{"id":18308,"date":"2023-06-14T07:55:09","date_gmt":"2023-06-14T05:55:09","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18308"},"modified":"2023-06-16T17:45:48","modified_gmt":"2023-06-16T15:45:48","slug":"18308-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/18308-2\/","title":{"rendered":"Lukas 14, (15)16-24"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">73 Pr\u00fcfungsfragen | 300 Jahre w\u00fcrttembergische Reformation in Veitsweiler |\u00a02. nach Trin. |\u00a018. Juni 2023 \u00a0| Lk 14, (15)16-24 | Uland Spahlinger |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">spa\u00dfig war es kaum. Glaube war damals, vor sagen wir 500 Jahren, eine durch und durch ernste Sache. Man stritt erbittert um den richtigen Glauben, das richtige Gesangbuch, die richtige Konfession. Menschen wurden zu Tode gebracht f\u00fcr ihre Konfession, wenn sie unter die falschen Leute fielen. Und darin waren sich alle einig: die r\u00f6mischen Katholiken, die Genfer Reformierten und die Wittenberger Lutheraner. Die Inquisition hatte schon vor Luthers Thesenanschlag vermeintlichen Ketzern, Hexen und Zauberern unbarmherzig nachgestellt. Die Reformationsanh\u00e4nger:innen und die Taufgesinnten zur Zeit von Luthers und Zwinglis Reformationen wurden ebenso gnadenlos verfolgt; aber auch aus dem reformierten Genf, wo der Antitrinitarier Miguel Servet 1553 als Ketzer verbrannt wurde<a href=\"applewebdata:\/\/AD1F5587-6093-4298-8722-F06624F0AD50#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, oder im Umgang der Landesf\u00fcrsten mit den T\u00e4ufergemeinden kennen wir F\u00e4lle der Ermordung von Andersgl\u00e4ubigen. Von Anfeindungen, Pogromen, Verfolgungen gegen Menschen j\u00fcdischen Glaubens gar nicht zu reden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es war nicht egal, zu welcher Glaubensgemeinschaft du geh\u00f6rtest. Erbittert achteten diejenigen, die die Herrschaft \u00fcber ihr Kirchenwesen innehatten, darauf, dass alles in ihrem Sinn mit rechten Dingen zuging. In den freien St\u00e4dten waren das die R\u00e4te, in den Adelsherrschaften die Landherren: Cuius regio, eius religio \u2013 der Herrscher bestimmt die Glaubensausrichtung, das galt seit dem Augsburger Religionsfrieden 1555. Keine Sorge, ich werde Sie das nicht hinterher abfragen. Es war aber eine ernste Sache, es ging um Einfluss und Macht und die Aufrechterhaltung von Ordnung in einer st\u00e4ndischen Gesellschaft. Und die Landesherren sahen sich verantwortlich auch f\u00fcr den Glauben \u2013 sie waren ja von Gottes Gnaden eingesetzt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In der katholischen Kirche kannte man damals schon \u2013 und kennt man ja bis heute &#8211; die Firmung. Durch sie \u201ewird \u2026 dem \u201a<em>nur<\/em> Getauften\u201c der Hl. Geist zur Kr\u00e4ftigung (\u2026) gegeben, um zum Bekenntnis und ritterlichen Kampf auszur\u00fcsten\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/AD1F5587-6093-4298-8722-F06624F0AD50#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Ein Sakrament, das die Reformatoren deshalb ablehnten, weil es nicht biblisch begr\u00fcndet sei und \u00fcberdies das biblisch gegr\u00fcndete Sakrament als schwaches Sakrament abtue; so, als w\u00e4re die Taufe als Zeichen der S\u00fcndenvergebung und des von Gott zugeeigneten neuen Lebens erg\u00e4nzungs- oder \u201ekr\u00e4ftigungs\u201cbed\u00fcrftig. Nach und nach aber setzte sich in verschiedenen evangelischen Regionen Deutschlands das Verst\u00e4ndnis durch, dass es eben doch etwas braucht: Mit dem Erwachsenwerden sollten die jungen Leute zum einen \u00fcber ihren Glauben Bescheid wissen, also zuger\u00fcstet sein, zum anderen ging es um die Abendmahlsw\u00fcrdigkeit, den Zugang zum Gemeindeabendmahl. Dem diente von Anfang an der Katechismus, der ja in deutscher Sprache und schlichten S\u00e4tzen das Wichtigste des Glaubens erl\u00e4uterte. Man fing so an, dass der Pfarrer seine Gemeindeglieder regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber die Glaubensinhalte befragte. Malen Sie sich das mal f\u00fcr heute aus: so alle Vierteljahr treten Sie bei Ihrer Pfarrerin an und unterziehen sich einer Glaubensbefragung. Das Modell erwies sich als auf Dauer nicht durchf\u00fchrbar. Aber es sollte doch sichergestellt sein, dass die Gemeindeglieder abendmahlsw\u00fcrdig waren, also wussten, was sie taten \u2013 und was Gott ihnen zueignete. Das ist jetzt eine sehr verk\u00fcrzte Darstellung, aber so entwickelte sich die Unterweisung und die Konfirmation, zuerst in Hessen, wie die Ziegenhainer Zuchtordnung von 1538 belegt. Zuchtordnung \u2013 das ist ausdrucksstark.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das war fast 200 Jahre VOR der Einf\u00fchrung der Konfirmation in W\u00fcrttemberg: \u201eAllerdings dauerte es sehr lange, bis das Fest in der Fl\u00e4che gefeiert wurde. W\u00fcrttemberg etablierte die Konfirmation unter dem Einfluss des Pietismus.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/AD1F5587-6093-4298-8722-F06624F0AD50#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>\u2013 \u201eVor 300 Jahren, am 4. April 1723, wurde sie im Herzogtum W\u00fcrttemberg eingef\u00fchrt. Wer konfirmiert war, durfte fortan am Abendmahl teilnehmen und die Patenschaft f\u00fcr T\u00e4uflinge \u00fcbernehmen.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/AD1F5587-6093-4298-8722-F06624F0AD50#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und damit sind wir endlich in Veitsweiler, dem kleinen Dorf, das heute in Westmittelfranken liegt, damals aber zur W\u00fcrttembergischen Herrschaft z\u00e4hlte. \u201eVeitsweiler hat derzeit 38 Wohnh\u00e4user mit 104 Einwohnern. Es wird eine generations\u00fcbergreifende, gesellige Dorfgemeinschaft gepflegt, bei der sowohl traditionelle Br\u00e4uche weiter gegeben werden, als auch Neues erprobt wird.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/AD1F5587-6093-4298-8722-F06624F0AD50#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> So informiert uns die Homepage der Marktgemeinde Weiltingen, zu der Veitsweiler heute geh\u00f6rt. Ein malerischer, sehr kleiner Ort, der als Dorf mit Kirche ins 13. Jahrhundert zur\u00fcckreicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie ging es zu \u2013 damals, vor der ersten Konfirmation 1723? Die Pfarrchronik von 1912-1915 gibt Auskunft; dort hat Pfarrer Rudolf Jergius in einem Bericht zusammengefasst:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201e1723 <strong><u>Einf\u00fchrung der Konfirmation<\/u><\/strong><br \/>\nauf Grund einer f\u00fcr ganz W\u00fcrttemberg ergangener f\u00fcrstlicher Verordnung vom 11. Dez. 1722. Im Commun.-Reg. des Jahres 1723 findet sich der Eintrag: \u201eZum 1. Mal sind Misericoridas Domini zum hl. Abendmahl gegangen u. vorher Quasimodog. konfirmiert worden.\u201c Die Kinder waren 12-14 Jahre alt. (\u2026)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Konfirmation richtete sich genau nach der w\u00fcrttemb. Kirchenordnung (\u2026) Darnach sollte auf dem Land j\u00e4hrlich an Quasimodog. Konfirmation gehalten werden. Der Vorbereitungsunterricht begann nach dem 1. Sonntag p. Epiph., wo in der Kirche die Eltern aufgefordert wurden, die Konfirmanden \u201eihrem Beichtvater zu \u00fcbergeben\u201c, (\u2026)<a href=\"applewebdata:\/\/AD1F5587-6093-4298-8722-F06624F0AD50#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Beichte also, die Einsicht in die eigene S\u00fcndigkeit, stand im Vordergrund. Es war eben der Pietismus, der hinter diesem vom Herzog angeordneten Vorgehen stand. Nicht nur das Wissen sollte weitergegeben werden. \u201e\u201aDer Kopf soll ins Herz kommen!\u2018 (<em>Philipp Jacob<\/em> Spener)\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/AD1F5587-6093-4298-8722-F06624F0AD50#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>. Bu\u00dfe und Bekehrung waren die Kernanliegen des Pietismus \u2013 sind es bis heute geblieben, im \u00dcbrigen. Man k\u00f6nnte sagen: vor der \u00dcbereignung der W\u00fcrdigkeit zum Abendmahl soll die Erkenntnis der eigenen Unw\u00fcrdigkeit stehen. Denn in alldem ging es letztlich um das eigene Bekenntnis, das eigene \u201eJa\u201c zum Glauben und zur Glaubensgemeinschaft. Und diese verdichtet sich \u2013 so die \u00dcberzeugung \u2013 letztlich in der Teilnahme am Mahl des Herrn. Das Abendmahl war damals ein eindeutiger Bekenntnisakt. Wie gesagt, es war eine ernsthafte Sache. Und der Konfirmandenunterricht selbst wird auch nicht immer spa\u00dfig gewesen sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfarrer Jergius hat das in seinem Bericht sehr anschaulich geschildert:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDer Unterricht fand im Pfarrhaus statt; in wieviel Stunden ist unbekannt.<br \/>\nDie Konf.-Handlung begann mit der Verlesung einer Vermahnung an die Gemeinde; darauf folgte ein Gebet, daran schlo\u00df sich das Examen, in welchem den Kindern 73 vorgeschriebene Fragen \u00fcber die Heilslehre vorgelegt wurden. Die Konfirmanden bekannten sich noch ausdr\u00fccklich zu diesem Glauben, wiederholten die Abrenuntiatio <em>(lat. f\u00fcr \u201eAbsage an den Teufel\u201c, \u201eEntsagung von dem B\u00f6sen\u201c; Erg. U. Sp.)<\/em> aus der Taufe u. verpflichteten sich dem dreieinigen Gott. Dann knieten sie einzeln am Altar nieder und empfingen unter Handauflegung den Segen. Der Pfarrer verlas eine weitere Ermahnung an die Gemeinde, es folgte F\u00fcrbitte und Segen. Darauf gingen die Kinder zu ihren Pl\u00e4tzen zur\u00fcck, u. man sang \u201eSei Lob u. Preis mit Ehren\u201c (\u2026) aus \u201eNun lob mein Seel den Herrn.\u201c Nach dem Gottesdienst begab man sich im Zug zum Pfarrhaus zur\u00fcck, wie man auch vorher von demselben in die Kirche gezogen war. Die Erstkommunion fand 8 Tg. darauf statt.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So in etwa war das damals, liebe Gemeinde. 73 Pr\u00fcfungsfragen von Herzogs Gnaden, stattlich das. Vor dem Segenszuspruch! Und damit verband sich so ganz nebenbei, dass die Jungen und M\u00e4dchen wenigstens Grundkenntnisse im Lesen und Schreiben erwerben mussten, was f\u00fcr Menschen in den D\u00f6rfern nicht selbstverst\u00e4ndlich war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich will nicht dar\u00fcber urteilen, ob dieser Weg der Einf\u00fchrung in die Glaubensgemeinschaft ein guter war. Vieles machen wir heute anders, vieles ist uns abgenommen. Pfarrer m\u00fcssen ihr teilweise sehr schmales Gehalt nicht mehr durch Klippschulunterricht aufbessern. Kirchenzucht hat sich weithin \u00fcberholt \u2013 nicht nur zum Nachteil, aber ganz gewiss auch nicht nur zum Vorteil. Ein gutes ethisches Handwerkszeug ist weiterhin sehr n\u00fctzlich f\u00fcr die Lebensgestaltung. Ein moralischer Kompass hilft in schwierigen und un\u00fcbersichtlichen Entscheidungssituationen heute wie damals. Ein fr\u00f6hlicher, gefestigter, gewisser Glaube ist gerade in Krisenzeiten eine enorme St\u00fctze. Es macht einfach einen Unterschied, ob du wei\u00dft, wohin du dich mit deiner Freude wie mit deinem Leid wenden kannst \u2013 oder ob du das nicht wei\u00dft. Und \u2013 auch das wussten unsere Vorfahren, wir vergessen das manchmal \u2013 Glaube ist deine pers\u00f6nliche Sache, aber er ist niemals privat. Immer spielt er sich in Gemeinschaft ab. Wie hie\u00df es auf der Homepage so treffend? \u201eVeitsweiler hat derzeit 38 Wohnh\u00e4user mit 104 Einwohnern. Es wird eine generations\u00fcbergreifende, gesellige Dorfgemeinschaft gepflegt, bei der sowohl traditionelle Br\u00e4uche weiter gegeben werden, als auch Neues erprobt wird.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/AD1F5587-6093-4298-8722-F06624F0AD50#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gemeinschaft ist das Stichwort. Glaube braucht Gemeinschaft. Glaube braucht eine Gemeinschaft, die sich zueinander bekennt und aush\u00e4lt, dass der Nachbar seinen Glauben vielleicht anders in Worte fasst oder mit anderen Schwerpunkten lebt als die Nachbarin. Glaube braucht diese Toleranz \u2013 da denken wir heute doch anders als die Vorfahren in den Zeiten der Glaubenskriege. Glaube braucht die \u00dcberlieferung, die Bibel und die Bekenntnisschriften \u2013 nat\u00fcrlich ist das so, da hat sich nichts ge\u00e4ndert, und es ist ein Jammer, dass so viel davon hergeschenkt und vergessen wird. Der Glaube braucht dich und mich und uns gemeinsam und den dreieinigen Gott in unserer Mitte. Ich will das heute gar nicht f\u00fcr die brennenden Themen unserer Gegenwart durchbuchstabieren, das k\u00f6nnen wir ein andermal wieder ausf\u00fchrlich tun. Aber eins doch noch: er braucht noch etwas, der Glaube &#8211; die Offenheit f\u00fcr \u00dcberraschendes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In seinem Gleichnis vom gro\u00dfen Gastmahl \u2013 wir haben das vorher als Evangelium geh\u00f6rt \u2013 pr\u00e4sentiert Jesus so eine \u00dcberraschung. Die Welt damals war ja nicht so total anders als heute. Ein Mann l\u00e4dt zu einem Festessen ein. Er ist Hausherr mit Dienerschaft, also wohlhabend. Seine auserkorenen G\u00e4ste ebenfalls, sie kaufen H\u00e4user und Zugtiere oder bereiten eine Hochzeit vor. Man ist unter seinesgleichen. Vielleicht, um eine Vorstellung zu bekommen: der Chef von Siemens l\u00e4dt zu einer Dinnerparty. DA GEHT MAN HIN! Hier aber sagen die G\u00e4ste ab, einer nach dem anderen, aus mehr oder minder fadenscheinigen Gr\u00fcnden \u2013 nichts, was man nicht verschieben k\u00f6nnte, wenn man zu so einer Party eingeladen ist. Denn eigentlich ist man sich ja gegenseitig verpflichtet, man macht miteinander Gesch\u00e4fte oder hat sonstige gute Gr\u00fcnde, die Verbindung aktiv zu pflegen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Gesch\u00e4ftsmodell versagt \u2013 die G\u00e4ste versetzen den Gastgeber. Ein Affront, eine geradezu \u00f6ffentliche Unh\u00f6flichkeit. Jemand hat dieses Modell der Einladung \u201e\u00d6konomie des Tauschens\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/AD1F5587-6093-4298-8722-F06624F0AD50#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> genannt \u2013 man ist sich gegenseitig verpflichtet im Geben und Nehmen. Unser Gastgeber aber wird von seinen G\u00e4sten versetzt. Sie alle geben einer anderen gesch\u00e4ftlichen Aktivit\u00e4t den Vorrang \u2013 auch Ehe diente der Sicherung des Lebens.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und hier nun bringt Jesus in seinem Gleichnis die \u00dcberraschung ein: dieser Gastgeber, dieser Hausherr wird zun\u00e4chst \u00e4rgerlich \u2013 aber er wendet seinen \u00c4rger nicht gegen die zuerst Eingeladenen. Er macht ihn anders produktiv. An die Stelle der \u201e\u00d6konomie des Tauschens\u201c setzt er kurzerhand eine \u201e\u00d6konomie des Schenkens\u201c. Er l\u00e4dt solche Leute ein, von denen er nichts als Gegenleistung zu erwarten hat. Und weil noch Platz nach dem ersten Durchgang ist, holt er gleich noch mehr dazu. Keine Vorbedingung mehr, kein kleines Schwarzes, kein Dinnerjacket. Dabeisein ist alles.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Hausherr im Gleichnis zeigt uns, wie das gehen kann. Im Leben. Und im Glauben. Der Hausherr bei Jesus ist Gott. Er ist der, der im Gleichnis vom verlorenen Sohn auf alle Bedingungen verzichtet, den Sohn wieder anzunehmen. Die \u00d6konomie des Schenkens ist ein Akt der Liebe, die auf Vorbedingungen verzichtet, liebe Schwestern und Br\u00fcder. Im Blick auf unser Jubil\u00e4um gesprochen: Es gibt hier KEINE Kirchenzucht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder doch fast keine. Jesus ist Realist genug, um zu wissen, dass nicht immer alles glattgeht. Auch mit dem offenen Himmel Gottes \u00fcber dir nicht. Er wei\u00df, dass es Menschen gibt, denen ist anderes wichtiger. Nun gut, die sind drau\u00dfen \u2013 jedenfalls f\u00fcr dieses Mal. Es steht nicht da: niemals. F\u00fcr diesmal aber sind sie drau\u00dfen. Es ist ganz \u00e4hnlich wie mit dem Bruder des \u201everlorenen Sohnes\u201c: Nicht alle k\u00f6nnen sich \u00fcber Barmherzigkeit und Vergebung freuen. Das Ziel ist noch nicht erreicht, an dem wir \u201evon Angesicht zu Angesicht\u201c (1. Kor. 13,12) sehen werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und deshalb sind wir gerufen und gehalten, unserem Glauben Gestalt zu verleihen. Engagiert und vielf\u00e4ltig. Mit Begeisterung f\u00fcr Gott und f\u00fcr unsere N\u00e4chsten in Nah und Fern. Angstfrei \u2013 ganz wichtig. Wovor sollte ich mich f\u00fcrchten, wo doch der Herr mein Licht und mein Heil ist, um mit dem 27. Psalm zu sprechen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit langem Atem. Und ungeduldig. Mit zehntausenden Suchenden und Feiernden auf dem Hesselberg<a href=\"applewebdata:\/\/AD1F5587-6093-4298-8722-F06624F0AD50#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> oder auf dem N\u00fcrnberger Kirchentag \u2013 oder in 38 H\u00e4usern mit 104 Bewohnern. Egal. Glaube ist nicht quantitativ. Er ist nicht auf \u00f6konomische Vergleiche angewiesen. Lassen wir uns anstiften von Gottes \u00d6konomie des Schenkens, vom Teilen, von der N\u00e4chstenliebe. Mit gutem Wissen, wenn auch nicht unbedingt mit 73 Pr\u00fcfungsfragen. Lassen wir uns einladen zum Fest des Glaubens, in dem Heil und Heilung und Gemeinschaft liegen. Erinnern wir uns an die Vorfahren, die Eltern und Gro\u00dfeltern im Glauben. Bewahren wir das Andenken an ihr Bem\u00fchen, ihr Scheitern und Gelingen. An ihr Leben und Sterben. An ihre N\u00f6te und ihre Hoffnungen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und suchen wir den Anschluss an Gottes Weisung und Verhei\u00dfung heute. Jetzt ist die Zeit. Wir sind nicht allein. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und deshalb lasst uns jetzt singen, wie damals bei der ersten Konfirmation in Veitsweiler am Sonntag Quasimodogeniti, am 21. April 1723: \u201eNun lob, mein Seel, den Herren\u201c, im Gesangbuch die 289, alle 5 Verse.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und der Friede Gottes, der weiter reicht als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Dekan Uland Spahlinger<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Dinkelsb\u00fchl<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong><a href=\"mailto:uland.spahlinger@elkb.de\">uland.spahlinger@elkb.de<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Region um den westmittelfr\u00e4nkischen Hesselberg ist altes Kulturland; hier lief der Limes durch. Viele Dorfkirchen stehen auf Fundamenten, die ins Mittelalter datieren. Die Menschen im l\u00e4ndlichen Raum sind sich ihrer Geschichte bewusst (auch der dunklen Kapitel); sie pflegen die guten Traditionen und Feste und f\u00fcrchten gleichzeitig die fortschreitende Marginalisierung des l\u00e4ndlichen Raumes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diesen Gemeinden bin ich, selbst \u00fcberhaupt nicht aus der Region stammend, inzwischen herzlich verbunden. F\u00fcr Leben und Glauben der Menschen ist ihr Kirchturm so wichtig wie die Bibel. Zu wissen: die Kirche ist da, Pfarrerin oder Pfarrer sind erreichbar und ansprechbar, f\u00fcr das, was wir nicht in der Hand haben, gibt es Menschen und Orte, zu denen wir uns wenden k\u00f6nnen \u2013 dieses Wissen schafft Identit\u00e4t und Alltagskraft. Seit 300 oder 500 oder 800 Jahren. Wenn Sie die Veitsweiler Geschichte aufnehmen wollen: nehmen Sie die kleine Gemeinde auch in Ihre F\u00fcrbitte auf.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/AD1F5587-6093-4298-8722-F06624F0AD50#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> So bei Andreas Pangritz, Christentum und Toleranz, S. 5; Fundort: <a href=\"https:\/\/www.etf.uni-bonn.de\/de\/fakultaet\/systematische-theologie\/systematische-theologie_downloads\/pangritz\/christentum-und-toleranz.pdf\">https:\/\/www.etf.uni-bonn.de\/de\/fakultaet\/systematische-theologie\/systematische-theologie_downloads\/pangritz\/christentum-und-toleranz.pdf<\/a>, abgerufen 12.6.2023, 18.27 Uhr.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/AD1F5587-6093-4298-8722-F06624F0AD50#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> RGG 3, Artikel Konfirmation I, 1, Studienausgabe T\u00fcbingen 1986, Bd. H-Kon, Spalte1759-1760<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/AD1F5587-6093-4298-8722-F06624F0AD50#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.sonntagsblatt.de\/artikel\/kirche\/vor-300-jahren-wurde-die-konfirmation-eingefuehrt\">https:\/\/www.sonntagsblatt.de\/artikel\/kirche\/vor-300-jahren-wurde-die-konfirmation-eingefuehrt<\/a>, abgerufen 12.6.2023, 16.42 Uhr.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/AD1F5587-6093-4298-8722-F06624F0AD50#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/AD1F5587-6093-4298-8722-F06624F0AD50#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.weiltingen.de\/markt-weiltingen\/ortsteile\">https:\/\/www.weiltingen.de\/markt-weiltingen\/ortsteile<\/a>, abgerufen 12.6.2023, 16.47 Uhr.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/AD1F5587-6093-4298-8722-F06624F0AD50#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Auszug aus der Veitsweiler Pfarrbeschreibung von Pfr. Rudolf Jergius, Pfarrarchiv Weiltingen Manuskript<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/AD1F5587-6093-4298-8722-F06624F0AD50#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> RGG 3, Artikel Konfirmation I, 2, Studienausgabe T\u00fcbingen 1986, Bd. H-Kon, Spalte 1762<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/AD1F5587-6093-4298-8722-F06624F0AD50#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> S.o. Fu\u00dfnote 4<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/AD1F5587-6093-4298-8722-F06624F0AD50#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> G. Franck; bei H.-U. Gehring, Kosten statt Nutzen, G\u00f6ttinger Predigtmeditationen 77. Jg, Heft 3, G\u00f6ttingen 2023, S. 310<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/AD1F5587-6093-4298-8722-F06624F0AD50#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Der Bayerische Kirchentag auf dem Hesselberg findet j\u00e4hrlich am Pfingstmontag statt und f\u00fchrt zwischen 10.000 und 15.000 Menschen zu einem gro\u00dfen Festtag des Glaubens zusammen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>73 Pr\u00fcfungsfragen | 300 Jahre w\u00fcrttembergische Reformation in Veitsweiler |\u00a02. nach Trin. |\u00a018. Juni 2023 \u00a0| Lk 14, (15)16-24 | Uland Spahlinger | Liebe Gemeinde, spa\u00dfig war es kaum. Glaube war damals, vor sagen wir 500 Jahren, eine durch und durch ernste Sache. Man stritt erbittert um den richtigen Glauben, das richtige Gesangbuch, die richtige [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":18325,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[38,409,1,157,120,853,114,413,349,3,109,125,163],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-18308","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lukas","category-2-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-beitragende","category-bes_gelegenheiten","category-bibel","category-deut","category-kapitel-14-chapter-14-lukas","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-reformationsfest","category-uland-spahlinger"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18308","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18308"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18308\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18328,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18308\/revisions\/18328"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/18325"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18308"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18308"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18308"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=18308"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=18308"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=18308"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=18308"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}