{"id":18695,"date":"2023-08-08T09:01:08","date_gmt":"2023-08-08T07:01:08","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18695"},"modified":"2023-08-08T09:46:23","modified_gmt":"2023-08-08T07:46:23","slug":"1-korinther-121-7-lukas-1941-48","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-121-7-lukas-1941-48\/","title":{"rendered":"1. Korinther 12,1-7; Lukas 19,41-48"},"content":{"rendered":"<h3>10.Sonntag nach Trinitatis | 13.08.23 |\u00a01. Kor 12,1-7; Lk 19,41.48 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Rasmus N\u00f8jgaard |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Was dient deinem Frieden?<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus weint hier das zweite Mal auf dem \u00d6lberg, wo er sitzt und auf Jerusalem blickt. Die Tr\u00e4nen dr\u00e4ngen sich auf, weil er liebt, was er da sieht. Es ist vor Ostern noch vor dem gro\u00dfen Drama, aber die Eifersucht und die Machtgier haben schon die f\u00fchrenden Leute in den Tempel getrieben, um Pl\u00e4ne zu schmieden, wie man Jesus loswerden kann. Sie wollen nicht die Stadt und den Glauben mit anderen teilen. Jerusalem hat noch immer Macht \u00fcber die Leute. \u201eWenn doch auch du erkenntest an diesem Tag, was zu deinem Frieden dient!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das f\u00fchrt zu Tr\u00e4nen. Es handelt sich um sein eigenes Volk, es sind seine Br\u00fcder und Schwestern. Es sind Menschenkinder, Gesch\u00f6pfe Gottes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein durchgehender Zug in den Reden Jesu ist, dass er die Selbstgerechtigkeit verachtet. Besonders wenn sie sich bei seinen eigenen Leuten zeigt. Die Selbstverherrlichung. Die verachtet er. So wie die falsche Fr\u00f6mmigkeit. Er nennt die Selbstgerechtigkeit geradezu gottlos, wenn seine Leute den Gottesdienst zu einer Meterware machen, um die man feilschen kann. Alles, was Jesus tut, handelt davon, die Grenzen niederzurei\u00dfen zwischen dem Bekannten und dem Fremden. All das, an dem wir h\u00e4ngen an materiellen, nationalen, ethnischen und religi\u00f6sen Kennzeichen, verdammt er als teuflisches Blendwerk. Er isst bei den S\u00fcndern, er verkehrt mit leichtlebigen Frauen, er macht den barmherzigen Samariter und andere Heiden zu Vorbildern. Handelt so wie sie!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jerusalem und der Tempel sind das Bild selbst f\u00fcr Gottes Gemeinschaft, Gottes Haus, unantastbar. Er blickt \u00fcber die Stadt und sein Volk, und dann weint er. Seine Br\u00fcder und Schwestern, seiner J\u00fcnger, alle die Bekehrten und Gl\u00e4ubigen, die sehen nicht, dass sie in einem Haus sind, dass im Streit mit sich selbst ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWenn doch auch du erkenntest an diesem Tag, was zu deinem Frieden dient!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus zeigt nie den Finger auf jemanden, ohne ihn gegen sich selbst zu wenden:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWas dient deinem Frieden?\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hier geht es um zwei entscheidende Themen, den <em>Dienst<\/em> und den <em>Frieden<\/em>.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zun\u00e4chst der Dienst. Du sollst dienen. Denn der Diener ist gr\u00f6\u00dfer als der Herr. Der Herr kam selbst in die Welt als ein Diener, und f\u00fcr alle Christen ist die Vorstellung von Gott damit ein f\u00fcr alle Mal auf den Kopf gestellt. Wir haben keinen Gott, der mit aller Macht den Gang der Welt bestimmt. Er hat sich schwach gemacht, um uns frei au machen. Wir k\u00f6nnen nicht unser Recht und unsere Privilegien als Gottes Willen rechtfertigen, denn er hat uns allein dazu befreit, der Welt zu dienen. Aber dabei ist Gott mit uns, ganz gleich was geschieht. F\u00fcr den Frommen ist das ein \u00c4rgernis, dass Gott auch den Gefallenen wieder aufrichtet. Aber ist das Umgekehrte nicht in Wirklichkeit schlimmer? Dass es da keine Barmherzigkeit gibt f\u00fcr den S\u00fcnder, dass der Abweichler nie einen Anlass findet zur Umkehr, zur\u00fcckzukehren zur Gemeinschaft und dem Guten zu dienen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Du sollst dienen. Nicht um etwas daf\u00fcr zubekommen, sondern weil die Liebe darin besteht, dass man gibt. Freigebigkeit ist die Frucht der Liebe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das zweite Thema ist der Friede. Denn das Ziel es Dienstes ist Friede:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWenn doch auch du erkenntest an diesem Tag, was zu deinem Frieden dient!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist der Friede, der uns im Segen geschenkt wird, und das letzte, was im Gottesdienst gesagt wird, vielleicht weil der <em>Friede<\/em> der eigentliche Sinn des Suchens nach Gott ist: <em>Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. <\/em>Christus begegnet uns mit Vergebung und Aufmunterung, auch dort wo wir es am wenigsten erwarten, damit wir selbst Frieden finden k\u00f6nnen und Frieden in unsere Umwelt bringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Frieden, das ist es, was wir unseren Kindern w\u00fcnschen, dass sie das erleben. Frieden w\u00fcnschen wir den Sterbenden, und Grabfrieden den Toten. Frieden geben wir einander. Nicht indem wir einander in Ruhe lassen, sondern indem wir einander die Freiheit schenken, jeder mit dem, was wir haben, zu der Gemeinschaft beizutragen und an ihr teilzuhaben, ohne sich verstellen zu m\u00fcssen. Das ist auch der Wille, anderen Raum und M\u00f6glichkeit zu geben, sich selbst zu entfalten, und nicht eigene Vorurteile andere begrenzen zu lassen. Friede ist eine Entthronung der Sorgen und die F\u00e4higkeit, das abzulegen, was Fehlinformation und L\u00fcge f\u00f6rdert. Das hei\u00dft, einen Augenblick leben zu k\u00f6nnen wie die Lilien des Feldes und die V\u00f6gel des Himmels. Friede sehen wir in den Augen des kleinen Kindes. Die Gabe, die uns zuteilwird, wenn wir vertrauensvoll leben. Es geht darum, das Wagnis der Hingabe einzugehen.\u00a0 Seine Sicherheit aufzugeben. Zu lernen, das Leben zu wagen und unperfekt in der Gnade Gottes und der Menschen zu leben, zu akzeptieren, dass wir im Grunde nur eine Aufgabe haben: Dem N\u00e4chsten zu dienen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das klingt banal, und das ist es eigentlich auch. Aber wir legen einander Hindernisse in den Weg und h\u00e4ufen begehrlich Bedingungen auf f\u00fcr uns selbst. Es ist schwer sich zu begn\u00fcgen, und was wir als Bethaus eingerichtet hatten, wird zu einer R\u00e4uberh\u00f6hle. Das ist so banal, so einfach, und entsprechend so tragisch, dass wir uns verbarrikadieren, w\u00e4hrend die S\u00fcnde uns von allen Seiten belagert, auf uns eindringt, uns \u00fcberw\u00e4ltigt und alles dem Erdboden gleichmacht. Unser aus Stein gebauter Tempel muss fallen, aber der Tempel, der aus Geist errichtet ist, wird bestehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWenn doch auch du erkenntest an diesem Tag, was zu deinem Frieden dient!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieser Satz braucht nur ein \u201aAmen\u2018. Amen bedeutet: \u201aWahrlich, so will es Gott haben\u2018. Gottes Worte sind unergr\u00fcndlich. Gott will mehr mit uns als wir ahnen, und seine Worte enthalten eine Weisheit, die wir uns nicht selbst sagen k\u00f6nnen. Allein wollen wir nur uns selbst, im Lichte Christi dienen wir dem Frieden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wenn doch auch du erkenntest an diesem Tag, <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>was zu deinem Frieden dient.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Rasmus N\u00f8jgaard<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-2100 K\u00f8benhavn \u00d8<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: rn(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>10.Sonntag nach Trinitatis | 13.08.23 |\u00a01. Kor 12,1-7; Lk 19,41.48 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Rasmus N\u00f8jgaard | Was dient deinem Frieden? Jesus weint hier das zweite Mal auf dem \u00d6lberg, wo er sitzt und auf Jerusalem blickt. Die Tr\u00e4nen dr\u00e4ngen sich auf, weil er liebt, was er da sieht. Es ist vor Ostern noch vor dem [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":18692,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[38,42,474,1,185,157,853,114,385,522,349,3,109,197],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-18695","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lukas","category-1-korinther","category-10-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-12-chapter-12-1-korinther","category-kapitel-19-chapter-19-lukas","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-rasmus-nojgaard"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18695","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18695"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18695\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18696,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18695\/revisions\/18696"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/18692"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18695"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18695"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18695"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=18695"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=18695"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=18695"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=18695"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}