{"id":18783,"date":"2023-08-29T08:10:10","date_gmt":"2023-08-29T06:10:10","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18783"},"modified":"2023-08-30T18:12:05","modified_gmt":"2023-08-30T16:12:05","slug":"lukas-1023-37-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1023-37-2\/","title":{"rendered":"Lukas 10,23-37"},"content":{"rendered":"<h3>13.Sonntag nach Trinitatis | 03.09.23 | Lk 10,23-37 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Eva Holmegaard Larsen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Manchmal ist da einfach etwas, was getan werden muss. Wenn man an einem Menschen in Not vorbeigeht, ist da einfach etwas, was man tun muss \u2013 ob man nun Lust oder Zeit dazu hat oder nicht.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zwei Menschen gehen vorbei. Einer bleibt stehen. Und wir vermuten, dass dieser dritte Passant stehen bleibt, weil er einfach wei\u00df, dass er das muss.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus erz\u00e4hlt diese Geschichte einem jungen Mann, der gerne wissen will, was er tun muss, um sicher zu sein, das in Gottes Augen Richtige zu tun. Was soll ich tun?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Du musst stehen bleiben k\u00f6nnen! Lautet die Antwort.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In der Erz\u00e4hlung vom barmherzigen Samariter fehlen alle Motive zu helfen und zu handeln. Es geschieht spontan. Der, der stehen bleibt und hilft, handelt spontan \u2013 ohne viel nachzudenken. Denn hier ist einfach nur etwas, was getan werden muss.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die beiden, die vorbeigehen, handeln auch spontan. Ihre erste Reaktion ist, dass sie sich abwenden. Die beiden fallen uns dadurch auf, dass sie Priester (also Pastoren) sind \u2013 sonst w\u00fcrden wir uns wohl nicht so sehr dar\u00fcber wundern, denn es sind ja viele, die jeden einzigen Tag an jemandem vorbeigehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Viele gehen vorbei, ehe jemand stehen bleibt! Das ist mehr die Regel als eine Ausnahme.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber das hier sind zwei Priester, das gibt zu denken! Das war uns doch immer klar. Heuchler in heiligen Gew\u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er aber, der dagegen stehen bleibt \u2013 der erl\u00f6sende Engel \u2013 das ist ein Fremder. Er ist aus Samarien, der n\u00f6rdlichsten Provinz. Er war Samariter, aus einer anderen Kultur mit einer anderen Religion. Er war ein Ungl\u00e4ubiger, ein Fremder \u2013 og niemand erwartete etwas von ihm.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Warum bleibt er stehen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das tut er, weil da manchmal etwas ist, was getan werden muss. Ohne dass wir erst \u00fcberlegen sollen, ob wir es sind, die es tun sollen \u2013 ob das unsere Verantwortung ist oder die anderer, oder ob es bis morgen warten kann. Und was kostet es?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manchmal muss man einfach zupacken anstatt darauf zu warten, dass all die rechten Motive und Voraussetzungen und Fragen gekl\u00e4rt sind, wer verantwortlich ist, wer Zeit hat und Ressourcen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die beiden Priester \u2013 wenn wir davon absehen, dass sie Priester sind, denn das lenkt zuweilen davon ab, wie viele von uns daf\u00fcr argumentieren w\u00fcrden, dass nicht wir es sind, die heute Verantwortung \u00fcbernehmen \u2013 die beiden, sie gehen vorbei an dem notleidenden Mann an diesem Tag. Ich denke nicht, dass sie besonders b\u00f6se und kalt oder gleichg\u00fcltig sind. Es sind nicht besonders schlechte Menschen. Sie haben es nur eilig. Sie sehen weg und hoffen, dass sicher andere vorbeikommen, die das Notwendige tun.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das kennen wir gut.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist nicht so leicht, dass man sich aufhalten l\u00e4sst. Nicht einmal wenn es sich um unsere eigene Familie zuhause handelt. Da ist ein Kind, das Aufmerksamkeit braucht, oder ein Ehepartner, der lange Zeit nicht gesehen wurde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir w\u00fcrden alle gerne etwas mehr tun. F\u00fcr den Nachbaren, f\u00fcr die Freunde, f\u00fcr unsere alten Eltern und alle die anderen, die unsere Zeit und F\u00fcrsorge beanspruchen. Wir w\u00fcrden auch gerne die ganze Welt retten und alle Probleme der Erde l\u00f6sen. Aber nicht gerade jetzt. Denn gerade jetzt geht es um etwas anderes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das ist ja auch der Fall! Da ist immer jemand, der nach uns ruft und etwas von uns will. Und wir sind immer zu sp\u00e4t dran. Es ist nicht leicht, aufgehalten zu werden, und dann tr\u00f6sten wir uns damit, dass da sicher andere kommen, die mehr Zeit haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die beiden, die vorbeigehen \u2013 die Priester \u2013 wer wei\u00df, was sie in Jericho vorhatten? Vieleicht war das etwas Wichtiges und Unaufschiebbares. Vielleicht war da jemand, der auf sie wartete, den sie auch nicht entt\u00e4uschen konnten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir alle haben mit uns selbst zu tun und laufen mit unseren kleinen Problemen umher. Es waren Priester \u2013 vielleicht gingen sie und dachten \u00fcber ein Problem nach, f\u00fcr das man eine L\u00f6sung finden sollte. Wenn man etwas bissig sein wollte, k\u00f6nnte man sich vorstellen, dass sie an die Predigt des n\u00e4chsten Sonntags dachten, die von der N\u00e4chstenliebe handelt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber was ist es, was Jesus dem jungen Mann sagen will? Er will ihn an das Gebot erinnern: <em>Du sollst den Herrn deinen Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gem\u00fct.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit Herz und Seele. Nicht nur mit dem Gehirn und mit deinen Gedanken und eigenen inneren Gef\u00fchlen. Die Liebe zu Gott fordert dich ganz, mit Gehirn, Herz, Mund, Armen und Beinen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Glaube funktioniert nicht in einem geschlossenen System, denn Gott l\u00e4sst sich nicht denken, ohne dass du den N\u00e4chsten mitdenkst. Gott selbst hat sich als ein Mitmensch offenbart. Als ein Freund, ein Herz, eine Seele, die sich in die unsere gelegt hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und wer ist dann unser N\u00e4chster? Er, der stehen blieb und dem armen Menschen im Graben half, er war ein Fremder. Das sollen wir beachten. Denn wie fremd ist man eigentlich einem Menschen gegen\u00fcber, der ein Gesicht hat und uns ganz nahekommt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manchmal k\u00f6nnen wir gar nicht unseren Feind kennen, wenn wir ihm nahekommen. Ein Mensch, dem gegen\u00fcber wir alle m\u00f6glichen Vorurteile hatten, und wir sind sicher, dass wir ihn nicht m\u00f6gen. Dann begegnet man sich im Supermarkt und kommt dennoch ins Gespr\u00e4ch, und dann ist das ja nur ein ganz anderer Mensch, vor dem wir stehen. Ein N\u00e4chster.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wieviel mehr Mensch wird man dann, so dass man einem anderen Meschen zu Hilfe kommt so wie im Gleichnis vom barmherzigen Samariter?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die beiden lebten sicher jeder f\u00fcr sich in einer ganz bestimmten Vorstellung von einander und wie die Welt und alles zusammenh\u00e4ngt, ehe sie sich auf der Landstra\u00dfe begegneten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Samariter war auf der Durchreise und dachte wohl, dass er nichts Konkretes mit diesen Menschen in diesem Land zu tun haben w\u00fcrde.\u00a0 Denn die verh\u00f6hnen seine Religion und sehen in ihm eine Bedrohung ihrer eigenen Kultur. Er ist nicht willkommen. Er ist nur auf Durchreise.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und der Mann, der \u00fcberfallen und bestohlen wird \u2013 er ist vielleicht ein Mensch, der sich selbst immer f\u00fcr stark und unabh\u00e4ngig hielt. Ein Mensch, der immer f\u00fcr sich selbst sorgen konnte und keine Hilfe von anderen brauchte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Beide erleben, dass ihre Vorstellungen von sich selbst und ihrer Welt durchbrochen werden. Der Samariter kann nicht einfach weiterreisen, unber\u00fchrt und auf Distanz \u2013 wie er das vorhatte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und der notleidende Mann im Graben erlebt, dass auch er von anderen Menschen abh\u00e4ngig ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da geschieht eine Begegnung \u2013 ihre Wege kreuzen sich. Die Welt ist nicht dieselbe nach dieser Begegnung. Sie selbst sind auch nicht mehr dieselben. Sie glaubten, ihren Lebensweg zu kennen. Aber das taten sie nicht. Ihre Bestimmung war eine andere: Der eine sollte stehenbleiben und helfen, der andere die Hand nach Hilfe ausstrecken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn Jesus diese Geschichte erz\u00e4hlt, so vielleicht um zu erz\u00e4hlen, dass wir Menschen immer mehr sind als wir selbst. Denn f\u00fcr die beiden Menschen, die sich in der Erz\u00e4hlung begegnen, wird deutlich \u2013 dass die Blasen, in denen wir leben, und die Selbstbilder, die wir mit uns tragen, in einem Moment zusammenfallen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gehe hin und tu desgleichen \u2013 sagt Jesus. Geht hin und mischt euch ein in das Leben und die Welt. Denn alles liegt an der Begegnung zwischen Meschen, in Augenblicken, wo wir einander ausgeliefert sind und wo wir handeln m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Erz\u00e4hlung vom barmherzigen Samariter ist eine Erz\u00e4hlung dar\u00fcber, dass da manchmal etwas ist, was wir einfach tun m\u00fcssen. Manchmal m\u00fcssen wir einfach auf unsere innere ethische Stimme h\u00f6ren und stehen bleiben, ungeachtet all dessen, was dich davon \u00fcberzeugen will, dass du auch nur weitergehen kannst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn was ist N\u00e4chstenliebe? Das ist, immer wenn man einem anderen Menschen auf seinem Weg begegnet, sich selbst die Frage stellen: <em>Was will wohl Gott von mir in dieser Situation?<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In jedem anderen Menschen liegt eine Wohltat f\u00fcr uns verborgen. Eine M\u00f6glichkeit, auch selbst ein klein wenig mehr Mensch zu werden. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Eva Holmegaard Larsen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">N\u00f8debovej 24, N\u00f8debo, DK-3480 Fredensborg<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-mail: ehl(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13.Sonntag nach Trinitatis | 03.09.23 | Lk 10,23-37 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Eva Holmegaard Larsen | Manchmal ist da einfach etwas, was getan werden muss. Wenn man an einem Menschen in Not vorbeigeht, ist da einfach etwas, was man tun muss \u2013 ob man nun Lust oder Zeit dazu hat oder nicht. Zwei Menschen gehen vorbei. 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