{"id":18338,"date":"2023-06-21T21:58:53","date_gmt":"2023-06-21T19:58:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18338"},"modified":"2023-06-21T21:58:53","modified_gmt":"2023-06-21T19:58:53","slug":"jona-31041-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jona-31041-11\/","title":{"rendered":"Jona (3,10)4,1-11"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Jona \u2013 ein verwundeter Prophet | 3. So. n. Trinitatis | 25.06.2023 | Jona (3,10)4,1-11 | Anna Lerch |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was bisher geschah: Der Prophet Jona erh\u00e4lt einen Auftrag von Gott: \u201eGeh nach Niniveh und sag den Einwohnern dieser grossen Stadt: Ich habe eure Bosheit gesehen.\u201c Doch Jona reist daraufhin nicht nach Niniveh, sondern flieht in die entgegengesetzte Richtung. Unterwegs mit dem Schiff Richtung Tarschisch glaubt Jona Gottes Auftrag entkommen zu k\u00f6nnen. Dabei hat sich Jona aber geh\u00f6rig get\u00e4uscht. Denn er kommt in einen grossen Seesturm, wird von einem grossen Fisch verschluckt, betet drei Tage und N\u00e4chte zu seinem Gott und wird schliesslich ausgespuckt. Wieder an Land, erh\u00e4lt Jona noch einmal den gleichen Auftrag. Jona geht tats\u00e4chlich in die grosse Stadt Niniveh, predigt und Mensch und Tier kehren um von ihren b\u00f6sen Wegen! An diesem Punkt in der Geschichte setzte die heutige Lesung ein: &#8222;Und Gott sah, was sie taten, dass sie zur\u00fcckgekehrt waren von ihrem b\u00f6sen Weg. Und Gott tat das Unheil leid, das \u00fcber Niniveh zu bringen Gott angek\u00fcndigt hatte, und Gott f\u00fchrte es nicht aus.&#8220;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ist es nicht schier unglaublich, was Jona da erlebt haben soll? Eine wunderliche und wundersame Geschichte, aus dem letzten Jahrhundert, oder besser aus dem vorletzten Jahrtausend? Alles ist gross im Jonabuch. Es gibt die grosse Bosheit in der grossen Stadt, grosse Angst und nicht zuletzt den grossen Fisch. Nicht nur Kinderaugen werden bei dieser Geschichte gr\u00f6sser und gr\u00f6sser. Ist das Jonabuch etwa ein blosses Kinderm\u00e4rchen? Ich denke, dieses Verst\u00e4ndnis \u2013 das Jonabuch als reine Kindergeschichte zu verstehen \u2013 greift zu kurz. Viel zu kurz. Gerade die fr\u00fchen Christen haben diesem Buch eine grosse Wichtigkeit beigemessen. Es wurde oft gelesen und im Neuen Testament zitiert (Mt 12, 38ff und Lk 11, 29ff). Bereits in den Katakomben in Rom finden sich erste Jona-Darstellungen. Und bis in die Renaissance geniesst das Jonabuch eine grosse theologische Bedeutung und wird in unz\u00e4hligen Kunstwerken aufgenommen. Das Jonabuch ist also mehr als ein niedliches Kinderm\u00e4rchen und keine judenfeindliche Geschichte eines widerspenstigen Propheten, der nicht gehorchen wollte und voller Zorn \u00fcber Gottes G\u00fcte sterben will.<a href=\"applewebdata:\/\/64C2515C-041F-4618-9B37-08DFE1721C10#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Doch wie ist die Jonageschichte dann zu verstehen?<a href=\"applewebdata:\/\/64C2515C-041F-4618-9B37-08DFE1721C10#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lassen Sie uns eintauchen ins 8. Jahrhundert vor Christus, in die Neu-Assyrische Zeit, in der die Jonageschichte spielt. Niniveh ist Hauptstadt eines riesigen Reiches und Residenzort des K\u00f6nigs von Assur. Dieses assyrische Reich will sein Einflussgebiet ausdehnen, die eigene Macht vergr\u00f6ssern und sichern. Assur greift an, f\u00e4llt ein, zerst\u00f6rt, pl\u00fcndert und unterjocht. L\u00e4nder und V\u00f6lker werden dabei ohne R\u00fccksicht auf Verluste eingenommen. Vielleicht kommt uns diese Szenerie eines Aggressionskrieges, mit dem Ziel, die eigene imperiale Macht zu vergr\u00f6ssern, nicht unbekannt vor? Vom Stolz auf die eigene Zerst\u00f6rungswut sind uns Kriegsbilder der Assyrer \u00fcberliefert. Diese erz\u00e4hlen br\u00fcstend von gegnerischen Verlusten, zeichnen Bilder des Schreckens und verherrlichen Gewalt und Krieg. Vor kurzem war ich in London, im British Museum, um genau diese Reliefs, diese Wandbilder, der Assyrer zu sehen. Es handelt sich um etwa zwei Meter hohe, eindr\u00fcckliche Wandbilder aus dem S\u00fcd-West Palast in Niniveh. Der K\u00f6nigs Sanherib w\u00e4hlte die in Stein gemeisselten und bemalten Bilder, um Schrecken und Ehrfurcht zu verbreiten. Es handelt sich um Propaganda des Terrors. \u00dcber sechzig Arten des T\u00f6tens sind dargestellt: Abgerichtete Raubv\u00f6gel attackieren Verletzte, gegnerische Soldaten, Menschen, die schon am Boden liegen. Belagerungsmaschinen werden eingesetzt. Taucher greifen unter Wasser an. Verst\u00fcmmelte Gegner werden zur Schau gestellt. Pferde \u00fcberrennen Menschen. Speere spiessen auf. Schwerter reissen Wunden. Pfeile treffen ins Schwarze. Herzen bleiben stehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und Gott sagt \u00fcber Assur: \u201eIch habe eure Bosheit gesehen.\u201c Und Gott sendet Jona nach Niniveh. Jona, einen Israeliten. Auch sein Land, das Nordreich Israels, wurde vom Aggressor Assur eingenommen, gepl\u00fcndert und <em>v\u00f6llig<\/em>zerst\u00f6rt. Die Bev\u00f6lkerung wurde verschleppt und verschreckt. \u00a0Jona wird nun also nach Niniveh, ins Zentrum der Macht, geschickt. Als Besiegter soll er Niniveh, der grossen Stadt, entgegentreten. Ein einzelner Mann den Herrschenden Paroli bieten. Auch wenn die Wunden in seiner Seele tief gehen und die traumatischen Erinnerungen an Krieg und Zerst\u00f6rung immer wieder aufbrechen, lautet der Auftrag: \u201eGeh nach Niniveh! Geh, dorthin, wo all dein Leiden und das deiner Landsleute beschlossen wurde. Geh dorthin, wo der Kriegszug begann.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Durch eine Traumatisierung, etwa durch Krieg oder andere lebensbedrohliche Erfahrungen, wird die Welt als Ganzes bedrohlich. Alles erscheint \u201egross\u201c und un\u00fcberwindbar. So gibt es f\u00fcr Jona die grosse Bosheit, die grosse Stadt, die grosse Angst und nicht zuletzt den grossen Fisch. Die meisten Menschen erleben im Laufe ihres Lebens ein Trauma. Ausl\u00f6ser k\u00f6nnen, neben Krieg und Flucht, auch der Verlust eines lieben Menschen, Trennung, oder die Erfahrung von Diskriminierung, Gewalt und Rassismus sein. Manches vermag man zu bew\u00e4ltigen, manches erfordert psychologische Betreuung. Nach einer Traumatisierung werden Orte, Ger\u00fcche und Menschen, die f\u00fcr die inneren Verletzungen verantwortlich sind, gemieden. Aus Schutz f\u00fcr das eigene Leben und aus Angst. Die Bewegungsfreiheit ist eingeschr\u00e4nkt. Jona ist eben kein st\u00f6rrischer oder unverst\u00e4ndiger Prophet, noch eine niedliche Figur aus einem Kinderbuch. Jona ist ein verwundeter Prophet. Als Fluchtreaktion aufgrund der vorhergehenden Traumatisierung macht sich Jona auf den Weg nach Tarschisch. Dorthin, wo seine Gegner \u2013 die M\u00f6rder seiner Br\u00fcder, die Vergewaltiger seiner Schwestern \u2013 weit weg sind. Ist dieser Reflex nicht verst\u00e4ndlich? Nicht allzu menschlich?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der verletzte Prophet, der traumatisierte Jona erh\u00e4lt wiederholt den Auftrag, dem Feind, den Tyrannen, von dem einen wahren Gott zu zeugen. Von seiner Liebe und seiner G\u00fcte soll er erz\u00e4hlen, indem er den Feinden die M\u00f6glichkeit zur Umkehr gibt. Und Jona ging einen Tag lang in die grosse Stadt hinein und rief ganz schlicht: &#8222;Noch vierzig Tage, dann ist Niniveh v\u00f6llig zerst\u00f6rt!&#8220; Jona hat den M\u00f6rdern, den Unterdr\u00fcckern und den Ausbeutern, die Liebe Gottes zu predigen! Lassen wir uns das auf der Zunge zergehen. Und stellen Sie sich vor: Er soll denen die G\u00fcte und Liebe Gottes predigen, die Geburtenkliniken bombardieren, denen, die zivile Opfer und den Bruch eines Staudamms in Kauf nehmen, denen, die wiederholt die weltweite Nahrungsmittelversorgung gef\u00e4hrden! Denen soll Gottes Barmherzigkeit gelten? Welch eine Zumutung!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Sprengkraft, die Provokation, dieses uralten Textes kann man nicht hoch genug einsch\u00e4tzen! Damals, wie heute. Die Liebe Gottes ist eben keine Kuschel-Rock-Liebe f\u00fcr einen gem\u00fctlichen Sonntagnachmittag. Die Liebe Gottes ist keine Wohlf\u00fchl-Musik f\u00fcr die Selbsthilfegruppe \u201eKirche\u201c. Und die Liebe Gottes ist schon gar kein \u201eEvangelium light\u201c, keine abgespeckte oder teilentrahmte Gute Botschaft. Die Vorstellung ist schwer zu ertragen, dass Gottes G\u00fcte denen entgegenkommt, die uns oder unsere Liebsten verletzt haben. Wenn uns Unrecht angetan wurde, sind unsere Grenzen eng und unsere Sicht ist kurz. Gottes g\u00fctige Liebe ist weder eng noch kurz. Die Liebe Gottes ist vielmehr herausfordernd. Sie gilt radikal allen Menschen und sie transformiert. Sie f\u00fchrt zu Busse und Umkehr. Die gesamte Sch\u00f6pfung ist mit hineingenommen in dieses Umwandlungs-Geschehen: Tiere und Mensch kehren um und fasten. Als Zeichen der inneren Umwandlung ziehen die Menschen in Niniveh ein Trauergewand an und setzten sich in Staub und Asche. Sogar der K\u00f6nig legt seinen Prunkmantel und Schmuck ab. Niniveh und seine M\u00e4chtigen kehren tats\u00e4chlich um von ihren b\u00f6sen Wegen! Sie h\u00f6ren auf, Unrecht zu tun! &#8222;Und Gott sah, was sie taten, dass sie zur\u00fcckgekehrt waren von ihrem b\u00f6sen Weg. Und Gott tat das Unheil leid, das \u00fcber sie zu bringen er angek\u00fcndigt hatte, und er f\u00fchrte es nicht aus.&#8220;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott verlangt hier viel von Jona: Er tr\u00e4gt Jona auf, diejenigen zu Busse und Umkehr zu bewegen, die unvorstellbare Dinge taten, die Unaussprechliches verbrochen haben. Doch Jona ist bereit f\u00fcr diesen Schritt der inneren Heilung: Er geht nach einer turbulenten Reise in die grosse Stadt. <em>Nach <\/em>dem Krieg der Assyrer gegen die Israeliten, als die Zeit <em>reif<\/em> ist, f\u00fchrt Gott Jona nach Niniveh. Geht mit ihm den Weg der Konfrontation. Und Gott ist auch da, als Jona zornig und ersch\u00f6pft lieber sterben m\u00f6chte, als einen Tag weiterzuleben. Gott ist da, als Jona der Flucht nach Tarschisch nachtrauert. Ja, Jona hadert mit Gottes Entscheidung, Niniveh zu verschonen. Gnade walten zu lassen. Zwischenmenschlich mag es Dinge geben, die unverzeihlich sind. Nicht aber f\u00fcr Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und man kann sich fragen: War die Konfrontation durch Gott wirklich notwendig? W\u00e4re es nicht besser gewesen, wenn Jona nach Tarschisch geflohen w\u00e4re?\u00a0 Aus einer psychologischen Perspektive macht es Sinn, sich <em>behutsam<\/em>und <em>zu seiner Zeit<\/em> mit emotionalen Wunden und Verletzungen auseinanderzusetzen. Denn unverarbeitete Emotionen und Erfahrungen aus der Vergangenheit, beeinflussen, wie wir heute \u00fcber uns denken, wie wir mit Stress umgehen k\u00f6nnen, wie es um unsere Konzentrationsf\u00e4higkeit steht und wie wir Beziehungen mit anderen gestalten. Dar\u00fcber hinaus: Was f\u00fcr ein Leben w\u00e4re das f\u00fcr Jona gewesen in der Fremde, <em>allein <\/em>in Tarschisch? Ein Leben dauernd auf der Flucht, vor sich selbst, vor seiner Berufung und vor Gott?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sich seinem Trauma, seinen inneren Verletzungen zu stellen, hilft Jona, mit dem Schrecken und dem Unsagbarem umzugehen. Kein Wunder, ist er nach seinem Marsch durch die Stadt ersch\u00f6pft. Die Konfrontation hat ihn ausgelaugt. Reiz\u00fcberflutet zieht er sich zur\u00fcck. Der verwundete Jona, der im Inneren zutiefst Verletzte, w\u00fcnscht sich den Tod.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch die Jonageschichte endet hier noch nicht. Gott schenkt dem ersch\u00f6pften und verwundeten Jona wieder Freude. Als Gabe Gottes w\u00e4chst ein Rizinus. Jona wird K\u00fchlung und Schatten zuteil. Gott will ihm Linderung gew\u00e4hren f\u00fcr seine hitzige Wut, seinen entbrannten Zorn. Ja, Gott, der sich und sein Handeln verstanden wissen will, der in Beziehung tritt mit dem Menschen, tritt hier in einen Dialog mit Jona. Indem Gott ein Rizinus wachsen und verdorren l\u00e4sst, l\u00e4sst er Jona teilhaben an einer g\u00f6ttlichen Erfahrung: Gott l\u00e4sst Jona die Freude \u00fcber ein Lebewesen \u2013 hier eine Pflanze, dort Menschen und Tier \u2013 und den Schmerz \u00fcber deren Verderben sp\u00fcren. Und so endet die Jonageschichte mit einer bewusst offen gelassenen Frage Gottes: \u201eJona, Dir tut es leid um den Rizinus, um den du dich nicht bem\u00fcht und den du nicht grossgezogen hast, der in einer Nacht geworden und in einer Nacht zugrunde gegangen ist. Und da sollte es mir nicht leidtun um Ninive, die grosse Stadt, in der \u00fcber hundertzwanzigtausend Menschen sind, die nicht unterscheiden k\u00f6nnen zwischen ihrer Rechten und ihrer Linken, und um die vielen Tiere?\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wissen Sie, wenn ich lese, wie Jona (mit gewissen Umwegen) nach Niniveh zieht, dann bin ich tief beeindruckt: Jona \u00fcberwindet seine Angst, er stellt sich seiner Vergangenheit, er durchbricht sein Trauma. Und Gott ist mit dabei, als einf\u00fchlsamer Seelsorger und Therapeut. Gott begleitet Jona auf seinem Weg. Er l\u00e4sst ihn nicht im Stich. Weder im dunklen Bauch des Fisches noch in der \u00fcbergrossen und bedrohlichen Stadt Niniveh. Gott wirkt hier als Seelsorger, wie ein erfahrener Therapeut. Die harte Konfrontation ist heilsam. Sie ist freisetzend. Ja, liebevoll und treu begleitet Gott Jona auch auf Umwegen und traut ihm zu, sich seiner Vergangenheit zu stellen. Gott verl\u00e4sst Jona nicht, auch als dieser sterben will, ist er da. Und Gott stellt Jona eine fast therapeutische Frage: &#8222;Ist es recht von dir, so zornig zu sein?&#8220;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott verlangt nichts von Jona, was er nicht selbst bereit war zu geben. Gott selbst kehrt um, er f\u00fchrt das angedrohte Leid nicht aus, er vollzieht die Strafe nicht. Es reut Gott und er l\u00e4sst sich ber\u00fchren von der grossen Reue der Menschen und Tiere in Niniveh. Und Niniveh wird verschont. Gottes unerh\u00f6rte Grossz\u00fcgigkeit triumphiert. Gottes radikale Liebe siegt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott verlangt auch viel von uns, hier und heute: Denn Gott will der Gott aller Menschen sein. Gott handelt auch f\u00fcr unsere Feinde gn\u00e4dig und liebevoll und ist selbst Assur barmherzig! Gottes G\u00fcte und Zuwendung l\u00e4sst sich nicht fassen, noch messen. Und vielleicht fragt Gott auch uns, heute: &#8222;Ist es recht von dir, so zornig zu sein?&#8220; Das mag im Angesicht eines Aggressionskrieges und im Wissen um pers\u00f6nliche Verletzungen, eine Zumutung sein. Doch wie Jona, traut Gott auch uns viel zu. Gott traut uns zu, dass wir unsere \u00c4ngste \u00fcberwinden, uns unserer Vergangenheit stellen und Traumata durchbrechen. Dass weder Krieg noch Hass das letzte Wort haben wird. Wenn die Zeit <em>reif<\/em> ist, k\u00f6nnen wir die Orte unserer Verletzungen neu begehen und mit neuen Inhalten und Erinnerungen f\u00fcllen. Das bedeutet neue Bewegungsfreiheit gewinnen! Das heisst weiten Raum erhalten! Das ist Freiheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und der Friede Gottes, welcher h\u00f6her ist denn alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesu! Amen. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Anna Lerch VDM, geb. 1992, ordinierte Theologin, seit 2022 als Doktorandin und Assistentin in der Historischen Theologie an der Universit\u00e4t Bern (Schweiz) t\u00e4tig.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">anna.lerch@unibe.ch<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liedvorschl\u00e4ge:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">-&#8222;Weit wie das Meer ist Gottes grosse Liebe&#8220;, Musik von Lars \u00c5ke Lundberg 1968 (Reformiertes Gesangbuch 700,1-4)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">-&#8222;Meine engen Grenzen&#8220;, Musik von Winfried Heurich 1981<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Passendes Psalmwort:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ps 36,6-10<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/64C2515C-041F-4618-9B37-08DFE1721C10#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Jona wurde in der Christentumsgeschichte immer wieder als st\u00f6rrischer Prophet, als l\u00e4cherliche Jude, der Gott und seinen Auftrag missversteht und der den V\u00f6lkern die G\u00fcte und Verschonung Gottes nicht g\u00f6nnt, missverstanden. Diese Propheten und judenfeindliche Interpretation des Textes gilt es ausdr\u00fccklich zu vermeiden und sich f\u00fcr das getane Unrecht, die ungeb\u00fchrliche Verunglimpfung, zu entschuldigen.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/64C2515C-041F-4618-9B37-08DFE1721C10#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Mit Prof. Dr. Irmtraut Fischer (Wien) lese ich die Geschichte mit der Brille der Traumahermeneutik, da dies ein neues Verst\u00e4ndnis der Jona-Geschichte er\u00f6ffnet und auch die Br\u00fccke zur Gegenwart m\u00f6glich macht. Ich entscheide mich unter Einbezug anderer exegetischer Erkenntnisse f\u00fcr diese Akzentsetzung in der Predigt. Vgl. Irmtraut Fischer: Jona (Internationaler Exegetischer Kommentar zum Alten Testament), Kohlhammer 2024 (noch nicht erschienen, vorbestellbar).<\/p>\n<p>Weitere grundlegende exegetische Erkenntnisse: Obwohl die Prophetenerz\u00e4hlung eine assyrerzeitliche Szenerie aufweist, ist die Entstehung wohl auf die Ptolem\u00e4erzeit (3. Jh. v. Chr.) zu datieren (vgl. Prof. Dr. Konrad Schmid, Z\u00fcrich). Daf\u00fcr sprechen unter anderem die schriftgelehrte Pr\u00e4gung, das darin transportierte universale Gottesbild und die Bez\u00fcge zur griechischen Mythologie (Arion Sage, Herakles und Perseus und ein alter Sonnenmythos). Der Protagonist ist in 2K\u00f6n 14,25 erw\u00e4hnt und im NT ist das Jona-Zeichen von Mt und Lk (Mt 12,39f; 16,4; Lk 11,29f) aufgenommen. Die typologische Auslegung von Jona (Verschlucken und Ausspeien Jonas durch einen Fisch) und Tod und Auferstehung Jesu Christi geht also auf die neutestamentliche Zeit zur\u00fcck. Zentral f\u00fcr die Prophetenerz\u00e4hlung ist, dass Umkehr und Busse der Bewohner des assyrischen Niniveh die Reue Gottes zur Folge hat. Damit reflektiert der Text das Verh\u00e4ltnis zwischen Israel und den V\u00f6lkern. So wird das altbekannte \u201eSchuld-Strafe-Syndrom\u201c von Gott durchbrochen und es wird weiter die (gn\u00e4dige) Freiheit Gottes betont.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jona \u2013 ein verwundeter Prophet | 3. So. n. 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