{"id":18675,"date":"2023-08-01T14:40:50","date_gmt":"2023-08-01T12:40:50","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18675"},"modified":"2023-08-01T14:57:43","modified_gmt":"2023-08-01T12:57:43","slug":"lukas-161-9-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-161-9-3\/","title":{"rendered":"Lukas 16,1-9"},"content":{"rendered":"<h3>9.Sonntag nach Trinitatis | 06.08.2023 | Lukas 16,1-9 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Thomas Reinholdt Rasmussen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Das Evangelium ist das Wort ikm Augenblick: \u201eNun wei\u00df ich, was ich tun will\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Glauben und Moral. Das meinen wir jedenfalls oft. Dass Glaube bedeutet, dass man eine gute Moral hat oder jedenfalls sich einigerma\u00dfen moralisch auff\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es muss so sein, dass Glaube auch ordentliches Betragen bedeutet und ein ordentliches Leben. Im Laufe der Geschichte waren Glaube und Moral eng miteinander verbunden, und leider auch mit Verurteilung derer, die aus vielen unterschiedlichen Gr\u00fcnden ein anderes Verhalten an den Tag legten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das hat man oft so verstanden, dass Glaube und Moral sozusagen zwei Seiten ein und derselben Sache seien und das die Moral die Praktizierung von Glauben sei. So hat man oft von einer christlichen Ethik gesprochen und von einer besonderen christlichen Lebensweise.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und man hat versucht, den biblischen Erz\u00e4hlungen eine christliche Ethik zu entnehmen. Geradezu fast eine gesetzliche Grundlage f\u00fcr das christliche Leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn man nun aber eine christliche Ethik auf dem heutigen Evangelium von dem ungerechten Verwalter aufbauen will, so geh\u00f6rt dazu viel Geschick. Das Geschick, eine christliche Ethik in einem Mann zu sehen, der erst das ihm anvertraute Verm\u00f6gen verschleudert und dann die Schulden der Schuldner seines Herrn mit dem Geld seines Herrn erl\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist so eine christliche Ethik die uns hier vorgestellt wird. So eine Erz\u00e4hlung, in der wir uns jedenfalls wiedererkennen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber um was in aller Welt geht es hier? Was geschieht in diesem Evangelium, dass wir es h\u00f6ren k\u00f6nnen als Wort Gottes an uns? Etwas, mit dem wir also leben und sterben k\u00f6nnen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In vieler Hinsicht bezieht sich das heutige Evangelium auf das bekannte Gleichnis vom barmherzigen Samariter. In diesem Bericht stellt ein Pharis\u00e4er die Frage, wer sein N\u00e4chster sei, und Jesus antwortet ihm, indem er eine Geschichte erz\u00e4hlt von einem Mann, der von R\u00e4ubern \u00fcberfallen worden ist. Schlie\u00dflich kommt ein Samariter und nimmt sich seiner an. Und Jesus sagt dann zu dem Pharis\u00e4er: Gehe hin und tue desgleichen! Also kein Ratschlag, keine besondere Ethik. Keine besondere Vorschrift, was man tun soll, sondern nur hingehen und das Gleiche tun.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist das Wort an den Pharis\u00e4er. In der heutigen Erz\u00e4hlung von dem ungerechten Verwalter geschieht in der Tat das Gleiche. Der Mann ist verzweifelt \u00fcber seine Lage, wei\u00df keinen Ausweg. Pl\u00f6tzlich sagt er: Nun wei\u00df ich, was ich tun will.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun wei\u00df ich, was ich tun will. Geh du hin und tue desgleichen. Er erl\u00e4sst die Schulden seines N\u00e4chsten. Gro\u00dfz\u00fcgig verschenkt er G\u00fcter, die ihm ja gar nicht geh\u00f6ren. Er tut das mit Hintergedanken, aber die, die eine gro\u00dfz\u00fcgige Gabe empfangen, empfangen etwas Gutes. Ihnen begegnet eine Liebe, die gr\u00f6\u00dfer ist als der, der sie gibt, denn der hat nur Angst, dass er zur\u00fcckbleibt und allein in der Ewigkeit. Die Liebe ist gr\u00f6\u00dfer als sie alle und tut Geber und Empf\u00e4nger gut.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was geschieht hier? Was ist da im Gang?\u00a0 Was in aller Welt vollzieht sich in diesem eigentlich unmoralischen Geschehen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da geschieht dies, dass Liebe die Rahmen sprengt, auch die moralischen Rahmen, die wir vielleicht aufgestellt haben, um aufeinander aufzupassen. Die Liebe ist gr\u00f6\u00dfer als das. Die Liebe ist das Gr\u00f6\u00dfte von allem.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der ungerechte Verwalter wird mit dem Evangelium konfrontiert und muss sagen: \u201eNun wei\u00df ich, was ich tun will\u201c, Worte die mitklingen in den Worten: \u201eGeh du hin und tue desgleichen\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was man tun soll, entscheidet die Situation. Daf\u00fcr gibt es keine Regeln. Regeln haben wir, damit uns das Leben nicht entgleitet. Aber manchmal muss das Evangelium alle Rahmen sprengen und gro\u00dfz\u00fcgig \u00fcber alles hinweggehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das erf\u00e4hrt der Verwalter. Und das erfahren die Empf\u00e4nger. Dass das Evangelium im Augenblick eine Tat ist, die alle Normen sprengt und Menschen erreicht, die es eigentlich gar nicht wussten, aber pl\u00f6tzlich sagen mussten: Nun wei\u00df ich, was ich tun will.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb ist es unendlich schwer, eine christliche Ethik aufzustellen. Das w\u00fcrde nur bedeuten, dass man das gute Evangelium in einen geschlossenen Raum einsperrt, wo alles schon vorgegeben ist und wo wir dann im Griff haben, was Gnade, Liebe und Gott selbst ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist aber gr\u00f6\u00dfer als wir denken. Das zeigt uns das heutige Evangelium. Dass die \u00fcberw\u00e4ltigende Gnade und Tat Gottes gr\u00f6\u00dfer ist als unsere Moral. Die Rahmen werden gesprengt und die Schuld wird erlassen ganz anders als wir das ansonsten gewohnt sind. Und das ist etwas, f\u00fcr das man kaum eine Regel aufstellen kann -oder gar eine Ethik.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist die Hoffnung, in der wir stets leben sollen. Dass die Liebe Gottes gr\u00f6\u00dfer ist als alles andere, ja gr\u00f6\u00dfer als unsere Systeme, Regeln und Gesetze. Sie sprengt alles, und ja, sie kann unmoralisch und wild vorkommen \u2013 unregierbar. Sie passt in kein System, in keine Paragraphen. Das kommt zu uns, wenn wir pl\u00f6tzlich wissen, was wir tun woll, und deshalb desgleichen tun m\u00fcssen. Mitten in all dem, was sonst so anders aussah.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist unser Trost. Das ist unsere Hoffnung. Das ist unsere Freude. Dass das Evangelium gr\u00f6\u00dfer ist als alles, was wir sind, und dass es deshalb unser Leben f\u00fcllen kann mit Trost, Hoffnung und Freude, wenn es ansonsten anders aussah.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und deshalb lobt der Herr den ungerechten Verwalter. Weil er wei\u00df, was er tun will, und weil her hingeht und es tut, die Rahmen sprengt mit Liebe, so wie Christus das Grab sprengte mit Liebe. Das ist in der Tat das Einzige, was bleibt: Gottes Gnade \u00fcber dem Leben, in dem wir uns selbst verirrt haben, auch wenn wir glauben, dass wir wissen, was wir tun wollen. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bischof Thomas Reinholdt Rasmussen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Thulebakken 1<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-9000 Aalborg<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: trr(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>9.Sonntag nach Trinitatis | 06.08.2023 | Lukas 16,1-9 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Thomas Reinholdt Rasmussen | Das Evangelium ist das Wort ikm Augenblick: \u201eNun wei\u00df ich, was ich tun will\u201c Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Glauben und Moral. Das meinen wir jedenfalls oft. 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