{"id":18816,"date":"2023-09-12T16:52:16","date_gmt":"2023-09-12T14:52:16","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18816"},"modified":"2023-09-12T16:52:16","modified_gmt":"2023-09-12T14:52:16","slug":"matthaeus-624-34","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-624-34\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 6,24-34"},"content":{"rendered":"<h3>15.Sonntag nach Trinitatis | 17.09.23 | Mt 6,24-34 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Thomas Reinholdt Rasmussen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Nicht Schicksal, sondern Verhei\u00dfung<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es hat mich oft gewundert, wie ganz anders das Christentum vom Leben denkt. Viele andere Weltanschauungen und Religionen beruhen auf einem Glauben an ein Schicksal, das einen sehr gro\u00dfen Einfluss auf das Leben und das Ergehen des Menschen hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Man kann zuweilen auch Menschen begegnen, die krank sind und sich vielleicht von dieser Welt verabschieden m\u00fcssen, und sie sagen und fragen h\u00f6ren, was sie denn getan h\u00e4tten, dass es ihnen so er geht wie jetzt. Man plagt sich damit, eine Antwort zu finden in seinen eigenen Wegen, und auf fast wunderliche Weise die Schuld auf sich zu nehmen. Man will einen Zusammenhang finden zwischen den Taten der Vergangenheit und dem gegenw\u00e4rtigen Geschehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und hier denkt das Christentum so ganz anders. H\u00f6rt nur einen Ausschnitt aus dem heutigen Evangelium: \u201eDarum sorget nicht f\u00fcr morgen, denn der morgige Tag wird f\u00fcr das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat\u201c. F\u00fcr die Zukunft sorgt Gott. Die Zukunft als Objekt f\u00fcr unsere besorgten Gedanken ist abgeschafft. Sie existiert nur als Verhei\u00dfung \u2013 der Verhei\u00dfung, die in der Vorsehung Gottes besteht \u2013 er wird unter dem Zeichen des Regenbogens daf\u00fcr sorgen, dass wir Kleidung, Essen und Trinken bekommen. Die Vergangenheit ist damit auch uninteressant. Denn die Verhei\u00dfung gilt, solange die Welt besteht\u201c, ganz gleich wie die Vergangenheit war und trotz aller ertr\u00e4nkten S\u00fcnden. Es bleibt der Tag, jeder Tag, heute.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Christentum ist der Glaube daran, dass wir immer neu beginnen k\u00f6nnen. Die alttestamentliche Lesung f\u00fcr den heutigen Tag handelt von Noah. Das ist ja eigentlich ein ganz schlimmer Bericht von \u00dcberschwemmung und Vernichtung., aber er enth\u00e4lt auch ein Evangelium. Das Evangelium, dass Gott sagt: \u201eNie wieder\u201c. Die Vergangenheit bedeutet nichts, oder besser: Die Vergangenheit ist Geschichte geworden, und in der Zukunft erwartet uns die F\u00fcrsorge Gottes, auf die Jesus heute als eine Verhei\u00dfung verweist mit den Worten: Seht die V\u00f6gel des Himmels, seid ihr nicht viel mehr wert als sie?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Damit umfassen die heutigen Texte sowohl die Vergangenheit, die wirklich Vergangenheit ist &#8211; also Geschichte und nicht mehr als das \u2013 und die Zukunft, wo nur Gott regiert. Und Vergangenheit, die ohne belastende Bedeutung ist, das nennen wir Vergebung der S\u00fcnden, und die Zukunft, wo nur Gott regiert, nennen wir Gottes Gnade und Vorhersehung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und dies ist somit der Kern im Christentum: Dass wir stets neu beginnen d\u00fcrfen, immer neu beginnen k\u00f6nnen, immer eine neue M\u00f6glichkeit bekommen im Leben. Niemals ganz verdammt. Niemals ganz zu Boden gegangen durch Schuld durch Schuld und Vergehen, denn Gott macht unser Leben neu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das ist nach meiner besten \u00dcberzeugung eine Botschaft, die wir in hohem Ma\u00dfe brauchen. Dass nicht alles allein meine Schuld ist. Dass meine Gegenwart nicht notwendigerweise die Form und den Ausgang hat, den sie nun hat, weil ich dies und jenes in der Vergangenheit getan habe. Dass nicht alles in der Welt allein meine Schuld ist. Es ist in hohem Ma\u00dfe wichtig, dass wir das h\u00f6ren, denn der moderne Mensch ist nach meiner besten \u00dcberzeugung kein Ideal. Entweder ist er neurotisch und von Schuld geplagt, ob das nun schlechte Eltern sind oder allein schuld zu sein sogar an globalen Klimaver\u00e4nderungen, oder auch ist man \u00e4sthetisch, geht auf Wellness-Urlaub, um wie ein Baby umsorgt zu werden. Wir leben in einer Zeit, die erwachsen werden muss. Wir sollten das Evangelium h\u00f6ren, so dass wir das Menschenleben verantwortlich und im Glauben leben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und dies Evangelium wird uns heute hier vorgestellt, wenn wir h\u00f6ren, wie Jesus von den V\u00f6geln des Himmels und den Lilien auf dem Feld spricht. Das ist eine Rede, die den Glauben an die F\u00fcrsorge und Gegenwart Gottes enth\u00e4lt und damit den Gedanken, dass nicht alles in der Welt meine Schuld und Verantwortung ist. Gott regiert auch. Gott ist auch in seiner Allmacht beteiligt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und hier wollen wir schlie\u00dflich einen kleinen Ansto\u00df ausr\u00e4umen. Jesus spricht davon, sorglos zu sein. Wir sollen uns keine Sorgen machen. Hier ist ganz entscheidend, dass wir diese Worte als eine Verhei\u00dfung h\u00f6ren, gegeben in F\u00fcrsorge und nicht als eine Forderung, die erf\u00fcllt werden muss. Wenn wir die Worte als eine Forderung verstehen, sorglos zu sein, die wir dann erf\u00fcllen sollen, dann wird alles verkehrt. Man kann nicht sorglos sein auf Kommando. Aber wir k\u00f6nnen die Worte, dass Gott regiert, h\u00f6ren, und deshalb ist es m\u00f6glich, sorglos zu sein, trotz aller t\u00e4glichen Sorgen in unserem Leben. Trotz der Sorgen und dem Schmerz des Lebens, es handelt sich also um eine Sorglosigkeit, die in der F\u00fcrsorge und Gnade Gottes gr\u00fcndet. In Gottes Vergebung der Schuld und S\u00fcnde der Vergangenheit und in Gottes Sch\u00f6pfung neuer M\u00f6glichkeiten im Leben und in der Gemeinschaft mit anderen Menschen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist das Evangelium, das wir h\u00f6ren sollen, und das Evangelium, das Gott uns vor Augen stellt, wenn er jeden Tag V\u00f6gel unter dem Himmel schweben und die Lilien des Feldes bl\u00fchen l\u00e4sst, und seht, welch ein \u00dcberfluss ist das und was f\u00fcr ein Leben und Freude oft trotz allem. Wenn Gott in seiner Allmacht daf\u00fcr sorgt, so kann Gott gewiss auch f\u00fcr dich sorgen. Zudem in Geborgenheit, da die Allmacht sich in Jesus Christus als gn\u00e4dig erwiesen hat. Gott h\u00e4lt dich fest in Gnade in seiner Allmacht. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bischof Thomas Reinholdt Rasmussen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Thulebakken 1<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-9000 Aalborg<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: trr(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15.Sonntag nach Trinitatis | 17.09.23 | Mt 6,24-34 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Thomas Reinholdt Rasmussen | Nicht Schicksal, sondern Verhei\u00dfung Es hat mich oft gewundert, wie ganz anders das Christentum vom Leben denkt. 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