{"id":18685,"date":"2023-08-01T15:07:45","date_gmt":"2023-08-01T13:07:45","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18685"},"modified":"2023-08-01T15:08:10","modified_gmt":"2023-08-01T13:08:10","slug":"1-koenige-35-15-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-koenige-35-15-2\/","title":{"rendered":"1. K\u00f6nige 3,5-15"},"content":{"rendered":"<h3>9.So. n. Trinitatis | 06.08.2023 | 1. K\u00f6n 3,5\u201315* | Was soll man(n) sich w\u00fcnschen? | Hansj\u00f6rg Biener |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>F\u00fcr die Begr\u00fc\u00dfung<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lassen Sie mich mit einem Witz beginnen: Ein Mann hat 60. Geburtstag. Eine Fee erscheint und sagt: \u201eDu hast einen Wunsch frei.\u201c [Pause] Der Mann schaut auf seine Frau: [Pause] \u201eIch w\u00fcnsche mir eine 30 Jahre j\u00fcngere Frau.\u201c Sagt die Fee: \u201eKein Problem.\u201c Und: Poff! Der Mann ist 90. [Pause] (nach https:\/\/deine-mutter-witze.net\/fee-witze.html)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wunschwitze gibt es mit einem oder drei W\u00fcnschen, mit einer guten Fee, aber auch mit einem Geist aus einer Wunderlampe. Viele der Witze, die ich im Internet gegoogelt habe, wollte ich gar nicht kennen und passen nicht f\u00fcr eine fromme Seele. Trotzdem ist das eine interessante Frage, an der man wachsen kann. \u201eWas w\u00fcrdest Du Dir w\u00fcnschen, wenn Du einen Wunsch frei h\u00e4ttest?\u201c [Pause] Der heutige Predigttext hat genau das zum Thema. Gott erscheint dem neuen K\u00f6nig Salomo im Traum: \u201eBitte, was ich dir geben soll!\u201c Mehr dazu sp\u00e4ter.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Predigt<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Der Predigttext<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201e5 Und der HERR erschien Salomo [&#8230;] im Traum [\u2026], und Gott sprach: Bitte, was ich dir geben soll! 6 Salomo sprach: [&#8230;] 7 HERR, mein Gott, du hast deinen Knecht zum K\u00f6nig gemacht an meines Vaters David statt. Ich aber bin noch jung, wei\u00df weder aus noch ein. 8 Und dein Knecht steht mitten in deinem Volk, das du erw\u00e4hlt hast, einem Volk, so gro\u00df, dass es wegen seiner Menge niemand z\u00e4hlen noch berechnen kann. 9 So wollest du deinem Knecht ein gehorsames Herz geben, dass er dein Volk richten k\u00f6nne und verstehen, was gut und b\u00f6se ist. [&#8230;] 10 Das gefiel dem Herrn [&#8230;]. 11 Und Gott sprach zu ihm: Weil du darum bittest und bittest weder um langes Leben noch um Reichtum noch um deiner Feinde Tod, sondern um Verstand, auf das Recht zu h\u00f6ren, 12 [&#8230;] so tue ich nach deinen Worten. [&#8230;] ich gebe dir ein weises und verst\u00e4ndiges Herz, sodass deinesgleichen vor dir nicht gewesen ist und nach dir nicht aufkommen wird. 13 Und dazu gebe ich dir, worum du nicht gebeten hast: Reichtum und Ehre, sodass deinesgleichen keiner unter den K\u00f6nigen ist zu deinen Zeiten. 14 Und wenn du in meinen Wegen wandeln wirst, dass du h\u00e4ltst meine Satzungen und Gebote, [&#8230;], so will ich dir ein langes Leben geben. 15 Und als Salomo erwachte, siehe, da war es ein Traum.\u201c (1. K\u00f6nige 3,5\u201315*)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Der Plan<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als ich den Predigttext sah, war die Predigtidee klar: \u201eWas soll man sich w\u00fcnschen, wenn man einen Wunsch frei hat?\u201c Ich wollte mit Aladin und der Wunderlampe beginnen, einer Geschichte aus 1001 Nacht. Dann wollte ich auf den weiser gewordenen Salomo aus unserem Predigttext eingehen. Als drittes wollte ich auf die sogenannte Versuchung Jesu kommen, dem drei verlockende Angebote gemacht wurden. Und das Ganze wollte ich mit ein paar Wunschwitzen garnieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So einfach wurde es nicht. Ich habe gesehen, dass die meisten Wunschwitze im Internet sexistisch sind. Es geht um Reichtum und gutes Leben, aber auch um gro\u00dfe Genitalien und immer willige Frauen. Und damit wurde es f\u00fcr mich kompliziert. Es ging nicht mehr um die Frage \u201eWas soll man sich w\u00fcnschen?\u201c. Ich musste nun beim \u201eman\u201c ein gro\u00dfen M und ein zweites n mitdenken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das hei\u00dft f\u00fcr die Predigt: Die Frage nach dem richtigen Wunsch bleibt, aber ich lasse offen, wie sehr die \u00dcberlegungen am Beispiel von Aladin, Salomo und Jesus auch f\u00fcr Frauen gelten. Vielleicht sind die dort verhandelten W\u00fcnsche und die W\u00fcnsche von Frauen ja nicht 1:1 identisch. Die Grundgliederung bleibt: Einsichten aus der Weltliteratur, Einsichten aus dem Alten Testament und Einsichten aus dem Neuen Testament. Am Ende muss \u201ejedermann\u201c selbst sp\u00fcren, was auch ihn oder sie angeht. Vielleicht bleiben manche Einsichten richtig, egal was man ist. Man muss die Frage \u201eWas w\u00fcrdest Du Dir w\u00fcnschen\u201c halt f\u00fcr sich selbst durchdenken. Nehmen Sie das Folgende einfach als Denkanregung daf\u00fcr.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Beginnen wir mit den<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Einsichten aus der Weltliteratur<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zun\u00e4chst also Aladin und die Wunderlampe. Ich nehme an, Sie kennen dieses St\u00fcck Weltliteratur mindestens dem Namen nach. Ich habe es auch nicht gelesen. Ich kenne nur die wunderbaren Zeichentrickfilme von Disney (Filme ab 1992 und Serien 1994-1996). Und der Star war f\u00fcr mich Dschinni: Er ist der Geist aus der Wunderlampe, die Aladdin [sic] in die H\u00e4nde gefallen ist. Aladdin hat ihm die Freiheit geschenkt, aber Dschinni ist bei ihm geblieben. Er ist extrovertiert, sensibel und stets gut gelaunt. Dschinni hat immer noch magische Kr\u00e4fte, die oft n\u00fctzlich sind, die er aber auch f\u00fcr Unfug einsetzt. Ich fand den Film und die Zeichentrickserie lustig. (https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Aladdin_(Zeichentrickserie))<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In der Originalgeschichte ist Aladin ein junger Taugenichts, dessen Vater verstorben ist und eine arme Witwe hinterlassen hat. Ein Zauberer glaubt, dass nur Aladin eine mit Zauberkr\u00e4ften ausgestattete \u00d6llampe aus einer H\u00f6hle holen k\u00f6nnte. Er kommt zu Aladin, gibt sich als sein Onkel aus und bringt ihn zur H\u00f6hle. Aladin bekommt vom Zauberer einen Schutzring und betritt eine wahre Schatzh\u00f6hle. Aladin packt sich die Taschen mit Juwelen voll, ist aber misstrauisch. Er will dem Zauberer die Lampe erst \u00fcbergeben, wenn er ihm wieder aus der H\u00f6hle herausgeholfen hat. Der Zauberer wird w\u00fctend und verschlie\u00dft den Eingang der H\u00f6hle. Verzweifelt reibt Aladin an dem Ring: Ein m\u00e4chtiger Dschinn erscheint, der die W\u00fcnsche des Ringbesitzers erf\u00fcllen muss. Mit Hilfe dieses Geistes kommt Aladin wieder ins Freie und kann zu seiner Mutter heimkehren. Als diese die Lampe sauber machen will und an ihr reibt, erscheint ein noch m\u00e4chtigerer Geist, der ebenso hilfreich an der Seite des Lampenbesitzers steht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mich interessiert die Idee eines Geistes aus der Wunderlampe und, was es mit dem W\u00fcnschen auf sich hat. Ein Dschinn muss sein Leben lang dienen und W\u00fcnsche erf\u00fcllen. Wenn ein Meister seine drei W\u00fcnsche aufgebraucht hat, wird der n\u00e4chste Finder der Flasche oder Lampe der neue Meister. Bei der Internetrecherche ist mir dann aufgefallen, was man sich von einem Dschinn w\u00fcnschen kann und was nicht. Offensichtlich haben hier schon viele Menschen mitgedacht und W\u00fcnsche ausgeschlossen. Ich nenne vier Beispiele (vgl. https:\/\/onceuponatime.fandom.com\/de\/wiki\/Dschinn):<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nr. 1: \u201eKein Wunsch nach mehr W\u00fcnschen.\u201c &#8211; Das w\u00e4re eine typische Kinderantwort. Vielleicht l\u00e4sst uns das l\u00e4cheln. Vielleicht werden wir aber auch auf unsere m\u00f6glicherweise bestehende Uners\u00e4ttlichkeit von W\u00fcnschen aufmerksam.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nr. 2: \u201eDrei W\u00fcnsche, nicht mehr, nicht weniger.\u201c &#8211; Das ist ein spannender Gedanke. Man k\u00f6nnte sich ja mit einem einzigen Wunsch aus der Begegnung mit sich selbst stehlen. Dann stellt man beispielsweise den Weltfrieden nach vorne, und versteckt \u201eMann\u201c, mit gro\u00dfem M und Doppel-n, damit vielleicht die in den Feen-Witzen zum Durchbruch kommenden W\u00fcnsche m\u00e4nnlicher sexueller Dominanz.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nr. 3: \u201eKein Wunsch nach Liebe.\u201c &#8211; Frauen lieben statt besitzen, das w\u00e4re ein Ausweg aus frauengef\u00e4hrdender M\u00e4nnlichkeit. Doch Gegenliebe ist immer ein Geschenk. Dieses kann, so die Einsicht, auch kein Dschinn bewirken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nr. 4: \u201eKein Wunsch, um die Vergangenheit zu \u00e4ndern.\u201c &#8211; Das muss nicht einmal mit Reue oder Schuld zu tun haben, die aus Aktionen mit zu viel Testosteron oder Alkohol im Blut entstanden sind. Es gibt ja auch Sachen, wo man n\u00fcchtern sagt: Mit dem Wissen von heute h\u00e4tte ich einen anderen Beruf gew\u00e4hlt. Ich w\u00e4re nicht nach X gezogen. Ich h\u00e4tte dieses oder jenes anders entschieden. Aber man wei\u00df, man ist jetzt so weit gekommen, und damals waren die Umst\u00e4nde eben so. Punkt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nach den Einsichten aus der Weltliteratur nun als zweiter Hauptteil:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Einsichten aus dem Alten Testament<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Christenmenschen glauben hoffentlich nur theoretisch an Dschinns, Feen oder andere Wunscherf\u00fcllungsautomaten. Was aber w\u00e4re, wenn Gott einen nach seinen W\u00fcnschen fragt? [Pause] Und damit sind wir beim Predigttext f\u00fcr heute. Ich habe ihn schon einmal vorgelesen. Jetzt werde ich ihn noch einmal durchgehen und meine Akzente setzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201e5 Und der HERR erschien Salomo [&#8230;] im Traum des Nachts.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir verlassen die Fantasiewelt von 1001 Nacht und kommen erneut in eine Ausnahmewelt, den Traum. Sie wissen: Tr\u00e4ume funktionieren anders als unser normales Bewusstsein. Es gibt weniger Schutz, weniger Verdr\u00e4ngung dessen, was man wirklich will.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eund Gott sprach: Bitte, was ich dir geben soll!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist neuer Zugang zur Frage \u201eWas w\u00fcrdest du dir w\u00fcnschen?\u201c. Dschinns sind gebunden. Sie m\u00fcssen den Wunsch erf\u00fcllen. Gott muss nicht erf\u00fcllen. Er bleibt frei, die Qualit\u00e4t von W\u00fcnschen zu beurteilen und sie zu erf\u00fcllen oder nicht. Und damit stellt sich neben die Frage: \u201eWas w\u00fcrdest du dir w\u00fcnschen?\u201c die Frage \u201eWelcher Wunsch w\u00fcrde vor Gott bestehen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201e6 Salomo sprach: [&#8230;] 7 HERR, mein Gott, du hast deinen Knecht zum K\u00f6nig gemacht an meines Vaters David statt. Ich aber bin noch jung, wei\u00df weder aus noch ein.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Salomo nennt sich \u201ejung\u201c. Wie jung er war, steht nicht im hebr\u00e4ischen Bibeltext. Aber Bibelleser wissen: Ganz jung und vom Leben unber\u00fchrt ist er nicht. Im Kampf um die Thronfolge haben Davids S\u00f6hne sich selbst und sich gegenseitig aus dem Weg ger\u00e4umt. Selbst wenn f\u00fcr Salomo intrigiert wurde: Salomo ist an dem Ziel, f\u00fcr das die anderen Prinzen ihr Leben gelassen haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die gewonnene Position macht ihn dem\u00fctig:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201e8 Dein Knecht steht mitten in deinem Volk, das du erw\u00e4hlt hast, einem Volk, so gro\u00df, dass es wegen seiner Menge niemand z\u00e4hlen noch berechnen kann. 9 So wollest du deinem Knecht ein gehorsames Herz geben, dass er dein Volk richten k\u00f6nne und verstehen, was gut und b\u00f6se ist. [&#8230;] 10 Das gefiel dem Herrn.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Einsicht in das, was gut und b\u00f6se ist, um gut zu regieren. Das ist ein nobler Wunsch. Es w\u00e4re gro\u00dfartig, wenn er aus den Tiefen eines Traumes kommt. Wie gerne s\u00e4hen wir bei den M\u00e4chtigen dieser Welt, dass der Wunsch nach guter Regierungsf\u00fchrung in den Tiefen der Seele verankert w\u00e4re. Der Blick auf die Machthaber und Milizf\u00fchrer in vielen L\u00e4ndern dieser Welt ist ern\u00fcchternd: Da geht es doch eher um Machterhalt, Reichtum und Tod der Feinde. Sie kennen die Beispiele sicher selber aus den Nachrichten. [Wenn es aber wirklich n\u00f6tig ist, k\u00f6nnte ich als aktuelles Beispiel aus der Tagesschau Kambodscha nennen: \u201eKambodschas Langzeit-Ministerpr\u00e4sident Hun Sen tritt nach fast 40 Jahren an der Macht von seinem Amt zur\u00fcck. [&#8230;] Hun Sen hatte einst unter Diktator Pol Pot f\u00fcr die Roten Khmer gek\u00e4mpft, war aber sp\u00e4ter zu den Vietnamesen \u00fcbergelaufen. 1985 wurde er Regierungschef im K\u00f6nigreich. Bereits seit Jahren hat Hun Sen seinen Sohn als Nachfolger aufgebaut. Menschenrechtler verglichen die Situation in dem s\u00fcdostasiatischen Land mit der in Nordkorea und sprachen von einer \u201aErb-Diktatur\u2018.\u201c https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/asien\/kambodscha-machtwechsel-100.html (26. Juli 2023)]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kehren wir zur\u00fcck zu Salomo und seinem Traum:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201e11 Und Gott sprach zu ihm: Du hast weder um langes Leben gebeten noch um Reichtum noch um deiner Feinde Tod, sondern um Verstand, auf das Recht zu h\u00f6ren, 12 [&#8230;] so tue ich nach deinen Worten. [&#8230;] ich gebe dir ein weises und verst\u00e4ndiges Herz, sodass deinesgleichen vor dir nicht gewesen ist und nach dir nicht aufkommen wird. 13 Und dazu gebe ich dir, worum du nicht gebeten hast: Reichtum und Ehre, sodass deinesgleichen keiner unter den K\u00f6nigen ist zu deinen Zeiten.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Salomo hat um das Richtige gebeten: Salomo bekommt ein weises und verst\u00e4ndiges Herz. Und Gott ist gro\u00dfz\u00fcgig: Oben drauf kommen Reichtum und Ehre. Um das M\u00e4nnerthema viele Frauen muss Gott sich nicht k\u00fcmmern, denn der Harem war f\u00fcr einen K\u00f6nig selbstverst\u00e4ndlich. Nach 1. K\u00f6nige 11,3 hatte Salomo \u201esiebenhundert f\u00fcrstliche Frauen und dreihundert Nebenfrauen\u201c. Selbst wenn man das als literarische \u00dcbertreibung betrachtet, hat sich Salomo da sicher ausleben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott ist gro\u00dfz\u00fcgig, liefert sich aber nicht aus, denn der Segen kommt mit Bedingungen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">14 Und wenn du in meinen Wegen wandeln wirst, dass du h\u00e4ltst meine Satzungen und Gebote, [&#8230;], so will ich dir ein langes Leben geben. 15 Und als Salomo erwachte, siehe, da war es ein Traum. [&#8230;]\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und hola! Sie ahnen schon, wo es laut Bibel mit Salomo kritisch wurde: Die Begleitumst\u00e4nde seines Harems wurden zum Anlass f\u00fcr ein Zerw\u00fcrfnis zwischen Gott und Salomo. Salomo wandelte in manchen Dingen nicht mehr in den Wegen des Herrn. Und das hatte Konsequenzen: Salomo hat von David ein Reich geerbt. Nach Salomo bestand es so nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">W\u00fcnsche Dir das Richtige, und alles andere f\u00e4llt dir zu. Das klingt sehr nach einem Jesus-Wort aus der Bergpredigt. \u201eTrachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.\u201c (Matth\u00e4us 6,33). Ich habe schon angek\u00fcndigt, dass es im Neuen Testament eine Geschichte gibt, in der Jesus auf dieses Thema getestet wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Darum nun als letzter Hauptteil:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Einsichten aus dem Neuen Testament<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Matth\u00e4us-Evangelium erz\u00e4hlt, dass Jesus bei seiner Taufe durch Johannes eine Botschaft h\u00f6rte. \u201eDies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.\u201c (Matth\u00e4us 3,17) Sohn Gottes wird man nach traditioneller biblischer Vorstellung nicht durch eine wunderbare Zeugung, sondern durch eine g\u00f6ttliche Berufung zu einem besonderen Auftrag. (vgl. Psalm 2,7 Throneinsetzung) Sehr vern\u00fcnftig geht Jesus in die Stille, um sich des Erlebten klarer zu werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wieder eine Ausnahmesituation, aber auch die ist f\u00fcr uns nicht v\u00f6llig unzug\u00e4nglich. Wer heutzutage wie Jesus in die Stille geht, um seine Seele zu kl\u00e4ren, macht das freiwillig. Aber wir alle haben in der Corona-Zeit Isolation erlebt und wom\u00f6glich gesehen, wie \u201eD\u00e4monen\u201c in uns oder bei anderen aufgestiegen sind: Unbew\u00e4ltigte Erinnerungen, unbefriedigte W\u00fcnsche, Alkohol- und Internetsucht &#8211; und wieder mehr Gewalt gegen Frauen und Kinder. Ich setze die D\u00e4monen in Anf\u00fchrungsstriche. Wer Strom benutzt oder die psychische Wirkung von Medikamenten\/Drogen kennt, sollte die Begriffe D\u00e4monen oder auch Teufel nur in einem \u00fcbertragenen Sinn verwenden. Sie geh\u00f6ren in eine Zeit und Sprachwelt, in der vieles, was uns selbstverst\u00e4ndlich ist, als d\u00e4monisch\/teuflisch beschrieben worden w\u00e4re. Die Versuchung kommt aber nicht von fremden M\u00e4chten. Sie hat prim\u00e4r mit unserer Versuchlichkeit zu tun. Diese Sicht haben wir sogar schon im Neuen Testament. Im Jakobus-Brief hei\u00dft es: \u201eEin jeder, der versucht wird, wird von seiner eigenen Begierde gereizt und gelockt.\u201c (Jakobus 1,14)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">An der Geschichte von Jesu Versuchung interessiert mich jetzt nicht der Versucher und auch nicht Jesu Abwehr. Es geht mir um die versuchlichen Angebote:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a02 Als Jesus vierzig Tage und vierzig N\u00e4chte gefastet hatte, hungerte ihn. 3 Und der Versucher trat herzu und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. 4 Er aber antwortete [&#8230;]: Es steht geschrieben: \u00bbDer Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.\u00ab<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">5 Da f\u00fchrte ihn der Teufel [&#8230;] in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels 6 und sprach [&#8230;]: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben: \u00bbEr wird seinen Engeln f\u00fcr dich Befehl geben; und sie werden dich auf den H\u00e4nden tragen, [&#8230;].\u00ab 7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben: \u00bbDu sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">8 Wiederum f\u00fchrte ihn der Teufel [&#8230;] auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit 9 und sprach[&#8230;]: Das alles will ich dir geben, wenn du niederf\u00e4llst und mich anbetest. 10 Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben: \u00bbDu sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.\u00ab 11 Da verlie\u00df ihn der Teufel. (Matth\u00e4us 4,2-11)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus verzichtet auf den Versuch, durch ein Wunder Steine zu Brot zumachen. Jesus verzichtet auf den Test, ob Gott ihn wirklich sch\u00fctzt. Und dann staune ich \u00fcber das Angebot der Weltherrschaft. Jesus hat auf die wunderhafte Befriedigung grundlegender Bed\u00fcrfnisse wie Nahrung und Schutz verzichtet. Warum sollte er vom Angebot der Weltherrschaft angezogen sein? Ich glaube, dass im Angebot unbegrenzter Macht nicht nur eine Versuchung f\u00fcr Potentaten liegt. Sie k\u00f6nnte auch eine Falle f\u00fcr Wohlmeinende sein. Nehmen wir einfach mal mich&#8230; Wie die Tagesschau berichtete, war am 2. August der Erd\u00fcberlastungstag. [https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/erdueberlastungstag-ressourcen-102.html (26. Juli 2023)] Das hei\u00dft, die Weltbev\u00f6lkerung verbraucht seit wenigen Tagen mehr Ressourcen, als die Erde nachproduzieren kann. Nehmen wir nun an, ich w\u00fcrde ein Radikalprogramm f\u00fcr Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Sch\u00f6pfung durchsetzen, um die Umwelt zu sch\u00fctzen und Menschen zu ihrem Gl\u00fcck zwingen. Alle Menschen der Welt bekommen ein Jahresbudget mit exakt denselben Rechten und Ressourcen: gleich viel Wasser und Nahrungsmittel, Rohstoffe und Technik, Wohnraum und Gesundheitsf\u00fcrsorge. Wohlgemerkt: Seit August hat die Weltbev\u00f6lkerung ihr Jahresbudget aufgebraucht. Noch schlimmer: W\u00fcrden alle so leben wie die Deutschen\/\u00d6sterreicher\/Schweizer w\u00e4ren wir bereits seit 4. Mai\/6. April (sic)\/13. Mai 2023 im Minus. (https:\/\/www.overshootday.org\/newsroom\/country-overshoot-days) Sie erkennen leicht, welche Unruhe in der Bev\u00f6lkerung ich selbst als wohlmeinender Weltherrscher seit dem Fr\u00fchjahr unterdr\u00fccken m\u00fcsste. Dagegen sind die mit den Klimaklebern verbundenen Proteste und Gegenproteste nichts.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Irgendwann kommt die Zeit, wo Reichtum, langes Leben oder Sex keine Rolle mehr spielen und auch nicht Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Sch\u00f6pfung. Darum noch ein kurzes Wort \u00fcber:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Letzte W\u00fcnsche<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In den letzten Jahren habe ich immer wieder Spendenwerbung f\u00fcr \u201eLetzte-W\u00fcnsche-Wagen\u201c erhalten (vgl. https:\/\/wuenschewagen.de). Das sind auf Palliativmedizin spezialisierte Krankenwagen. Menschen, die auf der letzten Lebensstrecke sind, sollen noch einmal auf einem Berg, der ihnen wichtig war, die Aussicht genie\u00dfen. Oder den Reiterhof besuchen, wo sie ein Pferd stehen hatten. Mich ber\u00fchrt das sehr. Zumal es viele andere letzte W\u00fcnsche gibt, die nicht mehr erf\u00fcllt werden k\u00f6nnen. Eine Vers\u00f6hnung beispielsweise, eine Jugendliebe wiedersehen oder einfach nur der Wunsch einer demenzkranken Frau, die keinen Geschmack mehr hat, aber ihre Familie noch einmal richtig bekochen will.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Blick auf die letzten Wegstrecken anderer mahnt uns, unseren letzten Willen rechtzeitig zu bedenken. Das gilt f\u00fcr das Testament, auch f\u00fcr die Patientenverf\u00fcgung und andere Festlegungen z. B. f\u00fcr die Beerdigung. Ich pers\u00f6nlich glaube, dass man irgendwann daran arbeiten und darum beten muss, dass man im Frieden mit sich und seinem Leben, mit Gott und der Welt sterben kann. [Pause]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weil das jetzt vielleicht ein bisschen schwer war, noch<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Ein W\u00fcnsche-Witz zum Abschluss<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In dem Witz geht es um drei Pr\u00e4sidenten: Donald Trump, Wladimir Putin und den Pr\u00e4sidenten von Mexiko. Und eigentlich muss man nur wissen, dass ein Herzensprojekt von Donald Trump eine Mauer an der Grenze zu Mexiko war. Damit sollte der Zustrom von B\u00fcrgerkriegs- und Wirtschaftsfl\u00fcchtlingen aus Lateinamerika in die USA gestoppt werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Donald Trump, der mexikanische Pr\u00e4sident und Wladimir Putin begegnen einer Fee. \u201eJeder von euch hat einen Wunsch frei.\u201c, sagt die Fee. Der Pr\u00e4sident von Mexiko sagt: \u201eIch war ein Bergmann, mein Vater war Bergmann, und mein Sohn wird auch einer sein. Ich w\u00fcnsche mir, dass Mexiko f\u00fcr alle Zeiten reich an Bodensch\u00e4tzen ist.\u201c Zack. Mexiko ist f\u00fcr alle Zeiten reich an den seltensten Bodensch\u00e4tzen. Donald Trump ist beeindruckt. Aber Trump wei\u00df l\u00e4ngst, was er will. Er w\u00fcnscht sich, was er sich immer gew\u00fcnscht hat: Eine Mauer gegen Migranten. \u201eMach mir eine Mauer um die USA, so hoch, dass kein Migrant in unser Land hineinkommen kann.\u201c Und tats\u00e4chlich: Eine riesige Mauer baut sich auf. Sie umschlie\u00dft die Vereinigten Staaten rundum. Putin \u00fcberlegt. Dann sagt er zu der Fee: \u201eIch bin neugierig. Erz\u00e4hl mir mehr \u00fcber diese Mauer.\u201c Die Fee erkl\u00e4rt: \u201eGut, sie ist f\u00fcnfzig Meter hoch, 10 Meter breit und umschlie\u00dft die USA von allen Seiten.\u201c Daraufhin Putin: \u201eF\u00fclle sie mit Wasser.\u201c (adaptiert nach https:\/\/deine-mutter-witze.net\/fee-witze.html)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dr. Hansj\u00f6rg Biener (*1961) ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und als Religionslehrer an N\u00fcrnberger Gymnasien t\u00e4tig. Au\u00dferdem ist er au\u00dferplanm\u00e4\u00dfiger Professor f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik und Didaktik des evangelischen Religionsunterrichts an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg. (Hansjoerg.Biener (at) fau.de)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>9.So. n. Trinitatis | 06.08.2023 | 1. K\u00f6n 3,5\u201315* | Was soll man(n) sich w\u00fcnschen? | Hansj\u00f6rg Biener | F\u00fcr die Begr\u00fc\u00dfung Lassen Sie mich mit einem Witz beginnen: Ein Mann hat 60. Geburtstag. Eine Fee erscheint und sagt: \u201eDu hast einen Wunsch frei.\u201c [Pause] Der Mann schaut auf seine Frau: [Pause] \u201eIch w\u00fcnsche mir [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":18669,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14,468,1,2,157,853,114,271,1075,349,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-18685","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1-koenige","category-9-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-at","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-hansjoerg-biener","category-kapitel-03-chapter-03-1-koenige","category-kasus","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18685","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18685"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18685\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18686,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18685\/revisions\/18686"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/18669"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18685"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18685"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18685"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=18685"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=18685"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=18685"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=18685"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}