{"id":18755,"date":"2023-08-22T14:38:14","date_gmt":"2023-08-22T12:38:14","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18755"},"modified":"2023-08-22T14:38:14","modified_gmt":"2023-08-22T12:38:14","slug":"jesaja-2917-24-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-2917-24-2\/","title":{"rendered":"Jesaja 29,17-24"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\">Hoffnung auf v\u00f6llige Ver\u00e4nderung von Leben und Gesellschaft | 12. Sonntag nach Trinitatis | 27.08.2023 | Jes 29,17-24 | Rainer Stahl<a href=\"applewebdata:\/\/8ECB6ED1-CE7E-4C1A-9EE8-0A7410D8E92A#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i] |<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDie Gnade unseres Herrn Jesus Christus,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">die Liebe Gottes<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">sei mit Euch allen!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Leserin, lieber Leser!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Schwestern und Br\u00fcder!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nach reiflicher \u00dcberlegung habe ich mich dazu entschieden, meiner Predigt eine eigenst\u00e4ndige \u00dcbersetzung des Predigttextes voranzustellen.<a href=\"applewebdata:\/\/8ECB6ED1-CE7E-4C1A-9EE8-0A7410D8E92A#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a> Neben dem Text in der Biblia Hebraica habe ich die griechische \u00dcbersetzung aus dem 2. Jahrhundert v.Chr. (die Septuaginta) verglichen und habe diese Fassung bei interessanten Abweichungen jeweils unter dem betreffenden Halbvers in eckigen Klammern dokumentiert:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">17a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eIst es nicht nur eine kurze Dauer: Da wird umkehren der Libanon zum Karmel \/ zum<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Fruchtgartenland,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">17b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und der Karmel \/ das Fruchtgartenland wird als Kulturboden angesehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">18a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und es werden an jenem Tag die Tauben Schriftworte h\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">18b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und von Dunkelheit und Finsternis befreit, werden die Augen der Blinden wieder sehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 [\u2026 Und die Augen von Blinden, die in der Finsternis und die in dem Nebel sind, werden<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 schauen.]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">19a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und in zunehmendem Ma\u00dfe werden die Armen in Jahwe Freude haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 [Und Arme werden um des Herrn willen jubeln in Freude.]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">19b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und die Elenden der Menschheit werden frohlocken \u00fcber den Heiligen Israels.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 [Und die Hoffnungslosen unter den Menschen werden von Freude erf\u00fcllt werden.]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">20a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Denn am Ende ist der Gewaltt\u00e4ter, und aufgerieben ist der Frevler.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 [Der Gesetzlose ist verschwunden, und der Hochm\u00fctige ist vernichtet,]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">20b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und ausgerottet sind alle, die auf B\u00f6ses bedacht sind,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 [und ausgel\u00f6scht worden sind die, die aus Bosheit gesetzwidrig handeln,]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">21a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 die Menschen in einer Sache als schuldig hinstellen und dem Rechtssuchenden im Tor<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Schlingen legen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 [\u2026 alle aber, die in den Toren zurechtweisen, werden sie (f\u00fcr andere) zum Ansto\u00df<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 machen,]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">21b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und um Nichtiges den Gerechten beugen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 [und sie haben den Gerechten unter den Ungerechten verf\u00fchrt.]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">22a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Darum, so hat Jahwe zum Haus Jakob gesprochen, der Abraham erl\u00f6ste:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 [\u2026 \u00fcber das Haus Jakob, das er aus (den Nachkommen von) Abraham ausgesondert hat:]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">22b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00bbNicht mehr soll Jakob besch\u00e4mt werden und nicht mehr soll sein Angesicht erblassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 [\u2026 und nicht jetzt wird Israel (sein) Antlitz verwandeln.]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">23a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Denn in seinem Sehen seiner Kinder, dem Werk meiner Hand in seiner Mitte, werden<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 sie heiligen meinen Namen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">[doch wenn ihre Kinder meine Werke sehen, werden sie um meinetwillen meinen Namen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">heiligen,]<a href=\"applewebdata:\/\/8ECB6ED1-CE7E-4C1A-9EE8-0A7410D8E92A#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">23b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und heiligen den Heiligen Jakobs und sich f\u00fcrchten vor dem Gott Israels.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">24a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und es werden Einsicht erkennen, die verirrten Geistes sind,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">24b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und die Widersprechenden werden Lehre lernen.\u00ab\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 [und die, die murren, werden lernen zu gehorchen,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und die stammelnden Zungen werden lernen, Frieden zu sprechen.\u00ab\u201c]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Am Samstag, dem 2. Juli 2016, hatte ich mir in Trier die damals dort gezeigten drei gro\u00dfen Ausstellungen zu Kaiser Nero angesehen. Der Tag begann aber in einer ganz unvorbereiteten und besonderen Weise: Vom Hotel aus war ich durch die Kaiserstra\u00dfe in Richtung Kaiserthermen und Landesmuseum gegangen \u2013 und entdeckte die Synagoge. Als ich sie fotografierte, besonders auch das in Beton gegossene hebr\u00e4ische Wort \u00fcber dem Eingang, hatte mich der dort wohl als Aufpasser stehende j\u00fcngere Mann angesprochen. Ich habe ihm den Konsonantentext \u2013 Vokale sind nicht wiedergegeben \u2013 vorgelesen und \u00fcbersetzt: \u201eHaus des Gebetes\u201c und \u201ef\u00fcr alle V\u00f6lker\u201c. Er meinte, er k\u00f6nne das gar nicht lesen, er sei aus Georgien. Da haben wir ein wenig in Russisch miteinander geredet. Und daraufhin lud er mich ein, doch kurz zum Sabbatgebet mit hineinzugehen. Daf\u00fcr gab er mir eine Kippa, so dass ich hinten \u00fcber wenige Minuten am Sabbatgebet teilnehmen konnte. Zu Hause habe ich mir dann diesen hebr\u00e4ischen Satz genauer angesehen und den Buchstaben, den ich in jenem Moment nicht richtig erkannt hatte, korrekt gelesen. \u00dcber dem Eingang der Synagoge von Trier steht: \u201eDenn mein Haus wird ein Bethaus hei\u00dfen f\u00fcr alle V\u00f6lker\u201c (Jesaja 56,7b).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In diese Spannung zwischen den j\u00fcdischen Nachbarn und uns nichtj\u00fcdischen Menschen, ja: in diese Chance f\u00fcr unsere j\u00fcdischen Nachbarn und f\u00fcr uns als nichtj\u00fcdische Menschen f\u00fchrt unser heutiges Bibelwort. Dieser M\u00f6glichkeit, dieser Herausforderung m\u00fcssen wir miteinander nachgehen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">I.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDenn in seinem Sehen seiner Kinder, dem Werk meiner Hand in seiner Mitte, werden sie heiligen meinen Namen.\u201c \u2013 Vers 23a in der Fassung der Hebr\u00e4ischen Bibel.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDoch wenn ihre Kinder meine Werke sehen, werden sie um meinetwillen meinen Namen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">heiligen.\u201c \u2013 Vers 23a in der Fassung der Septuaginta.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da werden uns zwei Brennpunkte unserer Glaubensexistenz vorgelegt! Zu beiden sollen wir uns bekennen, f\u00fcr beide sollen wir uns \u00f6ffnen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">+\u00a0 Wenn uns in unserer Partnerschaft Elternschaft geschenkt wurde, wenn wir Kinder beim Aufwachsen begleiten k\u00f6nnen, dann werden wir sie als \u201eWerk Gottes in unserer Mitte\u201c verstehen. Dann werden wir sie \u2013 gerade auch in allen Herausforderungen und Spannungen \u2013 als Geschenke Gottes begreifen k\u00f6nnen. Und unsere Beziehung zu ihnen t\u00e4glich unter dieser Dimension gestalten. Sowie auch t\u00e4glich unsere Beziehung als Kind gegen\u00fcber unseren eigenen Eltern gestalten. Ist das nicht ein gro\u00dfartiger Anfang des Verstehens unseres Bibelwortes? Der Anrede seitens Gottes, die uns trifft?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">+\u00a0 Au\u00dferdem aber gibt es noch das Erbe der j\u00fcdischen \u00dcbersetzer im Alexandria des 2. Jahrhunderts vor Christus: Wir alle k\u00f6nnen uns angesprochen f\u00fchlen \u2013 wir als Erwachsene, wir als Kinder, wir als Angeh\u00f6rige der Gemeinschaft derer, die Gott glauben. Von den Verfassern und von den \u00dcbersetzern wird die Gemeinschaft von Jakob und Israel angesprochen. Aber d\u00fcrfen wir uns nicht auch mit eintragen \u2013 als Gemeinschaft der Christinnen und Christen, als derer, die \u00fcber Jesus aus Nazareth von dem wahren Gott wissen?! Ja, auch auf diesem Wege trifft uns die Anrede seitens Gottes! Diesen einzigen Gott werden auch wir glauben, werden auch wir verehren! Dessen Existenz werden wir anderen gegen\u00fcber bezeugen! Indem wir uns f\u00fcr Gerechtigkeit f\u00fcr alle einsetzen!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">II.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDenn am Ende ist der Gewaltt\u00e4ter, und aufgerieben ist der Frevler. Und ausgerottet sind alle, die auf B\u00f6ses bedacht sind, die Menschen in einer Sache als schuldig hinstellen und dem Rechtssuchenden im Tor Schlingen legen und um Nichtiges den Gerechten beugen. Darum, so hat Jahwe zum Haus Jakob gesprochen, der Abraham erl\u00f6ste: \u00bb[\u2026] Und es werden Einsicht erkennen, die verirrten Geistes sind,\u00a0 und die Widersprechenden werden Lehre lernen.\u00ab\u201c \u2013 Die Verse 20-22a.24a.b nach der Hebr\u00e4ischen Bibel.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eUnd die, die murren, werden lernen zu gehorchen.\u201c \u2013 Vers 24b nach der Septuaginta.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">+\u00a0 Ist das nicht ein hochaktuelles Wort?! Wir k\u00f6nnen Hoffnung haben darauf, dass die Verbrecher an den Schaltstellen der Macht abgel\u00f6st werden. Jetzt will ich keine Namen nennen, denn das w\u00fcrde dem Genus \u201ePredigt\u201c ins Gesicht schlagen. Aber die Hoffnung dieses Bibelwortes macht uns doch sensibel daf\u00fcr, dass alle, die solche Verunsicherungen und Sorgen hervorrufen, nicht das letzte Wort behalten werden. Dass sie zur Rechenschaft gezogen werden. Ja sogar, dass sie sich \u00e4ndern, dass sie umdenken, dass sie \u2013 ich darf dieses so traditionelle Wort unseres Christentums einsetzen \u2013 Bu\u00dfe tun, umkehren zum Weg der Gerechtigkeit und des Friedens. Diese Hoffnung k\u00f6nnen wir nur gelten lassen, weil wir sie als eine von Gott kommende Hoffnung verstehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">+\u00a0 Sehr sch\u00f6n haben das die j\u00fcdischen \u00dcbersetzer ins Griechische zur Sprache gebracht: \u201eUnd die, die murren, werden lernen zu gehorchen.\u201c \u2013 Vers 24b. Es gibt also eine absolute G\u00fcltigkeit, der entsprechend wir leben sollen: den Willen Gottes, den wir in den Herausforderungen der Bibel erkennen k\u00f6nnen. S\u00e4kular in unsere Wirklichkeit gewendet, sind das die Grunds\u00e4tze der allgemeinen Menschenrechte. Wer ihnen entsprechend zu leben und zu regieren versucht, wird doch auf alle F\u00e4lle eines nicht anzetteln: Krieg. Wir haben also das Wissen \u00fcber die Grunds\u00e4tze, die helfen werden. In diesen \u00fcber 2.000 Jahre alten Grundhaltungen: \u201eDie Widersprechenden werden Lehre lernen.\u201c \/ \u201eDie murren, werden lernen zu gehorchen.\u201c Das geh\u00f6rt dazu: Es geht nicht nur um Freiheit und Selbstverwirklichung. Es geht auch darum, den durch die Existenz der anderen auferlegten Grenzen entsprechend zu leben. In diesem Rahmen das eigene Leben zu gestalten. Das wird doch kein misslingendes Leben werden. Im Gegenteil: Ich kann als Erfahrung meines Lebens sagen: Die Gestaltung des eigenen Lebens gerade im Rahmen der Grenzen, die die Existenz der anderen bedeutet, das macht dieses eigene Leben reich, vieldimensional. Lassen wir uns darauf ein!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">III.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eIst es nicht nur eine kurze Dauer: Da wird umkehren der Libanon zum Karmel \/ zum Fruchtgartenland, und der Karmel \/ das Fruchtgartenland wird als Kulturboden angesehen. Und es werden an jenem Tag die Tauben Schriftworte h\u00f6ren. Und von Dunkelheit und Finsternis befreit, werden die Augen der Blinden wieder sehen. Und in zunehmendem Ma\u00dfe werden die Armen in Jahwe Freude haben. Und die Elenden der Menschheit werden frohlocken \u00fcber den Heiligen Israels.\u201c \u2013 Die Verse 17-19 nach der Hebr\u00e4ischen Bibel.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">+\u00a0 Ich empfinde es immer als ganz gro\u00dfartig, dass die alttestamentlichen Worte so oft gesellschaftliche Herausforderungen und Verbesserungen in der Natur \u2013 glaubend gesagt: in der Sch\u00f6pfung \u2013 miteinander verbinden. Nicht nur wir Menschen werden verbessert werden \u2013 werden uns verbessern, wage ich aber nicht zu sagen! \u2013, sondern auch die Natur: die W\u00e4lder, die Wiesen, die Felder und ihre Tiere. Diese Hoffnung brauchen wir besonders in der gegenw\u00e4rtigen Krise der unvorstellbaren Br\u00e4nde rings um das Mittelmeer und angesichts der \u00dcberschwemmungen von den Alpen her und angesichts der Br\u00e4nde in Kanada. Die Verfasser unseres Bibelwortes kannten nat\u00fcrlich auch solche gro\u00dfen Herausforderungen. In zwei Symbolbegriffen werden sie zur Sprache gebracht: \u201eLibanon\u201c und \u201eKarmel\u201c. Und der \u201eKarmel\u201c ist Begriff f\u00fcr die g\u00fcnstige Umwelt, f\u00fcr die tragende und n\u00e4hrende Umwelt f\u00fcr Mensch und Tier. Finden wir eigene Begriffe f\u00fcr uns, die wir spontan verstehen? Da wird jetzt vieles unter unseren F\u00fc\u00dfen unsicher. Im August 2021 hatte ich eine Wanderreise auf den Harz gemacht \u2013 zum Beispiel auf dem Harzer-Hexen-Stieg, durch das Ilsetal zur Plessenburg und auf dem Goetheweg zum Brocken. Ganz erschreckt haben mich die vielen trockenen B\u00e4ume mit gelben Nadeln. Was da herausgeschnitten und neu aufgeforstet werden muss! Es wird bei uns zu warm und zu trocken f\u00fcr die Fichten, die als g\u00fcnstige Holzproduzenten noch weit verbreitet sind. K\u00f6nnte der Name \u201eKarmel\u201c f\u00fcr uns zu einem Begriff f\u00fcr die W\u00e4lder der Zukunft werden? F\u00fcr die n\u00f6tigen Mischw\u00e4lder mit Tannen und Buchen? Und: Das wird doch nicht einfach, das muss in schwerer und langfristiger (!) Arbeit verwirklicht werden!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">+\u00a0 Unser Bibelwort ist aber auch in der anderen Dimension ganz gro\u00dfartig: Es verbindet diese Naturvoraussetzungen mit gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen: Mit dem Einsatz f\u00fcr die Armen und Elenden. Es sind die Armen und Elenden, die Gott besonders \u201eam Herzen\u201c liegen. Ich verstehe \u00fcberhaupt nicht, wie viele Diskussionen und Auseinandersetzungen um eine geplante \u201eKindergrundsicherung\u201c stattfinden. Da kann es doch nur eine Verhaltensweise geben: Ja, die ist notwendig. Schauen wir genau, was wir leisten k\u00f6nnen. Schauen wir genau, was wir nicht wirklich brauchen und vielmehr zugunsten unserer Kinder \u201einvestieren\u201c k\u00f6nnen!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">IV.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eUnd die stammelnden Zungen werden lernen, Frieden zu sprechen.\u201c \u2013 Der Zusatz zu Vers 24 in der Septuaginta. Oder in einer eigenen \u00dcbersetzung: \u201eSogar die Zungen, die stammelnden \/ die stotternden, m\u00fcssen \/ k\u00f6nnen lernen, Frieden zu verk\u00fcndigen!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">+\u00a0 Ist das nicht ein gro\u00dfartiges Schlusswort? Ein Schlusswort, das wir nur ernst nehmen k\u00f6nnen, weil wir darin Gott h\u00f6ren! Ein Schlusswort, das alle Unsicherheiten und noch laufenden Diskussionen zum Abschluss bringt: Unser Auftrag ist es, Frieden zu verk\u00fcndigen. Als Widerspruch gegen alle friedlosen Situationen: Frieden! Wenn die \u00dcbersetzer des 2. Jahrhunderts v.Chr. dies schon in ihrer hebr\u00e4ischen Vorlage stehen hatten, dann haben sie einfach den Begriff \u00ab\u0160al\u014dm\u00bb ins Griechische \u00fcbersetzt: \u00bbEir\u0113n\u0113\u00ab. Und wenn diese Aussage ihnen noch nicht vorlag, haben sie doch Gottes Willen hier gro\u00dfartig eingetragen, weil ihnen diese Dimension jetzt offenbart wurde: \u00bbEir\u0113n\u0113\u00ab \/ \u201eFrieden\u201c. Damit zusammen steht doch auch in der griechischen Kultur der Begriff \u00bbEvangelium\u00ab \/ \u201eFrohe Botschaft\u201c: Die Nachricht, dass alle Unsicherheiten, dass alle Gewalt, dass Kriege \u00fcberwunden sind und Frieden beginnt, sich durchsetzt, von allen zu gestalten begonnen wird! Mein besonderer Wunsch besteht darin, dass zum Sonntag, dem 27. August dieses Jahres, diese gro\u00dfe Aufgabe begonnen werden wird! Dass Nachrichten von Frieden uns erreichen!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">+\u00a0 Aber wir als Christinnen und Christen k\u00f6nnen ganz eigenst\u00e4ndig damit beginnen. Auch unter widrigen Umst\u00e4nden. Um diese Chance nachvollziehbar zu machen, kann ich als Christ Paulus zu Wort kommen lassen: \u201eSchlie\u00dflich, liebe Geschwister, freut euch, fangt noch einmal an, lasst euch ermutigen, lebt einm\u00fctig und in Frieden! Gott ist Liebe und Frieden und wird mit euch sein.\u201c \u2013 2. Korinther 13,11 in der \u00dcbersetzung der Bibel in gerechter Sprache.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eUnd der Friede Gottes,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">der h\u00f6her ist als unsere Vernunft,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liedvorschl\u00e4ge:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EG 425: \u201eGib uns Frieden jeden Tag! \u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EG 430: \u201eGib Frieden, Herr, gib Frieden\u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EG 433: \u201eHevenu schalom alejchem\u2026\u201d<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EG 434: \u201eSchalom chaverim\u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dr. Rainer Stahl<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erlangen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"mailto:rainer.stahl.1@gmx.de\">rainer.stahl.1@gmx.de<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">[1951 geboren, Studium der Theologie in Jena, Assistent im Alten Testament, 1981 ordiniert, Pfarrer der Ev.-Luth. Kirche in Th\u00fcringen, zwei Jahre lang Einsatz beim Lutherischen Weltbund in Genf, dann Pfarrer in Altenburg, dann Alttestamentler an der Kirchlichen Hochschule in Leipzig, dann Referent des Th\u00fcringer Landesbischofs in Eisenach, von 1998 bis 2016 Dienst als Generalsekret\u00e4r des Martin-Luther-Bundes (des evangelisch-lutherischen Diasporawerks) in Erlangen, seit April 2016 im Ruhestand.]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/8ECB6ED1-CE7E-4C1A-9EE8-0A7410D8E92A#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a>\u00a0 Diese Predigt hat als Hintergrund: Meine Predigt zu diesem Text am 03.09.2017 in M\u00f6hrendorf bei Erlangen (vgl.: Rainer Stahl: Wer ist die Wahrheit?, Fromm-Verlag 2018, S. 188-193), meine Andacht am 29.10.2022 im Kirchlichen Fernunterricht in Neudietendorf, meine Andacht im Feste-Burg-Kalender zum 27.08. dieses Jahres und meine Meditation f\u00fcr die Predigtwerkstatt des Lutherkonvents der Evangelischen Kirche im Rheinland f\u00fcr den 27.08. dieses Jahres.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/8ECB6ED1-CE7E-4C1A-9EE8-0A7410D8E92A#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a>\u00a0 Diese \u00dcbersetzung hat als Grundlage: die Edition des hebr\u00e4ischen Textes in der Biblia Hebraica Stuttgartensia, Stuttgart 1968, die Ausgabe der Septuaginta, Band II, hrg. von Alfred Rahlfs, Stuttgart 1965, die Septuaginta Deutsch, hrg. von Wolfgang Kraus und Martin Karrer, Stuttgart <sup>2<\/sup>2010, die B\u00fccher der K\u00fcndung, verdeutscht von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig, Die Schrift 3, Stuttgart 1992, die Z\u00fcrcher Bibel, Z\u00fcrich 2007, die Bibel in gerechter Sprache, G\u00f6ttingen 2006, die Basis Bibel, Stuttgart 2021, und die Lutherbibel, revidiert 2017, Stuttgart 2016. Au\u00dferdem habe ich eingesehen: Hans Werner Hoffmann: Alttestamentliche Texte der Predigtreihe V philologisch erschlossen, M\u00fcnchen 2022, S. 66-68.<\/p>\n<p>Ich biete diesen Text pr\u00e4zise entsprechend der masoretischen Aufgliederung: Der Halbvers a eines Verses ist der Teil bis zum Atnach, der Halbvers b eines Verses der Teil nach dem Atnach.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/8ECB6ED1-CE7E-4C1A-9EE8-0A7410D8E92A#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a>\u00a0 Vers 23a ist sehr kompliziert: Im Hebr\u00e4ischen steht wirklich \u201ein seinem Sehen\u201c und \u201eseine Kinder\u201c \u2013 wie eine Aussage \u00fcber Gott. Gemeint ist aber doch ein Teil der Gottesrede: \u201ewie ich meine Kinder sehe, das Werk meiner Hand\u201c. In der BHS wird das Problem so gel\u00f6st, dass \u201eseine Kinder\u201c als Hinzuf\u00fcgung gedeutet wird. Hans Werner Hoffmann hat \u00fcbersetzt: \u201e\u2026 denn wenn er\/es sehen wird [seine Kinder,] das Werk meiner H\u00e4nde in seiner Mitte, werden sie meinen Namen heiligen\u2026\u201c Sehr gut l\u00f6sten die \u00dcbersetzer des 2. Jahrhunderts v.Chr. bei der griechischen \u00dcbersetzung die Probleme dieses Verses \u2013 wie angegeben: \u201edoch wenn ihre Kinder meine Werke sehen, werden sie um meinetwillen meinen Namen heiligen\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hoffnung auf v\u00f6llige Ver\u00e4nderung von Leben und Gesellschaft | 12. Sonntag nach Trinitatis | 27.08.2023 | Jes 29,17-24 | Rainer Stahl[i] | \u201eDie Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!\u201c Liebe Leserin, lieber Leser! Liebe Schwestern und Br\u00fcder! 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