{"id":18738,"date":"2023-08-15T08:00:11","date_gmt":"2023-08-15T06:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18738"},"modified":"2023-08-16T18:48:55","modified_gmt":"2023-08-16T16:48:55","slug":"lukas-189-14-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-189-14-3\/","title":{"rendered":"Lukas 18,9-14"},"content":{"rendered":"<h3>11.Sonntag nach Trinitatis | 20.08.23 | Lk 18,9-14 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Mikkel Wold |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Die Gnade Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Predigttext dieses Sonntags geht es um die Gnade Gottes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Gnade Gottes findet ihren Ausdruck in seiner Barmherzigkeit und seiner Vergebung, die geschieht, damit der Mensch erneuert werden kann \u2013 oder wie es im Text hei\u00dft, gerechtfertigt in sein Haus gehen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Gerecht in sein Haus gehen k\u00f6nnen oder gerechtfertigt sein, das ist eines der zentralen Worte im Christentum und nicht zuletzt in der Auffassung der lutherischen Kirche. Vor allem Luther hatte mit diesem Wort zu k\u00e4mpfen, weil er es wie so viele andere in seiner Zeit als Ausdruck daf\u00fcr verstand, dass er nur als gerecht erkl\u00e4rt werden k\u00f6nne, indem er vor Gott durch seine Werke als gerecht dastand. Seine Entdeckung war die, dass die Rechtfertigung nicht durch die Werke bewirkt wird. Die Rechtfertigung wird dadurch bewirkt, dass die Vergebung und Gnade und Barmherzigkeit Gottes uns gerade von dem Gericht befreit, mit dem wir ansonsten verurteilt werden. Und wenn man so davon befreit ist, Gott \u00fcberreden zu m\u00fcssen, indem man auf den eigenen Einsatz verweist, kommt es zu dem echten Christenleben, das also auch die Werke enth\u00e4lt, aber nun nicht als Bezahlung an Gott, sondern als Taten der Liebe im Glauben und Vertrauen zu Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Diese Entdeckung bedeutet jedoch nicht, dass der Mensch sich nur passiv ausruhen soll, denn die Gnade ist kein Ruhekissen, auf dem man sich ausruhen und die Gebote Gottes ignorieren darf. Die Gnade ist eine Rettung f\u00fcr den der sieht, dass man ohne Gnade sich selbst \u00fcberlassen ist. Die Gnade ist die M\u00f6glichkeit, die eine Beziehung zu Gott herstellt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0 Das zeigt sich nicht zuletzt im Bericht des Evangeliums. Zwei Personen veranschaulichen jeweils ihre Art und Weise, zu Gott zu kommen. Der, der auf seine eigene Gerechtigkeit vertraut, und der, der auf Gott vertraut. Denn Jesus erz\u00e4hlt ja gerade diese Geschichte einigen Leuten, die, wie es da hei\u00dft, darauf vertrauten, dass sie selbst gerecht waren, und die alle die anderen verachteten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0 Oberfl\u00e4chlich gesehen hat der Pharis\u00e4er Recht. Er h\u00e4lt alle die Vorschriften ein, die man als guter Jude einhalten sollte, ja er ist sogar besonders eifrig und fastet zwei Mal in der Woche, was mehr war als notwendig. Nach au\u00dfen sieht alles so aus, als sei alles in Ordnung. Und er ist ja auch nicht so naiv, dass er Gott nicht daf\u00fcr dankt, dass er so ein wunderbarer Mensch ist. Er dankt Gott f\u00fcr das, was ihm zuteilwurde, dass er ganz frei ist von all dem, was er den anderen vorwirft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber trotz seiner respektablen Lebensweise hat sich der Pharis\u00e4er total geirrt, was das Reich Gottes betrifft. Er vertraut in erster Linie sich selbst und seinen Werken, seiner Einhaltung der Gebote. Dort liegt f\u00fcr ihn die Sicherheit, denn er ist sich durchaus dar\u00fcber im Klaren, dass es gut aussieht mit seiner Rechenschaft in Bezug auf Gott. Der Pharis\u00e4er hat Gott in einen Kaufmann oder einen Richter verwandelt, der danach fragt, ob er \u00e4u\u00dferlich in dieser und jener Weise gehandelt hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Pharis\u00e4er vertraut nicht auf die Gnade Gottes, sondern auf die Bilanz, die gerne, was ihn betrifft, gute Zahlen aufweisen soll. Aber gerade indem er glaubt, die Gebote Gottes einzuhalten, \u00fcbertritt er sie. Er erh\u00f6ht sich selbst sowohl vor Gott als auch seinen Mitmenschen, und zugleich verachtet er seine Mitmenschen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Z\u00f6llner aber ging gerechtfertigt nach Hause, steht da. Aber was war es dann, was den Z\u00f6llner gerecht machte? Das war keineswegs etwas an ihm selbst. Was den Unterschied ausmacht, war dies, dass der Z\u00f6llner seine totale Abh\u00e4ngigkeit von der Gnade Gottes gesehen hatte, das hatte der Pharis\u00e4er nicht. Der Z\u00f6llner konnte sehen, dass f\u00fcr ihn selbst, sich selbst \u00fcberlassen, keine Hoffnung war. Deshalb bat er Gott um Hilfe. So einfach kann man das sagen, ohne die Dinge zu vereinfachen. Denn es handelte sich ja nicht nur um eine blo\u00dfe Selbsterkenntnis, die den traurigen Zustand des Z\u00f6llners festhielt, seine S\u00fcnde, sein sich selbst Wollen. Er bat um die Gnade Gottes, weil er sich von ihr v\u00f6llig abh\u00e4ngig f\u00fchlte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eben dies bedeutet eine tiefe Einsicht darin, dass wir v\u00f6llig abh\u00e4ngig sind vom Eingreifen Gottes in unser Leben. Der Glaube gibt nicht viel Hoffnung f\u00fcr den Menschen, der sich selbst \u00fcberlassen sein will und sich selbst von Gott ausschlie\u00dft. Sich selbst Gott und der M\u00f6glichkeit der Liebe und der Vergebung gegen\u00fcber zu verschlie\u00dfen, ist christlich gesehen in Wahrheit Flucht vor der Wirklichkeit. Zur echten Selbsterkenntnis aber geh\u00f6rt deshalb die Befreiung, die in der Erkenntnis liegt, dass das die Gnade Gottes \u00fcber uns immer neu ist und dass <em>er<\/em> uns stets neu sch\u00f6pft. Wenn Paulus sagt, dass er das, was er ist, durch Gottes Gnade ist, so bedeutet das, dass er nicht meint, dass er aus eigener Kraft zu dem Punkt h\u00e4tte kommen k\u00f6nnen, an den er gekommen ist, und der Einsicht, zu der er gelangt war. Die Gnade Gottes ist Ausdruck seiner Liebe. Das bedeutet, geliebt zu sein, zu wissen, wo man hingeh\u00f6rt, eingehen k\u00f6nnen in ein Leben in der Gemeinschaft mit Gott. Dort wird deutlich, werden keine Werke getan aus der Furcht, bei der abschlie\u00dfenden Bilanz rote Zahlen zu sehen, dass man am Ende als zu leicht befunden wird. Gott bewahre uns vor guten Werken, die nur dazu dienen, unserer eigenen Sache zu nutzen. Aber der lebendige Glaube tut von selbst all die Dinge, die wir als gute Werke bezeichnen k\u00f6nnen, die wir aber auch als Ausdruck von Liebe bezeichnen k\u00f6nnten. Der lebendige Glaube und die lebendige Liebe geh\u00f6ren zusammen, und wo keine Liebe ist, da ist auch kein Glaube.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eGott sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig\u201c, sagte der Z\u00f6llner. Und Jesus f\u00fcgte hinzu: \u201eIch sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus\u201c. Sein Bekenntnis brachte eben dies zum Ausdruck, dass er voll und ganz auf Gott angewiesen war, dass er seinen Trost bei Gott suchte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist die wahre Demut. Das ist im tiefsten Sinne des Wortes sich selbst aufgeben, wie es dort steht. Sich selbst aufgeben bedeutet nicht sich selbst ausl\u00f6schen, sondern es bedeutet eins zu sein mit dem, was einen besch\u00e4ftigt. Der Z\u00f6llner f\u00fchlte sich voll uns ganz angewiesen auf Gott, und er setzte seine ganze Hoffnung auf ihn. Und f\u00fcr den, der das tut, vollzieht sich eine Verwandlung. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Mikkel Wold<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">1263 K\u00f8benhavn K<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-mail: mwo(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>11.Sonntag nach Trinitatis | 20.08.23 | Lk 18,9-14 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Mikkel Wold | Die Gnade Gottes Im Predigttext dieses Sonntags geht es um die Gnade Gottes. 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