{"id":18636,"date":"2023-07-21T13:56:44","date_gmt":"2023-07-21T11:56:44","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18636"},"modified":"2023-07-25T14:08:14","modified_gmt":"2023-07-25T12:08:14","slug":"matthaeus-715-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-715-21\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 7,15-21"},"content":{"rendered":"<h3>8. Sonntag nach Trinitatis | 30. Juli 2023 |\u00a0Mt 7,15-21 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Lasse R\u00f8dsgaard Lauesen |<\/h3>\n<p><em>15\u00a0Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie rei\u00dfende W\u00f6lfe. 16\u00a0An ihren Fr\u00fcchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? 17\u00a0So bringt jeder gute Baum gute Fr\u00fcchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Fr\u00fcchte. 18\u00a0Ein guter Baum kann nicht schlechte Fr\u00fcchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Fr\u00fcchte bringen. 19\u00a0Jeder Baum, der nicht gute Fr\u00fcchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 20\u00a0Darum, an ihren Fr\u00fcchten sollt ihr sie erkennen. 21\u00a0Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.<\/em> (Lutherbibel 2017)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Es ist nur wichtig, was es ist<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Fuck it!<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Nun bricht die Sonne hinein<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und verzaubert alles Staubk\u00f6rner auf meine Tischplatte.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Es ist v\u00f6llig ok. Dass man existiert.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Die Luft zittert, wenn ich deine Oberfl\u00e4che ber\u00fchre.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Worte stammen aus dem d\u00e4nischen Song <em>Es ist nur wichtig, was es ist<a href=\"applewebdata:\/\/EB2A1513-0FEF-409A-A2C3-AA01ACFE0725#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><strong>[1]<\/strong><\/a>. <\/em>Der Song, das Bild<a href=\"applewebdata:\/\/EB2A1513-0FEF-409A-A2C3-AA01ACFE0725#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, das ihr vor euch habt, und das Evangelium, das ihr gerade geh\u00f6rt habt, sprechen miteinander \u00fcber die Zeit hinweg, so dass sie das einfangen, was Gott uns heute sagen will. Das Bild gibt uns ein R\u00e4tsel: Wer ist eigentlich Matth\u00e4us? Nicht die moderne Frage, die wir ganz schnell stellen, wo wir tief in das Innere des Menschen gehen, um etwas Eigentliches zu sagen. Ihr sollt so gesehen nur sagen, wer von denen, die ihr sehen k\u00f6nnt, Matth\u00e4us ist. Dann habt ihr das R\u00e4tsel gel\u00f6st.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0 Das R\u00e4tsel wurde um 1599 von dem italienischen Maler Caravaggio gestellt, der damit beauftragt worden war, ein Bild \u00fcber die Berufung des Matth\u00e4us zu malen. Die Berufung findet statt nicht weit entfernt vom heutigen Evangelium in Matth\u00e4us 9,9. Caravaggio hatte nur einen Vers, von dem er ausgehen konnte, und der lautet so: <em>Und als Jesus von dort wegging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen, der hie\u00df Matth\u00e4us; und er sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte ihm.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Caravaggio entscheidet sich daf\u00fcr, die Szene <em>chairoscuro<\/em>, d.h. mit Licht und Schatten zu malen, er l\u00e4sst das Sonnenlicht einfallen und die Staubk\u00f6rner auf der Tischplatte verzaubern. Das Licht f\u00e4llt auf eine Gruppe von M\u00e4nnern, die alle auf sich selbst zeigen, denn bin ich es, der berufen wird? Es ist deutlich, dass die M\u00e4nner, bis Jesus sie unterbricht, mit lichtscheuem Tun besch\u00e4ftigt gewesen sind. Jesus schert sich nicht darum, was das bedeutet, f\u00fcr ihn ist nur wichtig, was es ist, wer also steht auf und folgt ihm?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0 Das Bild ist da, wo der Song ist:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Denn du greifst mich mit den Augen und deinem Mut.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Denn ich begegne dir dort, wo ich die Dinge mit dem Kopf fast nicht fasse.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Es verwirrt mich.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Aber der Mut kann die Wirren aufl\u00f6sen.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Matth\u00e4us erkennt Jesus an den Fr\u00fcchten und erh\u00e4lt Mut aus seinem Mut und folgt ihm nach. Das ist das gl\u00fcckliche Ende, das Caravaggio nicht malt. Ob Matth\u00e4us die Bergpredigt, dem das heutige Evangelium entnommen ist, geh\u00f6rt hat, wissen wir nicht. Sie ist auch an uns gerichtet und ruft zur Tat. Das Evangelium bef\u00e4higt uns, die guten Fr\u00fcchte anderer zu lokalisieren, so dass wir einen falschen Propheten an den schlechten Fr\u00fcchten erkennen k\u00f6nnen. Oder ist es vielleicht hier, dass wir einhalten und danach fragen sollen, ob wir unterscheiden k\u00f6nnen, was nicht dem gleicht, was es ist?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bislang durften wir nur dasitzen und die Fr\u00fcchte anderer beurteilen, aber das Evangelium l\u00e4sst uns keine Ruhe. Denn es muss auch gleich erw\u00e4hnen, dass nicht jeder, der Jesus den Herren nennt, in den Himmel kommt, sondern nur die, die den Willen des himmlischen Vaters tun. Da sitzen wir nun wie in Caravaggios Bild und zeigen auf uns selbst: Bin ich es? Bringe ich nun die Frucht, die man von mir erwarten kann, oder will ich nur, dass es so aussieht? Diese Angst kann nicht einmal die lutherische Verk\u00fcndigung in D\u00e4nemark (und anderswo) von 487 Jahren verschwinden lassen. Denn sollen wir nicht gute Fr\u00fcchte tragen, und sollen wir nicht dem Ruf folgen &#8211; oder gen\u00fcgt es, der S\u00fcnder zu sein, dessen Lasten Jesus tr\u00e4gt? Das ist jedenfalls f\u00fcr mich eine Anfechtung, auch wenn ich Luther glaube, wenn er sagt, dass wir allein aus Glauben gerechtfertigt sind. Es wird ja etwas gefordert, wenn wir das R\u00e4tsel l\u00f6sen sollen, wer Matth\u00e4us ist, dann soll sich der betreffende erheben. Und wenn wir die Propheten kennen sollen, dann sollen sie gute Fr\u00fcchte tragen und vielleicht am schlimmsten von allem, nur der, der den Willen des himmlischen Vaters tut, kommt in das Himmelreich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 All das Forderungen, die dem ruf es soll also eine Antwort auf den Ruf erfolgen, die in irgendeiner Weise sichtbar ist. Selbst mein Pop-Song kann das zum Ausdruck bringen, wenn es hei\u00dft:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Fuck it.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Jetzt schlie\u00dfe ich dich ein.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Denn ich schmelze durch die Art, wie du Hallo sagst.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Das gen\u00fcgt, dass ich wieder anrufe.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Au\u00dfer zweiundzwanzig Weisen, wie du selbst bist.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Song kann das zum Ausdruck bringen, aber antworte ich auch auf den Ruf und tue den Willen meines himmlischen Vaters? Und wei\u00df ich \u00fcberhaupt, was das \u00fcber die N\u00e4chstenliebe hinaus ist, die dadurch, dass sie er Liebe gleicht, in das verwandelt wird, was es ist. Vielleicht kommen wir deshalb immer wieder in die Kirche, um immer neu gerufen zu werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Zur\u00fcck zu Caravaggios Bild. Wir haben es gesehen und gedacht, dass Jesus jetzt den Satz spricht, der die Lichtscheu \u00fcberwindet, und dann folgt Matth\u00e4us Jesus nach f\u00fcr den Rest seines Lebens, ja vielleicht schreibt er ein Buch \u00fcber seine Erlebnisse. So sollte es sein, aber was, wenn es so nicht ist?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun sind wir dort hingekommen, wo das R\u00e4tsel gel\u00f6st wird, und wo ihr wirklich etwas habt von eurer Mitgliedschaft in der evangelisch-lutherischen Kirche. Denn mein Vorschlag, wo Matth\u00e4us ist, ist der, dass er schon weggegangen ist. Jesus wird in dem Bild die Kirche, die immer f\u00fcr die anderen verk\u00fcndigt, dass sie Jesus folgen sollen, aber auch dass die Gnade Gottes denen gilt, die zur\u00fcckbleiben. Die lutherische Hoffnung ist, dass der Gerechtfertigte allein aus Glauben leben soll, dieser Satz ist der erste, und unsere Hoffnung ist selbstverst\u00e4ndlich, dass dies auch der letzte Satz ist. Denn Glaube ist wohl auch ein Glaube daran, dass Jesus die Wahrheit ertragen kann, dass die Frucht bestenfalls nicht imponierend ist? Dass wir vielleicht sitzen bleiben, auch wenn das Wort unsere Herzen langsam schmelzen l\u00e4sst. Vielleicht sollten wir das Zutrauen zu Jesus haben, dass die Frucht, die er wachsen lie\u00df, nicht nur ein einzelnes gutes Werk war oder richtig viele gute Werke, sondern dass er gerade die Menschen so annimmt, wie sie sind, und die Wahrheit \u00fcber uns ertr\u00e4gt. Jesus ruft uns merkw\u00fcrdigerweise noch immer, auch wenn er unterscheiden kann, was ihm entspricht und was nicht. Er fordert uns st\u00e4ndig auf, Frucht zu tragen, und l\u00e4dt uns mit ein auf die Wanderung durch das Leben, mit seiner Auffassung vom Menschen und seiner Ethik als Richtschnur. Wenn einer, so kann er eine Entschuldigung in 22 Weisen annehmen, denn es kommt ihm nicht auf das an, was etwas gleicht, wichtig ist nur, was es ist. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"https:\/\/fr.wikipedia.org\/wiki\/Fichier:Caravaggio_(1571-1610)_-_De_roeping_van_Matte%C3%BCs_(1599-1600)_-_Rome_San_Luigi_dei_Francesi_10-01-2011_12-07-56.png\">Fichier:Caravaggio (1571-1610) &#8211; De roeping van Matte\u00fcs (1599-1600) &#8211; Rome San Luigi dei Francesi 10-01-2011 12-07-56.png \u2014 Wikip\u00e9dia (wikipedia.org)<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Pastor Lasse R\u00f8dsgaard Lauesen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>DK-5000 Odense<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>E-Mail: lrl(at)km.dk<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/EB2A1513-0FEF-409A-A2C3-AA01ACFE0725#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Von der d\u00e4nischen Gruppe <em>Guldimund <\/em><\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/EB2A1513-0FEF-409A-A2C3-AA01ACFE0725#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Caravaggio: Die Berufung des Matth\u00e4us. Siehe den Link unten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>8. Sonntag nach Trinitatis | 30. Juli 2023 |\u00a0Mt 7,15-21 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Lasse R\u00f8dsgaard Lauesen | 15\u00a0Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie rei\u00dfende W\u00f6lfe. 16\u00a0An ihren Fr\u00fcchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":18591,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36,462,1,185,157,853,153,349,442,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-18636","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-matthaeus","category-8-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-bibel","category-kapitel-7-chapter-7","category-kasus","category-lasse-rodsgaard-lauesen","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18636","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18636"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18636\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18641,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18636\/revisions\/18641"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/18591"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18636"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18636"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18636"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=18636"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=18636"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=18636"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=18636"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}