{"id":18847,"date":"2023-09-20T08:18:08","date_gmt":"2023-09-20T06:18:08","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18847"},"modified":"2023-09-20T08:18:08","modified_gmt":"2023-09-20T06:18:08","slug":"hebraeer-1035-3639","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hebraeer-1035-3639\/","title":{"rendered":"Hebr\u00e4er 10,35-36;39"},"content":{"rendered":"<h3>\u201eWerft Euern Freimut nicht weg!\u201c | 16.Sonntag nach Trinitatis | 24.09.23 | <span lang=\"DE\">Hebr 10,35-36;39 | <\/span>Konrad Gl\u00f6ckner |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kanzelgru\u00df:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">H\u00f6ren wir f\u00fcr die Predigt auf Worte aus dem Neuen Testament. Sie sind uns \u00fcberliefert im Hebr\u00e4erbrief, im 10. Kapitel. Folgendes ist uns dort gesagt: <em>Lesung von Hebr 10,35-36 und 39.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde, kennen Sie Arbeiterkampflieder? In der Schule habe ich sie gelernt und auch ihre kleinen Geschwister, die ideologisch aufgeladenen Lieder f\u00fcr Kinder: \u201eBr\u00fcder zur Sonne zur Freiheit\u201c, \u201eWann wir schreiten Seit an Seit\u201c, \u201eWenn Mutti fr\u00fch zur Arbeit geht\u201c. Gelegentlich begegnen mir diese Lieder noch heute. Zumeist ert\u00f6nen sie dann als spa\u00dfig gemeinte Einlage im Kreise von Leuten, deren Haare inzwischen nicht minder grau sind, als meine.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Immerhin, die Texte sind pr\u00e4sent. Sie haben sich eingebrannt in einst kindliche Gem\u00fcter und sind bis heute ein gemeinsames und also verbindendes Gut. Ein wenig Nostalgie schwingt mit \u2013 \u201ewisst Ihr noch, damals\u201c \u2013 aber auch etwas anderes. Kampflieder haben eine eigene Kraft und Faszination. Sie appellieren an ein Gemeinschaftsgef\u00fchl und sie erzeugen es auch. Sie besingen eine Verbundenheit in Werten und Idealen einer besseren Welt, ihre Worte sind getragen von eing\u00e4ngigen, zum Marschieren und Mitgehen einladenden Melodien. Sie vermitteln ein Bewusstsein der Wichtig- und Richtigkeit der gemeinsamen Sache. Und dieses wird durch den Verweis auf erbrachte Opfer und M\u00e4rtyrertum noch \u00fcber die Grenzen des Endlichen hinaus erh\u00f6ht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Schreiber des Hebr\u00e4erbriefes verfasst keine solche Hymne \u2013 und doch stimmt er den gleichen Grundton an. Er beschw\u00f6rt ein von Pathos und Stolz getragenes Gemeinschaftsgef\u00fchl: \u201eWir aber\u201c \u2013 sagt er, \u201eWir aber sind nicht solche, die zur\u00fcckweichen und verdammt werden, sondern solche die glauben und die Seele erretten!\u201c Auch er spricht vom Kampf und erinnert unmittelbar vor den f\u00fcr die Predigt verlesenen Worten an erbrachte Opfer: \u201eGedenkt aber der fr\u00fcheren Tage, an denen ihr, die ihr erleuchtet wurdet, erduldet habt einen gro\u00dfen Kampf des Leidens, indem ihr zum Teil selbst durch Schm\u00e4hungen und Bedr\u00e4ngnisse zu Schauspiel geworden seid, zum Teil Gemeinschaft hattet mit denen, welchen es so erging. Denn ihr habt mit den Gefangenen gelitten und den Raub eurer G\u00fcter mit Freuden erduldet, weil ihr wisst, dass ihr eine bessere und bleibende Habe besitzt.\u201c Da also ist er, der gro\u00dfe Kampf. Und nat\u00fcrlich geht es um das Kommen einer besseren Welt, bzw. den Besitz einer besseren und bleibenden Habe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ihrer Form nach betrachtet gleichen sich die Kampflieder und dies biblische Wort. Gibt dies nicht denen Recht, welche Glaubens\u00fcberzeugungen f\u00fcr austauschbare Ideologien halten, deren Protagonisten jeweils versuchen, eine Gemeinschaft Gleichgesinnter um sich zu scharen? Letztlich sind sie doch alle gleich. Soll doch jeder nach seiner eigenen Fasson selig werden \u2013 was sonst? Gibt es Kriterien zur Unterscheidung der Wahrheit von Glaubens\u00fcberzeugungen und -gemeinschaften? Und wer wollte sie benennen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zun\u00e4chst: Ich gehe fest davon aus, dass alle Bewegungen, die in der Geschichte Kraft entfalten, die Menschen begeistern und mit sich rei\u00dfen, auf Offenbarung beruhen. Darin sind sie nicht unterschieden. Sie gehen auf Offenbarungen zur\u00fcck und auf Stifterfiguren, die diese Offenbarungen empfingen. Wenn ich das so sage, verstehe ich unter Offenbarungen jeweils Ereignisse, in denen Menschen von einer Einsicht oder Erkenntnis \u00fcberw\u00e4ltigt werden, die f\u00fcr sie richtig und so wichtig ist, dass sie sich ihr vollst\u00e4ndig widmen. Bewusstseinsweitende Ereignisse, durch welche sie aus ihrem bisherigen Leben herausgerissen werden. Ereignisse, f\u00fcr die sie brennen und ganz und gar einstehen, leidenschaftlich und leidensbereit, weil ihre Sache f\u00fcr sie wichtiger als ihr eigenes Leben ist. Eine Sache, die sie bewegt und f\u00fcr die sie J\u00fcnger und Mitstreiter finden, die ihre Begeisterung teilen und die sie selbst auch verbreiten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Solch Kraft gewinnen Gemeinschaften, auch davon gehe ich fest aus, wenn die Impulse, die sie tragen, in etwas gr\u00fcnden, was richtig und wahr ist im Leben. In etwas, was gut und sch\u00f6pferisch ist. Frommer gesagt: Kraft w\u00e4chst Glaubensgemeinschaften insoweit und so lange zu, wie sie an der Sch\u00f6pferkraft Gottes teilhaben, an seiner Liebe zum Menschen und zu allem, was ist. Solange Gemeinschaften f\u00fcr das Leben um des Lebens selbst willen einstehen, solange werden sie vital und lebendig sein. Solange sie einstehen f\u00fcr Recht und Gerechtigkeit, sich leidenschaftlich und k\u00e4mpferisch zeigen gegen Willk\u00fcr und Ausbeutung von Menschen, von Klassen, Geschlechtern oder von der Natur.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kraftlos hingegen werden sie, wo ihre Suche nach Recht und richtigem Leben in Selbstgerechtigkeit umschl\u00e4gt. Wo anstelle von Wahrhaftigkeit die Interessen Einzelner treten und die Bereitschaft, sich selbst zu bel\u00fcgen und bel\u00fcgen zu lassen. Wo einst tragende Glaubenss\u00e4tze zu Ideologien verh\u00e4rten und zum Quellgrund von Unrecht, Gewalt und dem Missbrauch von Macht werden. Auch dies passiert st\u00e4ndig und in allen Glaubensgemeinschaften \u2013 wie im Kommunismus, so auch in den Kirchen. Entfremdet von dem, was sie tr\u00e4gt, zehren sie dann von ihrer Substanz und tun dies so lange, wie es ihnen gelingt, noch Kraft aus ihren Wurzeln zu ziehen. Tragendes und Zerst\u00f6rendes gehen quer durcheinander. So verlieren Bewegungen ihre Begeisterungskraft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und soweit gleichen sich Glaubensgemeinschaften! Also noch einmal die Frage: Gibt es einen Unterschied in ihrem Anspruch auf Recht und Kriterien, woran sich dieser bemisst? Die Frage wiegt schwer, aber die Antwort ist leicht. Ihr Recht erweisen Glaubensgemeinschaft, wenn es ihnen gelingt, wieder zur Quelle ihrer urspr\u00fcnglich sch\u00f6pferischen Kraft zur\u00fcckzufinden. Sie erweisen ihre G\u00fcltigkeit in dem Ma\u00dfe, wie das Offenbarungsereignis, das sie tr\u00e4gt und verbindet, sie dazu bef\u00e4higt und ihnen dazu verhilft, sich in ihrer verzerrten und entfremdeten Gestalt selbst in Frage zu stellen und wieder neu mit dem zu erf\u00fcllen, was sie begeistert, weil es dem Leben dient.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es geht also um den Grund des Glaubens und um die in ihm liegende Kraft, seine Anh\u00e4nger zu bef\u00e4higen, sich immer wieder neu auf ihn einzulassen. Und genau das ist das Thema des Hebr\u00e4erbriefes. Er ist an Christen gerichtet, die ihre Begeisterung am Glauben verloren haben und die nun in Gefahr stehen, ihren Glauben f\u00fcr wertlos zu halten und ihn entt\u00e4uscht hinter sich zu lassen. Sie sollen durch den Brief ermutigt und gelockt werden, am Vertrauen und an der Hoffnung festzuhalten. Dazu werden sie erneut an den Grund ihres und unseres christlichen Glaubens gewiesen: \u201eBr\u00fcder und Schwestern, durch das Blut Jesu Christi haben wir den Freimut zum Eingang in das Heiligtum, den er uns er\u00f6ffnet hat, als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang.\u201c \u2013 hei\u00dft es im Brief.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In der Sprache, mit der er den Grund des christlichen Glaubens beschreibt, greift der Hebr\u00e4erbrief Bilder aus dem j\u00fcdischen Tempelkult auf. Er spricht vom Vorhang und dem dahinter verborgen liegendem Heiligtum. Die damaligen Leser kennen die Vollz\u00fcge dieses Kultes, aber die Bedeutung des Gesagten erschlie\u00dft sich auch so: Uns Christen wurde Eingang ins Heiligtum gew\u00e4hrt, ein Weg ge\u00f6ffnet, der uns bisher verschlossen war. Wir haben sehen k\u00f6nnen, was unser Leben heiligt und tr\u00e4gt. Gott selbst wurde uns offenbar und wir haben erfahren, dass er unser Leben gro\u00df und bedeutungsvoll macht. Diese Erfahrung wurde tragend und verbindend f\u00fcr uns, und \u2013 und das ist bedeutend! \u2013 in Jesus dem Christus ist uns ein lebendiger Zugang zu ihr gewiesen. Wenn wir uns von dem ergreifen und bewegen lassen, was wir von Jesu Leben, von seinem Tod und von seiner Auferstehung erfahren haben, d\u00fcrfen und k\u00f6nnen wir diesen Zugang mit Freimut betreten, im Vertrauen darauf, dass sich dieser Weg lohnt. Macht es, wieder und wieder! &#8211; mahnt der Schreiber des Briefes. Werft euer Vertrauen, werft euren Freimut nicht weg. K\u00e4mpft f\u00fcr den Glauben!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Freimut! Ein spannendes Wort begegnet uns, wenn es hier um die Tragkraft unseres Glaubens geht. Freiheit und Mut klingen an. Der Brief erinnert seine Leser an Erlebnisse von Ermutigung, die sie erfahren haben und an Freiheit, zu der sie bef\u00e4higt wurden. Dies sind stets h\u00f6chstpers\u00f6nliche Erfahrungen. Aber der Schreiber ist sich gewiss, dass wir sie alle gemacht haben, weil sie aus unserem Glauben erwachsen. Sie sind Herzensangelegenheiten jedes Einzelnen von uns, die uns als Glaubende zugleich gemeinsam verbinden. So schreibt er dann auch: \u201eLasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in der F\u00fclle des Glaubens, besprengt in unserem Herzen und los von dem b\u00f6sen Gewissen und gewaschen am Leib mit reinem Wasser.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir Christen werden in unsrem Gewissen gest\u00e4rkt, von \u00c4ngsten befreit, zur Wahrhaftigkeit ermutigt. Die Taufe klingt an, als pers\u00f6nliche Zueignung neuen Lebens aus der Hoffnung und Kraft die uns durch die Auferstehung Jesu Christ zuw\u00e4chst. Glaube als Herzenssache \u2013 pr\u00fcft eure Herzen \u2013 ihr kennt die Erfahrung, dass das Herz stark und fest gemacht wird. \u201eEs ist ein k\u00f6stlich Ding, dass das Herz fest werde \u2026\u201c \u2013 hei\u00dft es dann auch im Brief, und der Schreiber f\u00fcgt hinzu: \u201e\u2026welches geschieht durch Gnade.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Spannend! Zum Glaubenskampf ruft er uns auf, zum Fest- und zum Durchhalten: \u201eMacht eure Erfahrungen der Ermutigung stark, baut und setzt auf sie! Lasst euch auf sie ein und verlasst euch auf sie!\u201c- ruft er uns zu &#8211; und spricht zugleich doch von Gnade. Diese Kraft geht nicht von uns aus, sondern sie kommt auf uns zu und wird uns geschenkt. Sie ist f\u00fcr uns unverf\u00fcgbar. Sie bleibt \u00fcberraschend, bleibt urspr\u00fcnglich \u2013 geht immer auf Gott selbst zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gnade, das ist der Grund unseres Glaubens. Lebendige, \u00fcberraschende Erfahrungen mit dem lebendigen Gott! Unser Glaube lebt aus dem Vertrauen darauf, dass Gott uns begegnet, nicht aus dem Vertrauen an die eigene Kraft. Darum keine Parolen und keine Marschmusik, die uns einstimmen, gemeinsam auf eigene Kraft zu bauen und f\u00fcr das Recht und die Interessen unserer Gemeinschaft zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Um die Erfahrung von Gnade geht es, und doch ist der Brief von einem k\u00e4mpferischen Grundton getragen. Gnade und Kampf! Die Spannung bleibt. Und sie verdichtet sich in dem Satz: \u201eWerft euer Vertrauen nicht weg, welches eine gro\u00dfe Belohnung hat.\u201c Darum sollen wir uns bem\u00fchen, den Glauben nicht von uns zu werfen. Darum geht es im Kampf, etwas nicht zu tun. Darum, Vertrauen nicht wegzuwerfen. Die Formulierung l\u00e4sst uns aufhorchen. K\u00f6nnen wir denn wegwerfen, was uns von Herzen erf\u00fcllt? Werfen wir denn eine Liebe weg, wenn sie uns tr\u00e4gt? Entgleitet sie uns nicht eher, wenn sich das, was sie trug, nicht mehr zeigt. Verlieren wir nicht unser Vertrauen, anstatt dass wir es von uns werfen? Und unseren Mut ebenso?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wegwerfen geschieht, wenn wir uns mit Kraft aus Bindungen l\u00f6sen, die sich f\u00fcr br\u00fcchig erwiesen und die uns entt\u00e4uscht und verletzt haben. Geschirr wird geworfen, wenn eine Liebe zerbricht. Und noch ein anderes Beispiel f\u00e4llt mir ein. Die belarussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch beschreibt, wie Menschen massenweise ihre Parteiausweise auf die Stra\u00dfe und in Gossen warfen, als die Sowjetunion vor 30 Jahren zerbrach. Lesenswert, sogar eines Nobelpreises wert ist, was sie von Menschen erz\u00e4hlt, die aus einem Bund austreten, der f\u00fcr sie keinen Partner mehr hat. \u201eWir Christen aber haben einen Partner, der uns verl\u00e4sslich begegnet, wieder und wieder\u201c, &#8211; ruft uns der Hebr\u00e4erbrief zu: \u201eEuer Vertrauen beh\u00e4lt seinen Grund. Darum werft es nicht weg.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Massenweiser Austritt. Aus der Kirche heute, nicht aus einer Partei. Wenn wir Geschichten von bitterer Entt\u00e4uschung h\u00f6ren, dann k\u00f6nnen wir diesen Schritt oft gut verstehen. Sie erf\u00fcllen uns mit Trauer und Scham. Gerne w\u00fcrden wir stolz auf eigene Sch\u00f6nheit und St\u00e4rke verweisen, aber wir k\u00f6nnen es nicht. Wir wissen um die Halbheit und Lauheit unserer Gemeinschaft, um das Durcheinander von Tragendem und Br\u00fcchigem in ihr. Wir wissen um ihre St\u00e4rken, aber auch um Machtmissbrauch und Selbstgef\u00e4lligkeit, um Feigheit und Schuld. Nein, auf uns selbst verweisen k\u00f6nnen wir nicht. Aber eines k\u00f6nnen und sollen wir tun, n\u00e4mlich den Menschen mit dem Hebr\u00e4erbrief zurufen: Werft Euer Vertrauen nicht weg! Grund unseres Glaubens oder Unglaubens ist nicht die Kirche in ihrer verzerrten und entfremdeten Gestalt. Grund ist, dass Gott selbst festh\u00e4lt an uns! Und wir haben einen Zugang zu dieser Erfahrung, den wir mit Freimut begehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Freimut, wohlgemerkt, ist ein spannendes Wort. Es redet vom Glauben als einem Getragensein von Freiheit und Mut. Urspr\u00fcnglich meinte das Wort die Freiheit zur Rede, den Mut einander ehrlich und unverstellt zu begegnen. Es redet von der Offenheit f\u00fcreinander und von der Befreiung von dem, was uns in \u00c4ngsten gefangen h\u00e4lt und uns an uns selbst bindet. So hei\u00dft es im Hebr\u00e4erbrief, dass wir aufeinander achthaben sollen und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken. Von Gastfreundschaft redet der Brief und der Offenheit f\u00fcr Menschen in Bedr\u00e4ngnis und Not. Unser Glaube gestaltet die Weise, wie wir Menschen einander begegnen. Der Weg, auf dem wir freim\u00fctig hinzutreten zu Gott, weist uns aneinander. Er f\u00fchrt uns nicht aneinander vorbei. Lasst uns einander ermahnen und die Versammlungen nicht verlassen, gemahnt uns der Brief.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dass allein ist der Grund, warum es Kirche gibt und weshalb wir auch festhalten sollen und m\u00fcssen an ihr: Die Botschaft von Jesus dem Christus dr\u00e4ngt auf Gemeinschaft und sie bedarf dieser auch. Sie ben\u00f6tigt eine Gemeinschaft lebendigen Glaubens, die sich gegenseitig ermutigt, immer neu Vertrauen zu wagen. Eine Gemeinschaft, die sich immer wieder auf den Weg macht, zur\u00fcckzufinden zur Quelle ihrer urspr\u00fcnglich sch\u00f6pferischen Kraft. Eine Gemeinschaft, in der diese Quelle auch erkenntlich ist, als das, was sie dazu bef\u00e4higt und tr\u00e4gt. Also lasst uns das tun, freimutig den Weg gehen, den der christliche Glaube uns weist. Werfen wir unser Vertrauen nicht weg. Und wenn wir das nicht tun, dann d\u00fcrfen wir hoffen, dass wir als Gemeinschaft einladend sind und bleiben, auch f\u00fcr die Menschen in unserer Zeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie k\u00f6nnten wir Menschen leben in einer Zeit wie der unsren, in der uns so viele Krisen zugleich ernsthaft bedr\u00e4ngen, h\u00e4tten wir nicht guten Grund zu Hoffnung und Mut? Wenn wir keine Zukunft mehr s\u00e4hen und uns \u00e4ngstlich nur festhalten w\u00fcrden an dem, was uns vermeintlich noch bleibt? Wenn wir Menschen die Offenheit f\u00fcreinander verlieren w\u00fcrden, und es niemanden g\u00e4be, der glaubhaft verk\u00fcndet: Werft euren Freimut nicht weg. Werft euren Freimut nicht weg, sondern sucht und findet den Quellgrund, der diesen auch tr\u00e4gt. Das ist die Verantwortung, die der Erfahrung der lebendigen Kraft unseres Glaubens erw\u00e4chst. Und wir schulden sie Gott. Und uns selbst. Und den Menschen, mit denen wir leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle Vernunft, bewahre dazu unsere Herzen und Sinne, in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Dr. Konrad Gl\u00f6ckner<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kirchweg 42, 18565 Hiddensee<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"mailto:Kloster@pek.de\">Kloster@pek.de<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Konrad Gl\u00f6ckner, geb. 1966, Pastor der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Seit 2008 t\u00e4tig als Pastor in Kloster, Insel Hiddensee<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Zur Anregung als Schuldbekenntnis im Gottesdienst:<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <em>Allm\u00e4chtiger Gott, himmlischer Vater.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wir kommen vor dein heiliges Angesicht<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und bekennen dir unsere Schuld.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wir haben deinem Wort nicht geglaubt<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und sind deinen Geboten nicht gehorsam gewesen,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 vor den M\u00e4chten dieser Welt haben wir uns gef\u00fcrchtet<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und die Sorge um unser Leben<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 haben wir \u00fcber uns herrschen lassen.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wir habenunser Vertrauen nicht allein auf dich gerichtet,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und dir nicht f\u00fcr deine t\u00e4glichen Wohltaten gedankt.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Unserm N\u00e4chsten sind wir Liebe schuldig geblieben<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und haben ihm nicht mit deinen Gaben gedient.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Darum bitten wir dich.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vergib uns, Herr,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 wo wir unsere Zeit vergeudet haben.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vergib uns, Herr,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 wo wir unsere eigenen Vers\u00e4umnisse entschuldigt<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 oder unsere Verantwortung abgelehnt haben.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vergib uns, Herr,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 wo wir andere so wenig von Deiner Liebe haben sp\u00fcren lassen.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Liedvorschl\u00e4ge:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Vertraut den neuen Wegen, EG 395, 1-3<\/li>\n<li>Ein reines Herz, Herr schaff in mir, EG 389, 1-5<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWerft Euern Freimut nicht weg!\u201c | 16.Sonntag nach Trinitatis | 24.09.23 | Hebr 10,35-36;39 | Konrad Gl\u00f6ckner | Kanzelgru\u00df: Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen. H\u00f6ren wir f\u00fcr die Predigt auf Worte aus dem Neuen Testament. Sie sind uns \u00fcberliefert im Hebr\u00e4erbrief, im 10. Kapitel. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":18848,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[514,59,1,157,853,114,711,349,772,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-18847","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-16-so-n-trinitatis","category-hebraeer","category-aktuelle","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-10-chapter-10-hebraeer","category-kasus","category-konrad-gloeckner","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18847","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18847"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18847\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18849,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18847\/revisions\/18849"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/18848"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18847"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18847"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18847"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=18847"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=18847"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=18847"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=18847"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}