{"id":18906,"date":"2023-10-04T15:00:02","date_gmt":"2023-10-04T13:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=18906"},"modified":"2023-10-04T11:16:31","modified_gmt":"2023-10-04T09:16:31","slug":"matthaeus-2234-46-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-2234-46-4\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 22,34-46"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Der goldene Horizont | 18.\u00a0<\/strong>Sonntag nach Trinitatis | 08.10.23 | Mt 22,34-46 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0Marianne Frank Larsen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine der sch\u00f6nsten Kirchen in Rom hei\u00dft Santa Maria in Trastevere. Sie wurde schon um 200 nach Christus gegr\u00fcndet, aber ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche im 12. Jahrhundert. Damals wurde sie auch mit den goldenen Mosaiken ausgeschm\u00fcckt, die sie zu einem so wundersch\u00f6nen Kirchenraum machen. Auf dem Bild sieht man einen Ausschnitt aus dem Mosaik, das den ganzen Apsis-Bogen \u00fcber dem Altar ausf\u00fcllt. Christus sitzt auf dem himmlischen Thron zusammen mit seiner Mutter Maria. Sie hat eine Krone auf dem Kopf und ist gekleidet wie eine K\u00f6nigin in einem pr\u00e4chtig ausgeschm\u00fcckten goldenen Gewand, weil sie die Mutter des himmlischen K\u00f6nigssohnes ist. Es ist denn auch er, auf den sie zeigt, der buchst\u00e4blich das Zentrum des Mosaiks ist. Sein Rock hat dieselbe hellblaue Farbe wie der Himmel, und sein Gewand mit den vielen Falten ist golden wie die Sonne oder wie die Freude, die wie eine Sonne um sein Angesicht strahlt. Das Gold findet sich wieder in der Glorie, die wie eine Sonne um sein Gesicht strahlt. \u00dcber ihm reicht eine Hand aus dem Himmel herab durch die blauen und roten Wolken. Es ist die Hand Gottes, die ihn segnet und f\u00fcr uns erw\u00e4hlt. So sitzt er zur rechten Hand Gottes wie in dem Psalm, den er im heutigen Evangelium zitiert. Wir sind nicht im Zweifel dar\u00fcber, dass dieser K\u00f6nig Herr ist \u00fcber alle anderen K\u00f6nige, auch K\u00f6nig David, denn er ist der himmlische K\u00f6nigssohn.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Sch\u00f6ne ist, dass er nicht allein auf dem himmlischen Thron sitzt. Er hat den Arm um seine Mutter gelegt. Sie hat ihn geboren, ganz so wie unsere M\u00fctter uns geboren haben. Er ist zugleich Gottes Sohn und ihr Sohn, ein Mensch wie wir. Himmlisch und irdisch, g\u00f6ttlich und menschlich zugleich. Die Glorie um sein Gesicht tr\u00e4gt das Zeichen des Kreuzes, so dass wir nicht vergessen, wie er wie wir geboren wurde, ist er auch wie wir gestorben. Auf dem Mosaik unter ihm ist er als ein Lamm abgebildet umgeben von zw\u00f6lf anderen L\u00e4mmern, die die zw\u00f6lf Apostel symbolisieren. Wenn ihr das Lamm in der Mitte sehen k\u00f6nntet, w\u00fcrdet ihr sehen, dass dieses Lamm eine Glorie tr\u00e4gt, die rot wie Blut ist.\u00a0 So werden wir daran erinnert, dass der K\u00f6nig nicht immer auf seinem Thron im Himmel gesessen hat. Er starb auch an einem Kreuz auf der Erde. Weil er sowohl Davids Herr war, ein himmlischer K\u00f6nig, als auch Davids Sohn, bildlich gesprochen ein Mensch auf Erden. Mit seiner Bildsprache h\u00e4lt das Mosaik das fest, was die Pharis\u00e4er im Evangelium nicht zusammenbringen: Dass Gott in einem Menschen ist, der erschlagen werden kann \u2013 und der erschlagen wird. Das Mosaik h\u00e4lt fest, dass er beides ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und dann h\u00e4lt das Mosaik fest, wer wir sind. Denn Christus hat den Arm um Maria gelegt, aber nicht auf sie blickt er, sondern auf uns. Sein Blick trifft auf unseren Blick, er sieht uns mit milden Augen. In dem Buch, das er uns zeigt, steht, was er sagt. Komm, mein Erw\u00e4hlter, und ich will dich auf meinen Thron setzen. Es ist wohl Maria, zu der er spricht, aber es ist auch jeder von uns, die das Mosaik betrachten. Komm, mein Erw\u00e4hlter. Das sind wir offenbar in seinen Augen. Seine Erw\u00e4hlten. Die, mit denen er seinen Himmel teilen will.\u00a0 Paulus sagt das so sch\u00f6n in der Epistel dieses Sonntags (1. Kor. 1,4-8): \u201eIn ihm seid ihr in allen St\u00fccken reich gemacht\u201c. So sieht Christus auf uns, nicht als arme Leute, die zu nichts taugen, sondern als Menschen, die reich geworden sind an Wort und Erkenntnis und Gnadengaben, weil wir in ihm sind, ihm geh\u00f6ren, von ihm erw\u00e4hlt sind, oder wie wir nun die Beziehung zwischen ihm und uns formulieren wollen. Denn er ist unser K\u00f6nig, und wir sind sein Volk.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Reich an Wort und aller Kenntnis. Was ist es, wor\u00fcber wir nach seiner Meinung reden k\u00f6nnen, und was ist das, was wir nach seiner Meinung kennen? Ja, das ist ja seine eigene Geschichte. Die Geschichte von dem himmlischen K\u00f6nigssohn, der auf Erden geboren wie wir wurde von einer Mutter. Der all den Feinden trotzte, die Menschen in sich selbst einsperren, sie mit himmlisch er Liebe anr\u00fchrte, so dass sie sich erheben konnten, frei atmen und einander die Hand reichen konnten. Er starb und wurde in ein Grab gelegt wie wir. Aber sein Vater besiegte den Tod und erweckte ihn vom Tode und erhob ihn zu seiner Rechten. Das ist der Reichtum, den wir empfangen haben. Eine Geschichte von der Macht der Liebe \u00fcber den Tod, einem K\u00f6nig, der uns von allen Anklagen befreit.\u00a0 Er ist es, den wir kennen und von dem alle Kenntnis kommt, er ist es, von dem wir frei sprechen k\u00f6nnen, und das tun wir hoffentlich mit einander. Jedenfalls tun wir dies hier heute. Reden von ihm und singen von ihm, so dass er wieder lebendig in unseren Herzen steht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn er und seine Geschichte sind wohlgemerkt nicht nur Vergangenheit. Unser Reichtum besteht in dem leuchtenden Horizont, den er f\u00fcr unser Leben schafft. Das ist der Horizont, den das goldene Mosaik im Apsis-Bogen widerspiegelt, das in der Kirche in Rom strahlt. Der \u00e4u\u00dferste Horizont unseres Lebens ist nicht Schweigen und Finsternis, die sich senkt, sondern er ist die Begegnung mit einem, der uns mit milden Augen sieht, der uns ruft und uns Platz gibt an seiner Seite in einem Himmel, der golden ist wie die Freude. Dass er unser \u00e4u\u00dferster Horizont ist. Dass wir deshalb immer seinem Blick begegnen, wenn wir unseren Blick erheben, und dass seine Stimme h\u00f6ren, wann immer wir zuh\u00f6ren \u2013 das hat Bedeutung daf\u00fcr, wie wir hier und jetzt leben, w\u00e4hrend wir uns hin zum Licht des Horizonts bewegen, den er bereitstellt. Denn er l\u00e4sst keinen Zweifel daran, was der Sinn unseres Lebens ist. Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben und den N\u00e4chsten wie dich selbst. So wie er selbst dies unabl\u00e4ssig tat, ohne sich jemals dem Egoismus hinzugeben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn er unser K\u00f6nig ist und wir sein auserw\u00e4hltes Volk, dann sollen wir auch so leben, dass wir ihm entsprechen, dem wir geh\u00f6ren. Und das k\u00f6nnen wir, weil wir in allem reich geworden sind! Nicht eine einzige Gnadengabe fehlt uns, wie Paulus das ausdr\u00fcckt, und mit Gnadengaben meint er, dass wir von unserem Herrn die F\u00e4higkeit empfangen haben, einander zu tr\u00f6sten, einander zu helfen, einander die Hand zu reichen, einander aufzumuntern und Freude zu bereiten, einander zuzuh\u00f6ren, einander mit milden Augen zu sehen, einander wieder aufzurichten. Einander in die Arme nehmen, wie er den Arm um seine Mutter legt. Denn dies und vieles andere liegt darin, dass du deinen N\u00e4chsten lieben sollst wie dich selbst. Nicht Gef\u00fchle, denn die kann niemand von uns verlangen. Sondern Tat. Da sein, wo er war und ist, das hei\u00dft, den Herrn deinen Gott lieben, die kleinen und gro\u00dfen Taten der Liebe tun, in denen er sich wiedererkennen k\u00f6nnte. Das ist sein Sinn unseres Lebens. Er glaubt, dass wir das k\u00f6nnen. So reich sind wir geworden. Das ist es, was wir in seinen milden Augen sehen. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Marianne Frank Larsen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK 8000 Aarhus C<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">mfl(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der goldene Horizont | 18.\u00a0Sonntag nach Trinitatis | 08.10.23 | Mt 22,34-46 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0Marianne Frank Larsen | Eine der sch\u00f6nsten Kirchen in Rom hei\u00dft Santa Maria in Trastevere. 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