{"id":18245,"date":"2023-05-30T08:32:50","date_gmt":"2023-05-30T06:32:50","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18245"},"modified":"2023-06-02T11:16:26","modified_gmt":"2023-06-02T09:16:26","slug":"johannes-31-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-31-15\/","title":{"rendered":"Johannes 3,1-15"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Trinitatis | 04.06.2023 |\u00a0Jh 3,1-15 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Mikkel Tode Raahauge |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Extra Christum nulla salus<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich wei\u00df nicht, ob es etwas gibt, was einem mehr guttut, wenn es darauf ankommt. Und einige der besten Erinnerungen \u00fcberhaupt aus meiner Studienzeit sind zweifellos die Abende, als ich in der Innenstadt von Kopenhagen zwischen dem Dom und dem Runden Turm wohnte und wo ich mich im Schatten der Dunkelheit an den sommerwarmen Hausw\u00e4nden in den Stra\u00dfen der Altstadt von Kopenhagen bewegte, um mit meinen Studienfreunden in einer Bo-Bi-Bar bei Kerzenlicht Theologie zu diskutieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dort habe ich in dieser Umgebung einige meiner besten und wichtigsten Stunden verbracht, denn das n\u00e4chtliche Gespr\u00e4ch kann etwas, was andere Gespr\u00e4che nicht k\u00f6nnen. Dort im Dunkeln ist n\u00e4mlich Zeit und M\u00f6glichkeit, ernst miteinander in einer guten Weise zu reden, ohne an die Schwierigkeiten und Aufgaben des Alltags zu denken und an die Sonne, die besonders in dieser Zeit des Jahres so schrecklich entlarvend sein kann mit ihrem Licht. Jeder, der zusammen im Kreis von Freunden an so einem Abend gesessen hat oder der in seiner Jugend zu Mitternacht einem Geliebten die T\u00fcr ge\u00f6ffnet hat, wird wissen, wovon ich rede. Und ich hoffe sehr, dass alle das kennen, denn das n\u00e4chtliche Gespr\u00e4ch und die Freude, die es bringen kann, ist jedem Menschen zu g\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist also ein vorz\u00fcglicher Zeitpunkt, den er gew\u00e4hlt hat, der gute Nikodemus, um unseren Herrn aufzusuchen, um Klarheit \u00fcber all die Fragen zu finden, die er hat. Denn Nikodemus kommt wohl kaum zu ihm ganz zuf\u00e4llig zu einem unverbindlichen Gespr\u00e4ch bei einem k\u00fchlen Bier \u00fcber dieses und jenes, sondern als Vertreter des offiziellen Judentums (er ist Mitglied des j\u00fcdischen Rates, hei\u00dft es), Anh\u00e4nger der herrschenden Weltanschauung, k\u00f6nnte man sagen \u2013 um mit ihm einen Meinungsaustausch zu haben und sich einen \u00dcberblick dar\u00fcber zu verschaffen, <em>wer<\/em> Jesus im Grunde ist. Er kommt, um nach dem Reich Gottes zu fragen, nach dem Heil (was dasselbe ist), wie man das erlangt. Er kommt, um nach seiner Religion und Moral zu fragen, seiner Theorie und Praxis, seiner Weltanschauung und Lebensf\u00fchrung, wenn man so will. Vielleicht, wenn alles zusammenkommt, um zu wissen, was man selbst tun kann und daf\u00fcr erwarten darf, um dann Stellung zu beziehen, ob das etwas ist, auf das er sich einlassen kann und will. \u201eWir wissen\u201c, sagt er zu Jesus, dass du ein Lehrer bist, der von Gott kommt\u201c. Aber ehe er fortf\u00e4hrt \u2013 man sieht es fast vor sich, wie sich seine Lippen schon geformt haben, um das entscheidende \u201eAber\u201c zu formulieren \u2013 da unterbricht der Herr ihn und sagt, dass der, der nicht neu geboren wird, nicht das Reich Gottes sehen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da endete das Gespr\u00e4ch, und das klingt ja \u00fcbrigens v\u00f6llig abwegig, da m\u00fcssen wir Nikodemus Recht geben. Denn ja, wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Man ist, wie man ist, das kann man nicht \u00e4ndern. Man ist der, der man ist, und das ist gut so. Oder was? Denn, wenn es darauf ankommt, ist da nicht etwas dran mit Religion und Moral, Theorie und Praxis, Weltanschauung und Lebensf\u00fchrung, was man selbst tun kann und was man daf\u00fcr erwarten darf?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich glaube nicht, dass dieser Gedanke jemandem von uns fern liegt; das tut er jedenfalls nicht f\u00fcr mich. Ich will ja am allerliebsten von mir selbst und meinen Mitmenschen \u2013 besonders denen, die ich mag! \u2013 glauben, dass ich und wir im Grunde und ganz grundlegend gute und ordentliche Menschen sind, und es herrscht zurzeit eine recht ausgepr\u00e4gte Vorstellung, wenn wir Menschen nur d\u00fcrften &#8211; oder Lust h\u00e4tten, unser volles Potenzial, wie es hei\u00dft, auszuleben und selbst zu \u201enutzen\u201c, dann w\u00e4re die Welt einfach ein herrlicher und angenehmer Ort f\u00fcr uns alle. Wenn wir nur unseren Grundgef\u00fchlen folgen und daf\u00fcr sorgen, anderen gegen\u00fcber einigerma\u00dfen anst\u00e4ndig zu sein \u2013 jedenfalls solange wir Zeit und Lust haben \u2013 dass sind wohl die Bedingungen geschaffen f\u00fcr etwas, was einem Paradies auf Erden gleichen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Ausfassung schleicht sich \u2013 vielleicht verst\u00e4ndlicherweise \u2013 auch in der Kirche ein, jedenfalls in Teilen der Kirche. In Frederiksberg in Kopenhagen hat man vom Bischof die Erlaubnis bekommen, eine neue Taufliturgie zu verwenden, wo es in der Einf\u00fchrung hei\u00dft: \u201eDer theologische Ausgangspunkt ist, dass die Taufe ein Heilsweg ist, aber nicht der einzige Heilsweg\u201c. Man wei\u00df nicht, was f\u00fcr andere Heilswege sie in Frederiksberg in der Hinterhand haben, die sie uns nicht verraten wollten. Aber ihnen und Nikodemus und allen uns anderen sagt der Herr heute:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der, der nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann nicht in das Reich Gottes gelangen. Was aus Fleisch geboren ist, ist Fleisch; was Furcht und Leid ist, ist Furcht und Leid. Was Misstrauen und Unglaube ist, ist Misstrauen und Unglaube. Was Leiden und Tod ist, ist Leiden und Tod. Wenn es einen Weg daraus geben soll, dann muss Gott eingreifen.: Was aus Geist geboren ist, ist Geist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und eben von dieser neuen Geburt spricht der Herr, und wir durchkleben sie in der Taufe. Dort greift Gott ein und nimmt uns an als die, die wir in Wirklichkeit sind; als die, die von uns selbst weder das Reich Gottes sehen noch in das Reich Gottes kommen k\u00f6nnen, dort greift Gott ein und nimmt unser ganzes Leben, wie es in Wirklichkeit ist, und macht es neu, macht uns zu neuen Menschen. Gott macht uns verlorene S\u00fcnder, wie wir das am Anfang des Gottesdienstes bekennen, zu seinen Kindern und sich selbst zu unserer Zukunft, so dass unser Leben nicht mehr von uns selbst abh\u00e4ngt: <em>Unsere<\/em> Religion und Moral; <em>unsere<\/em> Theorie und Praxis; <em>unsere <\/em>Weltanschauung und Lebensf\u00fchrung, aber ganz und gar von Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und nat\u00fcrlich kann Gott tun und erl\u00f6sen, wie Gott will. Alles ist m\u00f6glich f\u00fcr Gott, aber sicher ist, dass das Heil niemals ohne Christus kommt. \u201eNiemand kommt zum Vater ohne durch mich\u201c, sagt der Herr selbst. Und in der Taufe wird das so laut und deutlich gesagt, dass kein Zweifel bestehen kann, dass wir dort wirklich Gottes Kinder werden und dass uns Gott dort verhei\u00dft, mit uns zu sein bis ans Ende der Welt, wie wir es im Wort von Jesus Christus geh\u00f6rt haben. In der Taufe bereitet Gott selbst die Welt f\u00fcr uns, wo die Wirklichkeit nicht die ist, dass wir uns selbst \u00fcberlassen sind, sondern dass wir stets und \u00fcberall in der Obhut Gottes sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und es ist klar, die Welt wird nicht ein sch\u00f6nerer oder ein angenehmerer Ort aus diesem Grund, es kommt auch deswegen auch kein Paradies auf Erden. Das kann jeder ja ohne Weiteres feststellen. Aber im Glauben daran, dass wir wirklich Gottes Kinder sind, k\u00f6nnen wir dann auch der Welt begegnen, wie sie ist, mit all dem, was sie enth\u00e4lt, auch an Furcht und Trauer, Misstrauen und Unglauben, Leiden und Tod. Als freie Menschen und in der Hoffnung, dass wir in unserer Taufe unl\u00f6sbar gebunden sind \u2013 nicht von, sondern <em>an<\/em> den Gott, der sich ganz als Liebe offenbart hat, und als wir, die Gott liebt in Jesus Christus mit allem, was der Name bedeutet, so dass das Reich Gottes schon jetzt im Glauben und in der Hoffnung vor unseren F\u00fc\u00dfen liegt. Denn so wie Moses die Schlange in der W\u00fcste erh\u00f6hte, so hat Gott den Sohn erh\u00f6ht, damit er, mit seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferstehung uns erh\u00f6hen wird. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sognepr\u00e6st Mikkel Tode Raahauge<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Skovshoved, DK 2930 Klampenborg<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Email: mitr(at) km.dk<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trinitatis | 04.06.2023 |\u00a0Jh 3,1-15 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Mikkel Tode Raahauge | Extra Christum nulla salus Ich wei\u00df nicht, ob es etwas gibt, was einem mehr guttut, wenn es darauf ankommt. 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