{"id":18754,"date":"2023-08-22T14:31:22","date_gmt":"2023-08-22T12:31:22","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18754"},"modified":"2023-08-22T14:36:16","modified_gmt":"2023-08-22T12:36:16","slug":"markus-731-37-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-731-37-2\/","title":{"rendered":"Markus 7,31-37"},"content":{"rendered":"<h3>12.Sonntag nach Trinitatis | 27.08.23 | Mk 7,31-37 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Poul Joachim Stender |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Hefata! \u00d6ffne dich!<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jedes Mal, wenn man in der Volkskirche etwas Neues versucht hat, ist da immer ein Pastor gewesen, der sich hingestellt und gerufen hat: \u201eUnsere Seele ist taub und stumm \/ f\u00fcr das Evangelium\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/A4423693-2DFE-4A3A-BE05-0BF5BD40FF28#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Die Devise war die, dass das Evangelium verk\u00fcndigt werden soll, aber die Leute wollen es nicht h\u00f6ren. So ist es immer gewesen, und so wird es immer sein. Und wenn man glaubt, daran etwas \u00e4ndern zu k\u00f6nnen durch smarte Einf\u00e4lle, dann \u201etivolisiert\u201c, d.h. popularisiert bzw. banalisiert man das Wort Gottes. Eigentlich merkw\u00fcrdig, dass der Kopenhagener Tivoli, der ansonsten f\u00fcr sch\u00f6ne Unterhaltung steht, in gewissen kirchlichen Kreisen zu einem Schimpfwort geworden ist. Darf das Evangelium \u2013 neben vielen anderen Dingen, nicht auch unterhaltsam und lustig sein?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist nicht schwer, das Gef\u00fchl zu bekommen, dass unsere Seele \u201etaub und stumm\u201c ist f\u00fcr das Evangelium. Man kann nur sehen, wie es in einem Land wie D\u00e4nemark ist, wo die Bev\u00f6lkerung fast 1100 Jahre lang christlich war. Sind wir liebevoller zueinander als nichtchristliche V\u00f6lker? Leben wir st\u00e4rker und tiefer als V\u00f6lker, die das Evangelium von Jesus Christus nie geh\u00f6rt haben? Sind wir froh und zufrieden mit unserem Leben? Nein! Auf dieser Kanzel hier haben meine Kollegen hunderte Jahre lang gestanden, sie hie\u00dfen Franck, Aagaard, Saxtorph, Heiberg, Walter, Jensen, Lund, Brisson, M\u00f8lgaard. Haben wir Kirke Saaby und Kisserup mit dem Evangelium ver\u00e4ndert? Wird nicht weiter geklatscht und betrogen? Haben die Leute nicht noch immer an sich selbst genug? Es scheint so, als h\u00e4tten die Pastoren Recht, die sogleich rufen, wenn die Kirche neue Wege geht: \u201eUnsere Seele ist taub und stumm \/ f\u00fcr das Evangelium\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Alle wissen, dass es in D\u00e4nemark etwas gibt, was wir das \u201eJante-Gesetz\u201c nennen, wo eines der Gebote ist: \u201eDu sollst nicht glauben, dass du etwas taugst\u201c. Keiner darf meinen, besser als andere zu sein.<a href=\"applewebdata:\/\/A4423693-2DFE-4A3A-BE05-0BF5BD40FF28#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Aber da ist auch ein anderes Gesetz, das genauso gro\u00dfe Bedeutung hat. Das Gesetz der Gewohnheit.<a href=\"applewebdata:\/\/A4423693-2DFE-4A3A-BE05-0BF5BD40FF28#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Wenn etwas in einer bestimmten Weise ist oder getan wird, soll man das nicht \u00e4ndern. Nirgends wird dieses Gesetz so sehr praktiziert wie in der Kirche. Wir haben uns gew\u00f6hnt an Musik aus dem 17. Jahrhundert, und dabei bleiben wir. Der Gottesdienst wird fast gleich gehalten seit der Reformation. Und dabei bleiben wir. Die heutige Erz\u00e4hlung vom Sohn Gottes, der einen Taubstummen heilt, ist aber eine phantastische Kritik an diesem Gesetzt der Gewohnheit. Der taube Mann aus Dekapolis ist sicher seit seiner Geburt taubstumm gewesen. Sowohl der Taubstumme als auch seine Umgebung haben sich sicher an sein Handikap gew\u00f6hnt. Und dennoch waren da Leute, die nicht an all dieses Gerede von dem glaubten, woran wir uns gew\u00f6hnt haben, sie waren davon \u00fcberzeugt, dass Gott den Taubstummen heilen konnte. \u201eHefata\u201c, sagt Jesus. Das bedeutet auf Aram\u00e4isch, der Sprache Jesu: \u00d6ffne dich. Und der Mann bekommt sein Geh\u00f6r wieder und kann reden. Wenn es eine Haltung gibt, die uns pr\u00e4gen sollte, dann so eine Haltung des Hefata. Eine Haltung des Sich \u00f6ffnen Lassens. Etwas ist m\u00f6glich, auch wenn es vor kurzem nicht m\u00f6glich war. Das sollte die \u00dcberschrift sein, die wir u.a. der Volkskirche geben sollten. Hefata. Lasst uns die Kirche \u00f6ffnen. Eine neue Zeit hat begonnen, in der wir mit dem Gesetz der Gewohnheit brechen m\u00fcssen, um das Evangelium zu verk\u00fcndigen. Unsere Seelen sind bestimmt nicht taub und stumm f\u00fcr das Evangelium Gottes. Das Wort Gottes kann jederzeit, mit Hilfe des Heiligen Geistes und kirchlichem Wagemut in uns str\u00f6men wie eine brausende Flut, die Felsen st\u00fcrzen und Eisberge schmelzen l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die D\u00e4nen bauen K\u00fcchen wie nie zuvor. Gro\u00dfe sch\u00f6ne K\u00fcchen mit der modernsten Ausstattung. Aber leider haben wir keine Zeit, sie zu gebrauchen. Wir kaufen fertiges Essen, das nur schnell im Ofen aufgew\u00e4rmt werden muss. Das ist l\u00e4cherlich. Aber das Gesetz der Gewohnheit bewirkt, dass wir in unserem t\u00e4glichen Leben immer in derselben Spur bleiben. Ohne weiter dar\u00fcber nachzudenken, stehen wir auf, fahren zur Arbeit, schuften und arbeiten und kommen sp\u00e4t nach Hause. Keine Zeit f\u00fcr Vertiefung. Keine Zeit f\u00fcr die Liebsten. Keine Zeit f\u00fcr Jesus Christus. So ist es eben, sagen wir zu uns selbst. Aber das stimmt nicht. Hefata. \u00d6ffne dich. Weil wir blind loslaufen, als sei das Leben ewig, brauchen wir damit ja nicht so weitermachen. Gottes Wort kann \u00f6ffnen f\u00fcr etwas, was ganz neu ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist bizarr, dass man taub sein und dennoch h\u00f6ren kann. Aber ist es nicht eine Form f\u00fcr Taubheit, wenn man nichts anderes h\u00f6ren kann als phonetische Laute, die aus dem Munde eines Menschen kommen. Da sind in einem Klang tiefere Schichten. Wenn mein Geliebter bzw. meine Geliebte redet, wenn sich mein Sohn an mich wendet, um etwas zu sagen, sind die Stimmen ein Echo der Ewigkeit. Etwas unfassbar Kostbares im Leben, das sich als seine Sehns\u00fcchte und Hoffnungen erweist. Und ist es nicht auch bizarr, reden zu k\u00f6nnen und dennoch stumm zu sein. Denn wenn man von nichts anderem reden kann als Geld, Gesundheit und Arbeit, aber nicht von Gott und Liebe, dann kann man nicht reden. Es geht einfach um das Hefata. Sowohl sich \u00f6ffnen f\u00fcr Gottes als auch ge\u00f6ffnet werden vom Wort Gottes. Wir sind nicht taub und stumm f\u00fcr das Evangelium.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn der Pastor fr\u00fcher ein Kind taufte, ber\u00fchrte er Augen und Mund des Kindes und wiederholte Jesu Wort: Hefata. Damit war gemeint: \u00d6ffne dich f\u00fcr Gott, f\u00fcr andere Menschen, f\u00fcr die Zukunft. Die Welt besteht nicht nur aus Computern und Fernsehern und Handys und Gehaltsabrechnungen. F\u00fcr den, der sich \u00f6ffnet f\u00fcr das Himmlische, sind da auch Engel und eine Jungfrauengeburt und ein Leben nach dem Tod und ein Gott, der Hefata sagt, wenn Krankheit und Leid und Probleme einem alle T\u00fcren verschlossen zu haben scheinen. Selbst nach unserem Tod erklingt \u00fcber unserem Grab ein Hefata, und das Grab \u00f6ffnet sich und das Reich Gottes umschlie\u00dft uns. Und was mit dem Verh\u00e4ltnis zu unseren Mitmenschen? Geht es da nicht auch um die Einstellung des Hefata? Dem Mitmenschen erlauben, uns mit Worten, mit Zeichen der Liebe zu \u00f6ffnen. Aber auch sich \u00f6ffnen f\u00fcr den Mitmenschen. Im M\u00e4rchen <em>Ali Baba und die vierzig R\u00e4uber<\/em> \u00f6ffnet sich eine H\u00f6hle voller Sch\u00e4tze durch den Ruf: Sesam, \u00f6ffne dich. Jesu Wort Hefata ist keine Zauberformel wie der Ruf Sesam. Aber f\u00fcr den, der sich \u00f6ffnen l\u00e4sst von Gott, von der Liebe, von seinem N\u00e4chsten wird das Leben zu einer Schatzkammer voll von Gottes Gaben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott befohlen. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Poul Joachim Stender<br \/>\nDK 4060 Kirke S\u00e5by<br \/>\npjs(at)km.dk<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/A4423693-2DFE-4A3A-BE05-0BF5BD40FF28#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Aus einem d\u00e4nischen Kirchenlied zu diesem Text von Grundtvig, D\u00e4nisches Gesangbuch Nr. 443,3<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/A4423693-2DFE-4A3A-BE05-0BF5BD40FF28#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Nach einem Roman des d\u00e4nischen Autors Aksel Sandemose, Jante ist ein fiktiver Ort, nach dem dieses Gesetz benannt ist, nach dem man nicht glauben soll, besser als andere zu sein.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/A4423693-2DFE-4A3A-BE05-0BF5BD40FF28#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> D\u00e4nisch \u201dVante\u201d. Vom Grundgesetz, der Verfassung in Schleswig-Holstein sagt man scherzhaft, sie bestehe nur aus einem Satz: \u201eAlles bleibt so, wie es immer gewesen ist\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12.Sonntag nach Trinitatis | 27.08.23 | Mk 7,31-37 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Poul Joachim Stender | Hefata! \u00d6ffne dich! Jedes Mal, wenn man in der Volkskirche etwas Neues versucht hat, ist da immer ein Pastor gewesen, der sich hingestellt und gerufen hat: \u201eUnsere Seele ist taub und stumm \/ f\u00fcr das Evangelium\u201c.[1] Die Devise war die, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":18756,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[37,499,1,185,157,853,114,782,349,3,232,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-18754","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-markus","category-12-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-07-chapter-07-markus","category-kasus","category-nt","category-poul-joachim-stender","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18754","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18754"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18754\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18764,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18754\/revisions\/18764"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/18756"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18754"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18754"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18754"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=18754"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=18754"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=18754"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=18754"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}