden wir durch das Schwere im Leben getragen, so dass wir freie H\u00e4nde haben, so dass wir zum Licht kommen und die Wahrheit tun k\u00f6nnen. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Anna Jensen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">5230 Odense M<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-mail: <a href=\"mailto:ansj@km.dk\">ansj(at)km.dk<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingstmontag | 29.05.2023 | Apg 2,1-11; Joh 3,16-21 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Anna Jensen | Der Heilige Geist ist Zusammengeh\u00f6rigkeit mit Gott Was ist Geist? Geist ist Zusammengeh\u00f6rigkeit. Was ist Heiliger Geist? Heiliger Geist ist Zusammengeh\u00f6rigkeit mit Gott. 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